Monaco

Zuerst war ich mit dem Zug nach Frankreich gefahren, hatte in Marseille einige Tage verbracht und war dann nach Nizza weitergereist. Dort machte ich mich nach der ersten Übernachtung gleich weiter auf den Weg. Denn meine Pläne gingen noch weiter: Ich wollte ein neues Land sehen! Zuletzt hatte ich das Ende Juli mit Slowenien geschafft. Das war viel zu lange her!

Also fuhr ich am Vormittag mit dem Zug nach Monaco. Die Reise war ganz trivial und dauerte etwa 20 Minuten. Der Bahnhof von Monaco-Monte Carlo ist unterirdisch; das zweitkleinste Land der Welt (nur der Vatikan hat weniger Fläche) braucht jedes verfügbare oberirdische Stück Grund zur Bebauung. Mit mir ihm Zug waren zwar einige Touristen gefahren; es schienen aber auch viele ganz normale Leute zu sein, die einfach in Monaco arbeiteten. Das ergibt natürlich Sinn: Die Reichen brauchen viel Dienstpersonal und es gibt so oder so in einer Stadt viel zu tun. Da der Zug weiterfuhr nach Ventimiglia in Italien, hatte ich außerdem am Bahnsteig von Nice-Ville viel Italienisch gehört. Eine sehr interessante Gegend zwischen Frankreich und Italien, so gutes Wetter, so schöne Landschaft und die Leute haben gute Manieren!

Aber zurück zu Monaco: Ich bin ja nun nicht der Mensch, der auf die Mega-Touristenziele abfährt und Glanz und Glamour der Superreichen haben mich nie wirklich interessiert. Dennoch überkam mich diese freudige Unruhe, dieses innere Triumphgefühl, das ich bei jedem neuen Land in diesem Jahr gespürt hatte.

Gleich am Bahnhof gab’s den ersten positiven Eindruck: Wie in Marseille stand ein Klavier dort, auf dem die Leute einfach so spielen konnte. Eine tolle Idee für mehr Alltagskultur! Da hatte ich sofort gute Laune. Am Ausgang des Bahnhofs war eine Touristeninformation, in der ich praktischerweise direkt einen Landesplan mitnahm. Ich hatte mich am Vortag sehr grob über Sehenswürdigkeiten informiert, ging jetzt zunächst einmal aber einfach Richtung Meer. Monaco wirkte sehr wohlhabend und sauber. Auf den Straßen sah ich sehr viele Leute, die ganz normal ihrer Arbeit nachgingen (es war ein Wochentag). Die rundherum aufragenden Berge und die dichte Bebauung erinnerten mich an Andorra. Außerdem hingen mehr Landesflaggen herum als in Barcelona (dort natürlich solche von Katalonien).

Am Port Hercule angekommen, ging ich zunächst Richtung Nordosten am Meer entlang. Es war wieder ein sonniger warmer Tag. Am Plage du Larvotto gingen tatsächlich einige Leute schwimmen. Ich ärgerte mich, keine Badehose mitgenommen zu haben. Es waren so wenige Menschen anwesend, dass man wohl keine Diebe fürchten musste. Der Strand war sicherlich nicht der schönste, den ich im Leben gesehen habe (allein Sizilien hat schon mehr zu bieten, von der Krim ganz zu schweigen), aber es war doch toll, in der zweiten Novemberhälfte so eine sommerliche Stimmung zu haben. Ich ging soweit es mir die Straße erlaubte und kehrte erst um, als sie in einer Windung von der Küste wegführte und ein abgesperrter Parkplatz das direkte Weitergehen unmöglich machte. Wie ich erst später feststellte, hatte ich damit auch längst die Grenze zu Frankreich überschritten. Auf dem Rückweg fiel mir erstmals auf einem Schild die Zweisprachigkeit auf: Auf Französisch und Monegassisch, einem italienischen Dialekt, stand der Landesname.

Ich besuchte den Japanischen Garten für eine kleine Ruhepause, dann ging es weiter Richtung Südwesten ans andere Ende des Landes. Zurück am Port Hercule war nach wie vor eine Sportveranstaltung im Gange. Es war der Tag vor dem Nationalfeiertag und man veranstaltete einen Lauf zum Wohle von behinderten Kindern. Unter den Läufern (und Gehern) waren viele Kinder und Jugendliche, davon einige behindert und mit Betreuern.

Aber auch sonst waren in Monaco erstaunlich viele Leute sportlich aktiv: Neben den erwähnten Schwimmern sah ich viele Läufer. Die meisten waren dem Gesicht nach zu urteilen über 40, aber recht fit und schlank geblieben. Das ist etwas, das man sich den Reichen abgucken kann, zumal Schwimmen, Laufen und Spazieren gehen alles kein Reichensport ist, für den man teure Ausrüstung oder eine Clubmitgliedschaft benötigt.

Da ich an der Küste irgendwann nicht mehr weiterkam, ging ich hinauf in die Altstadt und zum Palast. In den Straßen waren die Schilder (auch) auf Monegassisch, was mich ein wenig an das Katalanische in Alghero erinnerte.

Auf einem Informationsschild war ein Text auf Französich, Italienisch, Deutsch, Englisch – und Slowenisch! Warum ausgerechnet Slowenisch? Ganz einfach: Es ging um einen alpinen Wanderweg und da ein Teil der Alpen in Slowenien liegt, leuchtet das durchaus ein.

Schließlich kam ich nach Port de Fontvieille und einige moderne, aber durchaus schöne Wohnsiedlungen. Hier stellte ich mir vor, wieviel wohl eine kleine Wohnung kosten musste, nur um woanders Steuern zu sparen. Ich fand nicht den Weg weiter am Meer entlang und geriet so in den Innenhof einiger Häuserblocks. Dort stand eine Skulptur, die mich an den Todesstern erinnerte.

Nun lief ich am Rande des Stadions des AS Monaco entlang zum Hafen von Cap d’Ail, das bereits in Frankreich liegt. Erneut gab es keinerlei Hinweisschild über eine Grenze. Direkt neben dem monegassischen Stadion trainierte übrigens der lokale französische Club auf einem kleinen Spielfeld. Ich beschloss, genug von Monaco gesehen zu haben und machte mich auf den Weg zum Bahnhof, als ich ganz untypisch für das Land von lautem Lärm gestört wurde. Auf einem Bus fuhr eine Band an. Wie sich herausstellte, handelte es sich ebenfalls um eine Benefizveranstaltung zum Wohle von Kindern weltweit. Die Musiker wirkten recht sympathisch und waren auch sehr erfreut über den Applaus.

Ich beeilte mich auf den letzten Hundert Metern und schaffte gerade noch den nächsten Zug zurück nach Nizza (der nächste wäre aber innerhalb der nächsten halben Stunde gefahren). Und so habe ich ein ganzes Land an einem Tag komplett zu Fuß durchquert!

Zugegeben, ich hatte kurz überlegt, diesen Eintrag mit „Es in Monaco im letzten Jahr“ zu betiteln, aber das wäre etwas irreführend gewesen. Trotzdem ging mir die Melodie des Liedes, aus dem die Textzeile stammt, nicht aus dem Kopf, so dass ich mich sogar in Monaco dabei erwischte, wie ich sie pfiff.

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Abends in Nizza machte ich zuerst noch einen kleinen Spaziergang ans Meer (einfach die große Straße entlang, an der der Supermarkt lag), dann ging ich in einem Lokal essen, dass ein Fußball zeigte. In einem Freundschaftsspiel spielte Frankreich gegen Schweden – und zwar im Stadion von Olympique Marseille, an dem ich zwei Tage zuvor noch vorbeigegangen war! Ich kam mit der Bedienung ein wenig ins Gespräch, man lobte meine Französischkenntnisse – und als man erfuhr, dass ich Deutscher sei, gratulierte man mir zum Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 2014 (wir erinnern uns: Deutschland hatte Frankreich im Viertelfinale rausgekickt). Das war doch großartig! Ich erinnerte daran, dass bei der EM in Frankreich 2016 die Karten neu gemischt würden und dass man in Brasilien bereits viele gute europäische Mannschaften wie Frankreich und Belgien gesehen hätte, die noch jung waren und nun zwei Jahre Zeit hätten, um weiter zu reifen. Das hörte man natürlich gerne! Zurück im Hotelzimmer las ich dann noch, das Deutschland im letzten Spiel des Jahres Spanien besiegt hatte. In einem Jahr Frankreich, Brasilien und Argentinien geschlagen und dann noch den Europameister!

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