Was tun?

Nach einem Blick auf die Lage stellt sich als nächstes die Frage: Was tun? Was kann ich in einem Jahr alles machen?

Eine erste Ideenliste mit groben Stichpunkten:
– Gesundheit
– Musik
– Reisen

Klar, ganz grob beschrieben wäre es „meine Träume verwirklichen“. Aber dazu muss ich erst einmal wissen, was meine Träume sind. Man vergisst sie so leicht im Alltag, ständig muss man Kompromisse machen und kommt mit der Zeit völlig vom Kurs ab… gut, ich habe mir schon aufgeschrieben, was meine Träume sind, aber das ist Thema für einen eigenen Artikel. Jetzt erst einmal zu den groben Ideen:

Gesundheit: Das vernachlässigen Männer ja angeblich viel zu sehr. Aber wenn man darauf getrimmt ist, Leistung zu erbringen, geht man nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt… bis es vielleicht ernst oder zu spät ist. „Wir hatten noch so viel vor“ ist ein Satz, der laut einer ehemaligen Klassenkameradin oft von Angehörigen gesagt wird, wenn jemand schwer krank ist und den meine Freunde und Verwandte nicht nach meinem Tod sagen sollen.

Musik: Hier habe ich in den letzten Jahren bereits einige wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht. 2011 bin ich regelmäßig ausgegangen und habe viele Konzerte besucht. Da waren gute Bands dabei. Doch auch wenn ich die Musik genossen habe, ein Gedanke ging mir nie aus dem Kopf: „Das würde ich am liebsten selbst machen!“ Eine alte Sehnsucht von mir kam hervor.

Ganz unspektakulär habe ich das ab Mitte 2012 umgesetzt. Seitdem war ich häufiger als Sänger aktiv, ab Herbst vergangenen Jahres zusätzlich mit Ukulele. Die regelmäßige Bühnenerfahrung war ganz wichtig für mich. 2013 bin ich in sechs verschiedenen Ländern aufgetreten – alle, in die ich in dem Jahr gereist bin.

Reisen: Womit wir beim dritten Punkt sind. Ich spürte es zum ersten Mal, als ich über Ostern in Italien war. Obwohl eine Reise immer stressig sein kann, fühlte ich mich unglaublich gut. Es war überraschend und erschütternd zugleich für mich, zu merken, was für ein positiver und begeisterungsfähiger Mensch ich außerhalb meiner normalen Umgebung bin. Das hat mich innerlich sehr gerührt – und das ist ein sehr guter Hinweis darauf, dass ich etwas richtig gemacht habe.

Ich war früher viel öfter so. Es war sehr erschreckend, festzustellen, wie sehr ich mich davon entfernt habe. Andererseits zeigte diese Erfahrung, dass ich immer noch so sein kann – nur dass es nur im Urlaub wieder hervorkam, war sehr schade.

Wenn ich reisen muss, um wieder ganz bei mir selbst zu sein, dann sollte ich das wohl machen. Heute habe ich einen neuen Reisepass beantragt. Und eine Kreditkarte bestellt.

Die Lage

Als ich mir diese Blogadresse am 12.08.2009 für eine spätere Benutzung reserviert habe, da hätte ich nicht gedacht, dass ich sie mal so verwenden würde. Mein Leben war sehr gut. Die Zukunft sah vielversprechend aus. Nicht einmal fünf Jahre später ist fast nichts mehr so, wie es mal war.

Auf der einen Seite bin ich beruflich erfolgreich. Ich selbst muss mir bei der Arbeit nichts mehr beweisen. In der Freizeit mache ich Musik und lege als DJ auf. In den letzten Jahren sogar mehr als früher und ich komme damit herum.

Auf der anderen Seite habe ich keines der harten Ziele erreicht, die in meinem Umfeld normal sind. Ehepartner, Kinder, Eigenheim, sozusagen Platz und Verankerung im Leben – alles Fehlanzeige. Ich sehe, wie ich in meiner Umgebung zunehmend zum Exoten werde und die Leute mich sinngemäß fragen, wann ich denn normal (so wie sie) zu werden gedenke, so als ob das nur eine Frage meines eigenen Willens wäre. Es ist nicht schön, immer anders zu sein.

Nach einer schweren gesundheitlichen Durststrecke habe ich mich noch einmal hochgerappelt. Aber wofür? Diese Frage habe ich in den letzten Monaten versucht zu beantworten. Aus meinem Alltag heraus will mir das jedoch, so das Fazit, nicht gelingen. Im Gegenteil, ich habe den Eindruck, dass ich mit meinem bisherigen Lebenswandel keine große Veränderung mehr in meinem Leben herbeiführen werde. Die kleinen und mittleren, gemäßigten Maßnahmen sind ausgereizt. Zeit für einen großen, radikalen Schritt.

Seit heute habe ich ein Jahr Auszeit. Das ist zuallererst eine Absage an den Gedanken, dass sich manche Dinge „schon noch ergeben“ werden oder dass ich im großen und ganzen das richtige Leben führe. Es ist das Eingeständnis des Scheiterns, neben meiner Arbeit mein Privatleben in den Griff zu bekommen. Es bringt nichts, hier über „die Umstände“ oder „die Gesellschaft“ zu jammern. Das ist allein meine Verantwortung.

Ich habe jetzt ein Jahr Zeit, etwas aus mir zu machen. Das wichtigste Kriterium ist, wieder auf mich selbst zu hören. Denn nach außen hin wirke ich anscheinend positiv, aber innerlich fühle mich leer. Ich bin sehr müde von diesem Leben und habe die Möglichkeit, mich einzig und allein darauf zu konzentrieren, alles dagegen in die Waagschale zu werfen, um diesen Eindruck wieder loszuwerden. Das klingt zumindest nach einer fairen Chance.

Drei Motive, die mich antreiben und an denen ich recht zuverlässig messen kann, ob ich das richtige tue:
– einen Unterschied machen
– etwas in den Herzen der Menschen bewegen
– gut genug für etwas sein