Zwei Lernerfolge an einem Tag

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen sowie zwei Flaschen Alkohol weniger.

Die Zahl zwei spielte zuletzt eine größere Rolle. Passend dazu habe ich am Montag gleich zwei Prüfungen auf einmal bestanden: Professional Kanban I („Professionelles Kanban I“) sowie Professional Applied Metrics („Professionelle Angewandte Metriken“).

Ich hatte nach der letzten Prüfung noch geschrieben, dass es so nicht weitergehen würde, weil ich alles von scrum.org geschafft hatte, was es in absehbarer Zeit zu schaffen gibt (die beiden Prüfungen auf Experten-Niveau also ausgenommen). Diese beiden neuen Prüfungen stammen von prokanban.org, das sich ganz auf Kanban spezialisiert hat. Die erste Prüfung in diesem Jahr diente als Motivation, um noch weiter in diese Richtung zu lernen. Die Beschäftigung mit Metriken ist außerdem eine hervorragende Ergänzung zu evidenbasiertem Management (EBM), mit dem ich mich seit Anfang 2021 beschäftige.

Zusammen mit der letzten Prüfung vor der neuen Stelle waren es allein dieses Jahr fünf Prüfungen. Dafür habe ich über sechs Monate jeden Tag gelernt. Und jedes Mal war es ein Treffer. Die erste Prüfung am Montag habe ich sogar mit 100% der Punkte bestanden – wie es mir in meinem Leben erst zweimal überhaupt gelang, zuletzt Ende letzten Jahres.

Warum ist mir das so wichtig? Zum einen bin ich nicht mehr notgedrungen auf Scrum angewiesen – wichtig für einen Agile Coach. Zum anderen lag mein alter Rekord, was Prüfungen für meine berufliche Weiterbildung angeht, im Jahr 2020. Da waren es derer vier. Es waren tolle Erfolge in einer ansonsten für mich sehr schlechten Zeit. Und darum ist es mir so wichtig, außerhalb der schlechten Zeiten besser zu sein. Ich möchte nicht, dass es eine Korrelation zwischen „es geht mir schlecht“ und „ich leiste etwas“ gibt. Es soll gerade nicht so sein, dass ich unter Angst, Zwang und Druck besonders viel zu leisten scheine. Es ist genau umgekehrt: Wenn ich frei bestimmen kann, was ich lerne, schaffe ich viel mehr!

Die Frage ist nun: Was jetzt? Mir sind tatsächlich die Prüfungen ausgegangen, die ich in den nächsten Monaten angehen kann. Ich habe allerdings noch mehrere Bücher zur beruflichen Weiterbildung, die ich nach und nach lesen möchte, und andere Themen, die ich lernen möchte. Ich freue mich darauf.

Doch halt: Gibt es nicht wichtigere Dinge? Na klar – nur: All das abgehakt zu haben gibt mir sehr viel innere Ruhe. Ich habe den Eindruck, einen Teil meines Lebens aufgeräumt zu haben. Ab jetzt kann ich mir Urlaub gönnen und wer weiß, vielleicht muss ich nicht einmal alleine bleiben im Leben. Diese intensive Lernphase werde ich wahrscheinlich nicht so schnell wiederholen können. Darum bedeutet es mir viel, sie durchlebt zu haben.

Operation Augias: Zwei Flaschen Alkohol

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde sowie die zweite Hochzeit in zwei Wochen.

Ich habe einen weiteren Schritt im Rahmen der Operation Augias getan. Nach Gesprächen mit Freunden habe ich mich dazu entschlossen, meine Sammlung an Flaschen mit alkoholischen Getränken, die ohnehin nicht groß war, zu verkleinern.

Ich trinke schon viele Jahre keinen Alkohol mehr. Ich hatte also nie das Bedürfnis, den Alkohol selbst zu verbrauchen.

Letzten Endes standen die Flaschen bei mir in der Wohnung, ohne dass ich sie verbraucht habe.

Eine Flasche Bols Blue Curaçao habe ich im Freundeskreis weiterverschenkt. Kurioserweise ist das ein niederländisches Produkt und war ein Geburtstagsgeschenk, wenn ich mich recht erinnere, das ich aber gebraucht habe. Jetzt hat die Flasche einen Besitzer, der für ihren Inhalt bessere Verwendung finden wird.

Die andere Flasche war ein Tequila namens José Cuervo Clasico. Das war mal ein Geschenk auf der Weihnachtsfeier meiner damaligen Firma, das mich sehr erfreut hat. Ich erinnere mich auch noch gerne zurück an die Gelegenheit, bei der ich die Flasche angebrochen habe – zu zweit natürlich, denn so trinkt man in der Esperantowelt Tequila. Aber nach so vielen Jahren wird der Tequila seinen Geschmack verloren haben, so dass ich ihn jetzt weggekippt habe.

Was hat mich so lange zurückgehalten, diese eigentlich einfache veränderung zu unternehmen? Ich hatte ein schlechtes Gewissen, ein Geschenk nicht gewürdigt zu haben. Dabei habe ich die Flasche über mindestens einen Umzug erhalten und hätte sie jederzeit angeboten – allein es fehlte die Gelegenheit. Beim Tequila war es die Erinnerung an eine gute Zeit und vielleicht das festhalten wollen daran, auch wenn alle guten Dinge zuende gehen müssen und es erwachsener ist, sich bewusst einzugestehen, dass bestimmte Abschnitte des Lebens vorbei sind und nicht wiederkommen können. Natürlich habe ich mich außerdem gefragt, ob ich nicht ein schrecklicher Verschwender bin, wenn ich eine Flasche Alkohol, deren Inhalt nicht mehr schmecken kann, einfach so wegschütte.

Dann habe ich endlich einmal nachgesehen, was denn der Wiederbeschaffungswert für diesen Tequila oder die Flasche Bols wäre. Etwa 20 bzw. 10 Euro. Damit lag die Entscheidung auf der Hand! Ich fühle mich jetzt deutlich besser, weil ich nicht der Vergangenheit anhänge, sondern mich selbst auf eine mögliche Zukunft vorbereite. Dort haben gewisse Teile der Vergangenheit keinen Platz.

Zweite Hochzeit in zwei Wochen

„Nur noch konkret reden
Gib mir ein ja oder nein
Schluss mit Larifari
Ich lass all die alten Faxen sein
(…)
Ich will nie mehr lügen
Ich will jeden Satz auch so meinen“
– Peter Fox: Alles neu

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Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher sowie eine Woche Urlaub in Nordwalde.

Am Ende meines Urlaubs war ich auf der zweiten Hochzeit innerhalb von zwei Wochen. Diesmal ging es nach Köln auf eine Hochzeit innerhalb der Familie.

Jahrestage und Phantomschmerzen machten mir diesmal mehr zu schaffen. Aber ich hatte mir vorher völlig ruhig vor Augen gehalten, dass das passieren könnte, und dass das nicht schlimm sei. Schlimm wäre es gewesen, möglicherweise belastende Situationen zu vermeiden.

Ich habe außerdem meinen Schmerz nicht zum Nabel der Welt gemacht. Was mir passiert ist, war außergewöhnlich und hat nichts mit anderen Leuten zu tun. Ich bin nicht meine Erfahrungen, meine Enttäuschungen oder meine Verletzungen.

So sah ich jede Menge Verwandte wieder und lernte weitere nette Leute kennen. Ich habe zwar noch immer nicht meine alte Form auf der Tanzfläche erreicht, aber es wird zunehmend besser – ich würde sagen, diesmal waren es 40%. Um 2:45 ging es nach Hause.

Nebenbei entdeckte ich ein deutschsprachiges Lied, das bisher völlig an mir vorbeigegangen war und das von persönlicher Runderneuerung erzählt:

Peter Fox: Alles neu

Dazu eine speziell fürs Lied eingespielte Orchesterinstrumentierung – ganz großes Kino!

Eine Kollegin war währenddessen in der Ukraine und ist heil wieder zurückgekommen. Im Vergleich dazu geriet die mitgebrachte ukrainische Schokolade zur Nebensache, aber die Packung verfehlte ihre emotionale Wirkung nicht.

Und dann bekam ich heute von einer anderen Kollegin, die ich sehr schätze, ein Riesenkompliment. Ich strahle eine Begeisterung aus und sei mit so viel Fröhlichkeit bei der Sache, wie sie noch bei niemand anderem gesehen hätte. Das, was sie da beschrieben hat, ist natürlich der Groove, und nach ihrer Beschreibung war er schon vor über eineinhalb Jahren wieder sichtbar, sogar in Videokonferenzen, auch wenn ich mir seiner selbst nicht immer bewusst war.

Dieses Kompliment kam genau zur rechten Zeit. Ich muss keine Angst vor Jahrestagen haben, denn ich kann wieder etwas ausstrahlen. Das ist eine Fähigkeit, die ich am meisten an mir vermisst habe.

Das Leben kommt mir gar nicht hart vor

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„36 Grad und es wird noch heißer Mach den Beat nie wieder leiser 36 Grad und kein Ventilator Das Leben kommt mir gar nicht hart vor – 2raumwohnung: 36 Grad (Rhythms del mundo) Ich bin auf der Suche nach dem … Weiterlesen

Eine Hochzeit wie früher

„We are the seed
of a new breed
We’ll succeed
Our time will come“
– East 17: It’s Alright

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Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt.

Ich war letzten Samstag auf einer Hochzeitsfeier in Nordwalde. Was für eine tolle Feier!

Das war alles andere als selbstverständlich. Soziale Anlässe in meiner alten Heimat erinnern mich üblicherweise daran, dass mein Leben anders verläuft als wie man es traditionell erwarten würde. Ich hätte wieder „Phantomschmerzen“ haben können.

Es war meine erste Hochzeit seit drei Jahren. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es damals mit meinem Leben steil bergab ging. Die Feier fand auf Sardinien statt, das mich 2014 schon begeistert hatte. Alles sah schön aus, die Leute feierten fröhlich-friedlich – und ich war innerlich tot und fühlte mich so fremd und fern von allem.

Diesmal war alles so angenehm normal, wie es sich für eine Hochzeit in Westfalen gehört. Ich habe manche Bekannten seit Jahren zum ersten Mal wiedergesehen und viele andere nette Leute kennengelernt.

Ich merkte, wie sehr ich wieder ich selbst war in Vergleich zu 2019. Ich war zwar nur bei einem Drittel meiner normalen Energie, aber neulich nachts in Amsterdam waren es erst 25% gewesen, und das hatte schon für eine gute Tanzeinlage gereicht. Entsprechend rockte ich mich einigen anderen die Tanzfläche. Popmusik aus den 1980ern und 1990ern funktionert immer! Als die Feier um 4 Uhr morgens endete, gehörte ich zu den letzten Gästen.

Diese Gelegenheiten nehmen mir die Angst vor der Zukunft. Wir sind die Saat einer neuen Art. Wir werden Erfolg haben. Unsere Zeit wird kommen!

East 17: It’s Alright

Ein Lernerfolg zwischen den Quartalen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Spaß mit Zeit(räumen): Wann schreibe ich meinen Rückblick auf das letzte Quartal? Fällt der letzte Tag des alten oder der erste Tag des neuen Quartals auf einen Mittwoch ( = Blog-Tag), ist die Antwort trivial. Ansonsten habe ich bislang lieber einige Tage früher als schon mitten in der Woche des neuen Quartals zurückgeblickt. Das bringt natürlich die Möglichkeit mit sich, dass sich in den letzten Tagen des alten Quartals noch etwas tut und das aber nicht mehr in den Rückblick kommt (kennt man in größerem Stil aus Jahresrückblicken, in denen die Erfolge und Toten der letzten Wochen im Dezember nie auftauchen).

Anstatt das zu fürchten oder zu vermeiden, habe ich diesmal sogar mit voller Absicht genau so etwas fabriziert. Ich habe letzten Donnerstag die nächste Prüfung bestanden: Scaled Professional Scrum („Skaliertes professionelles Scrum“). Dieses Zertifikat gibt es seit August 2015 (Stand 01. Juni haben es 5.062 Leute.)

Die Vorbereitung bestand aus zwei Monaten täglichem Lernen. Ich habe direkt nach der letzten Prüfung angefangen. Insgesamt habe ich also fünf Monate am Stück gelernt. Damit habe ich Ende Juni eine bestandene Prüfung mehr als letztes Jahr insgesamt.

Da letzten Donnerstag der 30. Juni war, fiel die Prüfung noch ins letzte Quartal und das erste Halbjahr. Das war mir sehr wichig. Außerdem fiel sie mit genau diesem einen Tag in die Zeit „zwischen den Quartalen“ im Blog. Das bringt mich zum Schmunzeln.

So wird es auf keinen Fall weitergehen – aus dem besten aller Gründe: Das war die letzte der 10 Prüfungen von scrum.org für Anfänger und Fortgeschrittene. Ich habe sie alle innerhalb von drei Jahren und zwei Monaten bestanden – und als willkommenen Bonus sogar beim ersten Versuch. Die letzten zwei verbliebenen Prüfungen sind auf Experten-Niveau und jetzt noch nicht das richtige Ziel für mich.

Ich freue mich sehr, in den ersten zwei Monaten meiner neuen Stelle die Zeit und Konzentration gefunden zu haben, um für mich selbst etwas zu erreichen. Das war ein Ziel, das ich mir selbst gesetzt hatte und über dessen Erreichen ich umso zufriedener bin. So kann es gerne weitergehen!

Der Groove des Nachts in Amsterdam

Übermorgen sind es zwei Jahre und drei Monate, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe.

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Was habe ich in den ersten drei Monaten des dritten Jahres meiner Suche erlebt? Ich habe viel getan und viel geschafft.

Ostern war ich nicht alleine. Ich erzielte einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr. Ich habe die Operations Augias fortgeführt und mich dabei unter anderem von meiner alten Lederjacke verabschiedet.

Ich habe eine neue Stelle angetreten. Um mir symbolisch zu zeigen, dass ich jederzeit ausbrechen kann, bin ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen gefahren. Doch meine Reisen führten mich diesmal deutlich weiter, einmal auf ein Wochenende in Frankfurt, danach nach Paris. Endlich ging es wieder in ein anderes Land als die Niederlande und Deutschland!

Ich habe an mir selbst gearbeitet. Ich konnte meine Angst überwinden und mich selbst lieben. Ich probierte viele Sachen aus und erkannte, dass ich kein Versager bin. Und in einer unerwarteten Gnade des Lebens erlebte ich, wie alte Wunden zu heilen begannen.

Gleich am ersten Tag des Quartals geschah etwas Wundervolles: Der Groove kehrte nach zwei Jahren zurück. Ich bemerkte ihn später besonders an einem Gebet und einem Lied.

Passenderweise hatte ich letzten Freitag ein ganz ähnliches Erlebnis: Erneut fand das Amsterdam Language Café im Café Belcampo in den Foodhallen statt. Diesmal gab es keine Salsa-Lektion, sondern jeder brachte Essen aus seinem Land mit – ich verschiedene Schokoladen, die ich eine Woche zuvor in Münster gekauft hatte.

Diesmal war ich Mitorganisator – eine Folge davon, dass es mir im April so gut gefallen hatte. Es hat mir unheimlich Spaß gemacht, so viele Leute freundlich zu begrüßen und verschiedene Sprachen zu sprechen! Danach gingen noch einige der Teilnehmer und Organisatoren in einen anderen Teil der Foodhallen. Diesmal konnte ich mitgehen und länger bleiben, denn ich war mit dem Fahrrad bis zum Flughafen gefahren und wusste, dass die ganze Nacht hindurch noch Züge dorthin fahren würden.

Zum ersten Mal seit 2,5 Jahren hatte ich die Gelegenheit zu tanzen – also nicht nur vor dem Bildschirm etwa im Rahmen der Distance Disco, sondern so wie früher. Ich hatte den Eindruck, bei 25% meiner normalen Kraft zu sein, doch die Leute waren begeistert von meiner Energie. Ich kam mir so lebendig vor wie seit 4,5 Jahren nicht mehr. So fühlt es sich an, wenn ich den Groove habe.

Man muss sich dabei vor Augen halten: Ich war noch nie bis spät in die Nacht in Amsterdam. An diesem Tag habe ich eine alte Grenze durchbrochen, die mich viel zu lange zurückgehalten hat. Davon hatte ich seit mindestens Ende 2019 geträumt – und für diesen Tag geübt, bis zum Flughafen zu radeln.

Als ich dann mit dem ÖPNV von Amsterdam nach Schiphol fahren wollte, war die beste Verbindung ein Nachtbus, der sogar ganz in der Nähe der Foodhallen losfuhr und nur etwa eine halbe Stunde brauchte. Zu meiner großen Überraschung fuhr er sogar noch weiter und hätte mich bis nach Hoofddorp bringen können. Ich kontrollierte die Fahrtzeiten: Die ganze Nacht durch alle halbe Stunde, selbst unter der Woche. Ich konnte es kaum fassen!

Als ich wieder zu Hause und ausgeschlafen war, habe ich noch einmal recherchiert: Die N97 gibt es in dieser Form seit Ende 2017. Warum war mir das vorher entgangen? Wie sie vielleicht nicht vorher in der NS-App aufgeführt?

Die ganze Idee, mit dem Fahrrad zum Flughafen und zurück zu fahren, war erst aus der Not geboren worden, ansonsten nicht sorglos am Nachtleben von Amsterdam teilnehmen zu können. Nun stellte sich heraus, dass ich das ab jetzt viel einfacher haben kann. Damit wird meine derzeitige Wohnung deutlich aufgewertet, denn das war einer ihrer wichtigsten Nachteile.

Meine Fahrradtouren bis zum Flughafen waren dennoch alles andere als umsonst: Ich habe selbst eine Lösung für eine Beschränkung gesucht. Dass ich sie nicht mehr brauche, ist umso besser.

Am Sonntag gönnte ich mir einen Besuch bei La Boutique del Caffè, eine italienische Bar nicht nur mit Espresso, sondern mit Arancini (wie auf Sizilien!) und Cannoli mit Ricotta (wie auf Sizilien!). Arancini hatte ich bestimmt seit über 20 Jahren nicht mehr gegessen. Dabei hätte ich doch längst wieder nach Sizilien reisen können. Warum habe ich mich so lange aufhalten lassen?

So endet dieses Quartal damit, dass ich den Groove gefunden habe, ohne dass ich weit weg reisen musste. Die spannende Frage für die nächsten drei Monate lautet: Wie kann ich das häufiger erreichen?

Manche Wunden heilen doch

Galerie

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„Are you such a loser, you can’t tell when you’ve won?“ – From Dusk Till Dawn Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen: Q2/2020 / Q3/2020 / Q4/2020 … Weiterlesen

Kein Versager

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt, meinen Aufenthalt in Paris, wie ich mich von meiner alten Lederjacke verabschiedete, wie ich den Groove an einem Gebet und einem Lied bemerkte sowie die Kunst mich selbst zu lieben.

Ich habe – ermutigt durch die Erfahrungen in diesem Quartal – einen Schritt getan, den ich noch vor kurzem rigoros ausgeschlossen hätte. Ich war bei einem Speeddating-Abend.
Mein Bild von Speeddating war bisher im wesentlichen „schrecklich“.

Speeddating bei Dr. House

Wie konnte es dazu kommen, dass ich meine Meinung geändert habe? Nichts in meinem bisherigen Leben hätte darauf hingedeutet.

Flirten halte ich für ein leidiges Thema. Ich habe das nie besonders gerne gemacht, aber leider muss es sein, sonst bleibe ich alleine. Ich mag keine Aufreißer-Discos, keine Flirtportale, keine Spruchduelle. Ich fand das alles immer extrem erzwungen und auch erniedrigend, mich quasi selbst so anbieten zu müssen und mich zum Affen zu machen.

Es gibt Dinge, die mich so unglaublich traurig und wütend machen wie Fotos von Hochzeiten und Überschriften wie „Es kommt eine Zeit für jeden„. Der Artikel hat jedoch einen sehr guten Punkt: Singles, die nicht alleine bleiben wollen, sollten bei allen ihren täglichen Aktivitäten und Interaktionen messen, ob diese – egal wie unwahrscheinlich – zu einer Beziehung führen können. „Zu Hause sitzen und keine neuen Leute kennenlernen“ hat offensichtlich eine Wahrscheinlichkeit von 0.

Ich weiß, dass mein jetziger Lebensstil mit all seinen Facetten mich nicht glücklich gemacht hat. Wenn mein Leben wie bisher sowieso nicht funktioniert hat, habe ich fast nichts mehr zu verlieren. Daher habe ich mir vorgenommen, alle möglichen kleineren Experimente durchzuführen und jeweils nach kurzer Zeit zu messen, wie es wahr.

Seit April habe ich in so vielen sozialen Situationen erlebt, wie ich doch offensichtlich ein ganz anständiger Kerl bin, der auch Leute unterhalten kann. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass ich in direkter Interaktion wesentlich sympathischer rüberkomme als es ein noch so guter Steckbrief ausdrücken könnte.

Als ich von einem Speeddating-Angebot für meine Altersklasse in Amsterdam las, habe ich noch eine Nacht drüber geschlafen und mich dann tatsächlich angemeldet. Natürlich hatte ich viele Bedenken: Bin ich als Ausländer nicht deutlich weniger attraktiv, weil ich die Landessprache nicht so gut wie die meisten Einheimischen beherrsche? Bin ich nicht relativ schlecht im Vergleich zur Auswahl der Männer?

Ich las dann jedoch noch drei goldene Tipps, insbesondere dass so ein Abend vor allem ein soziales Ereignis ist, bei dem man mit vielen verschiedenen Menschen ins Gespräch kommt. Das hat mir ja sehr gefehlt! Und vor allem konnte ich mit dieser Idee meine Ängste und Zweifel, aber vor allem den Druck ablegen.

Ich hatte mir noch einen Haarschnitt verpassen lassen, den ich sehr mag, und mich wieder glatt rasiert. So gefalle ich mir selbst! Ich ging daher, was mich anging, recht entspannt zu dem Abend und mit einer gewissen Ergebnisindifferenz.

Und was soll ich sagen? Das war genau richtig! Ich habe mit den meisten der Damen ein paar schöne Kurzgespräche geführt und konnte mich in vielen Fällen als Unterhalter und Zuhörer einbringen. Und vor allem war ich ich selbst!

Auch vor der Konkurrenz hatte ich nicht den Eindruck, mich verstecken zu müssen. Ich bin zwar kein Unterwäschemodell (das sind die wenigsten), aber auch weit entfernt davon, mit Quasimodo verwechselt zu werden.

Es waren sogar erstaunlicherweise viele Ausländerinnen dabei. Meine Befürchtungen über die Sprachbarriere waren also unbegründet, auch wenn ich noch ein wenig einfacher auf Englisch als auf Niederländisch einen Plausch führen kann und ich Flirten für das allerschwierigste überhaupt innerhalb von Sprachkenntnissen halte. (Ich habe Kommunalwahlen und Arztbesuche auf Niederländisch hinter mich gebracht…)

Interessanterweise war mir fast egal, ob sich nach dem Abend etwas ergeben würde (hat sich nicht, sonst würde ich das hier nicht so offen schreiben). Ich empfand den Abend an sich als Erfolg und habe schon richtig Lust auf das nächste Mal.

Mit anderen Worten: Es war alles völlig anders, als ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich bin völlig anders, als ich mich selbst immer gesehen habe.

Die Speeddating-Erfahrung in einem Satz zusammengefasst lautet: Ich bin ja gar kein Versager!

Ich habe eine Sache fundamental richtig gemacht: Ich bin dahin gegangen, wo die Angst war, und bin über meinen eigenen Schatten gesprungen.

Ich werte das als wichtigen Hinweis darauf, dass ich bisherige Glaubenssätze in Frage stellen sollte, indem ich experimentiere. Keine Hölle ist so vermeidbar wie die, die man sich in seinem eigenen Kopf errichtet.

Eine Sache habe ich außerdem gelernt: Manche fragten danach, wo ich wohne (innerhalb Amsterdams gilt Hoofddorp als langweilig) und wie häufig ich nach Deutschland reise, um Freunde und Familie zu sehen. Es ist durchaus möglich, dass ich gut genug bin, aber nicht in der richtigen Umgebung, um erfolgreich zu sein. Auch das ist ein wichtiger Hinweis für die Zukunft. Weil ich offen und interkulturell einigermaßen kompetent bin, kann ich vielleicht in mehr Kontexten Erfolg haben kann als andere. Das heißt aber nicht, dass ich überall Erfolg haben werde oder in einer gegebenen Umgebung Erfolg haben kann. Eine spannende These, die es für die nahe Zukunft noch weiter zu untersuchen gilt!

Kontext oder die Kunst, mich selbst zu lieben

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt, meinen Aufenthalt in Paris, wie ich mich von meiner alten Lederjacke verabschiedete sowie wie ich den Groove an einem Gebet und einem Lied bemerkte.

Unperfektion kann für mich der Weg zum Erfolg sein. Ich wollte schon seit Monaten ein neueres Foto von mir haben, aber irgendwie war nie „die richtige Zeit“. Irgendetwas passte immer gerade nicht. Letzte Woche Mittwoch habe ich mir gesagt: Egal, dann übe ich eben für den Ernstfall und lerne ein wenig über Selbstfotos mit der Ausrüstung, die ich habe. Ich habe mehrere Sachen ausprobiert. Es war erstaunlich, wie schlecht vieles funktioniert hat – Licht, Hintergrund, Bildausschnitt, Körperhaltung, Gesichtsausdruck… Das gute Element war, dass ich sehr schnell verschiedene Ideen testen konnte. Plötzlich landete ich einzen Zufallstreffer: Sehr nahe rangezoomt, Ukulele zärtlich ans Gesicht gehalten, Augen weit auf. So gefiel ich mir selbst! Ich habe von der beruflichen Veranstaltung im Mai zwei Fotos, die ich für berufliche Netzwerke und den Lebenslauf verwenden kann. Dieses selbstgemachte Foto kann ich für private Kontexte gebrauchen. Die interessante Lehre daraus: Insgesamt hat die ganze Foto-Aktion nur etwa eine halbe Stunde gedauert. Ich brauchte also nicht einen freien Tag oder die perfekten Umstände, um das hinzubekommen!

Letzten Samstag bin ich wieder mit dem Fahrrad ans Meer gefahren. Ich wollte mich einfach bewegen. Was bis zum 1. Mai nur ein monatelang gehegter Traum war, ist inzwischen einfache Wirklichkeit geworden. Was für eine schöne Erfahrung, dass mir dieselbe Strecke viel leichter gefallen ist!

Diesmal fuhr ich nicht bald wieder zurück, sondern ging eine Stunde am Strand passieren. Dieser Eindruck des Meeres, des Strandes und des Sonnenscheines, es war wie ein plötzlicher Urlaub. Ich fühlte mich total entspannt und wohl in meiner Haut. Plötzlich überkam mich ein Eindruck, der so ziemlich das Gegenteil von dem war, was mir seinerzeit am Strand von Barcelona passiert war: Ich war mit selbst im reinen. Ich habe die großen Fragen oder Probleme meines Lebens keineswegs gelöst, sondern allenfalls angefangen, sie bzw mich ihnen zu stellen. Viel wichtiger jedoch, dass ich als Mensch völlig in Ordnung bin. Ich brauche offensichtlich nicht besonders viel Luxus, sondern kann mich an so „einfachen“ Dingen wie einem Strandspaziergang erfreuen. In diesem Kontext, in dieser Umgebung, konnte ich mich selbst lieben. Unglaublich, wie stark sich ein Ortswechsel auf meine Stimmung auswechseln kann!

Das bedeutet für die Zukunft: Ich brauche eine Umgebung, die die guten Seiten in mir hervorbringt und fördert. Der Kontext ist König.