Göd Gave Rock and Roll to You

Ich hatte gestern bereits erwähnt, dass ich inzwischen wieder auf Reisen war, und das, obwohl ich wieder arbeite. Das ist echter Luxus: Von Amsterdam aus in ein anderes Land fliegen, also für mich vom Ausland ins Ausland, und dabei von Hoofddorp aus nur wenige Minuten mit dem Zug zum Flughafen zu benötigen.

Meine Serie, mindestens einmal im Monat nach Budapest zu reisen, hielt an, und so kam ich wie zuletzt im Januar (auf die anderen Monate spare ich mir diesmal die Hinweise) nach Göd. Da der Flug frühnachmittags war, kam ich zu einer besseren Zeit als sonst an, als es draußen noch hell war.

Da es „nur“ ein Wochenende war, habe ich mich vor allem ausgeruht und fast keinen Computerkram gemacht (bis auf ein wenig Niederländisch lernen). Dafür gab’s wie immer leckeres Essen und den obligatorischen Spaziergang, der etwas länger ausfiel, weil ich mich in der Woche zu wenig bewege – die Kehrseite der kurzen Wege.

Es war für mich ein wenig unwirklich: Eben war ich noch mitten im Arbeitsalltag, jetzt an einem Ort, der mir in den letzten Monaten soviel Freude bereitet hat und der zu einer weiteren Heimat (neben Deutschland und Italien) geworden ist.

Als Bonus erlebte ich am Sonntag noch, wie ich im Flughafen zunächst Ungarisch sprach (und damit gut ankam) und dann im Flugzeug und bei der Ankunft Niederländisch (und damit gut ankam). Ist es nicht herrlich, etwas lernen zu dürfen und damit auch noch andere Menschen glücklich zu machen?

Am Samstag wurde anlässlich des internationalen Tages der Muttersprache ein Video veröffentlicht, in dem unter anderem ich auftauche. Untertitel sind in zahlreichen Sprachen verfügbar!

Esperanto-Muttersprachler

Die Aufnahmen mit mir stammen aus dem Januar und wurden in der Nähe von Sopron gefilmt. Ich hätte allerdings nicht meine Digitalkamera zur Verfügung stellen sollen, sondern auf das Angebot eines wohl recht aktuellen Smartphones zurückgreifen sollen, dann hätte es eine bessere Auflösung gegeben. Das Lied aus dem Video ist übrigens von Éric Languillat, einem Künstler, der elektronische Popmusik auf Esperanto macht und den ich sehr schätze.

Inicialoj DC (i.d.c.): La fina venk‘

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Am Sonntag in Amsterdam

Vor einer Woche war ich am Wochenende in Amsterdam geblieben und hatte am Samstag einen schönen Spaziergang gemacht und dabei zwei Plattenläden besucht. Über den Internetauftritt und die Schaufenster des Concerto bin ich auf ein Konzert aufmerksam geworden, das dort am Sonntag stattfinden sollte – sogar mit freiem Eintritt!

Janne Schra wüde ihr neues Album „Ponzo“ vorstellen. Da man via Internet ins Album hereinhören kann, konnte ich mir gleich einen eigenen Eindruck von der Musik verschaffen. Gleich das erste Stück „Ship“ überzeugte mich (ein Ausschnitt zwischen 0:06 und 0:22).

Der Laden war rappelvoll, so dass ich nur noch in der Nähe der Bar einen Stehplatz bekam und nichts von der Band sah. Das machte aber nichts, denn so konnte ich mir schön Kaffee und Kuchen bestellen und zwischen all den gut angezogenen und freundlich dreinblickenden Leuten die Musik genießen. Ich bin ehrlich gesagt immer noch erstaunt, wieviel bereitwilliger die Niederländer zu lächeln scheinen – oder ist das nur mir gegenüber?

Jedenfalls kaufte ich mir nach dem Konzert das Album, holte mir ein Autogramm und machte noch Fotos. Zu Hause stellte ich dann fest, dass eines der Lieder mit Ukulele eingespielt wurde. Vor der Ukulele gibt es kein Entkommen mehr. Inzwischen finde ich solche Sachen schon, ohne es darauf anzulegen. Angenehmerweise sind auch die Akkorde der Lieder im CD-Begleitheft – das lobe ich mir!

Janne Schra: Everything I Do Ooh Ooh

Ich nutzte die Zeit nach dem Konzert, um noch ein weniger weiter in dem Laden zu stöbern, der ja streng genommen aus vier zusammenhängenden Geschäft besteht. Ich guckte im Vorbeigehen auf einige neue CDs, die man probehören konnte, und was sehe ich? Ein Album namens „Esperanto Slang“ von Captain Planet! Das erste Stück „Enter the Esperanto“ hat es mir so angetan, dass ich weiter reinhörte.

Captain Planet: Enter the Esperanto

Das andere Lied, das mir spontan zusagte, heißt „Perdido en el exceso“. Es erinnert mich ein wenig an Manu Chao und pass wahrscheinlich gut in mein Repertoire als DJ.

Captain Planet: Perdido En El Exceso (featuring Paco Mendoza)

Und als ob das nicht genug wäre, stieß ich beim Stöbern noch auf eine CD von Khaled. Dessen Musik hatte ja zuletzt wieder Lust auf Reisen gemacht.

Tatsächlich war ich am Wochenende darauf wieder unterwegs. Ich bin direkt nach der Arbeit in den Flieger und weg. Davon schreibe ich ein anderes Mal.

Am Samstag in Amsterdam

Am Wochenende war ich in Amsterdam und darüber möchte ich – wie angekündigt – jetzt berichten. Vorrangig habe ich mich ausgeruht, schließlich hatte ich eine Arbeitswoche hinter mir. Viel geknippst habe ich am Samstag auch nicht, denn das Wetter war einfach nicht schön genug. Aber für einen Spaziergang hat es allemal gereicht.

Anstatt mir eine größere Dosis Kultur in Form eines Museums zu geben, bin ich dem Tipp eines Bekannten gefolgt und habe einen größeren Plattenladen namens Concerto aufgesucht. Das sind eigentlich sogar vier Läden direkt nebeneinander inklusive Café. Hier freute ich mich, ausnahmsweise keinen Rucksack dabeizuhaben, denn an einigen Stellen war es doch recht eng aufgrund der vielen Kunden. Der Laden ist groß genug, um einen mehrere Tage lang beschäftigt zu halten – „schlimmer“ noch als damals in Stockholm. Auch wenn meine letzte größere CD-Einkaufaktion schön mehr als ein halbes Jahr her ist, habe ich nicht massenhaft zugeschlagen. Ich war einfach nicht gut vorbereitet mit einer Liste dessen, was ich suche. Außerdem komme ich kaum zum Hören.

Zugeschlagen habe ich dafür vorher bei einem anderen Laden namens Second Life Music, der etwas weiter weg vom Touristengetümmel liegt. Ich habe gar nicht alles systematisch durchgesehen, sondern nur punktuell gestöbert, aber eine CD erregte meine Aufmerksamkeit, weil man ihren Titel gut lesbar auch auf der oberen schmalen Seite lesen konnte: „Theatre Is Evil“ von Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra. Nun hatte ich dieses Album bereits im Sommer für meine Arbeit als DJ – schließlich kann man es
kostenlos herunterladen – aber diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, um ein Original zu erstehen. Zum einen gefällt mir das Prinzip, das Album auch kostenlos anzubieten, zum anderen ist es eine gute Idee, seine CDs auch so beschriften, dass Käufer beim Wühlen sie leicht lesen können.

Der Verkäufer fragte sogar, was das denn für ein Musikstil sei. Ich war knackenstolz, bereits ein einfaches Gespräch auf Niederländisch führen zu können, und beschrieb das Album als „ein wenig härter, aber Pop, für junge Mädchen“. Die Illustrationen im Inneren der CD-Hülle (unter anderem ein Bild von einer nackten Frau sowie ein Foto von Amanda Palmer mit Graffiti auf dem Körper) weckten dann doch Erstaunen.

Am Sonntag war ich ebenfalls unterwegs. Darüber schreibe ich später.

Amsterdam

Vor zwei Wochen ging – wie im Januar geplant – meine Auszeit zuende. Die zwei verbleibenden Monate kann ich später in Rücksprache noch nehmen, aber jetzt ging es erst einmal zur Arbeit ins Ausland! Ich war seit November nicht mehr in den Niederlanden gewesen. Ich hatte am Wochenende noch einen Rollenspieltag mit Freunden in Nordwalde gehabt; am Sonntag fuhr ich dann von dort aus zunächst nach Enschede. Hier war ich zuletzt im September gewesen; doch diesmal sollte die Reise weitergehen. Ich nahm einen IC nach Utrecht Centraal, von dort aus nach Amsterdam-Schipohl und dann einen Regionalzug nach Hoofddorp – und da war ich!

Enschede-Station

Inzwischen habe ich schon die ersten zwei Wochen bei der Arbeit überlebt. Ich erinnere mich gut an eine Situation am ersten Arbeitstag. Draußen schien die Sonne, der Himmel war klar und ich dachte mir: Ich könnte jetzt noch zwei Monate reisen, aber ich habe das Gefühl, dass ich da bin, wo ich sein will. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die drei wichtigen Motive, die ich am Anfang meiner Auszeit ausgedrückt habe (einen Unterschied machen, etwas in den Herzen der Menschen bewegen, gut genug für etwas sein), als erfüllt ansehe.

Wichtig ist auch, dass ich einige Sachen aus der Auszeit hinübergerettet habe, die mir etwas bedeuten. Zum einen lerne ich jetzt (wenn auch sehr langsam) Niederländisch. Über Duolingo ist das über einen englischsprachigen Kurs etwas mühselig, aber mit meinem „Kauderwelsch Wort für Wort“ und einem kleinen Wörterbuch schlage ich mich schon ganz gut. Es bewahrheitet sich ein weiteres Mal: Egal, wie gut die Leute Englisch können, es ist einfach viel höflicher, wenn man die lokale Sprache zumindest ein wenig beherrscht.

Zum anderen habe ich gleich in der ersten Woche mit dem Ukulele-Club Amsterdam Kontakt aufgenommen und war zweimal beim regelmäßigen Treffen. Auf die Weise komme ich mindestens einmal in der Woche unter die Leute.

Im Vergleich zu meiner Zeit in Hamburg habe ich nicht erst das Ende des Projektes abgewartet, um ein Wochenende privat in der Stadt zu verbringen, in der ich arbeite, sondern das gleich bei der zweiten Gelegenheit gemacht. Von dem, was ich gemacht habe, berichte ich ein anderes Mal.

Zehn Monate rum…

…von der einjährigen Auszeit. Was ist passiert? Wie habe ich die Zeit genutzt?

Zu berichten gibt es diesmal etwas mehr als nur einen Monat. In einer vierteiligen Serie habe ich erzählt, wie ich auf einem einwöchigen Esperantotreffen ins neue Jahr gekommen bin: Als DJ, mit einem Konzert von Jonny M, einer tollen Silvesterfeier und mit viel selbstgemachter Musik.

Wieder zu Hause, kümmerte ich mich erst einmal um einige ganz alltägliche Dinge: So standen Besuche beim Zahnarzt und Hausarzt an. Nebenbei habe ich im Januar auch noch den Hautarzt aufgesucht, schließlich soll die wiedergewonnene Gesundheit erhalten bleiben.

Auch im neuen Jahr hatte ich einige Ideen und eine setzte ich gleich in die Tat um: Es gibt jetzt bei wordpress.com mehrere Themes auf Esperanto.

Ansonsten kümmerte ich mich weiter um die Operation Augias: So kamen der Rest aus dem Zimmer aus Nordwalde nach Münster, der Rasierapparat wurde endlich entsorgt, ebenso wie der Koffer, der auf meinen Reisen zuletzt sehr gelitten hatte.

Kurioserweise hatte ich in der ersten Hälfte des Januars keine Lust, in ein neues Land von meiner Liste zu verreisen. Dann ging es aber zumindest noch in ein Land in diesem Monat – und zwar mal wieder nach Ungarn. Neben Budapest besuchte ich Sopron, bevor ich auf abenteuerliche Weise zurück nach Hause reiste.

Im Januar hatte sich eine interessante Möglichkeit ergeben, bereits vor dem abzusehenden Ende des Jahres Auszeit wieder mit der Arbeit anzufangen – zwei Monate früher als geplant. Ich sagte zu, denn ich brauchte akut nicht mehr Zeit. Beachtlich bleibt die emotionale Wegstrecke, die ich zurückgelegt habe. Ich habe inzwischen auch verstanden, wie die Jahre vor der Auszeit mir vieles Gute auf den Weg gegeben haben, und manche schwierigere Punkte aus dieser Zeit kehrten als in ein Album gegossene Erinnerungen zurück, doch diesmal viel angenehmer.

Damit könnte ich dieses Blog beenden, aber ich habe noch etwas zu erzählen, was losgelöst von einem konkreten Zeitpunkt in diesen zehn Monaten passiert ist, und außerdem möchte ich noch einmal groß und ganz zurückblicken. Die Musik des heutigen Tages kommt jedoch von Coldplay, denn die haben ein Lied namens „Amsterdam“ veröffentlicht, und dort bin ich jetzt.

Coldplay: Amsterdam