Rückreise mit Hindernissen

Es war eine abenteuerliche Fahrt nach Schweden gewesen. Doch schon für den ersten Abend in Stockholm hatte es sich gelohnt. In Härnösand im Norden hatte ich das Mittsommerfest erlebt und an einer weiteren Feier teilgenommen. Zurück in Stockholm hatte ich einen Plattenladen besucht und dort ordentlich eingekauft sowie einen langen Spaziergang gemacht und in Restaurant und Café gegessen.

Doch irgendwann musste auch ich zurück! Um 08:21 Uhr nahm ich meinen Zug nach Kopenhagen. Nach dem Verlassen von Malmö war klar: Ich war in einem Land gewesen, ohne einmal mit Bargeld bezahlt zu haben, geschweige denn die Währung in der Hand gehabt zu haben!

Nach der Fähre, die mich nach Puttgarden übersetzte, erreichte ich wieder deutschen Boden. Dann war jedoch zuerst einmal Schluss. Ein Auto mit Anhänger war mit einem Zug auf der Strecke nach Oldenburg in Holstein kollidiert, so dass mein Zug nicht weiterfahren konnte. Also mussten alle Passagiere aussteigen. Zunächst hieß es, es würden Busse kommen, aber am Ende kam nach zwei Stunden Wartezeit mit einer anderen Fähre ein ICE.

Mein Anschluss in Hamburg war natürlich längst weg, aber das hatte ich bei der Reiseplanung schon angenommen: Für jeden Umstieg hatte ich mindestens einen weiteren Zug vorgesehen – was auch der Grund für meine Wahl einer frühen Abfahrtszeit in Stockholm gewesen war. Unterwegs handelte sich der ICE noch etwa eine halbe Stunde Verspätung ein, weil an verschiedenen Stellen Züge passieren mussten.

Wir Passagiere aus dem EC/IC belegten die Gänge und ich hörte mir verschiedene Geschichten an von Leuten, die im Gegensatz zu mir nicht mehr nach Hause kommen würden. Bei mir war es ja einfacher: Selbst wenn ich in Hamburg „stranden“ würde, wäre das nicht schlimm, da ich ja nicht am nächsten Morgen in Münster sein müsste. Außerdem könnte ich dann noch einmal einigen Ukuleleläden einen Besuch abstatten…

Übrigens waren die Ukulelen ein weiteres Mal goldrichtig. Schon beim Warten auf den Zug konnte ich üben, statt einfach herumzusitzen, und unterhielt damit sogar ein kleines Mädchen. Im Zug hingegen sprach mich eine junge Dame an, der ich direkt die zweite Ukulele aushändigte und ihr zeigte, wie man spielt. So kann man die Zeit sinnvoll nutzen!

Den nächsten Zug in Hamburg erreichte ich übrigens so gerade eben. Es wäre aber noch zwei Stunden später einer gefahren. Aufgrund einer Oberleitungsstörung zwischen Bremen und Osnabrück (Verspätungen auf der Strecke bin ich ja gewohnt) kam noch eine halbe Stunde Verspätung hinzu, so dass ich um 23:35 Uhr in Münster wieder ankam.

Ich habe die Fahrkarten für beide Wege übrigens bei der Deutschen Bahn eingereicht, weil es zum einen ab einer Stunden Verspätung bereits Entschädigung gibt (und wir hatten ja mehr als zwei), zum anderen, weil ich den vorgesehenen Liegewagen auf dem Hinweg, der extra kostete, nicht nutzen konnte, weil der Zug ausgefallen war. Zwei Lichtblicke seien in diesem Zusammenhang erwähnt: Zum einen haben die Angestellten der Bahn im ICE ein Freigetränk ausgeteilt und sofort die entsprechenden Formulare, zum anderen hat auch der Kollege im Reisezentrum in Münster freundlich die Anträge ausgefüllt.

Summa summarum war es eine tolle Sache, in Schweden gewesen zu sein, Mittsommer erlebt zu haben, Stockholm sowie den Norden gesehen zu haben. Ich möchte unbedingt wieder nach Schweden – es gibt ja alleine in Stockholm noch mehr als genug zu sehen!

Stockholm-Syndrom

Endlich ist mir noch ein Wortspiel eingefallen, so dass ich den naheliegenden Kalauer „Jenseits von Schweden“ nicht nutzen muss (eigentlich müsste es ja auch „östlich von Schweden“ heißen, in Anlehnung an die Bibelstelle). Stockholm kann einen wirklich in seinen Bann ziehen.

In Schweden hatte ich nach einer abenteuerlichen Anreise zunächst einen tollen Abend in Stockholm, am nächsten Mittag die Weiterreise nach Härnösand, um dort das Mittsommerfest und eine weitere Feier mitzumachen, um schließlich einen Tag später nach Stockholm zurückzukehren und in den verbleibenden zwei Tagen aufgrund schlechten Wetters, aber auch ein wenig Müdigkeit einen Plattenladen durchstöbert und reiche Beute gemacht.

Ich habe aber noch mehr gemacht. Am Abend nach meinem ersten Besuch im Laden hatte mir der Besitzer noch eine Strecke für einen schönen Spaziergang empfohlen. Das ließ ich mir nicht zweimal, zumal das Regenwetter endlich aufgehört hatte. In Härnösand war ich zwischendurch Fahrrad gefahren, jetzt konnte ich noch eine gute Strecke zu Fuß zurücklegen. Natürlich war das ein hervorragender Anlass, um ein paar Klischee-Sonnenuntergangfotos zu machen (wie auf Sardinien)!

Von einer Esperantosprecherin aus Stockholm hatte ich mir ein paar Tipps für Restaurants, Cafés und Museen geholt. In ein Museum bin ich dann doch nicht gegangen, weil ich diesmal einfach keine Lust darauf hatte. Dafür war ich in einem der empfohlenen Restaurants und hinterher im vorgeschlagenen Café.

Dabei sind mir ein weiteres Mal die Sachen aufgefallen, die ich an den Schweden liebe:

  1. Schweden sind nicht introvertiert. Sie sind einfach ruhig auf der Straße. Hat man jedoch erst einmal Kontakt geknüpft, sind sie sehr gesellige Menschen, die gerne mit einem reden. Übrigens ist es mir ja mehrmals passiert, dass ich angesprochen wurde. Die Idee des in sich gekehrten Skandinaviers, zu dem man nicht durchdringt – ein Mythos.
  2. Leute mit ausländischen Wurzeln? Kein Problem! Es gibt anscheinend große Anstrengungen, diesen Menschen einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Allgemein wird Schwedisch gesprochen, auch wenn man nicht wie ein Klischee-Schwede aussieht. Umgekehrt haben mir Leute sehr freundlich geholfen, etwa als ich mich in der U-Bahn mit dem Kartensystem nicht zurechtfand.
  3. Schweden donnern sich nicht auf, legen aber zu einem großen Teil Wert auf ordentliche, elegante Kleidung. Es lohnt sich also, auf typische Touristenklamotten zu verzichten.
  4. Die Frauen kommen mir überdurchschnittlich hübsch vor. Überhaupt scheinen die Leute gut auszusehen. Der Anteil an wirklich übergewichtigen Menschen ist anscheinend geringer als in Deutschland. In Kombination mit dem Kleidungsstil wirken viele Leute wie irgendwelche Alternative- oder Indiemusiker (oder wie man sich solche Musiker vorstellt).
  5. Was mich andauernd enzückt hat, war die Lächelhäufigkeit. Hätte ich nicht erwartet bei ruhigen, in der Öffentlichkeit etwas zurückhaltenden Menschen. Die Leute kommen so herzlich herüber! Besonders beeindruckt war ich bei der Bedienung im Café. Ich war hin und weg.

Schweden wirkt so sauber, ordentlich und modern, dass man gut versteht, warum es als eines der am weitesten entwickelten Länder der Welt gilt. Ich hatte – wie seinerzeit in Finnland – den Eindruck, dass das Land Deutschland zum Beispiel technisch voraus ist.

Alter Schwede!

Mein Bericht über Schweden ist noch nicht abgeschlossen! Nach einer Anreise mit Schwierigkeiten hatte ich ja bereits einen tollen Abend in Stockholm verbracht, um dann aber gleich am nächsten Tag nach Härnösand weiterzureisen und dort das Mittsommerfest und eine weitere Feier zu erleben.

Danach ging es aber wieder zurück nach Stockholm. Ich hatte mir kein festes Programm vorgenommen, sondern wollte in meinem Reiseführer einige Höhepunkte heraussuchen. Das Wetter erwies sich als recht kühl und regnerisch und ich war auch tatsächlich ein wenig platt. Was also tun? Zumindest einen Punkt hatte ich mir fest vorgenommen: Ich wollte unbedingt im Plattenladen „Mickes serier, CD & Vinyl“ vorbeischauen.

Einfacher Grund: Dieser Laden gehört Micke Englund, Gitarrist der legendären Esperanto-Rockband Amplifiki und damit einer der Helden meiner Kindheit! Mit ihm habe ich im April auf gemeinsam auf der Bühne gestanden, was einer der schönsten Tage in meinem Leben war.

Über den Laden hatte ich schon einmal gelesen; ich wollte ihn aber einmal selbst gesehen haben. Außerdem bin ich sowieso ein großer Fan davon, in CD-Läden zu stöbern – und bei Gebraucht-CDs findet man manches Mal Raritäten, die man gar nicht auf dem Schirm hatte!

Und was soll ich sagen? Das war eine goldrichtige Entscheidung! Ich habe im Hauptladen gleich am ersten Tag vier CDs gefunden. Am nächsten Tag ging ich noch in die Nebenfiliale auf der anderen Straßenseite und nahm noch einmal zehn CDs mit, dann noch einmal vier aus dem größeren Laden. (Ich hatte noch einmal im Internet recherchiert zu verschiedenen Albenausgaben, die mir am Tag zuvor bereits ins Auge gesprungen waren. Hinzu kam, dass inzwischen das Sortiment aktualisiert worden war – innerhalb eines Tages ein neuer Treffer, Wahnsinn!)

Micke freute sich übrigens auch über den Besuch. Natürlich habe ich ihm beide Male jeweils eine Ukulele gezeigt, auf der er sehr gut gespielt hat. Für mich eine tolle Sache, so einen Einkaufsbummel mit ganz persönlichem Bezug zu machen.

In dem kleineren Laden waren die Angestellten übrigens ebenfalls sehr freundlich. Es lief ein Reggaestück, das sehr alt klang und mich an melancholische frühe Rockmusik erinnerte. Wie man mir auf Nachfrage erläuterte, handelte es sich um Rocksteady von den Paragons. Man verglich sie mit den Heptones, die ich wiederum als Interpreten des wunderschön-melancholischen „Our Day Will Come“ kannte. So ein richtiges Stück Musikbildung durch eine kleine Frage – was will man mehr?

The Paragons: On the Beach

Toll auch, was ich unter den Sonderangeboten entdeckte: Das Album mit der Originalversion von „Didi“! Dazu eine Anekdote: Ich war 20 Jahre alt, es war um den Jahreswechsel 1996/97 herum, ein Esperantotreffen, das damals berühmt-berüchtigt dafür war, dass dort so richtig abgefeiert wurde. Ein Freund und ich gingen in den Keller, in dem sich Kneipe und Disco befanden, und was war los? Es war wie in einem Film – überall tanzten Leute, auch auf den Tischen. Und dabei wirkten die Menschen nicht betrunken oder besonders berauscht, sondern eher fröhlich-ausgelassen. Diese Szene hat sich tief in mein Gedächtnis gegraben. Es war so einer der magischen Momente.

Das Lied, das zu diesem Zeitpunkt lief, habe ich nie vergessen. Ostern 1999 in Italien, ich arbeitete auf einem Esperantotreffen als DJ, kam ein Däne auf mich zu mit einem Album, auf der angeblich einige tolle Lieder seien. Ich erkannte natürlich sofort „Aïcha“ wieder, ein Schwoflied, das auch in Deutschland recht bekannt geworden ist. Außerdem empfahl er mir „Didi“, was für mich zunächst wie ein Männername klang. Einmal aufgelegt, erkannte ich es jedoch sofort wieder als das Lied aus dem magischen Moment! Die Version war eine etwas andere, sie gefällt mir sogar noch etwas besser. Trotzdem finde ich auch das Original großartig, und natürlich kamen all die alten Erinnerungen wieder hoch, als ich die CD im Laden in Stockholm probehörte. Mit einem Schlag in einen coolen Zeitpunkt der Vergangenheit zurückversetzt zu werden, das hatte schon etwas.

Khaled: Didi

Drei Monate rum…

…von der einjährigen Auszeit. Was ist passiert? Wie habe ich die Zeit genutzt?

Zunächst gibt es noch einen Nachtrag zum Mai. Inzwischen habe ich darüber gebloggt, wie ich in Rom typischen Sehenswürdigkeiten abgeklappert habe (und dabei gut angezogen war), wie ich in einem wahren Kunstmarathon an einem Tag die Vatikanischen Museen besucht habe und wie ich ein Gefühl von Souveränität hatte.

Jetzt aber zum Juni. Diesmal sind die drei Hauptthemen – Gesundheit, Reisen und Musik – schön durcheinandergemischt, so dass ich wieder chronologisch berichte.

Ich habe eine alte Brille in die sinnvolle Wiederverwertung gegeben, weil ich meine neue bekommen habe – und neue Kontaktlinsen! Dann gab es den lange überfälligen Besuch beim Hautarzt. Über Pfingsten war ich in Erfurt auf dem Deutschen Esperanto-Kongress, wo ich abends Musik gemacht und als DJ aufgelegt habe.

Dann war der Monat schon halb rum und ich musste einfach raus – höchste Zeit für eine Reise ins Ausland! Über alle Schwierigkeiten hinweg ging’s durch Dänemark nach Schweden. Zunächst ein Abend in Stockholm, dann Mittsommerfest und noch eine Feier in Härnösand. Und es gibt noch mehr zu berichten…

Ganz nebenbei war das nicht das einzige neue Land, das ich im Juni geschafft habe! Es kommen sogar noch zwei weitere hinzu. Damit bin ich zwar immer noch ein Land „unter dem Schnitt“, aber es geht voran! Zu verfolgen ist der Fortschritt inzwischen über eine eigene Seite mit einer Übersicht über die Länder, die ich bereist habe.

Es ging zäh los mit den Reisen im Juni, und danach habe ich soviel erlebt, dass ich kaum dazu komme, darüber zu schreiben! So muss es sein…