Gegen die Angst – und die Wahrscheinlichkeit

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal, wie ich endlich wieder gesund wurde, ein Wochenende in Aventurien, wie ich Mut zum Wachstum aufbrachte sowie wie ich begann, mich meiner größten Angst zu stellen.

Letztes Wochenende war ich in Kempen und Köln. Zuletzt hatte ich einen meiner besten Freunde im Juli 2021 gesehen. Viel zu lange her!

Als ich im Dezember vor drei Jahren zu Besuch war, steckte ich in einer akuten Krise. Jetzt war ich wieder ganz gesund. Was für ein Unterschied! An so ein gutes und bewusstes Körpergefühl kann ich mich nicht erinnern. Es muss über 20 Jahre her sein. Wieviel besser und intensiver sich alles anfühlt, wie entspannter alles ist!

Das ist auch wichtig, um meinen Vorsatz von letzter Woche fortzuführen. Es ist bereits ein Erfolg, eine Woche durchgehalten werden. Der erste Eindruck: Tut das weh!

Ich war einige Tage sehr aufgedreht, oft zornig, manchmal traurig. Aber das ist die normale Reaktion, wenn man sich seiner größten Angst stellt und damit eigene Glaubenssätze in Frage stellt. Wie sollte es anders sein? Viel interessanter ist: Jedesmal, wenn ich meinen Absichten treu geblieben bin und etwas gewagt habe, fühlte ich mich danach gut und war friedlich. Ein deutlicheres Zeichen, dass ich das richtige tue, gibt es nicht.

Ein Grund dafür: Ich kann mich nicht daran erinnern, mich so sehr auf mich selbst konzentriert zu haben. Selbst bei der Auszeit schwangen immer Erwartungen im Hintergrund mit. Ich bin wieder bei mir selbst. Und ich bin mir sicher: Wenn ich das hier überlebe, kann ich alles.

Das ist eine würdige Aufgabe, um den Groove zu verwenden. Mehr persönliches Wachstum als jeden Tag über seinen Schatten zu springen geht nicht.

Es ist dabei wichtig, sich die Natur des Spiels vor Augen zu halten: Es geht nicht ums Sammeln. Ein Treffer und es ist zuende. Es gibt keine Abstufung (wenn auch Phasen). Es ist wie ein Lichtschalter, kein Dimmen. Darum wirkt vor dem Treffer die ganze Zeit alles wie ein Misserfolg.

Zum Vergleich: Wie lange dauert es, eine neue Arbeitsstelle zu finden, bei der man sich jeden Tag reinkniet? Dafür kann man durchaus 6 Monate einplanen. Und eine Arbeitsstelle will man eventuell bewusst nach einigen Jahren wieder wechseln.

Dazu ein paar nüchterne Statistiken: Im Internet schreiben je nach Umgebung 1/10 der Leute zurück. Beim Speeddating fand ich 10% Treffer und 2 Treffer pro Person hoch (bei mir waren es ca. 1/55). Es wäre also extrem wichtig, möglichst viele erste Schritte zu tun, die auf Übereinstimmung beruhen, die „gut genug“ ist. Die falscheste Einstellung am Anfang wäre eine romantische, etwa die Idee, „die eine“ zu finden. Es ist also immer eine Wette gegen alle Wahrscheinlichkeiten – aber mit dem Gesetz der großen Zahlen auf der eigenen Seite.

Zeit, sich der nächsten, viel kleineren Angst zu stellen: Was mache ich, wenn sich wochenlang kein nächster Schritt ergibt? Ich hatte zumindest einmal weiteres Interesse geweckt. Wenn ich ein hoffnungsloser Fall wäre, wäre das nicht passiert.

Ich habe noch weitere Optionen: Das Profil ändern, neue Fotos machen und einstellen, andere Plattformen ausprobieren, andere Schritte unternehmen (Speeddating oder andere Veranstaltungen für Singles), den Suchradius erweitern, Geld bezahlen…

Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, umzuziehen, nur weil einige Leute Hoofddorp langweilig finden. Es ist sicherlich ein ruhiger Ort. Aber den Aufwand ins Blaue hinein möchte ich nicht betreiben. Es stellt sich eher umgekehrt die Frage, ob ich mit jemandem zusammen sein möchte, der Leute nach ihrem Wohnort beurteilt.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein neues Hobby, das mich unter Leute bringt, etwa ein Tanzkurs, d.h. als Schritt 0 überhaupt erst einmal viele neue Leute zu treffen. Das ist einerseits weniger fokussiert, andererseits bin ich davon überzeugt, dass ich unter Leuten und in echt viel besser ankomme.

Um es einmal auf die Spitze zu treiben: Wäre ich denn bereits, alles aufzugeben und woanders neu anfzuangen? Ja, warum denn nicht? Liebe ist nicht alles, aber alles ist nichts, wenn man aufgrund der Umstände nicht geliebt werden kann. Ich weiß doch, wie ich in der richtigen Umgebung, mit den richtigen Leuten wirke – warum sollte ich die Chance, das öfters zu erleben, verschwenden? Das hat mir das Wochenende noch einmal gezeigt. Richtig dumm wäre, sich in sein „Schicksal“ zu ergeben (das überhaupt kein Schicksal ist, sondern eine völlig blödsinnige Einstellung).

Einen praktischen Impuls habe ich ebenfalls vom Wochenende mitgenommen: Chicane Sun:Sets Vol 411 enthielt ein sehr schönes Lied, das genau diesen Widerspruch zwischen Leichtigkeit und Rhythmus, diese Energie und damit den Wunsch nach Veränderung ausdrückt, die ich derzeit durchlebe.

Ben Böhmer: Little Lights

Sich der eigenen Angst stellen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal, wie ich endlich wieder gesund wurde, ein Wochenende in Aventurien sowie wie ich Mut zum Wachstum aufbrachte.

Ich habe in der letzten Woche da weitergemacht, wo ich zuvor aufgeführt hatte: Ich habe etwas Neues gewagt.

Ursprünglich wollte ich am Freitag nach der Arbeit ein ganz neues Lied in einer neuen Sprache lernen und zum ersten Mal aufführen, aber es kam etwas dazwischen. Stattdessen ergab sich die Gelegenheit, ein Lied auf Russisch zum ersten Mal auf der Ukulele zu spielen. Zum letzten Mal hatte ich es auf der Guitarlele in Hamburg gespielt vor über neun Jahren. Und das letzte Mal habe ich es für eine ganze bestimmte Person gesungen, im Sommer 2011 in Kiew

Я то, что надо / Ja to shto nado

„Ja to shto nado“ stammt aus dem Film „Stiljagi„, der es mir angetan hat, seit ich ihn im Sommer 2009 in Liberec (Tschechien) zum ersten Mal gesehen habe. Irgendwie hatte ich nie ganz herausbekommen, was die genauen Akkorde waren, da kamen mir plötzlich beim Probespielen einen Abend vorher einige Ideen. Wie es so ist mit der Kreativität: Wenn sie erst fließt, sollte man sie nicht aufhalten!

Was soll ich sagen? Auch der Teil meiner Vergangenheit, in der ich mich intensiver mit der russischen Sprache und Kultur beschäftigt habe, war nicht umsonst. Der Zauber in den Gesichtern der Menschen, wenn man zumindest ein wenig ihre Muttersprache spricht und sie das nicht gewohnt sind, ist das, was Magie auf dieser Welt am nächsten kommt.

Am Samstag habe ich mich den anderen freiwilligen Helfern vom Amsterdam Language Café getroffen. Was für ein gemütlicher Abend mit vielen guten Gesprächen! Zwischendurch waren wir in einem „Escape Room“, also einer Anlage, die man nur durch das Lösen mehrerer Rätsel verlassen konnte. Ich hatte so etwas noch nie gemacht. Dazu kommt, dass ich Zeitdruck nicht gerne habe.

Es ergab sich jedoch eine interessante Situation: Jeder in meiner Gruppe hat etwas zur Lösung beigetragen. Es gab keine unnötige Hierarchie, nur Probleme lösen und gegenseitige Unterstützung. Wir würden definitiv keine guten Horrorfilmcharaktere abgeben! Was für eine angenehme Erfahrung!

Diese zwei Gelegenheiten, bei denen ich mit den offensichtlich richtigen Leuten zusammen war, haben mir noch einmal vor Augen geführt, wie sehr es von meiner Umgebung abhängt, wie ich mich fühle. Was meine Umgebung ist, habe ich dabei viel stärker selbst in der Hand, als ich es bisher dachte.

Wäre das nicht die Gelegenheit, die großen Dinge anzugehen? Da meine Gesundheit wieder da ist, mein Traum vom Reisen und mein Wunsch nach Weiterbildung für dieses Jahr erfüllt sind, wäre Einsamkeit der nächste Schritt.

Meine größte Angst besteht darin, nicht geliebt werden zu können. Das erzeugt wiederum Angst vor Ablehnung. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich die Einsamkeit nicht besiegen können, ohne vorher Dutzende Male zurückgewiesen zu werden. Das kann sogar freundlich geschehen, aber selbst das ist keine Garantie; es kann auch einfach keine Antwort (mehr) kommen. Wie ich es auch drehe und wende: Ich werde mich meiner Angst stellen müssen, sonst werde ich nicht mehr glücklich werden. Und wann, wenn nicht jetzt, wo ich den Groove gerade wiedergefunden habe und wo ich endlich verstanden habe, dass ich nicht den Groove bekomme, weil mir tolle Dinge passieren, sondern genau mir umgekehrt tolle Dinge passieren, weil ich den Groove habe.

Ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht, wie ich die Angst umdrehen kann, und bin bei diesem schönen Satz gelandet:

Ich möchte mir jeden Tag eine neue Chance kreieren, um abgewiesen werden zu können.

  • Ohne diese Chancen, dass etwas schiefgehen kann, kann es auch keinen Erfolg geben.
  • Wenn ich das mache, dann für mich, nicht für jemand anderes oder anderer Leute Erwartungen.
  • Ich muss das nicht. Es ist keine Pflicht. Ich will das nicht. Es ist keine Verbohrtheit. Ich möchte das. Es ist eine Wahl.
  • Es muss eine neue Chance sein, also etwas Zusätzliches, nicht Bestehendes.
  • Diese Gelegenheit muss ich mir schon selbst schaffen, anstatt darauf zu warten, dass sich irgendwie von alleine etwas ergibt.
  • Es geht nicht darum, Abweisungen zu sammeln, sondern die Möglichkeit, dass es passiert. Nur dann gibt es auch die Möglichkeit, dass es anders ausgeht.

Mal sehen, was ich damit konkret anstelle und wie lange ich das durchhalte!

Mut zum Wachstum

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal, wie ich endlich wieder gesund wurde sowie ein Wochenende in Aventurien.

Die Gesundheit ist wieder da und ich frage mich natürlich, was ich jetzt, da das nicht mehr meine größte Sorge ist, mit meinem Leben anfangen soll. Einen mutigen Schritt bin ich schon gegangen:

Ich war wieder beim Speedating, diesmal eine Ausgabe speziell für Ausländer (und international orientierte). Obwohl es eine ähnliche Mischung war, war es eine deutlich bessere Atmosphäre für mich. Ob es daran lag, dass ich mir unbewusst darüber klar, dass von vornherein alle mit der Absicht antraten, zu einer interkulturellen Beziehung bereit zu sein?

Diesmal gab es im Nachhinein Zahlen: 26 Treffer insgesamt aus 17 Frauen und (ich meine) 14 Männern, also 238 Kombinationen. Das wäre eine Trefferquote von mehr als 10 Prozent, was ich sehr hoch finde. Bei mir haben zwei Damen signalisiert, dass sie mich noch einmal wiedersehen wollen, was auch überrraschend viele sind.

Durch diesen Filter zu gehen, hätte ich vorher nicht erwartet. Was so eine solche Anfangsbestätigung in mir für Hoffnungen weckt, was noch möglich ist in meinem Leben! Jetzt hätte ich gerne mehr von diesen Anfangserfolgen oder noch lieber den nächsten Schritt. Es ist schon bekloppt, was das Herz mit einem macht. Eben noch einsam und mit sich selbst beschäftigt und jetzt möchte ich alles auf einmal.

Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, was das mit mir ausgelöst hat. Ich hatte Angst, enttäuscht oder verletzt zu werden – was ja durchaus nicht unrealistisch ist, es ist mir ja schon passiert. Und ich hatte Angst, den Groove wieder zu verlieren, denn verliebt war ich meistens unglücklich und dann fühlte mich kraft- und hilflos. Und gleichzeitig sagte ich mir überraschend ruhig, dass das die richtige Art von Verletzbarkeit ist, die ich außerdem bewusst und selbst gewählt habe.

Mit ein wenig Nachdenken bin ich mir auch wieder bewusst geworden, wie viele Dinge ich richtig gemacht habe und wie viele hätten schiefgehen können, es aber nicht sind. Ich sollte viel mehr experimentieren und ausprobieren.

Ich bekam heute noch Rückmeldung von einer Freundin, die mir sagte: „Du darfst mit Dir Geduld haben. Du musst nicht heute Deine Gesundheit wiedergewonnen haben und morgen einen Partner finden.“ Das ist richtig und tat sehr gut zu hören!

Eine andere Freundin, die in der IT arbeitet, teilte mir überraschend noch mit, dass ich überhaupt kein IT-Typ sei. Und das etwa ein halbes Jahr, nachdem ich die IT verlassen und damit meinen bisherigen Lebensweg als Softwareentwickler mit Diplom und vielen Jahren Berufserfahrung verlassen habe. Das nehme ich als Zeichen, dass ich in mancherlei fundamentaler Hinsicht ganz anders bin und ganz anders sein kann, als ich immer dachte.

Mit einem weiteren mutigen Schritt möchte ich heute schließen. Beim Amsterdam Language Café war wieder ein niederländischer Abend. Und ich habe meinen alten Traum wahrgemacht und dort ein Lied auf Niederländisch gesungen:

Guus Meeuwis & Vagant – Het Is Een Nacht (Levensecht)

Ich kannte dieses Lied von einer deutsch-niederländischen Hochzeit 2008 und hatte mindestens seit 2018 die Idee, es zu lernen. Jetzt habe ich endlich alle meine Ängste besiegt und es vor einem größeren Publikum gespielt. Und es fühlte sich so leicht an.

Was auch immer passieren mag: Ich möchte mich weiterhin selbst herausfordern, um zu wachsen.

Ein Wochenende in Aventurien

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal sowie wie ich endlich wieder gesund wurde.

Vorletztes Wochenende habe ich das beste gemacht, was ich ohne in ein neues Land zu reisen konnte: Ich war auf einem Fantasywochenende, genauer gesagt dem Allaventurischen Konvent der DSA-Briefspieler auf Burg Rieneck im Spessart. Ich hatte seinerzeit darüber gebloggt, wie es 2014 war, und Anfang Februar bereits ein Wochenende wie früher mit einigen der Teilnehmer erlebt.

Diese Art von Wochenende hat mir gerade in den letzten Jahren besonders gut getan: Das lange Wochenende im Mai mit einer anderen Runde war sehr gut und inspirierend und mit jenen Leuten erlebte ich vor einem Jahr ein wunderbares Wochenende.

Dieses Mal war bereits die Zugfahrt sehr gut: Ich hatte mir eine Idee für einen (umgedichteten) Liedertext mitgenommen, die zunächst nur aus einigen Fragmenten bestand, und schrieb den gesamten Liedertext während der Fahrt. Bereits vor drei Jahren hatte ich einen Liedertext zuende geschrieben, was mich sehr glücklich gemacht hatte.

In Gemünden am Main, meinem letzten Umstieg, hatte ich ca. 45 Minuten Zeit. Ich ging ins Café am Bahnhof und hatte wieder meine portugiesische Tenorukulele dabei. Die Bedienung machte große Augen und sprach mich an. Ich erzählte gerne mehr über das Instrument, zeigte es – und bekam sogar einen kostenlosen Kaffee! So habe ich eine längere Wartezeit am Ende äußerst kurzweilig verbracht und jemanden noch zum Staunen gebracht. So macht das Leben Spaß!

Auf der Burg angekommen, freute ich mich darüber, einige Freunde nach drei Jahren endlich wiederzusehen. Was fiel die Begrüßung herzlich aus!

Ich merke übrigens sehr deutlich, was es für einen Unterschied macht, dass ich wieder ganz gesund bin. Ich spüre meinen Körper wieder so wie seit über 20 Jahren nicht mehr.

Das konnte ich auf dem Kon ganz bewusst ausleben. Ich war verletzlich, staunend, fröhlich – wie ein kleiner Junge. Ich bekam auch nach dem ersten Abend die Rückmeldung, dass man das auch sah, dass ich voll mitging.

Es gab soviel zu erleben und zu bereden. Ich blieb am Freitag bis 4 Uhr morgens auf und schlief nur 4 Stunden. Normalerweise grummelt dann am nächsten Tag mein Magen und ich hänge in den Seilen. Tatsächlich ging es mir unglaublich gut – wie seit über 20 Jahren nicht mehr…

Eine Sache merkte ich: Es zahlte sich aus, auf meinen Körper zu hören. Zum Beispiel sagte er mir beim Essen: Das ist alles lecker, aber eine Portion reicht mir! Du muss Dir nicht noch nachnehmen. Da wurde mir bewusst, wie oft ich mein gesamtes Körpergefühl ausgeblendet hatte, vor allem über die Sinneseindrücke beim Essen und Trinken gespürt hatte, dass ich lebendig war, und deswegen oft mehr gegessen hatte, als ich eigentlich brauchte. Eine sehr wichtige Erkennntnis!

Am späten Nachmittag spielte ich Ukulele in der Kneipe und sang. Meine eigene Stimme gefiel mir wieder. Ich war ganz bei mir selbst, als ich sang!

Ich bekam sogar Komplimente von anderen Musikern. Als ich erklärte, dass ich die Lieder von anderen Künstlern übernommen habe, die auch sehr gut singen, bekam ich eine weitere wertvolle Rückmeldung: Ich solle mich nicht kleiner machen als ich bin. Hier und jetzt in dieser Kneipe sei ich der beste Sänger. Das ging mir runter wie Öl! Außerdem bekam ich noch ein alkoholfreies Bier ausgegeben.

Ein persönlicher Höhepunkt am Abend war noch das Gespräch mit einer Freundin. Danach war ich so zufrieden, dass ich in Ruhe schlafen gehen konnte.

Ich war völlig aufgetankt mit Energie und guter Laune nach diesem Wochenende. Vor allem bin ich nicht in ein emotionales Loch gefallen, als ich wieder nach Hause gekommen bin. Stattdessen habe ich an dem Briefspiel-Wiki weitergearbeitet und tatsächlich eine Aufgabe gelöst, von der ich vorher gar nicht wusste, dass sie technisch möglich ist. Ich habe meine Arbeit bereits einigen Leuten gezeigt und sie waren sehr angetan davon. Ich bin in dieser Hinsicht mit mir zufrieden und mir bewusst, dass ich wieder ein Stück persönlich gewachsen bin.

Der Morgen ist da

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Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte sowie Portugal.

Man sollte meinen, nachdem ich den halben Oktober unterwegs war, könnte es ja nicht mehr besser werden. Weit gefehlt!

Doch zuerst zum Abschluss meines Urlaubs: Gerade aus Lissabon zurückgekehrt, fuhr ich am vorletzten Freitag nach Delft auf ein Esperantotreffen. Hier sah ich viele Freunde wieder, mit denen ich im Sommer in Brabant gewesen war. Diesmal hatte ich meine portugiesische Tenorukulele eingepackt und spielte spät in der Nacht sogar Het is een nacht von Guus Meeuwis auf Niederländisch.

Der Ort – Het Kruithuis – hatte eine besondere Bedeutung für mich: Hier war ich bereits zweimal auf früheren Ausgaben derselben Veranstaltung gewesen. 2012, mitten in der letzten Krise, und 2016, als ich voller Hoffnung war. Es war interessant, denn es kam mir alles viel vertrauter und weniger überwältigender vor.

Ich kehrte am Samstag noch in das Café Huszár ein (ein ungarischer Name!). Beim ersten Mal vor 10 Jahren konnte ich noch kein Niederländisch und war froh über die geduldige und freundliche Bedienung. Vier Jahre später fühlte ich mich schon sicherer. Jetzt war es ein Heimspiel. So kann die Welt auf positive Weise zusammenschrumpfen!

Das Wochenende hat mich noch einmal daran erinnert, was mir wichtig ist und welche Leute und welche Umgebung mir gut tun.

Eigentlich sollte ich traurig sein, dass die Zeit des Reisens erst einmal vorbei ist. Aber im nachhinein habe ich mich selbst aus dem Jahr Auszeit übertroffen: Diesmal ist es mir gelungen, aus meinem Alltag auszubrechen und eine entscheidende Veränderung in meinem Leben zu erreichen.

Letzten Donnerstag bekam ich dann die Nachricht: Ich bin wieder vollkommen gesund. Ich hatte zu Beginn der Auszeit eine ähnliche Situation über meine Gesundheit. Was soll ich sagen? Das ist die beste Neuigkeit dieses Jahres und mein größter persönlicher Erfolg.

Es war ein langer Weg, den ich mit Geduld bis zum Ende gegangen bin. Vor einem Monat war der Morgen nahe. Jetzt ist es soweit: Der Morgen ist da. Die lange Nacht, die über mein Leben gekommen war und die vier Jahre lang angedauert hatte, sie ist endlich vorüber.

Sizilien – Malta – Berlin

Galerie

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Io, vagabondo che son io Vagabondo che non sono altro Soldi in tasca non ne ho Ma lassù mi è rimasto Dio – I Nomadi & Claudio Baglioni: Io Vagabondo Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn … Weiterlesen

Geburtstag alleine im Ausland

„Certe notti la strada non conta
E quello che conta è sentire che vai
Ligabue: Certe notti

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Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist.

Heute ist mein Geburtstag, und wenn ich lese, was ich letztes Jahr und vor zwei Jahren gebloggt habe, dann finde ich beachtlich, welche Wegstrecke ich in einem Jahr zurückgelegt habe. Es tut mir heute nicht einmal weh, zu lesen, was ich mit 40 schrieb.

In der letzten Woche haben sich viele Kreise geschlossen. Ich habe meine Pläne von Anfang 2020 endlich in die Tat umgesetzt und bin in ein neues Land gereist – das erste in fast 8 Jahren! Im nachhinein erscheint es mir unerklärlich, wie ich mich nur so lange davon abhalten lassen konnte. Ich habe einen wichtigen Ort meiner Vergangenheit besucht und – ohne dass ich vorher wusste, dass es geschehen würde – einen Teil von mir wiedergefunden. Und ich habe heute im Meer gebadet – so wie an meinem Geburtstag 1999, als ich halb so alt war wie jetzt.

Der alte Traum, alle Länder Europas zu sehen, er lebt weiter, und wahrscheinlich bin ich deswegen heute so zufrieden mit mir. Ich bin mir endlich wieder selbst treu geblieben. Ich habe mir vor dem Flug noch einen neuen Haarschnitt gegönnt, was ein wichtiges Zeichen dafür war, dass ich auf meine eigenen Bedürfnisse achte. Auch eine komplizierte und eng kalkulierte Reiselogistik und eine etwa zweistündige Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle konnten mich nicht aufhalten. Was ich alles erlebt habe, werde ich in den nächsten Wochen genauer aufschreiben. Tollerweise habe ich in zwei Wochen erneut Urlaub. Die Zeit ist jetzt.

Wie Ligabue es so treffend ausgedrückt hat: In manchen Nächten kommt es nicht auf die Straße an, sondern darauf, zu spüren, dass Du gehst. Das ist eine der wichtigsten Botschaften des vergangenen Lebensjahres und diene mir als Weisung für das neue.

Der Morgen ist nahe

„Feel it in your heart and in your soul
Let the music take control“
Lionel Ritchie: All Night Long

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Wie kann ich den Groove bewahren, wenn ein höheres Stressniveau droht? Drei Dinge, mit denen ich zuletzt gegengesteuert habe:

Ich habe die Operation Augias vorangetrieben: Ich habe ein Saz (türkisches Saiteninstrument; reine Dekoversion) und zwei DVDs verschenkt. Das war für mich ein Schritt dahin, dass ich aus einem früheren Teil meines Lebens loswerde, was mir in einem neuen Leben nicht mehr nützen würde.

Ich habe mich aktiv um meine Gesundheit gekümmert und war in den letzten Tagen zweimal beim Zahnarzt und einmal beim Hausarzt. Das war für mich ein wichtiges Zeichen gegen Selbstvernachlässigung.

Am Sonntag war ich im La Boutique del Caffè. War ich beim ersten Besuch bereits verzaubert, hatte ich diesmal die Gelegenheit, dreieinhalb Stunden Italienisch zu sprechen mit einem Paar, das sehr freundlich und sehr geduldig mit mir war. Ich bin weit enfernt von dem Niveau, das ich 1999/2000 in meiner Zeit in Catania auf Sizilien hatte, aber besser, als ich erwartet hatte – irgendwo zwischen A2 und B1. Was habe ich mich gefreut, dass die beiden mir das zugetraut haben. Ich spürte meine Grenzen, es war also eine würdige Herausforderung, und gleichzeitig fühlte es sich so gut an, denn ich habe die Grenzen der letzten Jahre durchbrochen. Das war eine Erinnerung daran, wer ich einmal gewesen bin und wer ich wieder sein könnte. Ein Rückblick auf die Vergangenheit muss nicht nostalgisch oder schmwerzvoll sein. Er kann auch ein Fingerzeig in die Zukunft sein.

Die lange Nacht, die vor einigen Jahren über mein Leben gekommen ist, sie könnte endlich zuende gehen. Ich wage es kaum zu glauben.