Jahrestage und Phantomschmerzen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein und meine besten Freunde wiederzusehen.

Ich habe es sehr mit Daten, und in diesen Tagen sind es gleich drei, die mich wieder einholen: Der 22.07.1991 ist 30 Jahre her, der 26.07.2014 („die magische Nacht“) derer 7 und heute ist der 28.07.2018, der Tag, an dem ich den größten Fehler meines Lebens begangen habe, genau 3 Jahre her.

Ende Juli vor 30 Jahren war ein Wendepunkt in meinem Leben. Die schlechteste Zeit meines Lebens ging zuende. Viele Krisen und Rückschläge habe ich seither erlebt, aber immer konnte ich mich damit trösten, dass es nicht so schlimm war wie vor diesem Tag. Das heißt, bis im vergangenen Jahr. Da habe ich zum ersten Mal gezweifelt, ob sich die letzten 30 Jahre gelohnt haben. Und ich habe es mir redlich verdient, zweifeln zu dürfen. Ohne Zweifel kein Glauben und kein Sinn.

Wie Selim Özdogan so schön schrieb: „Ein gutes Leben ist die beste Rache.“ Und genau in diesem Sinne habe ich das beste gemacht, um mich nicht mit mir selbst in vergangenen, besseren Zeiten zu vergleichen und mich darüber zu erschrecken, was aus mir geworden ist: Ich habe Operation Augias vorangetrieben und gleichzeitig frische Erinnerungen an neuen Orten geschaffen, die die alten überdecken können.

Ich habe in der letzten Woche ein Fahrrad, ein Lautsprecherset, 6 CDs, eine russische USB-Tastatur sowie einen Toaster weggegeben bzw. entsorgt.

Fahrräder können wieder hergerichtet und wiederverkauft werden. Das geht hier in Hoofddorp tatsächlich allerdings von der Umweltstraße aus. In der entsprechenden Buslinie darf man keine Fahrräder transportieren. Also waren es 6 km zu Fuß.

Zur Belohnung gönnte ich mir ein Eis und kam sogar mit einigen Leuten ins Gespräch. Und da die Stadtgrenze zu Haarlem nur noch 2 km entfernt war, dachte ich mir: Hey, das schaffe ich auch noch. Einmal nach Haarlem zu Fuß ist doch etwas! Am Ende bin ich sogar bis zum dortigen Hauptbahnhof gelaufen (insgesamt 12 km). Unterwegs entdeckte ich ein schönes Café. Für das Abgeben der anderen Sachen (bis auf den Toaster, der fachgerecht in den Müll kam) bekam ich einen kostenlosen Kaffee.

Und am 26. und am 28. aß ich jeweils in Restaurant in Hoofddorp, das sich jeweils ganz in der Nähe meiner Wohnung befand, in dem ich dennoch noch nie gewesen war. Es war ein Gefühl von Kurzurlaub. So nah war das Entkommen aus dem Alltag!

  1. Wenn ich wirklich der letzte Penner wäre, der nichts mehr auf die Kette kriegt,
  2. Wenn das Feuer in meinem Herzen aus wäre,
  3. Wenn ich nicht mehr in der Lage wäre, mich auf etwas Neues einzulassen oder für etwas zu begeistern,

…dann hätte ich überhaupt nichts von all dem in den letzten Tagen machen können. Die Zeichen sind deutlich: Ich kann auch in schlechten Zeiten noch gute Erfahrungen sammeln. Ich brauche nur die Freiheit, um die richtige Umgebung für mich zu schaffen. Das will ich tun, egal, was es kostet. Ich habe mich vor drei Jahren in eine Situation begeben, die unwürdig und nicht zu stemmen war, und habe für diesen Fehler genug gebüßt. Jetzt ist es Zeit, wieder zu leben.

9 Gedanken zu „Jahrestage und Phantomschmerzen

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