Mit Dänen kann man es ja machen

Gut, zuerst wollte ich als Überschrift „Dänen lügen nicht“ wählen, aber dieser Kalauer erschien mir dann doch zu abgenutzt. Das muss man sich erst einmal vorstellen: Es gibt Sprüche, die sogar mir zu ausgelutscht sind!

Jedenfalls habe ich meinen leichten Lagerkoller überwunden und genieße im Moment das Leben in vollen Zügen, sprich: Ich bin wieder unterwegs und nehme die entsprechenden Vorlagen für Wortspiele mit.

Meine Anreise sollte sich allerdings als abenteuerlicher erweisen als gedacht, und dabei trug diesmal nicht eigene Verpeiltheit die Schuld daran. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, nach Schweden zu reisen. Die Grundidee war: Jetzt sollte es dort am schönsten sein.

Allerdings nervte es mich, einen guten Flug herauszusuchen. Da kam von Johannes Mueller der Vorschlag, doch mit dem Zug zu reisen. Er habe das ja selbst bereits gemacht. Er hatte eine ähnliche Reiseroute (mit Lied darüber!). Das passte mir gut in den Kram. Schon bei meiner Fahrt nach Italien von Münster nach Mailand hatte ich festgestellt: Man sieht mehr und hat außerdem einen Zwischenstopp in einem weiteren Land.

Am Ende der Reiseplanung sah es ganz gut aus: Zuerst um 23:10 Uhr nach Hamm und da in einen Nachtzug. So hatte ich es ja fast ein Jahr zuvor bei der Fahrt auf ein Esperantotreffen in die Slowakei gemacht. Angekommen wäre ich am nächsten Tag in Kopenhagen und von dort aus in einen Zug nach Stockholm gestiegen, Ankunftszeit 16:39 Uhr.

Soweit war die Welt also noch in Ordnung. Wenige Stunden vor der Abreise kontrollierte ich noch einmal die Verbindung und stellte mit Erschrecken fest: Der Nachtzug fiel aus! Ich hastete also zum Bahnhof, wenige Minuten bevor das Reisezentrum dort schloss. Zuerst wurde meine Zugbindung aufgehoben; außerdem holte ich mir noch neue Reservierungen.

Die nächste Verbindung ging um 04:16 Uhr ab Münster mit einem Extraumstieg in Malmö, Ankunftszeit 18:39 Uhr. Gemütlicher wäre es gewesen, ab 06:57 Uhr zu fahren mit Umstieg in Hamburg und Kopenhagen, Ankunft 19:39 Uhr. Allerdings hätte ich pro Umstieg nur etwa eine Viertelstunde Zeit gehabt, und da ich fast ein Jahr die Strecke Münster – Hamburg gefahren bin, wusste ich schon, dass zumindest dem ersten Teil nicht zu trauen war.

Als alter Pessimist habe ich also tatsächlich eine kurze Nacht gehabt und war vor 04:00 Uhr am Bahnhof. Spannend übrigens, mal den Hauptbahnhof völlig leer zu sehen.

Der Zug nach Hamburg kam bereits 10 Minuten zu spät. Hinter Osnabrück fuhr er langsam und hielt dann einfach mal an. Wegen eines Signalfehlers hatten wir insgesamt zwischen 20 und 25 Minuten Verspätung.

Das machte aber nichts, den Zug nach Kopenhagen bekam ich trotzdem. Das war schon einmal ein schönes Gefühl, denn aus meinem Jahr in Hamburg erinnerte ich mich an die Durchsagen bezüglich des Anschlusses. Das hat bei mir immer Fernweh verursacht. Dänemark wäre so nah… und jetzt würde ich da wirklich hinfahren.

Die Grenze überschritt ich übrigens via Fähre. Danach begannen jedoch die weiteren Schwierigkeiten: Im Zug teilte mir der Schaffner (in fließendem Deutsch!) mit, der Zug nach Malmö fahre nicht. Nach und in Schweden führen überhaupt keine Züge. Ich solle in Kopenhagen in den Zug zum Flughafen steigen, ab dann gäbe es Busse und ich solle mich weiter durchfragen.

Das machte mich doch entsprechend nervös. Bis Stockholm würde es sicher eine Möglichkeit geben (zur Not hätte ich ja sogar einen Flug nehmen können), aber ich wollte ja am nächsten Tag noch weiterreisen! Eine andere Reisende im Zug wusste zu berichten, dass man ihr gesagt habe, in Schweden streikten die Lokführer. Da wir dasselbe Problem hatten, beschlossen wir, uns zunächst zusammenzutun.

In Kopenhagen angekommen, erwischten wir den ersten Zug Richtung Flughafen. Der blieb dann eine halbe Stunde im Tunnel kurz hinter dem Hauptbahnhof stehen aufgrund irgendeines technischen Defekts. Die Reisenden waren entsprechend begeistert. Die Dame uns gegenüber stellte sich als Ungarin heraus, mit der ich aufgrund meiner bescheidenen Ungarischkenntnisse gut ins Gespräch kam. Sie wohnt in Schweden und konnte mir daher einige wichtige Informationen geben:

Der Streik betraf nur die Region um Malmö. Außerdem waren nur die Regionalzüge betroffen. Das klang doppelt gut für mich, denn zum einen würde mein Zug am nächsten Tag fahren (ein Hochgeschwindigkeitszug ohne Umstieg), zum anderen war meine ursprüngliche Fahrkarte ja gerade für den Schnellzug nach Stockholm gewesen! Also bräuchte ich nur eine neue Reservierung für die spätere Verbindung.

Der Zug fuhr dann zum Hauptbahnhof zurück; hier verließ ich dann die andere Reisende. Dafür kehrte mein Glück zurück: An der Information teilte man mir mit, der nächste Zug nach Stockholm fahre in etwas mehr als einer Stunde. Zeit genug! Am Fahrkartenschalter gab man mir kostenlos eine neue Reservierung, gerade weil es ja nicht meine Schuld gewesen war, dass ich den Zug in Malmö nicht bekommen hatte. Mein „Kauderwelsch Dänisch – Wort für Wort“ habe ich nur für Begrüßung und Verabschiedung verwendet, aber es gab mir doch ein Gefühl von Sicherheit, es dabei zu haben, und die Leute schienen sich selbst über diese wenigen Sätze sehr zu freuen.

Es war dann der Zug, der auch mit der 6:57-Uhr-Verbindung vorgesehen war. Ich würde also nur eine weitere Stunden später ankommen als noch am Abend zuvor geplant. Nachdem der Zug über den Öresund gefahren war (ein erhebender Anblick!), hielt er unterirdisch an einem Bahnhof. Auf kleinen Schildern stand „Malmö“. Und so war ich ganz unspektakulär in ein neues Land gekommen! Um es ein wenig übersichtlicher zu halten, habe ich jetzt eine eigene Seite eingerichtet über die Länder, in denen ich gewesen bin. Zu erreichen auch über das Hauptmenü (das erst jetzt einen Sinn hat, wo es mehr als einen Punkt gibt).

Dieser letzte Zug hatte dann noch fast eine weitere Stunden Verspätung bei der Ankunft, so dass es netto vier Stunden später als geplant war. Aber im Vergleich zu den Horrorvorstellungen, die ich noch unterwegs gehabt hatte, war das ja zu verschmerzen. Schlauerweise hatte ich in meinem Hotel Bescheid gegeben, dass ich eventuell spät ankommen würde, so dass es da keine Probleme gab.

Und so habe ich mit Dänemark mein 9. Land in diesem Jahr besucht und mit Schweden mein 10. und das dritte neue! Was ich seitdem erlebt habe, schreibe ich ein anderes Mal.

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13 Gedanken zu „Mit Dänen kann man es ja machen

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