Träume sind keine Schäume

Träume sind hartnäckig; man hält noch an ihnen fest, wenn sie schon längst zu Staub zerfallen sind.“ (Ritter Bowen, Dragonheart)

Wenn mir die Lage nicht gefällt, dann ist es wichtig, mich daran zu erinnern, was ich ursprünglich – also unabhängig von Pflichten und Einschränkungen – einmal erreichen wollte im Leben. Denn das ist eine wichtige Antwort auf die Frage, wofür ich das alles eigentlich mache.

Beim Beschreiben meiner groben Ideenliste für das Jahr Auszeit hatte ich bereits angedeutet, dass es um meine Träume geht und es sich lohnt, darüber einmal genauer zu schreiben. Vielleicht tut mir zuerst ein Blick zurück gut, um zu beurteilen, wie es denn war, als sich in meiner Vergangenheit Träume erfüllt haben. Erinnern kann ich mich an zwei Träume meiner Jugend, die auch beide in Erfüllung gegangen sind:

– mit einer wunderschönen Frau zusammen sein
– als Sänger in einer Band die Leute rocken

Es war mir schon ein wenig peinlich, das aufzuschreiben. Wie oberflächlich und eitel! Wie gewöhnlich und selbstzentriert!

Dabei lehrt uns doch die Popkultur drei Dinge in diesem Zusammenhang (so zumindest meine Erinnerung an entsprechende Filme): 1. Dass man in der Jugend keine Ahnung hat, was wirklich wichtig ist im Leben 2. Dass es überhaupt nicht glücklich macht, wenn solche Träume wahr werden 3. Dass man lieber zurückstecken und bescheiden, selbstaufopfernd und uneigennützig handeln sollte, denn das ist der Weg zum Glück.

Als Jugendlicher dachte ich, das wären die wichtigsten und großartigsten Sachen im Leben. Als Erwachsener muss ich feststellen: Das sind sie.

Die wunderschöne Frau, die ich meine, war nicht nur gutaussehend, sondern intelligent, romantisch und humorvoll. Sie hatte einen sehr guten Einfluss auf mich, der bis heute noch anhält. Darum blicke ich auch nicht wehmütig auf diese Beziehung zurück. Als ich mit dieser Frau zusammen war, war das die beste Zeit meines Lebens. Und wenn ich Bilanz ziehen oder Rechenschaft ablegen müsste für mein ganzes Leben, dann wäre diese Erfahrung der Grund, warum sich mein Leben gelohnt hat, und der Sinn, wofür ich gelebt habe.

Als Sänger trete ich seit vielen Jahren immer wieder auf und ich habe durchaus mit einigen Bands auf der Bühne gestanden. Aber die richtige Krönung, das war das Konzert, als ich Sänger einer Rockband war, die den vollen Saal zum Tanzen brachte. Ich hatte das schon einmal probiert und so richtig verpatzt. Eigentlich dachte ich, damit wär’s das gewesen, ich bin einfach kein Rocker. Aber Jahre später bekam ich die Chance, es am selben Ort noch einmal zu probieren. Wie in einem klischeehaften Film. Und diesmal funktionierte es. Abgesehen von glücklicher Liebe war das die schönste Erfahrung meines Lebens. Es war genauso großartig, wie ich es mir immer vorgestellt habe.

Wenn ich mir die drei Motive noch einmal vor Augen halte, die ich als für mich entscheidend identifiziert habe (einen Unterschied machen, etwas in den Herzen der Menschen bewegen, gut genug für etwas sein), dann fällt mir auf: In beiden Situationen waren sie alle erfüllt. Und ich habe auch anderen Menschen etwas Gutes getan dabei.

Meine Träume waren also keine Schäume. Sie waren das, was fundamental wichtig und gut für mich gewesen ist.

Ich sollte mir also nicht einreden (lassen), dass ich „intellektuell“ oder „idealistisch“ handeln sollte. Beides sind kalte und leere Begriffe, wenn sie dem direkt entgegenstehen, was mich glücklich macht, und wenn ich mich für sie aufzehren muss, anstatt zu leben.

Das schreibt sich alles so leicht. Aber es hat unheimlich lange gedauert, bis ich mir über all das klar geworden bin.

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