Lissabon

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania sowie wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte.

Nachdem ich mit Malta mein erstes neues Land in acht Jahren besucht habe, habe ich diesmal keine zwei Wochen gewartet, um in das nächste zu reisen. Vorletzten Samstag ging es nach Portugal!

Diesmal gab’s im Flughafen Schiphol keine lange Schlange, so dass ich innerhalb einer halben Stunde mit allem fertig war und zwei Stunden warten konnte. Ich bekam richtig Reiselaune und einen Ohrwurm von „Take Me Away„. Denn genau darum ging es mir: Auszubrechen aus dem Alltag. Noch einmal etwas Neues sehen. Mich selbst in einem anderen Kontext erleben.

Als ich im Flugzeug saß, erfuhr ich, dass aufgrund von Computerproblemen in Lissabon der Flug eine Stunde Verspätung haben würde. Nicht angenehm, aber ein Schicksal, mit dem ich in den letzten zweieinhalb Jahren jederzeit gerne getauscht hätte! Über ein Angebot von Booking.com bekam ich außerdem ein kostenloses Taxi zu meiner Hotelbuchung dazu, das mir in diesem Fall sehr genützt hat, weil ich mich nach meiner Ankunft nach Mitternacht nicht mehr um öffentliche Verkehrsmittel kümmern musste. Mit dem Taxifahrer war ich sehr gut zufrieden und hatte gleich gute Laune.

Am Sonntag machte ich einen langen Spaziergang durch Lissabon, lief unter anderem am Meer entlang und durch die Stadtviertel Chiado und Alfama. Es waren noch über 20 Grad und es fühlte sich wie ein warmer Frühling oder milder Spätsommer an. Einmal gab es einen starken Regenguss, aber dafür hatte ich meinen Schirm dabei.

In der Pasteleria Aloma bestellte ich mir meinen ersten Espresso in Portugal („Bica“ genannt) und bekam gleich ein Hochgefühl, als die Bedienung erfreut auf meine Versuche reagierte, etwas auf Portugiesisch zu bestellen. Das Menü erinnerte mich stark an meine Zeit in Catania. Hätte ich es nicht besser gewusst, ich hätte auch in Italien sein können.

Abends aß ich im Green Burger nahe meines Hotels. Hier fragte der Kellner noch, ob er lieber alles auf Englisch oder Portugiesisch erklären sollte. Ich verstand auf Anhieb 80% und war völlig begeistert. Ich hätte ein Fremder sein müssen, und doch fühlte sich so viel so vertraut an! Natürlich halfen mir meine Italienischkenntnisse sehr viel. Zudem hatten sich von meinem Aufenthalt in Brasilien 1995 noch einige Eigenarten des Portugiesischen in meinem Gedächtnis gehalten. Und wie damals in Brasilien bekam ich Guaraná zu trinken!

Am Montag ging ich bis Belém und zurück – insgesamt mindestens 15 km. Dort kehrte ich im berühmten Café Pastéis de Belém ein. Das war ein Höhepunkt des gesamten Aufenthalts. Diese Cafékultur erinnerte mich unglaublich an Sizilien.

Abends nutzte ich noch die Straßenbahn „Elevador da Bica“ und hörte schließlich in einem Restaurant Fado. Diese melancholische Musik hatte eine starke Wirkung auf mich und war ein weiterer Höhepunkt meines Urlaubs. Wie die Sängerin erklärte, geht es im Fado um Liebe, Verrat und gebrochene Herzen – drei Themen, mit denen ich mich sehr gut auskenne.

Am Dienstag war es im Gegensatz zum Vortag nicht mehr stark bewölkt, so dass ich mich auf einen Tagesausflug nach Sintra wagte, um das Castelo dos Mouros zu sehen. Hier gab es tatsächlich eine tolle Aussicht, auch wenn mir zu schaffen machte, dass ich nicht schwindelfrei bin. Netterweise half mir einmal ein anderer Tourist beim Abstieg.

Alle meine Ziele hatte ich durch einen Kontakt in meiner Familie bekommen, der aus Lissabon stammt. Diese Tipps erwiesen sich als goldrichtig.

Am Mittwoch besuchte ich das Mosteiro de São Vicente de Fora, dann das Castelo de São Jorge und schließlich das Fado-Museum. Ich lernte noch einige Fakten über Fado, die ich nicht gewusst hatte, z.B. dass es Musik aus dem einfachen Volk war, die langsam auch in anderen Gesellschaftsschichten populär geworden war und dass es zwischen 1927 und 1974 eine starke Zensur gab.

Es gab zahlreiche Beispiele zum Anhören. Mir gefiel am besten ein etwas untypisches, aber modern arrangiertes Lied von einer 1982 geborenen Sängerin.

Joana Amendoeira: Lisboa, Amor e Saudade

Am Donnerstag abend ging mein Flug zurück und ich war doch sehr traurig, dieses sympathische Land wieder verlassen zu müssen. Innerhalb von nur fünf Tagen fiel mir Portugiesisch deutlich leichter und ich war fasziniert wie sonst zuvor nur vom Italienischen – das in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Netterweise konnte ich meinen Koffer kostenlos im Hotel lagern, so dass ich noch einen halben Tag für weitere Sehenswürdigkeiten hatte. Daher kehrte ich nach Belém zurück. Zuerst ging ich ins Berardo, ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Danach machte ich nochmals im Pastéis de Belém Station und bestellte mir außerdem Pastéis de Nata zum Mitnehmen, die ich abends im Flughafen aß. Zum Abschluss ging es in das Mosteiro dos Jerónimos.

Die Fahrt zum Flughafen erwies sich als ganz leicht mit der Metro. Der Flug war ebenfalls problemlos und für den Zug vom Flughafen hielt sogar die Schaffnerin die Tür für mich auf. Was will man mehr?

Um nicht vom Alltag zu Hause wieder übermannt zu werden, ging ich am Freitag direkt auf ein langes Wochenende wieder auf die Reise, wenn auch nur in den Niederlanden. Davon erzähle ich nächste Woche.

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