Frankreich

Nach der Anreise machte ich mich ein wenig frisch im Hotel. Dann ging es zusammen mit einem meiner besten Freunde los zurück ins Zentrum von Marseille, um unsere alte Bekannte zu treffen.

Zwar habe ich seinerzeit vier Jahre Französisch in der Schule gehabt, aber ich habe es in all den Jahren wenig verwendet. Auch wenn die Kenntnisse inzwischen eingerostet sind bzw. vor allen Dingen durch mein Italienisch überdeckt wurden, war ich lange Zeit doch zu stolz, um mir ein Französisch-Buch für die Reise zu kaufen. Vor dem Urlaub kapitulierte ich dann doch und leistete mir das „Kauderwelsch Französisch Wort für Wort“. Ich war mir einfach nicht mehr sicher genug, was einige Formulierungen und das Grundsatzvokabular für den Touristen angeht. Wie ich feststellte, klappte das passiv übrigens recht gut, solange es ums Lesen ging oder die Leute nicht zu schnell sprachen. Das Buch gab nur ein wenig Sicherheit – und zur Not hätte ich so leicht zeigen können, dass ich ein Tourist mit gutem Willen bin.

Marseille war klar erkennbar eine Stadt in Südeuropa, die leider auch einige Probleme hatte: In einigen Gegenden lag viel Müll auf der Straße, dazu waren diese ziemlich dreckig. Auf der anderen Seite hat Marseille viele schöne Ecken und sogar eine Beispiele moderner Architektur, die mir sehr gefielen.

Auf unserem Weg zum Treffen mussten wir durch einige dunklere Gassen laufen. Mir wurde doch ein wenig mulmig. Als wir an ein paar jungen Männern vorbeigingen, hörte ich einen Kommentar zu meiner Ukulele, die ich dabei hatte. Prompt antwortete ich freundlich, packte die Ukulele aus, spielte ein wenig, gab das Instrument weiter und beantwortete Fragen. Auf die Weise kam ganz einfach ein freundliches Gespräch zustande. Zwar kamen wir jetzt noch mehr zu spät zum Essen, aber ich fand die Situation so schön.

Beim Abendessen wurden zwei Klischees erfüllt: 1. Franzosen wissen, wie man gut ist. 2. Alle Franzosen sind Künstler. In diesem Fall hatten wir es mit einem Maler und einer Tänzerin zu tun. Mich erinnerte dieses Beisammensein und gemütlich plaudern an meine Zeit auf Sizilien und an Barcelona. Es war ein Gefühl von Freiheit. Freunde in anderen Ländern zu haben und so etwas tun zu können, das ist doch wahrer Reichtum!

Außerdem holten wir uns Tipps von Einheimischen für den nächsten Tag. Das Hotel lag sowieso im Süden, da waren die Calanques (Küsteneinschnitte an der Meeresküste) nicht weit. Wir fuhren ein Stück mit dem Bus, ab dann war es ein wunderbarer Spaziergang in der Natur. Das Wetter war so gut, dass ich zwischendurch im T-Shirt herumlief. Es waren eine Menge Einheimische unterwegs. Offensichtlich achten viele Franzosen darauf, sich genug zu bewegen – vorbildlich! Der Anblick des Mittelmeers, das war schon wunderschön. Nie hätte ich gedacht, dass das so weit nördlich noch im November so toll aussehen kann.

Abends trafen wir uns mit der Bekannten und einigen Kollegen meines Freundes, um im Hafenviertel von Marseille ein wenig spazieren zu gehen und noch gemütlich beisammen zu sitzen. Die meisten Fotos, die ich nachts geschossen habe, sind leider nichts geworden, aber ich kann das Viertel nur wärmstens empfehlen.

Am nächsten Vormittag checkte ich bereits wieder aus dem Hotel aus. Zu zweit besuchten wir erneut die Bekannte und sahen das Atelier des Malers. Außerdem hatten wir Gelegenheit, ein paar Andenken einzukaufen, wobei ich mich auf solche der kulinarischen Art beschränkte.

Am frühen Nachmittag ging die Reise weiter zur nächsten Etappe, die Nizza lautete. Ich hatte mir von Marseille aus ein Hotel ganz in der Nähe des Bahnhofs gesucht, das ich dann auch problemlos fand. Ganz in der Nähe waren einige gute Lokale zum Essen; der nächste Supermarkt maximal 10 Minuten entfernt. Nizza kam mir wie ein Kontrastprogramm zu Marseille vor; es wirkte deutlich reicher. Gleich blieb, dass die Leute untereinander angenehm freundlich waren, was mir zum Beispiel beim Umgang mit den Kassierern im Supermarkt auffiel.

Außerdem machte sich die Nähe zu Italien bemerkbar: Ich fand eine Pizzeria, in der nicht nur die Bedienung, sondern auch alle Gäste Italienisch sprachen. Nach einigen Tagen mit Französisch war das für mich ein Stück Entspannung, weil ich sprachlich hier doch deutlich sicherer war. Gleichzeitig war es ein Vorgeschmack für einen späteren Abschnitt meiner Reise, von dem ich noch berichten werde.

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9 Gedanken zu „Frankreich

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  5. Ach, hast du es gut! Die Bilder sehen echt schön aus. Jetzt hab ich gleich wieder Fernweh:)! Bin einfach so ein Frankreichfan…<3

    • Ja, das ist schon eine Gnade des Lebens, solche Momente erleben zu können. Die Frankreich-Fotos gehören zu den schönsten, die ich in meinem bisherigen Auszeit-Jahr gemacht habe. Und das Verhalten der Franzosen trug noch dazu bei, dass ich gerne wiederkomme.

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