Tief und tausendfach

„Und wenn ich Dich zwei Fragen fragen würde, wär das:
Woran glaubt Du? Und wofür lebst Du?
Und wenn Du mich zwei Fragen fragen würdest, wär das:
Woran denkst Du? und Wohin gehst Du?“
– Klee: 2 Fragen

„Doch wie er von der Liebe sprach
stach mir mitten ins Herz
tief und tausendfach“
– Klee: Tausendfach

„Und eben noch war da
nur Dunkelheit“
– Klee: Wenn Dich die Liebe trifft

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR, wie sich meine Reisepläne verschoben, Stress rechtzeitig zu erkennen, wie der Groove ausgerechnet in schlechter Zeit zurückkam, einen Lernerfolg am Jahresende, Selbstvorsorge zu üben sowie den neuen Schreibtischstuhl.

In der vergangenen Woche seit dem letzten Eintrag habe ich einige interessante Erfahrungen gemacht. Ich kann mich nicht daran erinnern, seit dem Beginn meiner Suche jemals so viele Eindrücke auf einmal gesammelt zu haben. Vieles erinnerte mich an vergangene Situationen, aber es war alles viel dichter beieinander.

Auf der Arbeit hatte ich um Rückmeldung gebeten. Eine Kollegin schrieb, man sehe, wenn ich für eine Thema brenne, und sinngemäß, dass es toll sei, mich so zu erleben. Das erinnert mich daran, wie ich im Oktober 2019 die Leute begeisterte. Als ich jetzt diese Bestätigung bekam, fühlte ich mich sehr erfüllt. Ich habe diese Situationen, in denen ich etwas ausstrahle, also häufiger, und es ist angenehm für andere Leute. Ich sollte also umso stärker denn je dafür sorgen, dass ich meine Zeit mit Tätigkeiten verbringe, die mir etwas bedeuten. Dann habe ich den Groove.

Seit vorgestern habe ich außerdem Urlaub. Am Montag habe ich ein Wiki-Projekt um einen weiteren Meilenstein vorangebracht – etwas, das ich seit Monaten tun wollte und für das ich nie die Konzentration aufbrachte. Und jetzt ging es mir ganz leicht von der Hand, obwohl es tatsächlich nicht trivial war und ich immer wieder kurz nachdenken musste.

Am selben Tag habe ich eine weitere Esperanto-Übersetzung eines „Die Ärzte“-Liedertextes fertig bekommen – genauer gesagt, eine brauchbare Rohfassung, der noch Korrekturlesen fehlt. Es ist verrückt, dass mir ähnliches vor fast genau einem Jahr passiert ist. Der Text, den ich jetzt zuende übersetzt habe, war auch der, für den ich damals erste Ideen notiert hatte. Das Jahr über hatte ich meine Notizen immer mal wieder in der Hand (vor allem bei Zugfahrten) und weitere Zeilen aufgeschrieben. Die Übersetzung ist also wirklich ein Produkt der letzten 12 Monate. Wenn ich so kreativ bin, fühle ich mich lebendig!

Heute war ich in Münster und habe einige Dinge erledigt, die ich schon seit mindestens zweieinhalb Jahren tun wollte. Nebenbei hatte ich sogar noch Zeit, einige neue Klamotten einzukaufen. Es fühlte sich wie ein ungewohnter Luxus an, einfach in ein Geschäft gehen zu können und für mich zu sorgen!

Am Nachmittag habe ich den nächsten Meilenstein im Wiki-Projekt geschafft – und das war wirklich kreative Arbeit, denn es ging vor allem darum, einen Text zu verfassen und ihn aus allen möglichen Teilen und Notizen zusammenzusetzen. Damit habe ich die Vision, die ich mir zu Anfang des Jahres für das Wiki gesetzt hatte, wahr werden lassen. Ich habe etwas geschafft, nachdem ich über das Jahr verteilt immer wieder Phasen größerer Aktivität für dieses Ziel hatte.

Zuletzt gibt es noch eine bemerkenswerte musikalische Erfahrung, die ich schon vor einigen Tagen hatte und die bis jetzt anhält. Ich hatte die Singles des 2. Klee-Albums entdeckt, als sie jeweils neu waren, und mehrfach darüber gebloggt. So sehr sie mir auch gefielen, ich durfte ein Lied wie Tausendfach nicht zu oft hören, weil ich dann immer melancholisch wurde. Beim Hören der 1. Single „2 Fragen“ bekam ich außerdem Anfälle von Bitterkeit in Form von Gedanken wie „Ich kann an nichts glauben“ oder „Ich gehe doch nirgendwohin“.

Klee: 2 Fragen

Und jetzt höre ich dieselben Lieder – und ich werde nicht mehr bitter oder traurig. Ich denke daran, welche Ausstrahlung Leute an mir bemerkt haben, wenn ich den Groove habe. Eine Idee zu haben, für die ich mich begeistern kann, ist größer als die Summe all dessen, was ich hier und jetzt leiste, und eine Vision von einer besseren Zukunft formulieren zu können, kann verblassen lassen, was wir hier und heute erleben. Das ist etwas, was ich aus „2 Fragen“ jetzt auch heraushöre. Und „Tausendfach“ sehe ich nicht mehr als eine wehmütige, bittersüße Erinnerung an bessere Zeiten, sondern als Bestätigung, dass es wichtig ist, dass einen etwas berühren kann, und dass dann selbst schmerzvolle Erfahrungen ihren Sinn haben.

Klee: Tausendfach

Gestern war der kürzeste Tag des Jahres. Ab jetzt gewinnen wir fast ein halbes Jahr lang jeden Tag einige Minuten Helligkeit. Und wenn ich während der dunkelsten Zeit des Jahres so viele Lichtblicke erleben kann, dann glaube ich, dass auch meine persönliche Talsohle durchschritten ist.

Unglaublich, was ich alles zustandebringe und genießen kann, wenn ich Zeit für den nötigen Fokus bekomme. Davon möchte ich mehr in den nächsten sechs Monaten!

2 Gedanken zu „Tief und tausendfach

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