In ein Album gegossene Erinnerungen

Als jemand, der sich in vielerlei Hinsicht für Musik interessiert, juckte es mich von Anfang an in den Fingern, für das Jahr Auszeit eine Art Soundtrack zusammenzustellen: Lieder, die von Reisen und Freiheit handeln (oder mich daran erinnern); Musikstücke, mit denen ich besondere Momente verbinde. Ich habe das zum Glück dann doch gelassen, denn zum einen wäre das schnell ausgeartet (in meinem Kopf kam immer mehr zusammen), zum anderen ist das ja auch megaoriginell und überhaupt nicht anmaßend, irgendwelche rebellischen Lieder, die von einem „Ausbruch aus allem“ erzählen, für eine persönliche freie Zeit zu verwenden, die alles in allem luxuriös und gut abgesichert stattfindet. Mir ist klar, dass Musik oft Gebrauchsmusik ist. Man kann sie runterdudeln, muss es aber nicht.

Es ist schon oft vorgekommen, dass ich in einer bestimmten Situation im Leben auf ein Album oder Lied gestoßen bin und das seitdem mit dieser Zeit verbinde. Ende vergangenen Jahres hat es sich ergeben, dass ein neu erschienenes Album kurioserweise die Jahre vor der Auszeit festhält und mich daran erinnert. Das liegt daran, dass ich einige der Lieder bereits damals kannte.

Die Musik von Martin Wiese hat mich seit meiner Kindheit begleitet und ihn als Gastsänger in seiner alten Band Amplifiki zu vertreten, war einer der schönsten Tage in meinem Leben.

Wir hatten uns im Juni in Stockholm getroffen. Einen Monat später gab er mitsamt Band ein Konzert in der Slowakei. Ich hatte schon erwähnt, dass – nachdem er viele Jahre in der Esperanto-Rockband Persone aktiv war – sein zweites Solo-Album erschienen ist. Anfang des Jahres habe ich mir das endlich einmal ganz und in Ruhe angehört. Es ist doch erstaunlich, wie viele Stücke mich an Kilometersteine auf meinem Lebensweg erinnern:

Superbazaro: Kiew, Sommer 2011, nachts auf der Treppe unserer Unterkunft: Ich gehöre zu den zwei ersten Personen, die die frisch aufgenommene Demoversion zu hören bekommen. Martin Wiese fragt mich nach meiner Meinung und ich fühle mich geehrt.

Martin Wiese: Superbazaro

Im Sommer 2012 hatten wir uns in der Slowakei gesehen; er gab ein Konzert. Wir unterhielten uns über mein Leben und dass ich unzufrieden war. Wahrscheinlich aus dieser Zeit ist mir noch ein Lied im Kopf geblieben, das ich weiter unten erwähne (als übernächstes).

Nova jaro: Eine Woche um Silvester 2012/13: Martin Wiese hat mir die Demoversion zugeschickt, damit ich sie in der Diskothek auflegen kann. Das Lied ist seitdem das letzte Stück, das ich an einem Abend spiele, und begleitet mich auf viele Esperanto-Treffen.

Martin Wiese: Nova jaro

La princino: Hamburg 2013: Ich sitze im Hotelzimmer und denke über mein Leben nach. Nachdem fast alles drunter und drüber war, ist jetzt wieder vieles in Ordnung. Dennoch hängt mir die Vergangenheit noch nach; ich zweifle an mir und frage mich, wo es denn noch hingehen soll. (Entweder stammt der Ohrwurm noch aus dem Jahr 2012 oder vom September 2013, als wir uns auf einem Kulturwochenende in Polen treffen.)

Martin Wiese: La princino (Vorsicht, spielt automatisch ab!)

Sub la ponto: Frühsommer 2014: Martin Wiese arbeitet am zweiten Album von „Martin & la Talpoj“ und veröffentlicht das Lied, um an einem Wettbewerb für einen Esperanto-Sommerhit teilzunehmen. Ein ruhiges Stück, das zu meiner gestiegenen Ruhe und meiner Vorfreude auf den Sommer passt.

Martin Wiese: Sub la ponto

Von mehreren anderen Liedern, die auf dem Album „Superbazaro“ sind, gibt es Aufnahmen. Dabei ist nur das Video von „Gefratoj“ die CD-Version.

Martin Wiese: En akordo (ArKonEs 2013)

Martin Wiese: Nur deĵor‘ (2014)

Martin & la Talpoj: Gefratoj

Martin Wiese: Postsomero (super la pontoj)

Martin Wiese: Nova sento

Martin Wiese: Kie estas vi? (Vorsicht, spielt automatisch ab!)

Das Album hat sicherlich eine ausführlichere Rezension verdient. Mir ging es hier nur um den Aspekt, wie mich einige seiner Lieder in den letzten Jahren begleitet haben und wie beim Anhören die Erinnerung an die Zeit zurückkommt.

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Ein Gedanke zu „In ein Album gegossene Erinnerungen

  1. Pingback: Zehn Monate rum… | DĴ Kunar

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