Zur Zukunft bereit

684 BF: Sechste Drachenqueste

Und das Orakel benannte Argoram Sohn des Artoscham von den Ambosszwergen zum Streiter der Drachenqueste. Und Argoram kam wie niemand vor ihm dem Adamantenen Herzen sehr nahe: Er fand den mysteriösen Flammenhelm – vielleicht gar ein Gegenstück zum güldenen Schild? Nur noch Hörensagen erzählt von diesem Helm, denn Argoram ging auf seiner Queste verschollen, noch eher er den Schild an sich nehmen konnte.

Das Buch der Schlange – Drakensang

Am Samstag sind es zweieinhalb Jahre, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Was habe ich im zweiten Quartal des dritten Jahres meiner Suche erlebt?

Das allerwichtigste war, dass ich eine großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress erlebt habe und ich so den Groove wiedergefunden habe. Meine Geschichte könnte hier zuende sein – aber es gibt noch mehr zu berichten.

Bereits einen Monat vorher hatte ich eine Woche Urlaub in Nordwalde gemacht. Und das soll nicht der letzte Urlaub in diesem Jahr sein! Es gilt noch viele angesparte Urlaubstage zu gebrauchen…

Mein Fleiß zahlte sich aus, indem ich gleich drei Lernerfolge erzielte, wenn auch einen streng genommen „zwischen den Quartalen“. Dafür waren die anderen beiden an einem Tag.

Ich war Gast auf zwei Hochzeiten, einmal im Freundeskreis, einmal in der Familie. Um selbst nicht allein zu bleiben, habe ich mich zweites Mal auf ein Speeddating gewagt. Außerdem habe ich durch eine Veranstaltung wie das Sprachencafé meinen Alltag verbessert.

Ohnehin griffen in den letzten drei Monaten mehr und mehr Kleinigkeiten. Ich bin im Rahmen der Operation Augias zwei Flaschen Alkohol auf unterschiedliche Weise losgeworden. Ich freue mich über meine Verletzbarkeit. Ich bin zuversichtlich, in vielen kleinen Dimensionen das das Mischpult des Lebens inzwischen gut eingestellt zu haben. Die Geschichte vom Drachen dient mir als Erinnerung an die großen Veränderungen, zu denen ich fähig bin.

Das ist heute besonders wichtig. Es ist genau 7 Jahre her, dass ich in die Niederlande ausgewandert bin, und 20 Jahre, dass ich mein Studium beendet habe. In beiden Fällen hatte ich Hoffnung, dass sich mein Leben zum Besseren verändern würde. Es ist ganz anders gekommen. Ich möchte dennoch nicht, dass Jahrestage und Phantomschmerzen meine heutige Laune bestimmen.

Letzten Freitag habe ich eine alte Freundin wiedergesehen und mit ihr in Haarlem zu Abend gegessen. Sie machte mir viele Komplimente, etwa dass ich strahle, wenn ich über etwas erzähle, das wichtig für mich ist, dass ich eine lange Entwicklung durchgemacht habe und dass ich offensichtlich viel Ruhe und Weisheit gefunden habe. Ich hörte auch, dass in meinem Alter die Zeit ist, in der viele Lebensträume zerbrechen und -planungen scheitern. Im Vergleich dazu habe ich es gut erwischt: Ich hatte keine riesigen Pläne, nur Hoffnung auf ein besseres Leben. Diese Hoffnung lebt weiter.

Ich habe in den letzten Tagen ein wenig in meinem Arbeitszimmer aufgeräumt und dabei Schritt für Schritt meine Magnettafel von allem befreit, was nicht mehr relevant ist. Übrig blieb nur ein einziger Gegenstand: Die Liste von Ländern in Europa, in denen ich noch nie gewesen bin und in die ich noch reisen möchte. Handgeschrieben auf einen Zettel Anfang Januar 2020. Der alte Traum lebt weiter. Und es muss nicht bei einem Traum bleiben.

Was für ein symbolisches Aufräumen in meinem Leben! Diesen Fokus möchte ich in der kommenden Zeit behalten. Ich muss nicht wie der Zwerg in der Drachenqueste dem Ziel sehr nahekommen und dann doch noch scheitern.

Vor allem möchte ich darauf achten, den Groove nicht wieder zu verlieren. Heute war ich etwa erst traurig und müde. Dann habe ich verschiedene Sachen gemacht, die mir gefallen: Ich habe Ukulele gespielt und gesungen (Gefühle leben und ausdrücken), mich glatt rasiert (es fühlt sich so gut an und ich sehe wieder aus wie ich selbst) ein paar Fotos gemacht (etwas wagen). Danach ging es mir sehr gut. Diese Selbstachtung sei mir ein Kompass auf meiner weiteren Reise!

Meine Persönlichkeit wird nicht dadurch bestimmt, dass ich über die Vergangenheit trauere. Ich bin überzeugt, dass ich bereit bin für die Zukunft.

Das Mischpult des Lebens

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten, die Geschichte vom Drachen, die großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress, wie der Groove die Angst besiegte sowie Sprachencafé und besseren Alltag.

Nachdem ich herausgefunden hatte, dass ich höchstwahrscheinlich eine extrovertierte hochsensible Person bin, habe ich öfters vom „Mischpult des Lebens“ gesprochen, das es richtig einzustellen gilt. Wie könnte eine solche Einstellung aussehen? Für den Alltag stelle ich mir folgende Regler vor:

  • Schlaf: Ich werde abends müde, bin bereits bettfertig und gehe dann ins Bett.
  • Ernährung: Ich esse jeden Tag zumindest eine frische oder frisch zubereitete Sache.
  • Bewegung: Ich sitze nicht den ganzen Tag, sondern stehe oder gehe zumindest einige Zeit.
  • Kreativität: Ich habe Zeit, um eines meiner kreativen Hobbys zu verfolgen.
  • Lernen: Ich lese, gucke oder übe jeden Tag ein wenig.
  • Gesundheit: Ich achte darauf, was mein Körper mir sagt, und unternehme Schritte, um meine Gesundheit zu erhalten.
  • Gesellschaft: Ich habe Kontakt mit anderen Menschen.
  • Ruhe: Ich habe Zeit für mich alleine, um die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.

Ich habe das in den letzten Monaten mehr und mehr und immer häufiger geschafft. Ich merke auch, was das für einen positiven Effekt auf mein körperliches und geistiges Wohlbefinden ausübt.

Einige Dinge haben sich scheinbar automatisch eingependelt. Für andere habe ich bewusste Maßnahmen getroffen. Für den Schlaf habe ich etwa meinen Koffeinkonsum erst auf 3, dann auf 2 Tassen Kaffee zurückgeschraubt. Außerdem schaue ich ASMR-Videos, bei denen ich oft nur drei Minuten schaffe, bis ich einnicke.

Ein guter Alltag ist ein Zeichen von (Selbst-)Achtsamkeit und praktizierte Selbstliebe. Eine gute Balance ist wichtig, um nicht ständig außer Puste zu geraten, sondern sich einen kleinen Energievorrat aufzubauen, um dann anstrengendere Dinge anzupacken.

Natürlich gibt es daneben auch Dinge, die nicht in den Alltag fallen, wie Freunde und Familie oder Veranstaltungen, oder größere Ziele wie Reisen oder nicht alleine sein. Es zählt jedoch, dass der Alltag nicht öde oder zermürbend ist und durch außergewöhnliche andere Zeiten ausgeglichen werden muss.

Sprachencafé und besserer Alltag

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten, die Geschichte vom Drachen, die großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress sowie wie der Groove die Angst besiegte.

Nachdem ich den Groove im Urlaub wiedergefunden habe, treibt mich die Frage um, wie ich ihn im Alltag leichter erleben kann. Bis jetzt ist mir dazu eingefallen, kreativ zu sein, Dinge zu wagen – und mich mit Leuten zu umgeben, die mir gut tun.

Am Freitag gab es wieder eine größere Veranstaltungen des Amsterdam Language Café, bei der man alle Sprachen sprechen und üben konnte, die man wollte.

Das letzte Mal war bereits großartig gewesen. Nun war wieder – wie im April beim ersten Café seit zwei Jahren – eine kostenlose Salsa-Lektion. Ich hatte im Urlaub noch eine Bekräftigung meiner Idee bekommen, endlich einen Tanzkurs zu wagen. Diesmal verzichtete ich jedoch dankend, denn ich war Helfer auf der Veranstaltung und begrüßte die Leute. Das machte unglaublich Spaß, Dutzende unbekannte Gesichter zu sehen. Ich hatte es von der Arbeit nicht mehr nach Hause geschafft und war daher in Hemd und Krawatte da – und bekam für die Krawatte ein Kompliment!

In der internationalen Runde mit so vielen verschiedenen Sprachen fühlte ich mich wie zu Hause. Auch das „nicht einfach konsumieren, sondern selbst etwas schaffen“ machte mich sehr glücklich.

Das ist ein sehr wichtiger Schritt, um den Alltag zu verbessern. Gleichzeitig sind noch einige Urlaubstage übrig. Daher habe ich heute für mehrere Termine später im Jahr Urlaub eingereicht. Das war auch ein symbolischer Akt, denn an so etwas habe ich vor fast einem Jahr meine Selbstvernachlässigung erkannt. Zeit, aktiv gegenzusteuern und mich selbst zu achten.

Der Groove besiegt die Angst

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten, die Geschichte vom Drachen sowie die großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress.

Angeregt durch ein Gespräch im Urlaub und meine Überzeugung „ich möchte mein Leben zurück“ habe ich mich gestern abend erneut auf eine Speeddating-Veranstaltung eingelassen. Die Hemmschwelle, das noch einmal zu machen, war deutlich geringer als beim ersten Mal. Diesmal war ich nicht nervös – nur kurz vorher überrascht von der eigenen Courage.

Ich hatte mir ein paar Sachen vom letzten Mal gemerkt: Lieber die Papierversion statt die digitale Matchkarte nehmen, weil das deutlich einfacher ist, um Notizen zu machen; den eigenen Namen aufschreiben, weil Namen immer schwer verstanden werden und in diesem Kontext genau sein müssen; auf Google Maps zeigen, wo aus Deutschland meine Familie herkommt, weil das Thema werden kann; und zur Not Google Translate Deutsch – Niederländisch für einzelne Wörter. Letzteres habe ich am Ende nicht gebraucht. Es gelang mir mühelos, zwischen Niederländisch und Englisch umzuschalten und die Gespräche zu führen. Alle drei anderen Ideen erwiesen sich als goldrichtig.

Ich habe es sehr genossen, neue Frauen kennenzulernen und mich jeweils ganz auf eine Person konzentrieren zu können. Es fiel mir diesmal deutlich einfacher, ins Gespräch zu kommen. Die neue Stelle macht einen großen Unterschied. Softwareentwickler scheint viele abzuschrecken. Ich glaube, dass auch hinzukommt, dass ich mit dem beruflichen Wechsel mein Leben selbst in die Hand genommen habe. Auch meine kreativen Hobbys weckten einige positive Reaktionen. Ich habe offensichtlich nicht nur Arbeit im Kopf und mache interessante Dinge in meinem Leben. Ich bekam sogar mehrmals Komplimente für meine Kleidung (meine Krawatte!). Am wichtigsten war mir, dass ich bei Themen, die mir wichtig waren, Leidenschaft ausstrahlte und das bei vielen Frauen auch ein Stück zurückstrahlte.

Überhaupt hatte ich dieses Mal bessere Gespräche: Themen, die mehrmals vorkamen, waren persönliches Wachtstum; arbeiten, um zu leben – nicht umgekehrt; sowie Dinge zu wagen und absichtlich Situationen suchen, die anfangs ein wenig einschüchtern können.

Interessant war auch, wie viele Frauen erwähnten, dass sie ein wenig nervös waren und die Situation – auf viele unbekannte Männer treffen und dann im Zwiegespräch mit ihnen zu sein – sehr ungewohnt. Mehrere sagten auch, dass sie müde von Flirt-Apps und endlosem Klicken sind. Das tat gut zu hören!

Ich meine, dass es diesmal mehr „Treffer“ von meiner Seite aus gab. Dennoch war mir das Endergebnis egal. Es ging um das Prinzip. Die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg war gering, aber größer, als wenn ich zu Hause geblieben wäre. Ich konnte nur gewinnen, weil ich überhaupt etwas gewagt habe.

Am Ende des Abends war ich zufrieden und tiefenentspannt. Das ist doch ein erstaunlicher Wandel von „Flirten als lästige Pflicht zu empfinden und dabei verkrampft und genervt zu sein“ hin zu „ich suche die Herausforderung und bin gespannt“.

Ich glaube, ich weiß, was anders war: Ich dachte nicht, mich „beweisen“ oder „anpreisen“ oder Bestätigung bekommen zu müssen. Ich bin nicht angetreten in der Überzeugung, dass irgendetwas funktionieren oder erfolgreich sein „muss“. Ich mochte mich selbst und war mutig genug, mich zu zeigen, wie ich bin. Und was die Damen an mir mochten, das war ich selbst.

Wenn ich ich selbst bin, fühle ich mich unbesiegbar. Das ist der Groove. Mit ihm habe ich im Alltag über meine größte Angst gewonnen. Es war entscheidend, mich in eine Situation zu begeben, vor der ich früher Angst hatte. Da wo die Angst ist, steckt die beste Gelegenheit auf persönliches Wachstum. So möchte ich weitermachen!

Endlich wieder zu Hause, endlich wieder lebendig!

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten sowie die Geschichte vom Drachen.

Letzte Woche war ich im Urlaub – und was für ein Urlaub es war! Dabei bin ich nicht einmal ins Ausland gereist, sondern ins schöne Noord-Brabant in den Süden der Niederlande. Hier fand mit zweijähriger Verspätung der Esperanto-Jugendweltkongress statt. Nachdem dieselbe Veranstaltung vor sieben Jahren in Wiesbaden war, kurz bevor ich aus Deutschland ausgewandert bin, hatte ich so nun ein weiteres Mal eine sehr kurze Anreise, sogar noch kürzer als damals. Auch sonst fühlte es sich wie ein Heimspiel an: Ich kannte die Sprache der Umgebung. Die Landschaft erinnerte mich sogar ans Münsterland.

Nach über zweieinhalb Jahren Zwangspause konnte ich wieder auf ein Esperantotreffen fahren. Erst als ich da war, merkte ich, wie sehr mir das gefehlt hatte.

Gleich nach der Ankunft, als es einige Wartezeit gab, fing ich an, Ukulele zu spielen. Bald kamen Leute hinzu und sangen mit; eine Freundin, die ich mindestens drei Jahre nicht gesehen hatte, umarmte mich herzlich. Das Gefühl war eindeutig: Endlich war ich wieder zu Hause!

War für eine großartige Woche. Endlich musste ich meine Gefühle nicht mehr zügeln oder unterdrücken, sondern konnte mich einer Sache wieder ganz hingeben.

Ich war wieder DJ und das Programm hieß „nostalgische Nacht“. Es war so schön, junge Leute leidenschaftkich auch zu alten Liedern tanzen zu sehen. Und am Ende des Abends tanzte ich sogar unverhofft eng zu zweit. Was hat mir das gefehlt! Wie einsam ich vorher gewesen bin! Und noch eine sentimentale Szene gab es gegen Ende des Abends: Ich spielte „Het is een nacht“ von Guus Meeuwis und der Cheforganisator tanzte gerührt mit. Das war für mich als Einwanderer ein ganz besonderer Moment.

Auf der Bühne stand ich außerdem noch mit meiner Band „La Kuracistoj“, wenn auch nur zu zweit. Wir spielten zwei Klassiker und eine neue Übersetzung, die alle gut ankamen. Das tat sehr gut, denn die neue Übersetzung habe ich 2020 und 2021 angefertigt; sie war also ein kreatives Ergebnis aus einer insgesamt schwierigen Zeit.

Meine Esperanto-Liedersammlung mit über 120 Stücken, die ich schon seit Jahren nicht mehr auf Treffen mitgenommen hatte, war diesmal höchst willkommen. Die Reaktionen haben mich motiviert, wieder an der öffentlichen Liedersammlung zu arbeiten – nach 16 Jahren Pause. Zu erleben, dass das, was mir sehr wichtig ist, auch bei anderen Anklang findet, schätze ich sehr. Und wenn mich andere zu einer Verhaltensänderung bringen, sagt einiges.

Meine Ukulele war nicht das schönste Instrument: Dieser Titel ging dieses Mal an ein lettisches Musikinstrument, eine kleine Version der finnischen Kantele.

Nachdem ich über sechseinhalb Monate lang Bücher für die Arbeit gelesen hatte, gönnte ich mir beim Einkaufen spontan einen Comic auf Niederländisch – Donald Duck speziell zum Thema Magier. Den Comic habe ich mühelos durchgelesen – ein Zeichen dafür, wie gut ich inzwischen Niederländisch kann.

Bei den Konzerten stellte ich mich ganz nach vorne und tanzte ab dem ersten Lied voll mit. Zwei Bands gaben mir nachher die Rückmeldung, wie sehr man meine Leidenschaft und Energie merkte, wie sehr das auf andere ausstrahlte und wie einfach es war, alle zum Tanzen zu bringen.

Es gab auch ernste Momente, und es war mir sehr wichtig, mich nicht zu verstellen, sondern auch die schlechten Zeiten anzusprechen.

Ich hörte dabei mehrere Sachen, die ich bemerkenswert fand: Dass überhaupt nichts dagegen spricht, dass ich nicht alleine bleibe. Dass ich immer auch etwas Positives sehe. Dass man mir die schwierigen Zeiten nicht ansieht. Dass man mir hingegen ansieht, wenn ich für ein Thema brenne, und ich großen Enthusiasmus zeige. Dass ich es verdient habe, glücklich zu sein. Es war, als würden einige alte Wunden endlich zu heilen beginnen.

Zum Abschluss der Woche wurde ein Esperanto-Musical aufgeführt. Dessen Lieder stammten größtenteils aus dem Repertoire eines anderen Esperanto-Musikprojekte von mir, das ich vor zehn Jahren begonnen habe und dessen letzter Text um Silvester 2020/21 erschien. Für das Musical wurden sogar EU-Fördermittel zur Erhaltung von Kultur bereitgestellt. Jede Menge junger Leute aus mindestens drei Kontinenten, von denen ich einige kannte, viele aber noch nie gesehen hatte, die plötzlich auch meine Texte sangen und aus dem, was ich mir einst mit einem Freund Stück für Stück auf zahlreichen Treffen ausgedacht hatte, etwas noch Größeres machten. Das war ohne Zweifel eines der fünf schönsten Erlebnisse mit Esperanto-Kultur. (Zum Vergleich: Ein anderes wurde einer der schönsten Tage meines Lebens.)

Es war, als wäre ich viereinhalb Jahre tot gewesen und nun wieder lebendig. Die Suche nach dem verlorenen Groove könnte hier zuende sein, denn ganz offensichtlich habe ich den Groove wiedergefunden. Ein Kapitel gibt es aber noch zu erleben:

Leider muss jeder Urlaub zuende gehen. Die dazugehörigen Begleiterscheinungen sind unter Esperantosprechern bekannt als Post-Esperanto-Treffen-Syndrom. Ich habe noch am Tag meiner Rückkehr nach Hause eine neue Version meines Liedes zu dem Thema aufgenommen:

Eine Absicht habe ich aus dieser Woche mitgenommen: Ich will mein Leben zurück. Ich möchte nicht mehr in einen Alltag, in dem meine Bedürfnisse zu kurz kommen. Ich habe erlebt, wie ich sein kann und wie ich dann wahrgenommen werde. Ich möchte das in meinem „normalen“ Leben häufiger haben. Dafür bin ich bereit, weite Teile meines Lebens umzubauen. Es gibt nichts mehr, auf das ich warten muss. Eine bessere Zeit als jetzt wird nicht kommen!

Die Geschichte vom Drachen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag sowie die Freude an Kleinigkeiten.

Diese Woche bin ich im Urlaub und darüber, wie’s war, möchte ich berichten, wenn die Woche rum ist. Daher gibt es heute eine kleine Geschichte.

Ein Krieger, ein Wolf und ein Fischer haben die Erzählung von einem Drachen gehört, der in der Gegend hausen soll und dessen unbändige Kraft diejenigen beeindruckt, die ihrer Zeuge werden. Voller Angst vor dem Drachen wenden sich an einen Weisen. Was sollen sie nur tun?

Der Weise hört allen drei geduldig zu und gibt ihnen schließlich folgenden Rat:

„Ihr braucht keine Angst vor dem Drachen zu haben. Ihr selbst seid der Drache.

Diese große Energie, die bisweilen so unbändig wie ein Drache wirkt, die tragt Ihr in Euch selbst. Und warum solltet Ihr Euch vor Eurer eigenen Kraft fürchten?

Ihr solltet Euch vielmehr um ganz andere Dinge sorgen:

Du, Krieger, solltest darauf achten, dass Du beschützt und verteidigst, was Dir lieb und teuer ist, und nicht Tod und Zerstörung über andere bringst.

Du, Wolf, solltest Deine Freiheit achten, und sie nicht für diejenigen aufgeben, die es nicht wert sind.

Du, Fischer, solltest Deinen Fang großzügig mit anderen teilen, aber immer darauf achten, dass genug für Dich selbst übrig bleibt und die Menschen, die Dir am nächsten sind.“

Wie die Geschichte ausgeht, weiß ich noch nicht – zum Glück. Denn ich bin der Krieger, der Wolf, der Fischer – und der Drache.

Die Freude an Kleinigkeiten

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger sowie über zwei Lernerfolge an einem Tag.

Es läuft die letzte Arbeitswoche vor dem hochverdienten Urlaub. Ich habe am letzten Wochenende alles einen Gang ruhiger angehen lassen. Dabei ist mir noch einmal klar geworden, wie sehr ich mich selbst schätze in den Momenten, in den ich mir selbst gegenüber Verletzbarkeit zeige. Gerade das finde ich an mir liebenswert. Wer mich auf den Teil meiner Person reduziert, der etwas leistet, hat mich überhaupt nicht verstanden und sollte von mir wegbleiben.

Das ist das wichtige Gegengewicht zu den Anstrengungen, die ich unternehme, um mein Leben zu verbessern. Das wird auch verhindern, dass ich mich wieder selbst vernachlässige und damit völlig verausgabe.

Ich bin nicht nur jemand, der nützlich ist und dabei oft gute Laune zeigt. Ich habe auch Momente, in denen ich zur Ruhe komme und mir zugestehe, in einer ganz anderen Stimmung zu sein. Traurig. Wütend. Ratlos. Verzweifelt.

Nur wenn ich auch das sein kann, kann ich auch authentisch fröhlich sein. Dafür bin ich dann auch ein Mensch, der sich über Kleinigkeiten wie eine Tasse Tee oder eine Süßigkeit freuen kann.

Ich glaube, dass dieser Teil des Mischpults meines Lebens inzwischen gut eingestellt ist. Zu erkennen, dass ich eine extrovertierte hochsensible Person bin, war wegweisend, um zu verstehen, warum Sinneseindrücke stärker auf mich wirken und ich oft länger brauche, um sie zu verarbeiten.

Ich kann mich jetzt auch darüber freuen, wenn ich mir selbst etwas Gutes tue. Es war ein weiter Weg dahin!

Zuletzt habe ich es mir gegönnt, den Soundtrack des von mir sehr geschätzten und intensiv gespielten Spiels „Drakensang: Am Fluss der Zeit“ einmal nach meinem Geschmack zu sortieren. Das Ergebnis spricht für sich: Das kann ich wunderbar nebenbei hören, wenn ich etwas anderes mache.

Zwei Lernerfolge an einem Tag

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen sowie zwei Flaschen Alkohol weniger.

Die Zahl zwei spielte zuletzt eine größere Rolle. Passend dazu habe ich am Montag gleich zwei Prüfungen auf einmal bestanden: Professional Kanban I („Professionelles Kanban I“) sowie Professional Applied Metrics („Professionelle Angewandte Metriken“).

Ich hatte nach der letzten Prüfung noch geschrieben, dass es so nicht weitergehen würde, weil ich alles von scrum.org geschafft hatte, was es in absehbarer Zeit zu schaffen gibt (die beiden Prüfungen auf Experten-Niveau also ausgenommen). Diese beiden neuen Prüfungen stammen von prokanban.org, das sich ganz auf Kanban spezialisiert hat. Die erste Prüfung in diesem Jahr diente als Motivation, um noch weiter in diese Richtung zu lernen. Die Beschäftigung mit Metriken ist außerdem eine hervorragende Ergänzung zu evidenbasiertem Management (EBM), mit dem ich mich seit Anfang 2021 beschäftige.

Zusammen mit der letzten Prüfung vor der neuen Stelle waren es allein dieses Jahr fünf Prüfungen. Dafür habe ich über sechs Monate jeden Tag gelernt. Und jedes Mal war es ein Treffer. Die erste Prüfung am Montag habe ich sogar mit 100% der Punkte bestanden – wie es mir in meinem Leben erst zweimal überhaupt gelang, zuletzt Ende letzten Jahres.

Warum ist mir das so wichtig? Zum einen bin ich nicht mehr notgedrungen auf Scrum angewiesen – wichtig für einen Agile Coach. Zum anderen lag mein alter Rekord, was Prüfungen für meine berufliche Weiterbildung angeht, im Jahr 2020. Da waren es derer vier. Es waren tolle Erfolge in einer ansonsten für mich sehr schlechten Zeit. Und darum ist es mir so wichtig, außerhalb der schlechten Zeiten besser zu sein. Ich möchte nicht, dass es eine Korrelation zwischen „es geht mir schlecht“ und „ich leiste etwas“ gibt. Es soll gerade nicht so sein, dass ich unter Angst, Zwang und Druck besonders viel zu leisten scheine. Es ist genau umgekehrt: Wenn ich frei bestimmen kann, was ich lerne, schaffe ich viel mehr!

Die Frage ist nun: Was jetzt? Mir sind tatsächlich die Prüfungen ausgegangen, die ich in den nächsten Monaten angehen kann. Ich habe allerdings noch mehrere Bücher zur beruflichen Weiterbildung, die ich nach und nach lesen möchte, und andere Themen, die ich lernen möchte. Ich freue mich darauf.

Doch halt: Gibt es nicht wichtigere Dinge? Na klar – nur: All das abgehakt zu haben gibt mir sehr viel innere Ruhe. Ich habe den Eindruck, einen Teil meines Lebens aufgeräumt zu haben. Ab jetzt kann ich mir Urlaub gönnen und wer weiß, vielleicht muss ich nicht einmal alleine bleiben im Leben. Diese intensive Lernphase werde ich wahrscheinlich nicht so schnell wiederholen können. Darum bedeutet es mir viel, sie durchlebt zu haben.

Operation Augias: Zwei Flaschen Alkohol

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde sowie die zweite Hochzeit in zwei Wochen.

Ich habe einen weiteren Schritt im Rahmen der Operation Augias getan. Nach Gesprächen mit Freunden habe ich mich dazu entschlossen, meine Sammlung an Flaschen mit alkoholischen Getränken, die ohnehin nicht groß war, zu verkleinern.

Ich trinke schon viele Jahre keinen Alkohol mehr. Ich hatte also nie das Bedürfnis, den Alkohol selbst zu verbrauchen.

Letzten Endes standen die Flaschen bei mir in der Wohnung, ohne dass ich sie verbraucht habe.

Eine Flasche Bols Blue Curaçao habe ich im Freundeskreis weiterverschenkt. Kurioserweise ist das ein niederländisches Produkt und war ein Geburtstagsgeschenk, wenn ich mich recht erinnere, das ich aber gebraucht habe. Jetzt hat die Flasche einen Besitzer, der für ihren Inhalt bessere Verwendung finden wird.

Die andere Flasche war ein Tequila namens José Cuervo Clasico. Das war mal ein Geschenk auf der Weihnachtsfeier meiner damaligen Firma, das mich sehr erfreut hat. Ich erinnere mich auch noch gerne zurück an die Gelegenheit, bei der ich die Flasche angebrochen habe – zu zweit natürlich, denn so trinkt man in der Esperantowelt Tequila. Aber nach so vielen Jahren wird der Tequila seinen Geschmack verloren haben, so dass ich ihn jetzt weggekippt habe.

Was hat mich so lange zurückgehalten, diese eigentlich einfache veränderung zu unternehmen? Ich hatte ein schlechtes Gewissen, ein Geschenk nicht gewürdigt zu haben. Dabei habe ich die Flasche über mindestens einen Umzug erhalten und hätte sie jederzeit angeboten – allein es fehlte die Gelegenheit. Beim Tequila war es die Erinnerung an eine gute Zeit und vielleicht das festhalten wollen daran, auch wenn alle guten Dinge zuende gehen müssen und es erwachsener ist, sich bewusst einzugestehen, dass bestimmte Abschnitte des Lebens vorbei sind und nicht wiederkommen können. Natürlich habe ich mich außerdem gefragt, ob ich nicht ein schrecklicher Verschwender bin, wenn ich eine Flasche Alkohol, deren Inhalt nicht mehr schmecken kann, einfach so wegschütte.

Dann habe ich endlich einmal nachgesehen, was denn der Wiederbeschaffungswert für diesen Tequila oder die Flasche Bols wäre. Etwa 20 bzw. 10 Euro. Damit lag die Entscheidung auf der Hand! Ich fühle mich jetzt deutlich besser, weil ich nicht der Vergangenheit anhänge, sondern mich selbst auf eine mögliche Zukunft vorbereite. Dort haben gewisse Teile der Vergangenheit keinen Platz.

Zweite Hochzeit in zwei Wochen

„Nur noch konkret reden
Gib mir ein ja oder nein
Schluss mit Larifari
Ich lass all die alten Faxen sein
(…)
Ich will nie mehr lügen
Ich will jeden Satz auch so meinen“
– Peter Fox: Alles neu

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher sowie eine Woche Urlaub in Nordwalde.

Am Ende meines Urlaubs war ich auf der zweiten Hochzeit innerhalb von zwei Wochen. Diesmal ging es nach Köln auf eine Hochzeit innerhalb der Familie.

Jahrestage und Phantomschmerzen machten mir diesmal mehr zu schaffen. Aber ich hatte mir vorher völlig ruhig vor Augen gehalten, dass das passieren könnte, und dass das nicht schlimm sei. Schlimm wäre es gewesen, möglicherweise belastende Situationen zu vermeiden.

Ich habe außerdem meinen Schmerz nicht zum Nabel der Welt gemacht. Was mir passiert ist, war außergewöhnlich und hat nichts mit anderen Leuten zu tun. Ich bin nicht meine Erfahrungen, meine Enttäuschungen oder meine Verletzungen.

So sah ich jede Menge Verwandte wieder und lernte weitere nette Leute kennen. Ich habe zwar noch immer nicht meine alte Form auf der Tanzfläche erreicht, aber es wird zunehmend besser – ich würde sagen, diesmal waren es 40%. Um 2:45 ging es nach Hause.

Nebenbei entdeckte ich ein deutschsprachiges Lied, das bisher völlig an mir vorbeigegangen war und das von persönlicher Runderneuerung erzählt:

Peter Fox: Alles neu

Dazu eine speziell fürs Lied eingespielte Orchesterinstrumentierung – ganz großes Kino!

Eine Kollegin war währenddessen in der Ukraine und ist heil wieder zurückgekommen. Im Vergleich dazu geriet die mitgebrachte ukrainische Schokolade zur Nebensache, aber die Packung verfehlte ihre emotionale Wirkung nicht.

Und dann bekam ich heute von einer anderen Kollegin, die ich sehr schätze, ein Riesenkompliment. Ich strahle eine Begeisterung aus und sei mit so viel Fröhlichkeit bei der Sache, wie sie noch bei niemand anderem gesehen hätte. Das, was sie da beschrieben hat, ist natürlich der Groove, und nach ihrer Beschreibung war er schon vor über eineinhalb Jahren wieder sichtbar, sogar in Videokonferenzen, auch wenn ich mir seiner selbst nicht immer bewusst war.

Dieses Kompliment kam genau zur rechten Zeit. Ich muss keine Angst vor Jahrestagen haben, denn ich kann wieder etwas ausstrahlen. Das ist eine Fähigkeit, die ich am meisten an mir vermisst habe.