Die spinnen, die Römer!

Im Rahmen meines Aufenthaltes in Rom hatte ich am ersten vollen Tag den Vatikan besucht und am zweiten Tag klassische touristische Sehenswürdigkeiten in der ganzen Stadt besichtigt. Am dritten und letzten ganzen Tag wollte ich dann in ein Museum.

Am liebsten in die Vatikanischen Museen, denn dort steht unter anderem die Laokoon-Statue, die mich so sehr an mich selbst erinnert, wenn ich mal wieder mit Kabelsalat zu kämpfen habe. Dagegen sprach nur eine Sache: Die langen Besucherwarteschlangen, die zu Wartezeiten von angeblich zwei Stunden führten. Im Internet hatte ich bereits gesehen, dass es möglich war, sich vorab eine Karte zu besorgen. Allerdings hätte ich dafür einen Drucker oder ein eigenes modernes Mobiltelefon (und entsprechende Kenntnisse) benötigt, was beides nicht verfügbar war. (Gut, nach dem Drucker hätte ich im Hotel fragen können, was mir jetzt erst einfällt.)

Ich wollte das Wagnis dennoch auf mich nehmen. Der Plan war: Falls ich wirklich zu lange warten würde (ich würde ja sehen, wie schnell ich vorankommen würde), könnte ich immer noch in die Kapitolinischen Museen gehen. Gesagt, getan: Es gab zwar schon eine Schlange, aber die ging gut voran und schien mir deutlich kürzer als bei meinem ersten Besuch im Vatikan zwei Tage zuvor. Außerdem stand man im Schatten, was sehr vorteilhaft war, denn selbst vormittags machten sich die Temperaturen gut bemerkbar, es war etwa wie ein guter Frühsommer in Deutschland. Ich hatte auch Glück mit meinen Nachbarn in der Schlange: Vor mir stand ein asiatisches Ehepaar, das sich als Amerikaner aus Oklahoma vorstellte; hinter mir unterhielten sich Niederländer über verschiedene Museen (soviel habe ich verstanden), dabei gut gelaunt.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde war ich auch schon in den Museen drin. Und was soll ich sagen? Ich habe über sechs Stunden dort verbracht, um ohne Trink- oder Esspause wirklich alles zu sehen, was ausgestellt war. Gut, am Ende habe ich mir bei der philateistischen und numismatischen Sammlung nicht jede Briefmarke oder Münze angeguckt, die der Vatikan jemals herausgegeben hat. Mein Besuch in der Ermitage in Sankt Petersburg Anfang 2009 war eine gute Vorbereitung gewesen, um einen solchen Kulturmarathon durchzuhalten. Damals habe ich jedoch nur einige Flügel des gesamten Museums geschafft.

Was waren für mich persönliche Höhepunkte (neben der Laakoon-Statue)? Zum einen die Etruskische (und italische) Kunst. Wieviel weiß man sonst von den Kulturen, die vor der Römerzeit in Italien lebten und schließlich vom Römischen Reich geschluckt wurden? (Dazu noch eine Anekdote: Es gab einige Jahre lang eine Arbeitsbrigade, die Esperanto-Freunde von mir in Blera veranstaltet haben und bei der etruskische Ausgrabungen gemacht wurden.) Zum anderen waren die historischen Karten interessant, bei der ich viele Städte Italiens wiedererkannt habe, in denen ich schon gewesen bin oder in denen Freunde von mir wohnen. Die Stanzen des Raffael waren bereits unglaublich und doch nur ein Vorgeschmack auf die Sixtinische Kapelle. Hier durfte man allerdings nicht fotographieren. Auch wenn die Kapelle sicherlich das bedeutendere und beeindruckendere Gesamtkunstwerk ist, fand ich den Aufhenthalt in den Stanzen schöner, weil ich mehr Zeit hatte und sie genauer ansehen konnte.

Auch ein Blick auf die moderne Kunst, ein wenig verschämt als Puffer zwischen Stanzen und Kapelle platziert, lohnte sich. Vieles wirkte wie eine Vorlage für Cover von Metalalben und Fantasybüchern. Hinzu kamen noch eine sehr schöne Gemäldesammlung (die allein unter normalen Umständen schon ein tolles Museum wäre) sowie frühchristliche Kunst auf Gestein (vor allem Sarkophage), die ich so noch nie gesehen habe, sowie ein sehr schönes Mosaik.

Alles in allem ein wunderbarer Besuch – und der Tag war noch nicht einmal zuende! Aber vom Rest berichte ich ein anderes Mal.

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2 Gedanken zu „Die spinnen, die Römer!

  1. Pingback: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut | DĴ Kunar

  2. Pingback: Drei Monate rum… | DĴ Kunar

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