Amsterdam – Frankfurt – Paris

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Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen: Q2/2020 / Q3/2020 / Q4/2020 / Q1/2021 Q2/2021 / Q3/2021 / Q4/2021 / Q1/2022 Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der … Weiterlesen

Bis ans Meer und zum Flughafen

„Und dann beim ersten Mal / Als wir am Meer waren /
War es kalt und neblig / doch das störte nicht“
– Klee: Tausendfach

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war sowie einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr.

Am Sonntag war der 1. Mai und damit der erste Tag meiner neuen Stelle. Irgendwo in meinem Unterbewusstsein fühlte ich wohl die Angst, gefangen in den Umständen zu sein und nicht mehr ausbrechen zu können. Jedenfalls bekam ich eine große Lust, eine Fahrradtour zu machen. Es war hervorragendes Wetter – sonnig und nicht windig.

Da dachte ich an eine Idee, die ich schon vor Monaten vorgehabt hatte, als ich einmal auf die Karte der Niederlande geguckt hatte: Ich wohne etwa 17 km vom Meer entfernt. Warum war ich eigentlich in über sechseinhalb Jahren noch nie mit dem Fahrrad bis ans Meer gefahren? Ich hatte mir diesen verrückten Traum im Hinterkopf gespeichert, aber nie konkret in Angriff genommen. Das Wetter war zu schlecht, es war draußen zu früh dunkel, mein Fahrrad war nicht in Schuss, ich war immer so müde… aber jetzt war das Wetter gut, es blieb draußen lange genug hell, mein Fahrrad war in Ordnung und ich war wieder einigermaßen fit.

Es könnte natürlich viel passieren. Ich könnte einen Platten haben und mitten unterwegs gestrandet sein. Oder plötzlich kommt ein Platzregen und ich bin falsch angezogen (schon erlebt!). Oder ich verfahre mich total.

Aber dann musste ich auch an Christo Foerster und seine Abenteuer denken. Wenn nichts schiefgehen kann, ist die Erfahrung nichts wert! Die Möglichkeit zu scheitern ist Grundvoraussetzung dafür, dass etwas als bereichernd empfunden wird.

Also machte ich mich auf den Weg. Zuerst bis zur Eisdiele, die ich noch eine Woche vorher mit dem Rad besucht hatte. Das fühlte sich allerhöchstens wie ein Aufwärmen an. Ein sehr verheißungsvolles Zeichen! Dann ging es weiter, ich verfuhr mich kurz und entdeckte dadurch einen schönen Radweg. Schließlich sah ich zwar Dünen, aber irgendwie stimmte die Richtung nicht. Ich schien mich verfranzt zu haben. Ich wollte schon umkehren, guckte dann aber noch einmal auf die Karte. Ich war schon ganz nahe!

Und dann, als ich mich dem Fahrrad plötzlich das Meer sah, da war es wie eine Mischung aus dem Lied „Tausendfach“ von Klee und dem Film „Knockin‘ On Heaven’s Door„. Ich sah das Meer, als ob es das erste Mal wäre. Als ob ich gerade eine Filmszene sah, die durch einen Filter geschickt wurde und nebenbei romantische Musik ertönte.

Digital Elvis & Zero – Theme For Elvis Instrumental

Kurioserweise kamen gleichzeitig alte Erinnerungen hoch – Phantomschmerzen aus der Zeit, als ich das letzte Mal am Meer war und der Zeit davor, aus der die Fotos auf dem alten Laptop stammten.

Und gleichzeitig war es so, als würde das Meer mich freundlich fragen: „Warum kommst Du erst jetzt? Du hättest mich viel früher besuchen können. Das war doch ganz leicht für Dich.“

Mich überkam eine ganz merkwürdige, leichte Stimmung. Ich fühlte mich wie auf meinem Jugendstil-Rundgang im Kreuzviertel in Münster zu Beginn meiner Auszeit. Aber diesmal war keine Traurigkeit oder Bitterkeit dabei. Ich konnte den leichten Wind genießen, die Musik aus den Restaurants in der Nähe sowie alles, was ich sah. Ich musste nicht einmal schnell ein Ziel erreichen, etwas tun, nützlich sein. Ich konnte in dem Moment leben. Das war ein Teil des Grooves!

Ich hatte eine alte Schranke durchbrochen, die mich von nun an nie mehr zurückhalten musste. 17 Kilometer ans Meer? Kein Problem! Auf dem Rückweg wurde ich sogar übermütig: Warum nicht – wie einige Male in den letzten zweieinhalb Jahren – eine Radtour zum Flughafen Schiphol? Dann wären es rund 50 km an einem Tag. Ich könnte ja immer noch vorher umdrehen, wenn es zuviel würde.

Aber es wurde nicht zuviel. Mir tat nichts weh, ich wurde nicht müde, ich fühlte mich so kräftig und fit wie seit Jahren nicht mehr. Als ich am Flughafen stand, da war ich glücklich, denn ich hatte mir eines selbst gezeigt: Ich brauche keine Angst zu haben, dass ich hier gebunden bin durch die Umstände. Wenn ich nicht mehr will, kann ich einfach aus allem ausbrechen. Ich schaffe es aus eigener Kraft ans Meer und bis zum Flughafen.

Das war genau das richtige, das ich machen musste vor meinem ersten Arbeitstag. Ich habe dazu noch eine weitere Antwort gefunden auf die Frage nach Angst, die mich begrenzt: „Was wäre möglich, wenn Du diese Angst nicht hättest?“

Ich hätte keine Angst, einen Teil dessen zu verlieren, der ich einst war, und wäre nicht darüber besorgt, wer ich jetzt nicht bin, und einzig aufgeregt und neugierig darauf, wer ich werden kann.

Ein zweiter Lernerfolg

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst sowie wie ich Ostern nicht alleine war.

Heute habe ich die nächste Prüfung bestanden: Professional Scrum Product Owner II (PSPO II). Dieses Zertifikat gibt es seit Juli 2016. (Stand 01. April haben es 4.569 Leute.)

Die Vorbereitung bestand aus zwei Monaten täglichem Lernen. Ich habe direkt nach der letzten Prüfung angefangen. Insgesamt habe ich also ein ganzes Quartal am Stück gelernt. Damit habe ich Ende April dieselbe Anzahl an bestandenen Prüfungen wie letztes Jahr insgesamt.

So wird es natürlich nicht weitergehen – das kann und möchte ich nicht. Es war mir wichtig, diese Prüfung zu bestehen, und auch, das vor meinem beruflichen Wechsel noch in trockenen Tüchern zu haben. Denn nächsten Monat geht es tatsächlich wieder auf Reisen, sogar außerhalb Deutschlands und der Niederlande!

Ein Gefühl von Urlaub hatte ich bereits am Samstag, als ich zusammen mit Kollegen den Blumenkorso Bollenstreek angesehen habe, wie er in Heemstede vorbeifuhr. Ich aß das erste Eis dieses Jahr und dazu von der Eisdiele, die ich letzten Sommer entdeckt habe. Was für ein herrliches Gefühl! Dass ich mich bei „normalen“ Situation so außergewöhnlich fühle, zeigt mir, wie einsam ich bin.

Heute war frei, da Königstag ist. Zum ersten Mal seit drei Jahren war der übliche Trubel. Aber für mich war es kein Vergleich zu 2015 in Utrecht. Ich hatte eines meiner orangefarbenen T-Shirts an und schlenderte einmal über den Flohmarkt in Hoofddorp, aber es packte mich nicht auf dieselbe Weise wie früher.

Tatsächlich war es die Prüfung, die mich richtig gefesselt hatte. Zu merken, was mir selbst wichtig ist und das dann zu tun, war eine wichtige Erfahrung.

Passend dazu fand ich in den letzten Tagen ein 20 Jahre altes Lied wieder. Damals fand ich es „ganz ok“, heute finde ich es ziemlich schön.

Vanessa carlton: A Thousand Miles

Die Zeile „Ich würde 1000 Meilen gehen, um bei Dir zu sein“ löst tatsächlich etwas in mir aus. Ich glaube, dass mir in erster Linie nicht jemand anders fehlt, sondern vor allem ich mir selbst. Um wieder bei mir selbst zu sein, würde ich auch 1000 Meilen gehen. Der heutige Tag war ein weiterer Schritt auf dem Weg.

Ostern – nicht alleine

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam sowie Selbstliebe statt Angst.

Was für ein Unterschied: Während ich letztes Jahr Ostern alleine war, konnte ich diesmal wie selbstverständlich nach Deuschland reisen. Dort habe ich:

  • gemeinsam das Ende der Fastenzeit gefeiert – und als erste Süßigkeit Schokolade aus der Ukraine genossen
  • die große Familie wiedergesehen
  • Kaffee und Kuchen genossen
  • ein ernstes Gespräch bei einem Spaziergang geführt

Was hat mir das alles gut getan! Wann habe ich zuletzt ein so unbeschwertes Osterfest erlebt? Vor fünf Jahren? Oder sogar noch früher?

Nebenbei bin ich noch vier Bücher losgeworden. Gleichzeitig habe ich fast einen Koffer voller Bücher von Nordwalde nach Hoofddorp mitgenommen. Die Operation Augias geht weiter!

Selbstliebe statt Angst

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam und wie ich mich zu Hause und wieder lebendig auf dem Amsterdam Language Café fühlte. Daran anknüpfend fragte ich mich, wie ich dieses Gefühl häufiger haben könnte.

Einen ersten Fingerzeig gaben mir zwei Veranstaltungen der letzten Tage. Am Freitag war ich erneut auf dem „Agile Learning Lab Berlin“. Ich sprach mit jemandem über den Wert von emotionaler Reife und die emotionale Reise, die man als Führungskraft zurücklegen muss. Führungskraft meine ich nicht im Sinne von „Macht über andere ausüben“ sondern „andere folgen einem, weil sie es wollen“. Als ich sehr offen über meine Angst sprach, bekam ich eine interessante Fragestellung mit auf den Weg gegeben: „Was wäre möglich, wenn Du diese Angst nicht hättest?“

Meine erste spontane Antwort im Kopf war: Ich würde tun, was ich für richtig halte. Ich würde einfach unbeirrt meinen Weg gehen.

Die Frage ist so gut, dass ich sie im Hinterkopf behalten möchte. Wer weiß, was ich noch für Antworten finde!

Am Dienstag war ich erneut auf einer Veranstaltung zum Thema Befreiende Strukturen (Liberating Structures). Diesmal war erneut Troika Consulting an der Reihe, bei dem ich ja bereits lebensverändernde Einsichten gewonnen hatte.

Die Bemerkung, die mich diesmal aufhorchen ließ, war eine auf den ersten Blick ganz kleine, harmlose: Ich mache anscheinend sehr viel. Bevor ich darüber nachdenke, wie ich unbedingt noch weitere Sachen anleiere, dürfe ich zuerst auch einmal nett zu mir sein. Was für eine treffende Bemerkung – und eine gute Erinnerung daran, Selbstfürsorge zu üben. Ich hatte es kurz zuvor noch erlebt, wie schwer es mir fiel, mich einmal hinzusetzen und meine Urlaubstage einzureichen, obwohl die mir doch zustehen. Das hatte ich schon einmal!

Heute war nach mehreren kalten Tagen wieder richtiges Frühlingswetter und ich fühlte diese Stimmung, die mich so oft im Frühling überkommt: Eine innere Unruhe und Aufregung – einerseits die Hoffnung, dass Veränderung möglich ist, und gleichzeitig die Ungeduld, sie endlich zu erleben.

Irgendwie kam ich während des Tages auf das Lied „Love You Like Mad“ von U2. Das hatte mir schon damals gefallen, als ich es zum ersten Mal entdeckt hatte. Es war 2000 aufgenommen worden, aber lange Zeit nicht offiziell erscheinen. Ich hatte es auf meine alternative Version des Albums „All That You Can’t Leave Behind“ gepackt. Die Rohheit, die Unperfektion, der rockige Gitarrenriff im Refrain und gleichzeitig diese eine voller Inbrunst gesungene Zeile – das finde ich alles unglaublich attraktiv und passend für mich selbst. So möchte ich auch wieder werden: Nicht glattgeschliffen, absichtlich nicht perfekt, dafür ein wenig rockiger und voller offen ausgelebter Leidenschaft.

„Love You Like Mad“

Für einen kleineren Gang nach draußen habe ich meine alte, inzwischen sehr gebrauchte Lederjacke angezogen. Ich fühlte mich wieder so in mir selbst zu Hause. Wer weiß, was ich noch erreichen kann?

Zuviel Zeit ist vergangen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Ich habe es ja mit Daten und Jahrestagen. Es entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie, dass ich ausgerechnet am 1. April – genau zwei Jahre nach Beginn meiner Suche – den Groove wiedergefunden habe.

Am Freitag abend fand zum ersten Mal seit zwei Jahren das Amsterdam Language Café statt. Ich war auch beim letzten Mal vor der Zwangspause noch dabei. Der Organisator zeigte deutlich, wie sehr ihm das gefehlt hat – und damit war er nicht alleine! Ich sprach fünf verschiedene Sprachen über den Abend verteilt (Deutsch, Englisch, Niederländisch, Italienisch, Russisch), von einzelnen Sätzen in anderen Sprachen mal abgesehen. Ich fühlte mich wie zu Hause in dieser internationalen Atmospähre, so elegant, wie ich mich mit vielen verschiedenen Leuten verständigen konnte – und lebendig, nachdem ich jahrelang wie tot gewesen war.

Die Veranstaltung fand im Café Belcampo in den Foodhallen statt. Im Obergeschoss gab es in drei Runden noch eine Probelektion Salsa von Swing latino. Ich hatte erst gar nicht vorgehabt, teilzunehmen, machte dann aber doch mit. Ich war erst nervös und ängstlich. Aber dann dachte ich an diesen Satz aus dem Lied „Everybody’s Free To Wear Scrunscreen“: Tue jeden Tag eine Sache, vor der Du Angst hast. Das ist sehr wichtig für persönliches Wachstum. Hinterher hörte ich von einer Dame, dass wie jemand mit Erfahrung gewirkt habe. Dass ich ein völliger Anfänger war, haben also nicht alle gemerkt. Eine sehr wichtige Lektion! Ob es daran lag, dass ich viel gelächelt und mich einfach gefreut habe?

So ist das also, wenn ich den Groove wieder habe. Ich brauche nicht einmal glücklich verliebt zu sein, um mich toll zu fühlen.

Jetzt will ich nur eines: Dieses Gefühl wieder haben!

Es waren zwei Lieder, die meine Lebensfreunde nach diesem Abend ausdrückten:

Eine Coverversion, dessen Original mir schon früher über den Weg gelaufen war und das ich kurioserweise auch in einer akuten persönlichen Krisensituation verwendet hatte.

Don Fardon: I’m Alive!

Das zweite ist ein Lied auf Esperanto von Martin Wiese, dessen Musik mich schon lange begleitet und für mich eine besondere Bedeutung hat. In diesem besingt er, dass zuviel Zeit vergangen ist, seit Du sozusagen auf die Piste gegangen und einmal richtig abgefeiert hast.

Martin & la talpoj: Tro longe

Du kannst nicht vor Dir selbst weglaufen

Übermorgen ist es genau zwei Jahre her, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe – und acht Jahre seit dem Beginn meiner Auszeit.

Sieben Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Was habe ich in den letzten drei Monaten des zweiten Jahres meiner Suche erlebt? Das tollste Erlebnis war ohne Zweifel ein Wochenende wie früher. Das schlimmste Ereignis ist natürlich der Krieg in der Ukraine.

Abgesehen davon war es ein Quartal voll des Lernens und der Veränderung. Ich habe einen weiteren Lernerfolg erzielt. Aber noch wichtiger waren die emotionalen Lehren: Ich bin mir falscher Scham bewusst geworden und habe umgekehrt Angst als wertvollen Ratgeber anerkannt.

Das neue Jahr begann mit einem Traum. Ich erkannte den Wert darin, den Fokus auf mich selbst aufrechtzuerhalten. Ich bin bereit, einen Teil meines alten Lebens schöpferisch zu zerstören, damit ein neues beginnen kann. Ich habe begonnen, mein Leben wieder aktiv zu gestalten. Ich blieb meinen Träumen treu. Ich kam in mehreren Schritten weiter, bis es Gewissheit wurde: Ab Mai breche ich zu neuen beruflichen Ufern auf.

Ich hatte mir diese Veränderung für das erste Halbjahr vorgenommen. So oder so hätte ich bis Ende Juni eine Entscheidung treffen können. Dass ich das jetzt schon unter Dach und Fach gebracht habe, ist natürlich sehr gut.

Eines möchte ich in meiner zukünftigen Rolle als Agile Coach beherzigen: „Heile Dich selbst, bevor Du andere Menschen zu retten versuchst.Sich zuerst selbst retten ist ganz wichtig, um sich nicht selbst zu vernachlässigen.

Ein erster Schritt auf diesem richtigen Weg: Mir ist in diesen Tagen ein weiteres Prinzip bewusst geworden, nachdem ich lange Zeit unbewusst gelebt habe: „Sei immer härter zu Dir selbst als das Leben zur Dir ist, dann kann Dich nichts mehr umhauen!“ Das ist natürlich völliger Blödsinn, denn dann haut man sich in schlechten Zeiten selbst andauernd um! Die ganze Wahrheit lautet:

„Wenn Du immer härter zu Dir bist als das Leben zu Dir, dann kann Dir nichts mehr weh tun als Du Dir selbst.“

Warum es ganz im Gegenteil zu dieser Einstellung sogar sehr wichtig ist, gegenüber sich selbst gnädig zu sein: Mit niemand anderem verbringt man mehr Zeit. Ein Spruch, der mir in den letzten Monaten immer wieder eingefallen ist:

Du kannst nicht vor Dir selbst weglaufen.

Nichts, was ich tue, wird daran etwas ändern. Also sollte ich das als eine Prämisse nehmen für alles, was ich mit meinem Leben anstelle.

Abschließen möchte ich dieses Blogquartal mit einer Coverversion, die sehr gut meine gegenwärtige Stimmung wiedergibt: Etwas beschwingt und optimistisch.

Andrew and Sally Acoustic Duo (Blue Planet Entertainment): Higher Love

Auf zu neuen beruflichen Ufern

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sieben Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie das neue Jahr mit einem Traum begann, Zuversicht im neuen Jahr, die schöpferische Kraft der Zerstörung, Platz für Veränderung, wie ich den Träumen treu blieb, ein Wochenende wie früher, wie ich zwei Schritter weiter kam, falsche Scham, den Krieg in der Ukraine, einen weiteren Lernerfolg sowie Angst als wertvoller Ratgeber.

Eine Veränderung, auf die ich seit Monaten hingearbeitet habe, wird Wirklichkeit. Ich hatte es zwischendurch schon mehrfach angedeutet. Jetzt kann ich es schreiben, denn seit gestern ist es offiziell: Ich werde mich nach 1,5 Jahren zum zweiten Mal beruflich neu orientieren und erneut intern wechseln. Es ist allerdings das erste Mal in meinem Leben, dass ich auf eine Stelle wechsele, deren Schaffung ich überhaupt erst (mit) in die Wege geleitet habe.

Kurz, bevor es ernst wurde, überkam mich ein wenig Angst vor der eigenen Courage. Das machte aber nichts, denn ich hatte das schon erwartet. Das erinnerte mich an die Unruhe vor dem Jahr Auszeit.

In mir herrscht die erwartete Mischung aus Vorfreude und Besorgnis, ob das denn gut gehen wird. Mit anderen Worten: Ein gutes Zeichen, dass sich etwas im Leben positiv verändert!

Ich hätte bereits am 1. April anfangen können, habe dann aber den 1. Mai ausgemacht, um alle bisherigen Pflichten übergeben zu können und einen sauberen Schnitt zu machen. Und wer weiß, vielleicht geht sogar noch einen Kurzurlaub Ende April…

Der Frühling ist seit zwei Tagen da, und ich fühle mich, als würde der Winter, der seit vier Jahren in meinem Leben ist, endlich zuende. Ich wage es kaum zu glauben.

Angst als wertvoller Ratgeber

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sieben Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie das neue Jahr mit einem Traum begann, Zuversicht im neuen Jahr, die schöpferische Kraft der Zerstörung, Platz für Veränderung, wie ich den Träumen treu blieb, ein Wochenende wie früher, wie ich zwei Schritter weiter kam, falsche Scham, den Krieg in der Ukraine sowie einen weiteren Lernerfolg.

In der vergangenen Woche habe ich erneut an einer Veranstaltung über Befreiende Strukturen (Liberating Structures) teilgenommen. Das mache ich deutlich häufiger als ich darüber blogge. Nachdem ich Ratschläge fürs Leben bekommen hatte, hatte ich bei anderen Gelegenheiten meine eigene Aufgabe erkannt, verstanden, was ich bereits erreicht habe sowie neue Einsichten über Stress gewonnen.

Diesmal war sogar Henri Lipmanowicz, einer der beiden LS-Autoren, anwesend. (Den anderen, Keith McCandless, hatte ich ebenfalls bereits auf einer Veranstaltung erlebt!)

Es ging eigentlich um ein anderes Thema, das ich grob mit „Was ist notwendig für größere Veränderung in einer Gruppe von Menschen?“ umreißen würde. Interessant für diesen Blogeintrag ist jedoch die Erkenntnis, die ich als letztes mitnahm:

„Achte darauf, wo Deine Angst ist. Das ist ein guter Hinweis auf eine Gelegenheit für persönliches Wachstum!“

Ich habe die letzten Monate besonders darauf geachtet, wann es mir gut geht und was mich unnötig auslaugt. Das ist aber nicht das Ende aller Ängste. Das ist eine Bedingung dafür, mich den verbliebenen Ängsten zu stellen, sie nicht mehr wegzudrücken oder zu ignorieren.

Angst an sich ist nämlich nicht schlecht. Ich hatte schon über gesunde Angst geschrieben. Angst kann ein wertvoller Ratgeber sein, wenn man sich nicht von ihr in ihren Bann ziehen oder lähmen läßt. Angst ist, gerade wenn sie einen nicht überkommt oder nur diffus im Hintergrund wabert, ein guter Indikator dafür, wo man noch nicht aufgeräumt hat, noch nicht mit sich im reinen ist, sich vielleicht etwas nicht eingestanden hat.

Dahin zu gehen, wo die Angst ist, hatte ich als Idee auch aus verschiedenen Videos von Christo Foerster mitgenommen. (Er selbst zitiert jemand anderen; ich kann aber spontan nicht mehr einer der Stellen finden, an denen er es sagt.)

Oder wie es Miraculix bei „Asterix und die Normannen“ sinngemäß sagt: Nur wer sich seiner Angst stellt, kann mutig sein.

Ein weiterer Lernerfolg

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sieben Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie das neue Jahr mit einem Traum begann, Zuversicht im neuen Jahr, die schöpferische Kraft der Zerstörung, Platz für Veränderung, wie ich den Träumen treu blieb, ein Wochenende wie früher, wie ich zwei Schritter weiter kam, falsche Scham sowie den Krieg in der Ukraine.

Nach dem, was ich letzte Woche geschrieben habe, muss alles andere trivial erscheinen. Also versuche ich gar nicht erst, ein großes Thema zu finden, sondern wähle absichtlich ein kleines, das mir trotzdem viel bedeutet.

Ich hatte für mich erkannt, dass persönliches Wachstum gerade in schlechten Zeiten nicht nur möglich, sondern wichtig ist. Auch wenn es sich nicht notwendigerweise darin ausdrückt, waren zwei Lernerfolge im letzten Jahr wichtige Meilensteine für meine berufliche Weiterbildung.

Vorletzten Sonntag habe ich die nächste Prüfung bestanden: Professional Scrum with Kanban (PSK I) („Professionelles Scrum mit Kanban“). Dieses Zertifikat gibt es seit Ende April 2018. (Stand 01. Februar haben es 3.710 Leute.)

Für mich ist das deswegen ein wichtiger Schritt raus aus der persönlichen Krise, weil ich mich noch darin erinnern kann, wie ich Ende 2019 von dieser Prüfung las und so gerne mehr über das Thema Scrum mit Kanban gelernt hätte, aber meine Energie und Konzentration immer weiter nachließen und durch andere Themen völlig in Beschlag genommen wurden. Dass ich diesen persönlichen Wunsch, der über zwei Jahre alt wahr, nun habe Wirklichkeit werden lassen, ist ein weiteres Zeichen, dass ich immer weiter auf dem Weg zurück in die Normalität bin.

Es tut sehr gut, das zu erfahren, auch wenn die ganze Welt manchmal verrückt zu werden scheint. Selbst wenn die Welt morgen enden würde, so würde ich immer noch versuchen, etwas neues zu lernen!