Da boxt der Papst im Kettenhemd

Die Reise nach Rom hatte als oberstes Ziel, ein neues Land zu besuchen, in dem ich noch nie zuvor gewesen war. Am Morgen nach meiner Ankunft machte ich mich daher auf Richtung Vatikan.

Die genaue Grenze zwischen Italien und dem Vatikanstaat war mir nicht bewusst, aber als ich auf dem Petersplatz stand, war ich mir doch relativ sicher, mich auf vatikanischem Territorium zu befinden. Zur Sicherheit bin ich dann noch in den Petersdom gegangen.

Während ich die Vatikanischen Museen wegen der angeblich stundenlangen Wartezeiten ausgelassen habe, kam ich zumindest in ein kostenloses Museum über die Bibel hinein. Hier gab es einige interessante Sachen zu entdecken. Unter anderem wurden auch jüdische Schriftstücke erwähnt ebenso wie die Koexistent von Christentum und Buddhismus. Wer hätte außerdem gedacht, dass die erste Bibel auf Spanisch von Protestanten stammt? Für mich war es sehr angenehm zu lesen, wie oft der Beitrag nichtkatholischer Christen (also Protestanten ebenso wie Orthodoxe) gewürdigt wurde.

Der absolute Höhepunkt meines Besuchs im Vatikan war eine ausgestellte Bibel auf Esperanto, meiner zweiten Muttersprache. Ich hatte es ja insgeheim schon beim Hereingehen ins Museum gehofft, aber als ich plötzlich in einer Ausstellung mit Bibeln in Sprachen aus der ganzen Welt mir die erste Bibel anschaute und „LA EVANGELIO LAŬ SANKTA JOHANO“ las, war ich doch sehr ergriffen.

Als Quelle für diese Bibel war angegeben: British and Foreign Bible Society, London 1947

Es ist ansonsten überhaupt kein Problem, an den Text der Bibel auf Esperanto zu kommen. Schon 1997 gab es eine CD-ROM, die unter anderem die Bibel auf Esperanto enthielt; auch war der Text bald im Internet erhältlich. Zuletzt habe ich 2008 auf dem Deutschen Esperanto-Kongress in Essen vom Haus, in dem wir untergebracht waren, ein kleines handliches Neues Testament auf Esperanto geschenkt bekommen. Dennoch, hier im Vatikan, unter den Bibeln in vielen Sprachen der Welt, ein Exemplar auf Esperanto zu finden, war mir sehr wichtig!

Der schönste Satz, den ich auf den zwei aufgeschlagenen Seiten gefunden habe, lautet:

5 Kaj la lumo brilas en la mallumo, kaj la mallumo ĝin ne venkas.

Könnte ich auch als Wahlspruch für mein Leben annehmen! Das Licht, das im Dunkeln leuchtet, und das von der Dunkelheit nicht besiegt wird.

Der Besuch im Petersdom (in den ein kleinerer, „normaler“ Dom hineinpassen würde) fiel dagegen erstaunlich ab. Unbestritten großartig ist die gesammelte Leistung an Kunst, die hier zu sehen ist. Einen religiösen Bezug habe ich aber viel mehr zum Dom in Münster, zur Kirche Sankt Dionysius in Nordwalde, ja sogar zur dortigen evangelischen Christuskirche! Leider zeigten nicht alle Touristen die Rücksichtnahme, die sich für so einen Ort gehört. Der traurigste Moment war für mich, als ich sah, wie gerade ein Gottesdienst an einer Stelle des Petersdoms gefeiert wurde und einige Touristen tatsächlich dort photographieren wollten. Da wirkten der Priester und die Gläubigen doch sehr bedrängt und verletzlich auf mich.

Ansonsten hat mich die Engelsgeduld sämtlicher Bediensteten (etwa im Vatikanischen Postamt, aber auch die der Schweizer Gardisten) stark beeindruckt. Ich bin danach gar nicht weit weg sehr lecker essen gegangen (im Sorpasso), unter anderem gab es eine Granita mit Kaffee, was mich sehr angenehm an meine Zeit in Catania auf Sizilien erinnerte. Ein kleiner Bummel in der Einkaufsstraße (ohne dass ich in ein Geschäft ging), ein Besuch der Spanischen Treppe (natürlich völlig touristenverseucht, dazu noch mit störenden Baugerüsten) und ein Abendessen im selben Lokal wie am Abend zuvor rundeten den Tag ab.

Damit habe ich zumindest das größte und das kleinste Land der Welt gesehen. Den Vatikan möchte ich sehr gerne noch einmal besuchen, alleine schon wegen der Museen, aber auch wegen des Ausblicks von der Kuppel, den ich ebenfalls aus Zeitgründen (in einer Riesenschlange in der Mittagshitze zu warten war nicht meine Sache) nicht geschafft habe.

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