Die emotionale Wegstrecke

Das Jahr Auszeit neigt sich dem Ende entgegen. Das ist eine gute Gelegenheit, auf manche Dinge zurückzublicken und noch einige grundsätzliche Artikel unabhängig von aktuellen Aktivitäten zu schreiben. Ich fange bewusst mit einem emotionalen Stück an, denn das möchte ich mir einfach von der Seele schreiben.

Wenn ich erwähne, dass ich bereits nach zehn Monaten wieder arbeiten werde und nicht das ganze Jahr Auszeit an einem Stück zuende nehme, dann ist die Versuchung groß, das als große Einschränkung zu empfinden. Dieses Gefühl kam schon beim Jahreswechsel hoch, als ich daran denken musste, wie das eine Jahr jenseits des Arbeitsalltags zuende gehen würde.

Bei Licht betrachtet ist das natürlich Unsinn: Dieses Jahr wäre so oder so irgendwann vorbeigegangen und es war ein großer Gewinn, so etwas überhaupt zu haben. Ich bin viel gereist und muss der Zeit nicht deswegen hinterhertrauern, weil ich sie nicht gut genutzt hätte. Es ist aber auch nicht so, dass sie ein einziges Freudenfest gewesen wäre, und das habe ich mir wieder in Erinnerung gerufen, als ich daran dachte, was ich so alles erlebt und gemacht habe.

Im Nachhinein ist es in emotionaler Hinsicht beachtlich, was ich für eine Strecke zurückgelegt habe: Als ersten Lesetipp empfehle ich, wie ich am ersten Tag des Auszeitjahres die Lage beschrieb. Das lohnt es sich ganz zu lesen. Als ich in Luxemburg ankam, dem ersten neuen Land auf meiner Liste, wurde ich in einem Moment des Triumphs plötzlich tieftraurig. Über Ostern auf Sardinien merkte ich, wie stark ich noch in meinem Kopf in vielerlei Hinsicht in negativen Gefühlen verhaftet war – auch das lohnt es sich ganz nachzulesen. Anfang Mai gingen dann die Gefühlsschwankungen und die ständige Traurigkeit weg und ich merkte, dass sie nicht „zu meinem eigentlichen Wesen“ gehören. Noch Ende Juni in Barcelona wollte mir keine Deutung für das einfallen, was ich machte – mir fielen drei sich widersprechende Wertungen ein und sah auch, dass nur aus der Gesellschaft herausgelöst bestehen konnte, jedoch nach wie vor keinen neuen Platz in ihr gefunden hatte. Im Juli in der Slowakei rissen mich einige Erlebnisse aus der Urlaubslaune heraus, so dass ich mich niedergeschlagen und nachdenklich im Supermarkt wiederfand.

Nach drei Monaten schien ich die wesentlichen Dinge gelöst zu haben, aber bis dahin war es ein weiter Weg. Das ist keine Zeit, die ich in dieser Hinsicht unbedingt gerne noch einmal erleben möchte.

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2 Gedanken zu „Die emotionale Wegstrecke

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