Der Groove – ausgerechnet in schlechter Zeit

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR, wie sich meine Reisepläne verschoben sowie Stress rechtzeitig zu erkennen.

Vor einem Monat war ein Wochenende mit Freunden noch möglich – jetzt sieht die Situation ganz anders aus. Ich habe eine für dieses Wochenende geplante Reise abgesagt.

Diese Entscheidung ist eine persönliche Risikoabwägung. Ich habe mich zwar so schnell wie möglich impfen lassen – seit letzter Woche auch gegen Grippe. Mir ist dessen ungeachtet klar, dass mich das nicht unverwundbar macht. Wenn der Tag kommt, möchte ich zurückschauen und sagen „ich habe alles getan, um mich und andere zu schützen“.

Natürlich macht mich es ein wenig traurig, eine Gelegenheit zum Wiedersehen zu verpassen. Gleichzeitig habe ich ein gutes Bauchgefühl: Ich habe die richtige Entscheidung getroffen.

Gerade in diesen wieder düsterer werdenden Zeiten scheint jeder Lichtstrahl umso heller. Vorletzten Freitag habe ich tatsächlich wieder den Groove gehabt!

Es war erneut bei einer virtuellen Veranstaltung rund ums Thema „Agile“. Ich habe an diesem „Open Space“ seit über einem Jahr immer wieder teilgenommen, aber nun zum ersten Mal einen Beitrag angeboten. Mir kam in Gespräch mit den anderen die Idee, über interkulturelle Kompetenz zu erzählen.

Ich notierte mir vorab die wichtigsten Stichworte sowie zwei Buchtitel zu dem Thema – aber das war es auch schon. Keine größere Vorbereitung war notwendig! Und obwohl ich praktisch improvisiert habe, ging mir alles ganz leicht von der Hand und mein Publikum war begeistert. Ich bekam sogar die Rückmeldung, „wie ein Schriftsteller“ gesprochen zu haben. Das war der Groove! Ich war wieder ganz bei mir selbst und strahlte das auf andere aus.

Es spricht nichts dagegen, beim nächsten Mal wieder so einen Beitrag anzubieten! Zum Beispiel kann ich genauer auf einzelne Aspekte einzugehen oder ein Gespräch zum Erfahrungsaustausch anbieten.

Das Lied für den heutigen Eintrag habe ich erst kürzlich entdeckt. Inspiriert wurde ich durch ein Video über den Film Lost Boys, mit dessen Soundtrack ich mich schon vor Jahren beschäftigt hatte.

GoodBadFlicks: Exploring The Lost Boys – The History Behind the Beloved Vampire Horror Comedy

Ich hörte mir verschiedene Coverversionen von „Cry little sister“ an. Eine fand ich besonders schön. Wie sich herausstellte, ist die Aufnahme von einer Niederländerin und stammt aus diesem Jahr!

Charlotte Wessels: Cry little sister

Ich habe manchmal Angst, dass ich langsam alt werde in dem Sinne, dass ich nicht mehr offen für neue Entwicklungen bin, was Musik angeht. Dass mir ausgerechnet diese neue Version so gut gefällt, hat mich sehr beruhigt!

Stress rechtzeitig erkennen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR sowie wie sich meine Reisepläne verschoben.

Letzte Woche habe ich erneut an einer Sitzung über Befreiende Strukturen (Liberating Structures) teilgenommen. Die hatten mir bereits geholfen, meine eigene Aufgabe zu erkennen, sowie was ich bereits erreicht habe.

Diesmal ging es um Stress und wie man damit umgeht. Mit anderen Worten: Genau mein Thema!

Das wichtigste Element, das ich selbst aus den Gesprächen mitgenommen habe, lautet: Stress als Folge von unklaren Grenzen. Das ist sehr wahr. Ich bin davon überzeugt, dass viel Stress als Folge von ungenügender Abgrenzung gegenüber anderen entsteht. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis gerade im Hinblick darauf, wie ich das Mischpult des Lebens besser einstellen kann.

Nebenbei habe ich noch von einer neuen Befreienden Struktur gelernt, die noch in Arbeit ist. Im wesentlichen geht es darum, vier Fragen zu beantworten, um sich einem Begriff zu nähern. Als Beispiel spiele ich das mit dem Begriff „Stress“ durch:

Was ist Stress?

Stress ist eine negative psychische und körperliche Reaktion auf eine mentale Überlastung. Stress basiert auf frühmenschlicher Reaktion auf Gefahrensituationen (Angriff, Flucht oder sich totstellen), passt aber in den allerwenigsten Fällen auf die Situationen der heutigen Zeit, in denen er auftritt.

Was ist Stress nicht?

Stress ist keine (positive) Anspannung. Stress hat nichts mit Fokus zu tun. Stress hat keine Verbindung zu Leistung.

Wovon ist Stress Teil?

Stress ist Teil eines unausgeglichenen Lebens oder Arbeitslebens, in denen Anforderungen höher als die eigene Leistungsfähigkeit sind oder Druck ausgebübt wird, um mehr zu leisten, als man unter vernünftiger Abwägung bereit ist zu tun. Stress ist Ausdruck eines geringen Selbstwertgefühls, durch das man akzeptiert, dass einen andere schlecht behandeln oder drohen abzuwerten oder eigene Grenzen überschreiten.

Was sind Teile von Stress?

Sozialer Druck, Androhung von Abwertung, Mangel an psychologischer Sicherheit. Muskelverspannung, Druck auf auf den Ohren, Druck auf dem Brustkorb. Scheuklappen, Tunnelblick. Müdigkeit und nicht einschlafen können. Ständige Traurigkeit oder Gereiztheit. Das Gefühl von Wertlosigkeit und das Gefühl der Sinnlosigkeit.

Interessanterweise konnte ich einiges von dem, das ich gerade notiert habe, mitfühlen, als ich es aufschrieb. Ich fühlte mich aber nicht schlecht oder regte mich auf. Das tat mir sehr gut als Erfahrung!

Vielleicht sollte ich die Mini-Meditation bei Gelegenheit mit einem anderen Begriff wiederholen. „Was ist der Groove?“ usw. wäre doch interessant!

Erneut habe ich ein interessantes Lied gefunden. Es erinnert mich im Spiel ein wenig an Coldplay und geht gut ins Ohr! Was ich sehr daran mag, ist, wie einerseits Müdigkeit, Traurigkeit und eine schlechte Lage angesprochen werden und es gleichzeitig einen hoffnungsvollen Ausblick gibt. Das kann ich derzeit gut gebrauchen!

TV On The Radio – Trouble

Absage mit Ansage

„Through our entire existence we seek purpose. (…) It’s ok to feel lonely in the moments when nobody is around and it’s ok to be sad and frustrated when the path to the dreams seems to be lost. (…) Never give up on yourself and your dreams.“ – ALPHA 9: The Purpose Is You

„There is always a purpose: the person that you see in the mirror.” – ARTY aka ALPHA 9.

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende sowie ASMR.

Es sieht ganz danach aus, als würde sich meine Sehnsucht, in diesem Jahr endlich ein neues Land zu sehen, nicht erfüllen. Ich habe für nächste Woche einen Urlaub abgesagt (zum Glück war noch nichts gebucht!), weil ich dann die Grippeschutzimpfung bekomme. Die möchte ich auf keinen Fall verpassen, denn die nächsten Monate werden hart. Auch eine für letztes Wochenende geplante Fahrt nach Nordwalde musste ich in letzter Minute absagen – Störung durch eine Baustelle auf der Strecke, Ende unbekannt. Umso wichtiger, im Oktober das tolle Wochenende mit Freunden erlebt zu haben! Davon zehre ich noch immer.

Ich brauche nicht streng mit mir selbst sein, dass ich nicht um jeden Preis genau jetzt eine Woche Urlaub mache, nur um auf Biegen und Brechen mein Ziel zu erreichen. Es war nicht abzusehen, wie turbulent und kompliziert dieses Jahr auch in der zweiten Jahreshälfte noch werden würde. Ich habe ein gutes Gewissen, weil ich weiß, dass ich die richtigen Prioritäten gesetzt habe.

Ich habe mir stattdessen Ende Oktober auf einer Feier bei der Arbeit – die erste seit fast zwei Jahren und wahrscheinlich die letzte für einige Monate – einige Ideen für eine zukünftige Reise geholt. Das zeigt mir, dass ich meine Ziele nicht mehr aus den Augen verliere, egal, was gerade passiert.

Mir kommt es in dieser Zeit sehr gelegen, einen weiteren musikalischen Lichtstrahl zu erfahren: Nach dem Lied „Du kannst es spüren“ und dem Debütalbum von Leaving Laurel ist mir ein weiteres elektronisches Lied aufgefallen – diesmal als Teil von Above & Beyond – Group Therapy 457 (ABGT).

Der russische Künstler Artem Stolyarov alis Arty sagt selbst über dieses neue Stück, dass es sehr persönlich ist, dass er es in einer sehr schweren Zeit konzipiert hat, dass er unter anderem mit Depressionen kämpfte. Ein weiteres Mal wird elektronische Musik mit geistiger Gesundheit verknüpft – beeindruckend!

Was für eine großartige Ansage am Ende. Das hilft mir sehr, über meine eigenen Absagen hinwegzukommen.

ALPHA 9: The Purpose Is You

ASMR

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will sowie ein wunderbares Wochenende.

Der Eintrag von letzter Woche läßt sich nur schwer überbieten – also ist das eine hervorragende Gelegenheit, um mal wieder über ein „kleines“ Thema zu schreiben, das mich schon länger beschäftigt. Ich bin nach wie vor dabei, mir darüber bewusst zu werden, was mir Energie gibt. Dazu gehört auch, Wege zur Entspannung zu finden. Anspannung wird es immer geben, umso wichtiger ist es daher, mir Techniken oder Gewohnheiten anzueignen, die mich wieder herunterkommen lassen.

Erst im letzten Jahr habe ich mehr über ein Phänomen gelernt, das mich schon seit meiner Kindheit begleitet und von dem ich gar nicht wusste, dass es einen Namen hat: Es nennt sich ASMR oder „Autonome sensorische Meridianreaktion“ (Autonomous Sensory Meridian Response). Ich habe erst jetzt erfahren, dass anscheinend viele Leute das kennen und dass es sich sogar bewusst herbeiführen lässt.

Als Kind hatte ich Gelegenheiten, bei denen ich plötzlich ein Prickeln auf dem Kopf spürte. Damals fand ich das eher verwirrend, weil es wie eine Reaktion wirkte, ich aber den Reiz nicht ausmachen konnte.

Später als Erwachsener empfand ich das als als angenehmer, als würde ich mich entspannen, wenn es geschah. Ich bekam das allerdings nach wie vor scheinbar zufällig. Mit den Jahren wurde ich jedoch immer aufmerksamer für Stimmungen und Situationen, die mir gut taten und mich beruhigten. Das konnte zum Beispiel Musik sein, das konnten auch bestimmte Situationen (oder Umgebungen) etwa in einem Computerspiel sein. Die Wirkung konnte dabei stärker sein und sich bis auf Oberarme und den oberen Brustkorb ausdehnen.

Als ich dann einmal einige systematische Erklärungen las und sah, war ich verblüfft, wie gut das alles beschrieben wurde. Ich bin offensichtlich viel weniger Sonderling als ich dachte!

maiLab zu ASMR:

Was bei Leuten ASMR bewirkt oder am besten funktioniert, scheint je nach Person sehr verschieden zu sein. Ich würde das, was ASMR bei mir auslöst, etwa so umschreiben (nicht alles muss erfüllt sein):

  • geringe Anzahl von Reizen (z.B. dunkler Hintergrund, kein Lärm)
  • ruhige, flüsternde Stimme oder sehr leise Geräusche (Rauschen oder Klicklaute)
  • bei einer Person: natürliches, freundlich gesonnenes Gesicht

Geräusche und Stimmen wirken dabei deutlich besser mit Kopfhörern; insbesondere Stereoeffekte wirken verstärkend. Bei Personen in Videos wirkt es bei mir auch umso besser, je ungefährlicher und vertrauter sie mir erscheinen.

Damit hatte ich plötzlich ein Mittel, um abzuschalten, wenn ich mich gestresst oder erschöpft fühlte. Es gibt sogar lange Videos, um sie einfach im Hintergrund mitlaufen zu lassen:

Frivolous Fox

Manchmal kann ASMR auch unabsichtlich bewirkt werden. So etwa das Original dieses Videos, das noch einmal extra zusammengeschnitten worden ist:

John Butler

Nach viel Ausprobieren habe ich einen Kanal gefunden, den ich am liebsten mag. Die Dame aus Russland erinnert mich an einige Bekannte; dazu freue ich mich darüber, zu erleben, wie jemand eine Fremdsprache gelernt hat und im Laufe der Zeit noch besser wird.

april an ASMR:

Interessanterweise wirken die meisten Videos am besten beim ersten Gucken. Wiederholungen haben bislang nicht einen gleich starken Effekt auf mich – warum auch immer. Umso wichtiger, dass ich immer Nachschub bekomme!

Ein wunderbares Wochenende

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor sowie dass ich ganz im hier und jetzt sein will.

Ich habe ein unglaublich tolles langes Wochenende hinter mir. Ich war auf einer Fantasy-Veranstaltung im Feriendorf Wildflecken. Was früher ganz normal gewesen wäre, ist seit Februar 2020 – seit ich mich das letzte Mal in einem anderen Kreis von Leuten getroffen habe – ein schöner Traum gewesen.

Zuletzt hatte ich diese Gruppe von Menschen auf dem Beltaine 2019 gesehen – vor zweieinhalb Jahren. Wahnsinn, wie lange das her ist! Was hat mir das gefehlt, unter freundlichen, kreativen und angenehm verrückten Leuten zu sein!

Alles schien so angenehm, so leicht… Wann habe ich das letzte Mal so unbeschwert so eine Reise machen können, ganz ohne irgendwelche wichtigen oder schlechten Sachen im Hinterkopf? Ende 2017 – vor fast vier Jahren. Kein Wunder, dass ich immer so müde war!

Ich habe schon lange nicht mehr soviel Musik gemacht und mit anderen gesungen. Mir ist außerdem gelungen, ein Vorhaben abzuschließen, dass ich schon länger vorhatte: Ich habe einen Liedertext fertig bekommen. Es ist zwar „nur“ die deutsche Version eines bestehenden Liedes, aber auch eine Übersetzung will gekonnt sein!

Seit ich vor über einem Jahr „The Dawn Will Come“ kennengelernt habe, spukte die Idee im Hinterkopf herum. Am Wochenende kamen mir die letzten noch fehlenden Ideen. Ich notierte Akkorde und präsentierte es am Samstag abend.

Damit endete das Projekt allerdings noch nicht: Wieder zu Hause suchte ich andere Versionen der Akkorde. Ich gab mir danach einen Tag, um die für mich passendste Variante selbst herauszuhören, einen weiteren Tag, um es aufzunehmen, und einen dritten, um ein einfaches Video dazu zu erstellen. Und so habe ich endlich einmal wieder meinen inneren Kritiker und Perfektionisten besiegt und etwas fertig bekommen!

Der Morgen kommt

Diese Version ist natürlich nicht so gut wie all jene von semiprofessionellen Musikern, die schon seit Jahren auf Youtube unterwegs sind. Aber darum geht es ja gerade nicht, sondern darum, dass ich nicht mehr nur konsumiere, sondern selbst etwas mache. Das ist für mich eine der wichtigsten Sachen überhaupt und ein Hinweis, dass die lange Zeit der Dunkelheit endlich vorbeizugehen scheint.

Ich hatte seinerzeit eine zweite Auswahl an Versionen zusammengestellt. Inzwischen mag ich außerdem diese Übersetzung ins Ukrainische:

Eileen:

Yodas wertvolle Warnung

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Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss sowie wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor.

Ich habe in mehrfacher Hinsicht einen „Das Imperium schlägt zurück“-Moment erreicht, was mein Lernen angeht. Zum einen, was meine berufliche Weiterbildung angeht: Ich habe einige erste erstaunliche Erfolge erzielt – mehr, als ich noch vor einem Jahr zu träumen gewagt hätte! Gleichzeitig bin ich mir bewusst, wieviel ich noch nicht weiß und wieviel es noch zu lernen gibt. Für Angeben besteht kein Anlass, denn ich habe noch einen langen Weg vor mir.

Zum anderen gibt es eine Szene aus besagtem Star-Wars-Film, an die ich immer wieder zurückdenken muss. Als Teenager fand ich sie langweilig; heute spricht sie sehr zu mir. Yoda ist mit Luke Skywalker in seiner Hütte und spricht davon, was es ausmacht, ein Jedi zu sein, und warum Lukes Vater seinerzeit in seiner Ausbildung zum Jedi gescheitert ist:

„A Jedi must have the deepest commitment, the most serious mind. This one a long time have I watched. All his life has he looked away… to the future, to the horizon. Never his mind on where he was. Hmm? What he was doing. Hmph! Adventure. Heh! Excitement. Heh! A Jedi craves not these things.“
– Yoda, The Empire Strikes Back

Natürlich kenne ich die Szene vor allem auf Deutsch (die Übersetzung ist sehr gut gelungen):

Zwar habe ich an anderer Stelle Yoda als falsches Vorbild bezeichnet. In diesem Punkt hat er aber sehr recht. Insbesondere wenn es heißt, dass jemandes Blick sein ganzes Leben lang auf die Zukunft oder den Horizont gerichtet war und er mit seinen Gedanken niemals ganz bei dem war, was ihn umgab und was er tat, dann erkenne ich mich darin wieder, auch wenn es sehr schmerzhaft ist. Es ist sehr wichtig, diesen Schmerz nicht wegzudrücken oder zu betäuben, denn er weist den Weg in Richtung Heilung: Ich muss ganz in dem hier und jetzt sein können, um wieder ganz gesund zu werden.

Ich habe in den letzten Tagen einige ganz merkwürdige Dinge erlebt. Ich habe einige Urlaubstage beantragt. Ich bin zum Friseur gegangen und habe neue Fotos von mir machen lassen, weil ich die für den Beruf verwenden möchte. Ich habe zwei Zugfahrkarten für eine Reise am Wochenende gebucht. Soweit, so normal. Was aber innerlich in mir ablief, das hat mich zutiefst verstört, als es mir bewusst wurde:

Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um mich endlich aufzuraffen, die Urlaubstage einzureichen. Beim Buchen des Friseurtermins, beim Gang zum Fotografen spürte ich einen unheimlichen Widerstand in mir aufsteigen. Eine innere Stimme rief mir zu, dass das doch irgendwie lächerlich und nutzlos sei, was falle mir überhaupt ein, das „so einfach mal eben“ glauben tun zu können. Zu den Zugfahrkarten musste ich mich regelrecht zwingen.

Das sind alles Zeichen von Selbstvernachlässigung und von geringem Selbstwertgefühl. Ich habe Abwertung soweit verinnerlicht, dass es mir schwerfällt, mir selbst etwas zu gönnen – selbst wenn es ganz normale Sachen sind. Diese innere Abwertung muss es schon sehr lange geben – denn sie war so selbstverständlich, dass ich sie gar nicht mehr wahrnehme. Erst mit ganz großer Konzentration konnte ich mir ihrer bewusst werden und sie überwinden.

Es wird ein ganz wichtiger Schritt zurück zum Groove sein, diese Selbstsabotage immer wieder zu erkennen und zu beenden. Letzten Endes ist das eine negative Steuerung von außen, die inzwischen automatisch abläuft. Ich halte es sogar für wichtiger als das Verändern äußerer Lebensumstände, diese geistigen Ketten zu sprengen.

Die Zeit ist jetzt

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss.

Gestern bin ich ein Jahr älter geworden. Obwohl ich erneut keinen Besuch vor Ort bekommen konnte, war es längst kein so einsamer Tag, denn ich habe von früh bis spät Glückwünsche bekommen und einige Leute sogar via Discord gesehen. Das tat sehr gut!

Auch wenn ich mit Wehmut lese, was ich vor fünf Jahren gebloggt habe, so erkenne ich an dem, was ich vor einem Jahr schrieb, dass ich inzwischen ein ganzes Stück weiter bin. Das macht Mut!

Ich habe mir fürs neue Lebensjahr vorgenommen, einige Sachen in meinem Leben aufzuräumen. Ich brauche in meinem Alltag Energiequellen – Dinge und Leute, die mich unterstützen und die mir Kraft geben. Es hat außerdem keinen Sinn, in einer Situation zu bleiben, die mich konstant überfordert. Wie auch immer die notwendige Veränderung aussehen wird – sie wird kommen, da bin ich ganz zuversichtlich.

Es gibt noch vieles, was ich im Leben erreichen kann. Es gibt nichts mehr, das ich erreichen muss.

Es gibt nichts und es hat auch nie etwas gegeben, für das sich Stress lohnt. Es mag Veränderung geben, die irgendwann einfach so kommt ohne mein Zutun – und dennoch lohnt es sich nicht, darauf zu warten.

Wie der Zufall so spielt: Ich stieß in den letzten Stunden meines Geburtstags auf ein altes Lied, das „Die Zeit ist jetzt“ heißt. Und wie so viele guten Lieder der letzten Zeit brachte es etwas in mir zum Schwingen… diese Sehnsucht, diese innere Unruhe… dieser Appell ans Hier und Jetzt. Was für eine Freude, ein scheinbar altbekanntes Lied zum ersten Mal richtig zu entdecken!

Ich guckte nach, von wann es war: Anfang 2000. Eine der besten Zeiten meines Lebens. Klare Sache, das Schicksal zwinkert mir zu.

Moloko: The Time Is Now

„Man sieht es ihnen nicht an“

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Heute möchte ich etwas außerhalb der Reihe über ein Thema schreiben, das mich schon länger bewegt. Da gerade der Herbst begonnen hat und die Tage wieder deutlicher kürzer werden, ist jetzt ein besonders guter Zeitpunkt.

Ich hörte vor einigen Wochen mal wieder elektronische Musik, genauer gesagt Above & Beyond – Group Therapy 447 (ABGT). Das ist oft sehr sphärisch, ruhig, entspannend und lädt mich persönlich zum Träumen ein. Natürlich ist elektronische Musik dieser Art auch kommerziell und hat ein durchaus hedonistisches Publikum. Umso erstaunter war ich, als der Gast-Mix dieser Ausgabe eingeleitet wurde mit einer Erklärung, dass nun Musik von dem Duo „Leaving Laurel“ komme, deren eine Hälfte, Pierce Fulton, sich Anfang diesen Jahres nach einem langen Kampf mit psychischen Problemen das Leben genommen habe. Das Debütalbum (!) sei eine Erinnerung an ihn. Nun laufe eine Spendenaktion, um das Yellow Tulip Project zu unterstützen, das sich zum Ziel gesetzt habe, das Stigma psychischer Krankheiten zu durchbrechen.

Wow. In einer Sendung, in der es um Spaß, Abfeiern und das leichte Leben genießen geht, wird wie selbstverständlich und mit der richtigen Ruhe und Ernsthaftigkeit so ein schweres Thema angesprochen.

Leaving Laurel: Take Your Time

Vor über einem halben Jahr gab es schon einmal so einen „Wow“-Moment. Die von mir sehr geschätzte Nadja Hermann (erzählmirnix, viele witzige Comics und das Buch „Fettlogik überwinden“) veröffentlichte ein Foto von sich auf Twitter, auf dem sie unglaublich sympathisch lächelt, zusammen mit dem Hinweis, dieses Bild sei in der schwersten Phase ihrer Depression entstanden. Unter dem Hashtag #FaceTheDepression gab es eine Riesensammlung von Leuten, die ähnliches taten.

Es tat mir sehr gut, diese Fotos zu sehen und die Texte zu lesen. Ich habe lange gedacht, alle anderen seien glücklick, und dann lese ich, wie fertig viele Menschen sind, die ganz fröhlich scheinen.

Dies ist eine gute Sache der heutigen Zeit: Die Hürde, über psychische Krankheiten zu sprechen, ist deutlich gesunken!

Niemand muss sich wegwerfen. Es gibt immer eine bessere Lösung!

Es ist an der Zeit

Übermorgen sind es eineinhalb Jahre, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Gestern waren es genau sechs Jahre, seit ich aus Deutschland in die Niederlande gezogen bin. Wenn ich an die Zeit damals denke, so scheint es wie ein anderes Leben zu sein – ich war so glücklich und zuversichtlich, und jetzt plagen mich oft Jahrestage und Phantomschmerzen. Doch es hat nicht sollen sein.

Immerhin gestatte ich mir endlich Verletztheit und Wut, denn ich hatte an dem, was mir passiert ist, nicht Schuld, und hätte etwas Besseres verdient.

Auch ansonsten waren die letzten drei Monate recht fruchtbar, was meinen Weg zurück zu mir selbst anging. Ich habe mir bewusst gemacht, was ich bin und was nicht. Ich habe mir (und mich!) den Fragen gestellt, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben. Einige Jahre aus der Vergangenheit sprachen zu mir.

Doch ich habe auch einiges konkret angepackt: Die Operation Augias hat einige neue Kapitel bekommen.

Meine Hoffnung, die bessere Jahreshälfte sei nun angebrochen, hat sich bislang erfüllt. Ich war endlich wieder unterwegs und habe meine besten Freunde wiedergesehen

Ich habe auch erlebt, wie die Energie langsam zurückkommt und wie es sich anfühlt, wenn meine drei Motive aus der Auszeit wieder alle drei erfüllt sind. Ich habe viel geschafft in den letzten eineinhalb Jahren.

Jetzt sehne ich mich danach, wieder einige Urlaubstage zu nehmen und zu reisen. Die letzten 18 Monate waren eine Zeit der Bewährung. Jetzt, wo die ganz große Anspannung weg ist, merke ich die Müdigkeit. Gleichzeitig bin ich wieder verhalten hoffnungsvoll, weil ich sehe, wie sich ganz langsam wieder einzelne Elemente in meinem Leben bewegen. Es ist an der Zeit!

Auch Wut braucht ihren Platz

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben, Jahre, die zu mir sprechen, Platz für Verletztheit sowie Lei{d|t}motive.

Am Wochenende war ich wieder in Nordwalde bei einer Familienfeier. Es tat sehr gut, all die Leute wiederzusehen. In den Tagen um dieses Wochenende ist mir eines an mir aufgefallen (diesmal auch vorher): In mir wohnt nach wie vor sehr viel Wut. Es war kein Zufall, dass ich vor einem Jahr ebenfalls nach einer Familienfeier über unbezähmbare Wut gebloggt habe. Denn all diese netten Menschen zu sehen, die Normalität von einem guten Zusammenleben, von einfach so akzeptiert zu werden, das hat mir vor Augen geführt, was für ein krankmachendes Leben ich in den letzten Jahren geführt habe und wie schlecht ich mich habe behandeln lassen. Erst, wenn man zurück in die Wärme geht, merkt man, wie kalt es vorher gewesen ist.

Ich hatte davor schon einmal über den Sinn des Zorns geschrieben und ich habe ein Jahr später auch eine neue Einstellung zur Wut. Sie ist nicht mehr eine gefährliche Kraft, die mich zu übermannen droht. Sie ist sogar ein wichtiger Bestandteil eines richtiges Lebens. Zu einem Regenbogen gehören auch die dunklen Farben, sonst ist er nicht vollständig. So ist es auch mit den Gefühlen. Nichts ist so unsicher und schädlich als nur einen Teil seiner Gefühle zulassen zu dürfen.

Das ich diese Wut endlich spüren kann, ohne dass sie plötzlich in mir hochkommt und explosionsartig ausbricht, ist ein wichtiges Signal für meine emotionale Entwicklung. Überhaupt diese Wut „einfach mal so“ spüren so können, ist ein Fortschritt.

Der erste Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, den Schmerz zuzulassen. Der zweite Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, Verletzungen anzuerkennen. Der dritte Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, der Wut ihren Platz zu geben.

Ich habe alles Recht der Welt, wütend zu sein. Jemand, dem ich vertraut habe, hat mich sehr verletzt und mir gleichzeitig mitgeteilt, dass meine Gefühle völlig unangemessen und meine Bedürfnisse eine schreckliche Last sind. Deswegen habe ich mir lange selbst nicht mehr getraut und an mir selbst gezweifelt. Was für ein Unsinn! Ich war es doch, der die ganze Zeit in Ordnung war.

Es wird sehr, sehr wichtig sein, die Wut nicht mehr wegzudrücken, sondern sie anzunehmen und aktiv mit ihr umzugehen. Dazu gehört auch, offen anderen gegenüber zu sein darüber, wie es um meine Gefühlslage bestellt ist.

Nur sieben Wochen, nachdem ich ein altes Fahrrad zur Deponie gebracht habe, habe ich auch das zweite Fahrrad weggebracht – diesmal eines, das ich selbst gekauft hatte und das damals neu gewesen war. Ein paar Idioten hatten es, als ich es am Bahnhof in Hoofddorp abgestellt hatte, soweit demoliert, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Was soll’s! Die Operation Augias geht weiter. Fürs neue Fahrrad habe ich gelernt, wo ich es sicher abstellen kann – und es kostet nicht einmal viel.