Bin ich eine extrovertierte hochsensible Person?

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr, den Kurs zu halten, Erkenntnisse, die den Blick verändern, einen Lernerfolg, dass ich die ganze Zeit ok war, Probleme, die tatsächlich Lösungen sind sowie emotionale Intelligenz.

Ian Betteridges Gesetz der Überschriften besagt, dass jeder Titel, der mit einem Fragezeichen endet, mit „nein“ beantwortet werden kann. Es liegt auf der Hand: Wenn die Leute wirklich Fakten oder Beweise hätten, bräuchten sie nicht die Frageform zu wählen. Warum also dann trotzdem ein Blogeintrag zu diesem Thema?

Ich fange mal von vorne an. Zum ersten Mal in Berührung gekommen bin ich mit dem Konzept der Hochsensibilität vor ein paar Jahren, als ich das Buch „Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?“ von Andrea Brackmann gelesen habe. Darin schreibt sie sowohl über Hochbegabte als auch Hochsensible. Ich fand das sehr berührend.

Erneut auf das Thema gestoßen wurde ich durch eine Empfehlung eines Videos von Sandra Quedenbaum: Wie hochsensible Kinder zu psychisch kranken Erwachsen werden. Das knüpfte hervorragend an das erwähnte Buch an und hat mich ebenfalls tief gerührt.

Dadurch neugierig geworden, guckte ich noch weitere Videos (und entsprechende Artikel) von derselben Autorin. Drei sprachen mich besonders an:

Hochsensibilität einfach erklärt – Merkmale zum Test der Hochsensibilität

Das wichtigste für mich: Hochsensibilität zeichnet sich unter anderem aus durch

  1. tiefes Denken
  2. gutes Beobachten
  3. Kreativität

Das erzeugte einen ersten Widerhall in mir. Stärker wirkte ein Beitrag zur Gefühlswelt:

Hochsensibilität und Gefühle – Was hochsensible Menschen wissen sollten!

Klar, dass mich das interesssierte – ich habe mich ja besonders mit meinen Gefühlen befasst. Die Gefühlswelt von Hochsensiblen zeigt sich insbesondere durch:

  1. intensive Emotionen, dabei Wechseln von Gefühlen innerhalb von Sekunden
  2. starke Reaktion auf Natur, Kunst und Musik
  3. nahe am Wasser gebaut durch die tiefe Rührung

Das kam mir so bekannt vor! Aber den stärksten Eindruck hinterließ folgender Beitrag:

Was extrovertierte hochsensible Menschen (HSP) wissen sollten

„Extrovertierte“ hochsensible Personen sind eigentlich ambivertiert, haben also immer auch introvertierte Anteile. Leute aus dieser Untergruppe der Hochsensiblen

  1. genießen sowohl soziale Kontakte als auch Stunden alleine
  2. kombinieren tiefes Denken zum Lösen von Problemen mit Empathie
  3. wirken mitreißend, begeisternd

Ich konnte mir viele Videos der Autorin nicht in einem Rutsch ansehen, weil ich zwischendurch weinen musste. Wie ich inzwischen weiß, ist das ein guter Hinweis darauf, dass mir die Dinge etwas bedeuten.

Dieses letzte Video erzeugte in mir eine ganz merkwürdige Unruhe. Ich war sehr aufgeregt, denn es kam mir alles so vertraut vor! Insbesondere die scheinbar widersprüchlichen Qualitäten (tiefes Denken, intensives Fühlen; Geselligkeit und der Wunsch, allein sein zu wollen), die es so schwer machen, sich selbst einzuordnen, und die offensichtlich erklärt werden und mit einem Begriff benannt werden können!

Erst in den letzten Tagen bekam ich als Rückmeldung, dass ich, wenn mich ein Thema interessiert, ich dafür zu brennen scheine und das auf andere überspringt. Das erinnerte mich sehr stark an die Gelegenheit, bei der ich den Groove sehr deutlich gespürt habe.

Ist also der richtige Umgang mit „extrovertierter Hochsensibilität“ der Weg zurück zum Groove? Er scheint jedesmal so unglaublich nahe zu sein, wenn ich an das Thema denke, und ich habe dann immer das Gefühl, wieder ganz bei mir selbst zu sein, und das schon seit Tagen!

Doch Vorsicht, nicht zu eilig! Welche Gründe sprechen dagegen? Jetzt komme ich auf die Überschrift zurück…

Ein häufiger Irrtum beim Lesen von Texten rund um Psychologie ist, sich sehr schnell in bestimmten Mustern wiederzufinden. Alles, was nicht passt, wird einfach ausgeblendet (so funktioniert grundsätzliche Mustererkennung bei Menschen). Ohne genaues Nachprüfen kann das schnell dahingehend kippen, dass es die Aussagekraft von Astrologie bekommt: Wenn es nur allgemein genug formuliert ist (oder man es flüchtig genug liest), wird irgendetwas immer zutreffen, man füllt dann nur die Lücken auf. Mein wichtigster Einwand dagegen ist, dass z.B. allgemeine Texte über Introvertierte (etwa das sehr lesenwerte Buch „The Introvert Advantage“ von Marti Laney) in einiger Hinsicht sehr gut passen, in anderer hingegen kaum oder gar nicht. Diesmal jedoch ist es erschütternd zutreffend, und das ist sehr, sehr selten.

Zum zweiten ist das Konzept der Hochsensibilität noch nicht wissenschaftlich bewiesen. Sandra Quedenbaum weist darauf explizit hin (sehr seriös!) und hat einen sehr guten Einwand: Wenn Hochsensibilität als Erklärungsmodell taugt, um Menschen zu helfen, dann ist sie als Konzept auf jeden Fall nützlich.

Drittens habe ich Hochsensibilität bisher oft in sehr negativem Zusammenhang erlebt, in etwa:

  1. „Ich bin eine HSP und daher ein ständiges Opfer meiner überdeutlichen Sinneswahrnehmung.“
  2. „Ich bin eine HSP, deswegen muss ich nichts tun, selbst wenn das andere im Umgang mit mir immer wieder vor Herausforderungen stellt.“
  3. „Ich bin HSP, also besser als andere!“

Umso erleichterter bin ich darüber, dass Sandra Quedenbaum einen sehr erdenden Beitrag dazu verfasst hat:

Warum es uns schwächt, wenn wir die Hochsensibilität idealisieren

Interessant ist es, Hochsensibilität weder als „Fluch“ noch als „Superkraft“ zu sehen, sondern als Gabe, die evolutionär einen Sinn hatte und heute richtig angewandt werden muss. Der entsprechende Umgang muss und kann gelernt werden!

Die genannte Herausforderung bei einem extrovertierten Hochsensiblen besteht darin, eine Balance zwischen den introvertierten und extrovertierten Anteilen der Persönlichkeit zu finden und sich in den extrovertierten Phasen nicht zu übernehmen und zu verausgaben. Das kommt mir so bekannt vor! Als eine weitere wichtige Fähigkeit wird genannt, eine gute Selbst- und Fremdwahrnehmung zu entwickeln. Das war erst letzte Woche mein Thema beim Bloggen!

Es spielt also letzten Endes keine Rolle, ob sich das Konzept der Hochsensibilität in naher Zukunft beweisen läßt und ob ich das bin, worauf sehr viel hindeutet. Entscheidend ist, dass die dazugehörigen Wegweiser, was ich tun muss, damit sich meine Persönlichkeit erfolgreich und angenehm entfalten kann, mir nützen. Das scheint auf jeden Fall so zu sein, und darum finde ich das, was ich gelernt habe, so wertvoll!

Emotionale Intelligenz

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr, den Kurs zu halten, Erkenntnisse, die den Blick verändern, einen Lernerfolg, dass ich die ganze Zeit ok war sowie Probleme, die tatsächlich Lösungen sind.

Von dem Thema „emotionale Intelligenz“ hatte ich schon voher gehört. Erst durch Britt Andreatta habe ich jedoch einige Aspekte entdeckt, die für mich sehr aufschlussreich waren. Sie nennt eine deutlich längere Liste von Eigenschaften, aber diese drei haben mich zum Nachdenken gebracht:

  1. Selbsteinschätzung
  2. emotionale Selbstbeherrschung
  3. Wissen, wie man auf andere wirkt

Emotionale Selbstbeherrschung besteht nicht darin, alle Gefühle zu unterdrücken, sondern zu wissen, was einen besonders reizbar macht, rechtzeitig Warnsignale zu erkennen, wenn es innerlich in einem hochkocht, und dann angemessen zu reagieren. Das ist tatsächlich noch eine Herausforderung für mich – gleichzeitig beruhigt es mich, zu wissen, dass dieses Problem praktisch jeder hat, nur die Auslöser sind andere.

Was das Wissen über die Fremdwahrnehmung angeht, so erlebe ich immer wieder Überraschungen. Wenn ich Rückmeldung bekomme, dann fällt die oft ganz anders aus, als ich sie erwartet hätte. Chris Croft empfiehlt daher, viel häufiger um Rückmeldung zu bitten – dann fällt man auch nicht aus allen Wolken, wenn es auch kritische Anmerkungen sind. Auch das läßt sich also üben.

Am erstauntesten war ich jedoch, als ich feststellte, wie ungenau meine Selbstwahrnehmung ist. Sie schwankt oft oder bleibt sehr vage. Doch wie will ich mich dann selbst verbessern?

Eines habe ich allerdings in den letzten Monaten erkannt: Ich bin ganz anders, als ich bis jetzt gedacht habe!

Ich dachte die ganze Zeit: Dabei stimmt viel eher:
Ich bin ein Spezialist. Ich bin ein Generalist.
Ich bin gut für viel Ordnung. Ich komme gut mit einem hohen Maß an Unklarheit zurecht.
Ich bin ein sehr rationaler Mensch. Ich bin ein sehr gefühlvoller Mensch.

Ersteres waren die Dinge, für die ich Wertschätzung erfuhr. Das waren nicht notwendigerweise die Dinge, die ich selbst am wertvollsten an mir finde.

Ich habe mich also sehr darüber definiert, was ich von außen als „wichtig“ oder „wertzuschätzen“ mitbekommen habe. Das ist jedoch eine Anleitung zum Unglücklichsein, denn es bedeutet ja auch, dass ich für mein eigentliches Wesen nicht geschätzt werden konnte, so wie ich war nicht liebenswert war. Was für eine grausame Vorstellung! Kein Wunder, dass ich mich nicht wohl fühlte, ich dachte, eine Rolle spielen zu müssen und auch wenn ich sie gut ausfüllte oft sehr unglücklich damit war. Das zu erkennen und diese Verkleidung endlich abzulegen, ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zurück zum Groove.

Das Problem ist die Lösung

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr, den Kurs zu halten, Erkenntnisse, die den Blick verändern, einen Lernerfolg sowie dass ich die ganze Zeit ok war.

„Das Problem ist die Lösung!“ – Diese Erkenntnis habe ich vor über zehn Jahren aus dem Persönlichkeits-Blog von Roland Kopp-Wichmann gewonnen. Der ursprüngliche Satz lautet dort etwas anders: Das Symptom ist die Lösung. Die Idee ist jedoch die gleiche: Das, was als Problem angesehen wird, ist in Wirklichkeit eine Lösung für eine andere Sache, die einem gar nicht bewusst ist.

Inzwischen habe ich das sogar noch etwas weiter gesponnen: Das Problem, das ich habe, zeigt meistens, dass ich ein anderes, viel größeres Problem gelöst habe. Das neue Problem ist also tatsächlich kein negatives, sondern ein positives Signal:

Das Problem Was es bedeutet
Ich muss weinen. Ich habe einen emotionalen Bezug zu dem, das ich erlebe.
Ich fühle mich müde, wütend oder traurig. Ich fühle überhaupt etwas.
Ich erlebe an einem Tag viele wechselnde Stimmungen. Endlich haben wieder alle Gefühle ihre Zeit.

Denn dass es ganz anders sein kann, daran kann ich mich noch gut erinnern – auch während meiner Auszeit: Da sah ich mich selbst mit drei sich widersprechenden Wertungen oder war plötzlich traurig im Supermarkt. Und es ist noch nicht sehr lange her, da wäre ich am liebsten vor mir selbst weggelaufen – denn alles schien in Ordnung, nur ich war es nicht.

Ich bin ok, Du bist ok

„What kind of a man can live this way?“
– Marillion: 80 days

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr, den Kurs zu halten, Erkenntnisse, die den Blick verändern sowie einen Lernerfolg.

Einen Lernerfolg ganz anderer Art habe ich in den vergangenen Tagen in Gesprächen mit Freunden erzielt. Am Ende hatte ich sogar den Groove wieder zurück – diesmal sogar ohne eine besondere Situation! Aber der Reihe nach…

Ich war zum wiederholten Male auf das Transaktionsmodell von Thomas A. Harris gestoßen mit den vier möglichen Ausprägungen von „Ich bin ok / nicht ok“ und „Du bist ok / nicht ok“. Mir ist erst jetzt klar geworden, dass ich von Mitte 2014 bis Anfang 2018 „Ich bin ok, Du bist ok“ gelebt habe, ich aber seitdem „Ich bin nicht ok, Du bist ok“ zu spüren bekam. Das führt zu einem geringen Selbstwertgefühl (oder verschlechtert es noch). Kein Wunder, dass ich da den Groove verloren habe! Ich war ja auch völlig erstaunt, dass ich plötzlich nicht mehr ok sein sollte, und konnte mir das gar nicht erklären.

Es ist ein langsames Erwachen – in welchem Modus ich seit etwa drei Jahren gelebt habe… (auf die Gefahr hin, dass es etwas kryptisch wird: alle Details werde ich nicht schildern, das hier wird kein kein Seelenstriptease)

Mein Stress kam nicht durch Überlastung, sondern durch eine grundsätzliche Botschaft: „Du bist, so wie Du bist, nicht in Ordnung. Deine Gefühle sind ein Problem, das Du lösen musst. Deine Bedürfnisse sind eine schreckliche Belastung für mich.“ Wer kann mit so einem Bild lange leben? Daran muss man kaputtgehen und zusammenbrechen, wenn man nicht rechtzeitig aus der Situation aussteigt!

Das Aussteigen wurde unter anderem dadurch verhindert, dass ich mich lange Zeit in den Bahnen bewegt habe, die ich kenne und die einem Mann gesellschaftlich zugestanden sind: „Es muss an mir liegen.“, „Ich bin eben nicht gut genug.“, „Ich habe nicht mehr verdient.“

Ich habe die Lösung daher auf operativer Ebene gesehen: Ich müsse besser ausführen / mehr lernen. Dabei war die Lösung auf einer ganz grundsätzlichen Ebene: Das ist nicht ok! So kann man nicht mit einem Menschen umgehen. Heute formuliere ich es so:

Ich habe es verdient, anständig behandelt zu werden. Dazu gehört auch, mit meinen Gefühlen und Wünschen umgehen zu können. Für wen das nicht möglich ist, der kann kein Teil meines Lebens sein.

Ich bin nicht plötzlich unattraktiv oder „nicht mehr interessant“ geworden. Ich war auch nicht emotional unreif, konservativ oder hatte unrealistische Vorstellungen.

Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit können einiges erklären – aber nichts rechtfertigen. Die Verantwortung, mit seinen Macken umzugehen, hat man immer noch selbst. (Das gilt für jeden – auch für mich.)

Mein Fehler war es, zu glauben, irgendjemand hätte das Recht, mir zu signalisieren, ich sei nicht ok. Kein Wunder, dass ich mich verausgabt habe. Aber Selbstvernachlässigung und Aufopferung führen nicht dazu, dass man danach umso mehr Aufmerksamkeit bekommt – im Gegenteil, das wird dann die neue Normalität. Bis gar nichts mehr geht. Bestimmte Bedürfnisse sind aber nicht verhandelbar.

„Es geht ja“ ist dabei ein ganz schlechter Maßstab, denn einige Dinge „gehen so irgendwie“, aber nicht „als Alltag“. Außerdem war meine Überforderung deutlich zu spüren – wer das nicht erkennt und die Konsequenzen zieht, ist gefährlich für mich.

Darum auch die wechselnden Gefühle – sie waren ja lange „verboten“ bzw. „ein Problem“. Ich hatte mir abtrainiert, auf mich selbst zu hören. Das gegenüber einem anderen Menschen zu tun ist, wenn es absichtlich geschieht, psychisch übergriffig, wenn nicht sogar Missbrauch. (Ich habe mich heute morgen beim Aufwachen wieder daran erinnert, dass es keine Absicht war, nur ein extrem naives Vorgehen.)

Diese Gedanken spukten eine Weile in meinem Kopf herum, so dass ich sie aufschrieb als Notizen fürs Bloggen. Als ich das tat, kam die Erkenntnis, die mir den Groove zurückbrachte:

Ich war die ganze Zeit ok! Nur habe ich gedacht, andere dürften mir einreden, dass ich nicht ok bin. Ich musste mich nicht verbessern, eine neue Fähigkeiten lernen oder mich beweisen, um ok zu sein. Ich musste nur erkennen, dass ich es bereits bin.

Es klingt wie ein Klischee. „Du hattest es die ganze Zeit in Dir!“ Das für mich selbst, meinen eigenen Weg gehend, mit meinen Mitteln und nach meinem Tempo zu erkennen, ist mehr wert als es hundertmal von anderen Leuten gesagt zu bekommen. Einmal Herz schlägt zigfach Verstand.

Ein Lernerfolg

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr, den Kurs zu halten sowie zuletzt Erkenntnisse, die den Blick verändern.

Der erste Monat des Jahres ist schon wieder rum – üblicherweise hat dann der graue Alltag wieder Einzug gehalten, der Winter ist noch lange nicht vorbei und der Schwung für Veränderung verschwunden.

Umso wichtiger war es mir, noch im Januar eine Prüfung zur beruflichen Weiterbildung zu bestehen: Professional Agile Leadership Evidence-Based Management (PAL-EBM) („Professionale agile Führung – evidenzbasiertes Management“). Dieses Zertifikat gibt es erst seit Anfang Dezember! (Stand 01. Februar haben es 318 Leute.)

PAL-EBM-Abzeichen

Ich habe mir das selbst ausgesucht, weil mich das Thema interessierte. Das bereits am Anfang des Jahres geschafft zu haben, bedeutet mir sehr viel, denn das zeigt mir:

  1. Persönliches Wachstum ist immer möglich.
  2. Ich kann mir selbst Ziele setzen.
  3. Ich brauche nicht Angst, Zwang oder Druck, um etwas zu erreichen.

So sieht lebenslanges Lernen aus. Das ist einer meiner persönlichen Werte. Wenn ich zu so einer Zeit als Person wachsen kann, dann sind noch ganz andere Dinge möglich!

Herz voll Mut

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr sowie darüber, den Kurs zu halten.

Ich habe erneut einige schwierige Tage hinter mir, an deren Ende jedoch steht, dass mir neue Erkenntnisse gekommen sind. Viele Gespräche der letzten Wochen und Monate haben bewirkt, dass sich die Zahnräder im Kopf langsam weitergedreht haben.

Ich werde hier bewusst nichts ins Detail gehen (dieses Blog soll kein Seelenstriptease werden). Entscheidend ist ohnehin, was es bewirkt hat. Nachdem ich eine bestimmte Sache verstanden hatte, war ich plötzlich gelöst und fröhlich und sagte zu mir selbst:

„Ja, aber dann bin ich ja gar kein Versager!“

Etwas später verblüfft:

„Ich war ja sogar sehr gut, über die Maßen erfolgreich!“

Und schließlich, völlig entspannt:

„Es hatte nichts mit mir zu tun.“

Meine Gefühle waren erstaunlich richtig. Ich war nicht naiv in dem, was ich wollte und getan habe. Die letzten Jahre waren nicht umsonst.

Beachtlich ist, dass dieser Blick zurück ohne Bitterkeit und Schuldzuweisung erfolgen konnte. Schuld spielt keine Rolle. Der Blick auf das jetzige Leben kommt ohne Bewertung der Vergangenheit aus. Es spielt auch keine Rolle, ob dieser Zustand so bleibt. Entscheidend ist, dass ich ihn überhaupt in so kurzer Zeit erreicht habe.

Mir ist eine weitere Sache klar geworden: Den Groove habe ich nicht verloren, weil ich etwas falsch gemacht habe. Ich habe das richtige getan. Ich konnte in dieser unmöglichen Situation nicht bestehen – niemand hätte das.

Aber das, was ich über meinen Groove gelernt habe, wird mich wieder herausführen aus der jetzigen Situation: Der Zugang zu den eigenen Gefühlen und vor allem das Wissen um den Wert der eigenen Verletzbarkeit.

Angelehnt an das Lied vom „Leben danach“ von Sasha: Ich sehe schon beinahe die neuen Türen, die aufgehen.

Wenn die Vergangenheit kein Urteil über mich bedeutet, dann bin ich frei, eine neue Zukunft zu suchen.

Auch die Traurigkeit und Enttäuschung waren nichts, was mich auf Dauer fesseln muss. Die Hobbits sind auch nicht nach dem ersten Besuch in der Kneipe wieder gemütlich nach Hause gegangen, sondern mussten Tod und Schmerz erleben. Aber am Ende haben sie das Auenland wiedergesehen.

Für die Zukunft brauche ich nur Mut. Ich sehe jetzt, dass ich viel Mut gezeigt habe in den letzten Jahren. Warum soll es nicht wieder funktionieren?

Two Steps from Hell: Heart of Courage

Kurs halten

„Doch olles, wos da föhlt im Lebn,
des kannst Du Dir nua söba geb’n.“
– Erste Allgemeine Verunsicherung, I hab des G-fühl

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren sowie über Wegweiser fürs neue Jahr.

Das neue Jahr ist nun schon fast drei Wochen alt – und vorgestern war „Blue Monday“, der deprimierendste Tag des Jahres. Vielleicht liegt es daran, dass zu diesem Zeitpunkt die Routine wieder Einzug gehalten hat und die meisten Vorsätze fürs neue Jahr an der Realität zu scheitern scheinen.

New Order: Blue Monday

Auch ich hatte in den letzten Tagen eine schlechte Phase. Ein Teil meiner jüngeren Vergangenheit, mit dem ich doch eigentlich abgeschlossen hatte, schien mich nicht loszulassen.

Interessant ist, wie ich es seit gestern abend geschafft habe, die Stimmung wieder umzudrehen. Auf den ersten Blick habe ich gar nicht viel gemacht: Ein wenig Software deinstalliert und ein paar E-Mails geschrieben.

Effektiv war das aber sehr wichtig: Anstatt neue Sachen anzufangen, habe ich vorangetrieben, alte zu beenden. Das ist einer der wichtigsten Ratschläge, die ich kenne, um zu entrümpeln – auch bezogen auf das eigene Leben. Denn an neuen Impulsen und Ideen mangelt es mir sicher nicht – nur an dem Platz und der Zeit, sie auch auszuleben. Ein Prinzip, das ich aus der Arbeitswelt kenne, passt hier sehr gut: „Verschwendung vermeiden.“

Verschwendung sind Tätigkeiten, die mich zwar auslaugen, aber mir letztendlich keine Freude bereiten. Verschwendung sind auch Gegenstände, die ich zwar besitze, die ich aber nicht benutze und die höchstens Staub fangen (und Schuldgefühle erzeugen). Ganz in diesem Sinne habe ich der früher öfters in diesem Blog erwähnten Operation Augias jetzt eine eigene Seite gewidmet.

Denn ebenso wichtig wie das Festhalten an dem, was mir wichtig ist, ist auch das Loslassen dessen, das seine Zeit gehabt hat, auch wenn es manchmal traurig ist, das zu tun. Damit wieder mehr in meinem Leben passieren kann und Platz für Neues ist, muss es erst leerer werden.

Diesen Kurs halten und mich auf das wenige konzentrieren, das wirklich zählt, wird für mich entscheidend in diesem Jahr sein. Und genau dieses Gefühl, das richtige zu tun, hat meine Stimmung so magisch verbessert. Es kann niemand machen außer ich. Es wird keine bessere Zeit kommen als jetzt. Es gibt keine Zukunft, die es wert ist, dass ich für sie meine Gegenwart opfere.

Wegweiser fürs neue Jahr

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren.

Das Jahr ist noch keine zwei Wochen alt und schon habe ich es wieder geschafft, den Groove zu finden!

Ich wollte mir einen Vortrag von Amy C. Edmondson über psychologische Sicherheit ansehen. Ich habe dieses Thema vor einiger Zeit für mich entdeckt und kenne Amy Edmondson als Expertin dazu. Schon in der ersten Minute merkte ich, wie das Feuer hell in mir brannte. Ich fühlte mich „ganz wie zu Hause„, ich war „genau da, wo ich sein sollte„, ich war „im Hier und Jetzt„, „ganz bei mir selbst„. Fantastisch! Edmondson spricht eine ganz wichtige Erkenntnis an: Sich wohl zu fühlen und starke Leistung zu bringen sind keine Gegensätze. Sich sicher zu fühlen ermöglicht es erst, auf Dauer herausragende Leistungen zu vollbringen, ohne dass man ausbrennt. Was soll ich sagen? Das ist mein Thema. Ein absoluter Volltreffer.

Plötzlich hatte ich den Groove. Ich war wie der Ritter, der über dem Abgrund schwebt, den Gral vor Augen. Und so wie der Gral wundersame Heilkräfte hat, so fühlte es sich an, als würde viel Schmerz der letzten Jahre ein Stück geheilt.

Meine Vorstellung, mich sicher fühlen zu müssen, um Großes vollbringen zu können, war keine Spinnerei. Dieser Standpunkt wird durch Wissenschaft unterstützt. Ich war nicht verrückt oder gar schwach – die Leute, die mir das verweigern wollten, waren emotional unreif, bestenfalls unsicher.

Heute habe ich mir außerdem eine Zusammenfassung eines Buches von Kristen Neff namens „Selbst-Mitgefühl“ angehört („Self-compassion. The proven power of being kind to yourself“). Darin werden viele Mechanismen angesprochen, die dazu führen, dass Erwachsene unglaublich hart, ja sogar gnadenlos gegenüber sich selbst sind und sich sogar für kleinste Fehler fertigmachen. Als Ursache wird genannt, dass es schlechte Prägungen durch einzelne Personen aus der Kindheit sein können, ebenso jedoch auch die Kultur der umgebenden Gesellschaft. „Überraschung“: Stets „die Zähne zusammenbeißen“ und „durchhalten“ führt weder zu glücklichen noch zu stärkeren Menschen. Ich habe mich in den Beschreibungen sehr stark selbst wiedererkannt. Immerhin, ich habe das sofort tun können, ohne es erst abwehren zu müssen. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Veränderung.

Schon vorher wurde mir von einem Bekannten der Film „Friedlicher Krieger“ (Peaceful Warrior) empfohlen, in dem es heißen soll: Gefühle müssen nicht beherrscht werden. Sie sind natürlich so wie vorbeiziehendes Wetter. Manchmal ist es Angst, manchmal Traurigkeit oder Zorn. Gefühle sind nicht das Problem. Entscheidend ist es, die Energie der Gefühle in konstruktive Handlungen umzusetzen. Das fasst meine eigene Vision von meinem zukünftigen Umgang mit meinen Gefühlen hervorragend zusammen.

Diese drei Dingen seien mir Wegweiser fürs neue Jahr!

Die Sehnsucht bewahren

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Meine Idee, für Silvester einen Discord-Server einzurichten, hat sich als große Klasse erwiesen. Ich habe Dutzende Freunde wiedergesehen und mit einigen von ihnen sogar aus der Entfernung getanzt! Ein – unter den gegebenen Umständen – großartiger Abschluss des Jahres!

Ein neues Jahr bringt immer Hoffnung auf Veränderung, aber auch das Risiko, schnell enttäuscht zu werden. Deswegen möchte ich mich diesmal von Anfang an auf das konzentrieren, das mir persönlich wichtig ist. Pflichten wird es genug geben!

So wie im letzten Eintrag möchte ich das mit einem Foto und einem Lied zum Ausdruck bringen. Das Foto ist vom Januar letzten Jahres und zeigt die Sprachbücher, die ich gekauft hatte, um meiner Länderliste wenigstens ein neues Land hinzuzufügen:

Kauderwelsch Wort für Wort 2020-01-17 215925

4 Strings – Take Me Away (Into The Night)

Dieses Lied kenne ich durch eine CD, die einer meiner besten Freunde Ende 2002 für mich zusammengestellt hat.

Darauf befanden sich einige Stücke von Chicane, dessen Musik sowohl während meiner Auszeit als auch als Erinnerung an meine Träume eine Rolle spielt. Dieses Trance-Stück geht in eine ganz ähnliche Richtung. Ich verbinde damit sogar sehr viele Dinge:

  • die Erinnerung an eine Freundschaft, die sich gerade in schlechten Zeiten bewährt
  • der Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen
  • das Verlangen nach Kreativität, insbesondere selbst Musik zu machen
  • die Sehnsucht nach dem Reisen

An das Lied wurde ich durch eine neuere Version erinnert, auf die ich wie ein anderes Stück durch denselben Freund Ende Februar / Anfang März letzten Jahres aufmerksam gemacht wurde. Kurioserweise habe ich erst vor einigen Monaten erfahren, dass das Stück aus den Niederlanden stammt:

The story behind „4 Strings – Take Me Away (Into The Night)“ with Carlo Resoort | Muzikxpress 061

Es gibt also sogar eine Verbindung zu meiner Wahlheimat!

Die Stimmung und der Titel drücken es für mich so klar aus: Ich möchte noch einmal verreisen, all die Pflichten hinter mir lassen, mich selbst in einem anderen Kontext erleben, zeigen, was ich außer Routine noch kann. Ich habe mir das verdient. Ich bin es mir wert.

Auf der Schwelle zum neuen Jahr

Übermorgen sind es genau neun Monate, seitdem ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove gemacht habe. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen.

Was habe ich im dritten Quartal meiner Suche erlebt?

Am wichtigsten waren sicherlich die Minuten, in denen der Groove zurückkam sowie meine wiedergefundene Kreativität. Das waren ohne Zweifel Höhepunkte des Jahres.

Dabei war auch das letzte Quartal alles andere als einfach: Die Lieder, die mich durch die Nacht bringen sowie ein erstaunlich tiefgründiges Lied von Sasha hatte ich bitter nötig.

Ich habe kurz geklärt, was dieses Blog hier wird (und was nicht), und mich dann mit den Dingen beschäftigt, die mich früher und bislang zurückgehalten haben, etwa Schuld und Schuldgefühle.

Das neue Lebensjahr nahm ich zum Anlass, zu überlegen, wie ein Neuanfang aussehen kann.

Durch meine Beschäftigung mit Glauben und Zweifel kam ich auf eine persönliche Vision: Nicht weggeworfen zu werden für die eigenen Gefühle. Eine andere Facette der Vision meiner persönlichen Zukunft ist eine wirklich moderne Männlichkeit.

Für den Blick nach vorne war es wichtig, mich an den Sinn des Staunens zu erinnern, um zu erkennen, dass das Gute, das geschieht, nicht allein durch unsere Taten oder das Jetzt bestimmt wird.

Ich habe meine eigene Aufgabe erkannt und dabei drei konkrete Ansatzpunkte für den Alltag formulieren können.

Selbst in der Jahresendmüdigkeit habe ich noch einen positiven Ausblick auf das nächste Jahr formulieren können.

Ich möchte den letzten Eintrag diesen Jahres mit einem Foto und einem Lied abschließen.

Vác 2019-12-27 073215

Das Foto habe ich in Vác aufgenommen, am 27.12. letzten Jahres, frühmorgens, als ich auf einen Anschlusszug gewartet habe zu Beginn meiner letzten großen internationalen Reise von Ungarn über die Slowakei und Tschechien nach Polen. Es ging mir damals unglaublich schlecht, und doch – ich erinnere mich daran, wie mich die alte Reiselust überkam, die so lange hatte pausieren müssen. Im neuen Jahr möchte ich schaffen, was ich schon für dieses geplant hatte, und endlich meine Länderliste um einen neuen Eintrag ergänzen.

Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal seit 32 Jahren zu Hause. So sehr es mich schmerzt, die Tradition dieses Jahr nicht wie gewohnt fortführen zu können, so sehr freue ich mich über einige Möglichkeiten des Internets. Ich habe vor einigen Tagen einen Discord-Server erstellt, auf dem ich eine Disco aus der Ferne machen kann. Vielleicht klappt es sogar, den Menschen in verschiedenen Zeitzonen zum neuen Jahr zu gratulieren!

Der Text des Liedes „Nova jaro“ (neues Jahr) von Martin Wiese bekommt diesmal noch eine besondere Bedeutung:

„La jaroj venas kaj malaperas /
Pri kelkaj eble vi ne fieras /
kaj se fiaskis la pasinta /
via venonta certe estos la pinta“

„Die Jahre kommen und gehen /
auf einige bist Du vielleicht nicht stolz /
und wenn das vergangene ein Misserfolg war /
wird Dein nächstes sicherlich das beste“

Der Blick zurück hat mir sehr geholfen, denn er zeigt eines ganz deutlich: Dieses Jahr endet für mich in allen wichtigen Lebensbereichen besser, als es begonnen hat!