Der eiserne Heinrich

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Vier Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass es normal ist, mich einsam zu fühlen, Platz für Gefühle, einen Traum vom Groove, gesunde Angst, lieben zu können, dass Verletzbarkeit liebenswert macht, Druck für Veränderung, den Traum vom Reisen sowie über Spaß mit Hochsensibilität.

Heute geht es ein weiteres Mal um ein Märchen. Als der Froschkönig erlöst wurde, wieder ein Prinz ist und das Märchen eigentlich zuende sein könnte, da geschieht noch eine interessante Sache: Sein Diener Heinrich hatte sich einst eiserne Ketten (oder Bande) um sein Herz legen lassen, weil er so traurig über die Verwandlung seines Herrn war, dass er befürchtete, anderenfalls müsste es ihm im Leibe zerspringen. Als nun Prinz und Prinzessin in der Kutsche davonreisen, da kracht es mehrmals laut, und das Paar befürchtet schon, die Räder oder die Achse der Kutsche seien zerbrochen. „Aber nein“, antwortet der eiserne Heinrich, „es sind nur die Bande um mein Herz, die abfallen und endlich zerbrechen“.

Das ist eine erstaunlich gute Beschreibung dessen, wie es sich anfühlt, wenn man langsam aus einer Krise herauskommt: Das zeigt sich eben nicht dadurch, dass alles wieder schön ist, sondern dass man unangenehme oder erschreckende Signale wieder wahrnimmt.

Über Probleme, die Lösungen sind, hatte ich bereits zweimal gebloggt. Heute habe ich nur ein einziges Symptom mitgebracht – aber was es als Lösung bedeutet, hat es in sich:

Das Symptom: Ich bin zutiefst unzufrieden mit meinem Leben. Die Lösung, die das in Wirklichkeit ist: Ich habe überhaupt wieder Zeit und Energie, darüber nachzudenken, was ich will, und nicht nur, was ich muss.

Ich habe in den letzten Wochen um mich geguckt, endlich wieder mit wachen und offenen Augen, und erstaunt und dabei ganz ruhig festgestellt: Ein Großteil dessen, wie ich derzeit lebe, hat keinen Sinn. Das war sinnvoll unter früheren Umständen, aber die haben sich ohne meine Schuld und gegen meinen Willen verändert. Mein neues Leben muss für mich alleine lebbar sein, ohne dass ich mich auf die Unterstützung von jemand anderem verlassen kann. Das erfordert, dass ich mich viel weniger für andere verausgabe und viel mehr auf mich selbst höre. Da ist das „in mich Lauschen“ genau die richtige Sache.

Worum es mir derzeit geht, ist also nicht „die große Sinnkrise“, sondern vielmehr „die Sinnfrage stellen“. Ich habe vor über zehn Monaten zum ersten Mal festgestellt, dass mein Leben keinen Sinn haben muss. Inzwischen weiß ich aber, dass ich möchte, dass es für mich einen Sinn hat. Es ist nicht schlimm, festzustellen, dass ein großer Teil meiner jetzigen Lebensumstände keinen Sinn hat. Denn diese Klarheit bedeutet einen wichtigen Fortschritt auf dem Weg zurück zu mir selbst – und ist eine Einladung zur Veränderung. Oder wie der eiserne Heinrich sagen würde: Keine Angst, es sind nur die Eisenbänder, die vom Herzen fallen.

5 Gedanken zu „Der eiserne Heinrich

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