Die eigenen Stärken erkennen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Im Gegensatz zu früher habe ich eine Idee, wo ich suchen muss: In mir selbst. Der Zugang zu meinen Gefühlen wird ein entscheidendes Element auf dem Weg sein.

Der Groove als eine Quelle der Kraft hat viel mit Selbstachtung zu tun. Wie ein Held gehe ich auf die Reise, stelle mich Dämonen und finde unerwartete Verbündete.

Ein weiteres Element der Heldenreise besteht darin, sich selbst zu erkennen. Vor dreieinhalb Jahren habe ich einen Persönlichkeitstest namens CliftonStrength (benannt nach Don Clifton) gemacht, der vom Gallup-Institut stammt.

Dabei werden aus 34 Talentthemen (auf Deutsch, auf Englisch) die 5 ermittelt, die am meisten mit den eigenen Stärken zu tun haben. Für mich ergaben sich:

  1. Input (Ideensammler)
  2. Learner (Wissbegier)
  3. Intellection (Intellekt)
  4. Responsibility (Verantwortungsgefühl)
  5. Individualization (Einzelwahrnehmung)

Die ersten drei wurden mir immer wieder von anderen Leuten bestätigt. Mein Interesse an vielen verschiedenen Themen, meine Freude am Lernen an sich, meine Bereitschaft, über viele Dinge nachzudenken sind typische Qualitäten dafür. Auch der letzte Punkt, der sich etwa dadurch äußert, dass ich gerade die Unterschiede zwischen den Menschen genieße, ist nicht neu.

Überrascht hat mich jedoch das Verantwortungsgefühl als zentrales Thema. Mir war vorher nicht bewusst gewesen, dass ich so stark darauf anspreche!

Einen Hinweis darauf hatte mir meine Auszeit geliefert, während der ich festgestellt habe, dass ich eben nicht völlig verlottere, wenn ich keinen externen Faktoren habe, die mich antreiben. Stattdessen habe ich von ganz alleine meine Reisen organisiert und festgestellt, dass ich auch dann ein anständiger Mensch bin, wenn ich nicht in ein enges Korsett von Regeln gezwängt bin. Auch während meines Erasmus-Jahres in Catania 1999/2000 war ich nach einem Monat Party froh, als das Semester losging und ich endlich wieder etwas tun konnte.

Dass ich ein hohes Verantwortungsgefühl besitze, ist eine wichtige Erkenntnis. Zum einen nehme ich Dinge ernst – oft zu ernst; zum anderen kann ich nicht so einfach loslassen wie andere.

Darum ist ein Plädieren an meine Verantwortung Gift für mich. Zu glauben, ich bräuchte äußeren Druck, ist ein Zeichen von Misstrauen mir gegenüber (wenn es nicht einfach Unkenntnis ist).

In der Vergangenheit habe ich es so manches Mal zugelassen, dass andere mich lenkten – ein einfacher Hinweis („Das ist ganz wichtig!“) gepaart mit einem Anzweifeln meines Wertes („Du musst Dich beweisen!“) reichte aus. Ich sprang darauf auch deswegen gut darauf an, weil ich dachte, ich könnte mir Respekt und Wertschätzung erarbeiten (ein absoluter Irrtum).

Tatsächlich muss ich die Anzahl der Sachen, mit denen ich mich beschäftige, stark begrenzen und diese am besten selbst auswählen – was ich anpacke, will ich auch zuende führen. Mich in Arbeit zu flüchten, wenn ich mich schlecht fühle, führt meist zu großen Leistungen, hilft mir selbst aber nicht weiter (außer wenn ich das tatsächlich selbst will und das einen zukünftigen Wert für mich hat).

Ich möchte zukünftig auf die die inverse Spiderman-Regel pochen: Ihr wollt, dass ich Verantwortung übernehme? Dann gebt mir die Macht dazu!

Macht und Verantwortung müssen Hand in Hand gehen, denn:

  • Macht ohne Verantwortung erzeugt gewissenlose Menschen.
  • Verantwortung ohne Macht erzeugt verzweifelte Menschen.

Mein starkes Verantwortungsgefühl muss also mit einem hohen Maß an Freiheit aufgewogen werden. Nur dann lauge ich mich nicht selbst immer wieder aus.

Und das stimmt tatsächlich mit meiner Lebenserfahrung überein: Brilliert habe ich in den letzten Jahren in Situationen mit wenig Ordnung und viel Uneindeutigkeit, in denen viele der üblichen Regeln nicht galten, in denen die althergebrachten Rezepte nicht funktionierten. Wenn soviel unklar und unsicher ist, können andere nicht auf einen ganzen Wust an Regeln bestehen, denen ich auch folgen würde, aber die mich nur einschränken beim Lernen, Handeln und Finden von Lösungen. Dann hilft gerade weiter, was ich liebe, nämlich zu experimentieren und mich außerhalb der gewohnten Bahnen zu bewegen. Für Situationen mit viel Verantwortung bin ich anfällig und sie können mich immer wieder in die Knie zwingen – aber es sind die Gelegenheiten mit einem hohen Freiheitsgrad, in denen ich aufblühe und bei denen ich zeigen kann, was wirklich in mir steckt.

6 Gedanken zu „Die eigenen Stärken erkennen

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