Zehn Monate rum…

…von der einjährigen Auszeit. Was ist passiert? Wie habe ich die Zeit genutzt?

Zu berichten gibt es diesmal etwas mehr als nur einen Monat. In einer vierteiligen Serie habe ich erzählt, wie ich auf einem einwöchigen Esperantotreffen ins neue Jahr gekommen bin: Als DJ, mit einem Konzert von Jonny M, einer tollen Silvesterfeier und mit viel selbstgemachter Musik.

Wieder zu Hause, kümmerte ich mich erst einmal um einige ganz alltägliche Dinge: So standen Besuche beim Zahnarzt und Hausarzt an. Nebenbei habe ich im Januar auch noch den Hautarzt aufgesucht, schließlich soll die wiedergewonnene Gesundheit erhalten bleiben.

Auch im neuen Jahr hatte ich einige Ideen und eine setzte ich gleich in die Tat um: Es gibt jetzt bei wordpress.com mehrere Themes auf Esperanto.

Ansonsten kümmerte ich mich weiter um die Operation Augias: So kamen der Rest aus dem Zimmer aus Nordwalde nach Münster, der Rasierapparat wurde endlich entsorgt, ebenso wie der Koffer, der auf meinen Reisen zuletzt sehr gelitten hatte.

Kurioserweise hatte ich in der ersten Hälfte des Januars keine Lust, in ein neues Land von meiner Liste zu verreisen. Dann ging es aber zumindest noch in ein Land in diesem Monat – und zwar mal wieder nach Ungarn. Neben Budapest besuchte ich Sopron, bevor ich auf abenteuerliche Weise zurück nach Hause reiste.

Im Januar hatte sich eine interessante Möglichkeit ergeben, bereits vor dem abzusehenden Ende des Jahres Auszeit wieder mit der Arbeit anzufangen – zwei Monate früher als geplant. Ich sagte zu, denn ich brauchte akut nicht mehr Zeit. Beachtlich bleibt die emotionale Wegstrecke, die ich zurückgelegt habe. Ich habe inzwischen auch verstanden, wie die Jahre vor der Auszeit mir vieles Gute auf den Weg gegeben haben, und manche schwierigere Punkte aus dieser Zeit kehrten als in ein Album gegossene Erinnerungen zurück, doch diesmal viel angenehmer.

Damit könnte ich dieses Blog beenden, aber ich habe noch etwas zu erzählen, was losgelöst von einem konkreten Zeitpunkt in diesen zehn Monaten passiert ist, und außerdem möchte ich noch einmal groß und ganz zurückblicken. Die Musik des heutigen Tages kommt jedoch von Coldplay, denn die haben ein Lied namens „Amsterdam“ veröffentlicht, und dort bin ich jetzt.

Coldplay: Amsterdam

Feiern, bis der Arzttermin kommt

Ich habe schon lange nichts mehr zum Thema Gesundheit geschrieben. Natürlich ist das kein Ziel, das man einmal erreicht und dann erledigt hat.

Was tun am Jahresanfang, wenn man (noch) den Ansporn hat, im neuen Jahr etwas besser zu machen? Richtig, mal wieder zum Arzt gehen zur Kontrolle. Letzte Woche habe ich gleich einen Zahnarzttermin hinter mich gebracht und heute war ich beim Hausarzt.

Seit ich wieder gesund bin, kann ich das Leben deutlich mehr genießen – und das soll auch so bleiben! Ich bleibe am Ball.

Die Gnade der Gesundheit

Reisen und Musik schön und gut, aber Gesundheit ist das Fundament dafür. Ich hatte vor einem Monat von einem Termin beim Hautarzt berichtet (auf den ich über einen Monat gewartet habe!) und erwähnt, dass es einen Nachfolgetermin geben würde.

Anfang diesen Monats hatte ich eine kleine OP. Keine große Sache auf den ersten Blick, lokale Betäubung, dauerte nicht lange, mit ein paar Stichen genäht, ich konnte sofort nach Hause gehen.

Aber die Unsicherheit war eben da. War die Ursache für die Operation (und den Arztbesuch überhaupt) bösartig?

Heute war Fäden ziehen. Und ich habe erfahren, dass alles in Ordnung ist. Das war eine sehr große Erleichterung für mich.

Ja, das Jahr Auszeit ist nicht nur für Spaß und Party. Es gibt auch immer wieder sehr ernste Momente.

Mit Haut und Haar

Aktuell bin ich ein wenig unzufrieden mit mir selbst, weil ich mit meinen Reiseplänen für die nächsten Monate nicht aus den Pötten komme. Ich habe jetzt nach drei Tagen in meiner Wohnung sogar wieder einen leichten Lagerkoller. Wenigstens zeigt das, dass ich wirklich weg will und keine Angst vor der großen weiten Welt habe.

Andererseits läßt sich eben nicht alles bis zur letzten Minute flexibel halten. Ich habe festgestellt, dass ich eine sehr große Abneigung dagegen entwickelt habe, in meinem Privatleben zu planen und frühzeitig irgendwelche Sachen zuzusagen. Dahinter steckt offensichtlich das Gefühl, zu sehr fremdbestimmt zu sein. Die Abwehrreaktion erscheint auf den ersten Blick unvernünftig, aber ich erinnere mich auch an frühere Zeiten, in denen ich tatsächlich sehr durchgeplant war. Da hing ich seelisch oft so richtig in den Seilen. Mal sehen, ob es mir gelingt, diese psychische Blockade – die eigentlich ein psychischer Schutz ist, der nur jetzt nicht mehr sinnvoll erscheint – wieder loszuwerden.

Ich bin außerdem in die alte Alltagsfalle getappt, nur das zu sehen, was ich noch erledigen muss oder was noch nicht klappt, und nicht das, was ich schon geschafft habe und was läuft. Immerhin geht’s mir gleich besser, während ich das hier aufschreibe. Manchmal muss man die Dämonen beim Namen nennen, um ihnen ihre Macht zu nehmen…

Am Freitag habe ich mir in Erfurt erst einmal einen neuen Haarschnitt verpassen lassen. Der letzte war im Februar (ein guter Friseur in Hamburg-Altona, ich war begeistert!). Was ich in Erfurt zu tun hatte, erzähle ich ein anderes Mal. Jedenfalls sehe ich mit Linsen und gepflegtem, aber nicht zu kurzen Schnitt ganz anders aus als noch zu Beginn des Jahres. Ich finde mich viel frischer. Äußerlich erinnere ich mich selbst an meine guten Zeiten.

Noch keine weitere große Reise, dafür eine kleine und viel Musik – so erging es mir in den letzten Tagen. Heute hingegen habe ich das dritte große Thema angepackt, das mir auf die Frage Was tun? einfiel, und zwar Gesundheit. Ich bin zwar seit einem Monat und einer Woche wieder gesund, aber nach Augenarzt und Zahnarzt wollte ich noch zum Hautarzt.

In meiner Jugend bin ich leider nicht besonders vernünftig mit meiner hellen Haut umgegangen und habe mir viel zu oft Sonnenbrand geholt. Das kann sich noch rächen. Seit ich akzeptiert habe, dass ich als blonder Mensch einfach nicht fürs Sonnenbad geeignet bin, habe ich Frieden mit meiner Haut geschlossen. Die ewigen Sprüche „Du bist ja überhaupt nicht braun geworden!“ und die Vergleiche von dunkelhaarigeren Menschen mit mir sind einfach kein Maßstab.

Trotzdem war es wieder an der Zeit, zum Hautarzt zu gehen. Den Termin hatte ich mir bereits am 08. Mai gesucht – das war das früheste, was frei war! Heute merkte ich erst, wie nervös ich war.

Das hat zweierlei Gründe: Zum einen nehme ich meine Gesundheit nicht auf die leichte Schulter. Zum anderen habe ich jedoch ganz schöne Hemmungen davor, mich einem Arzt anzuvertrauen. Wenn es nur Kleinigkeiten sind: Was beklage ich mich über so etwas? Und mit so etwas stehle ich einem Arzt wertvolle Zeit! Wenn es ernst ist: Was bin ich denn für ein Idiot? Hätte ich mich mal früher deswegen gemeldet!

Das ist natürlich, einmal klar und deutlich aufgeschrieben, völliger Schwachsinn. Entweder mir ist Gesundheit wichtig – dann muss ich auch zum Arzt – oder eben nicht. Ich kann nicht sicher beurteilen, was schwerwiegend ist und was nicht (genau deswegen gehe ich zum Arzt). Trotzdem interessant, wie sehr ich da Hemmungen aufgebaut habe, mich selbst quasi in den Vordergrund zu stellen. Es würde mich nicht wundern, wenn es anderen Männern auch so gehen würde.

Ohne ein Jahr Auszeit hätte ich diese innere Blockade davor, mich an einen Spezialisten zu wenden, um auch die scheinbar kleinen Malessen behandeln zu lassen, jedenfalls nicht überwinden können. Beunruhigend, wie ich mich da selbst falsch trainiert habe.

Als ich erst einmal beim Arzt war, war alles halb so schlimm. Ich fühle mich so gut, weil ich das endlich gemacht habe. Es wird auch noch einen Nachfolgetermin geben.

Ach so, auch für die Kontaktlinsen gab es einen weiteren Termin und zwar am Dienstag. Nächste Woche ist die zweite Runde Linsen fertig, womit die Anpassung eventuell schon erledigt ist. Aber immerhin, es sind mehr Termine, als ich gedacht hätte. Und damit ist mir auch klar, dass ich hier nicht meine Zeit verplempere, sondern mich um eine der wichtigsten Sachen überhaupt kümmere.

Alle Wege führen nach Rom

Ich hatte gestern bereits verraten, dass ich zur Zeit in Rom bin. Warum war das schwerer als gedacht? Zum einen wollte die neue Kreditkarte noch nicht so, wie ich es will, sprich: Geld war genug drauf, aber das Limit noch nicht erhöht. Für mich eine ungewohnte Erfahrung, trotz genug Geld nicht zahlen zu können – ich weiß schon, warum ich bisher im Leben Kredikarten vermieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Dabei sollte eine Kreditkarte das Bezahlen doch einfacher machen, nicht schwerer…

Als das Buchen der Reise und der Unterkunft über ein Reisebüro endlich inklusive Bezahlvorgang abgeschlossen war, habe ich mir noch, damit die Reise nicht zu einfach wird, zwei Verpeiltheiten geleistet, für die man mich gerne „Verpeilian“ nennen kann:

Zum einen habe ich die Nacht vorher noch ordentlich einen draufgemacht. Gut, es war nach wie vor kein Alkohol im Spiel und ich musste einfach raus und mich bewegen. Ich hätte aber wenigstens vorher schon packen können – zumindest all die Dinge, von denen ich sowieso wusste, dass ich sie brauchen würde. Aber nichts da, ich hatte einfach keinen Bock, das könnte ich ja morgen früh noch machen. Was uns zur zweiten Verpeiltheit führt.

Zum anderen habe ich, gerade weil ich ja die Reisedaten so früh schriftlich wusste, diese nicht im Kopf abgespeichert. Prompt stellte ich mittags fest, dass ich die Abflugzeit falsch in Erinnerung hatte – sie war zwei Stunden früher! Also nichts mit in aller Ruhe zusammenpacken (natürlich war ich spät aufgestanden, denn wozu sich beeilen).

Wenigstens kann ich inzwischen einigermaßen schnell packen. Diesmal brauchte ich keine Viertelstunde, vielleicht sogar unter zehn Minuten. Dann habe ich flugs die Zugfahrt organisiert. Ich kam dann zwar nicht zwei Stunden vorher in Düsseldorf an (diese Möglichkeit hatte ich durch meine Verpeiltheit um einige Minuten verpasst), sondern eine halbe Stunde später. Das reichte aber locker, um die Reisedokumente vom Schalter abzuholen.

Dank eines Rom-Reiseführers meiner Eltern konnte ich vor dem Abflug bereits lesen, wie ich ab der Landung weiterkommen würde. Wenigstens die Adresse des Hotels hatte ich zu Hause bereits auf der Karte ermittelt, alles andere wäre wirklich nicht entschuldbar gewesen!

Unglaublich, aber wahr: Obwohl ich schon oft in Italien war, bin ich noch nie in Rom gewesen. Gut, ich bin einmal auf der Rückreise Ostern 2001 in Rom umgestiegen, aber das zählt nicht richtig.

Dennoch kam ich ab der Landung wunderbar zurecht (die direkten Züge zum Bahnhof Roma Termini sind toll!). Mein Hotel liegt nur zwei Metrostationen weg und ist ein ehemaliges Kloster!

Schon beim Fußweg von der Metro zum Hotel war mir eine Pizzeria ganz in der Nähe aufgefallen, in der ich dann zu Abend gegessen habe. Mittags noch in der eigenen Wohnung gewesen, abends in Rom essen – wie cool ist das denn? Dabei kam mir das alles wie ein Heimspiel vor, so stark wirkten die Erfahrung mit Italien und die Italienischkenntnisse.

Es hätte vielleicht wie eine Wiederholung der Reise nach Mailand einen Monat vorher wirken können, als ich abends ankam und direkt neben dem Hotel essen ging. Aber jetzt merkte ich noch einmal, wieviel anders war, was alles fehlte: Die Negativität, die Stimmungsschwankungen, die tiefe Traurigkeit – und vor allem das Wissen, nach wie vor nicht gesund zu sein und deswegen keinen Alkohol trinken zu dürfen. (Gut, damals in Mailand war eh Fastenzeit… aber auf der Rückreise nach Ostern, als ich im selben Lokal erneut einkehrte, galt das Alkoholverbot immer noch.)

Nicht zu fassen, wieviel sich seitdem in meinem Innern verändert hat und wie stark sich das auswirkt. Es ist, als würde ich alles in einem neuen Licht sehen.

Auge für Auge, Zahn für Zahn

Nein, das wird kein Eintrag über Rache oder Vergeltung. Während sich die Vorbereitungen für die nächste Reise als komplizierter erweisen als gedacht, ist es umso wichtiger, andere Dinge erledigt zu bekommen. Gesundheit war neben Reisen und Musik das dritte wichtige Thema. Nachdem sich die größte Baustelle erledigt hat, blieb dennoch einiges zu tun.

Nach dem Hausarzt standen Besuche beim Zahnarzt und Augenarzt an. Interessant, wie sich die Perspektive in einem Jahr Auszeit verschiebt: Ich empfand die Zahnarzttermine als angenehm! Einerseits hatte ich Zeit und Ruhe, andererseits war es das Gefühl, mich um mich selbst zu kümmern.

Nach sechs Jahren war es höchste Zeit, neue Gläser zu bekommen. Beim Optiker habe ich mir außerdem neue Kontaktlinsen bestellt. Die alten waren überhaupt nicht mehr zu gebrauchen. Inzwischen müssen Linsen angepasst werden, wobei in mehreren Versuchen die optimale Linse ermittelt werden kann – na, ich bin gespannt!

Aber auch das: Eine reine Aktion nur für mich. „Funktionieren“ würde ich bei der Arbeit auch ohne das bzw. habe das lange genug getan. Es ist aber wichtig für mein Wohlbefinden und letzten Endes auch für mein Sozialleben, denn mal ohne Brille herumlaufen (und überhaupt 100% scharf sehen) zu können macht für die Freizeit sehr viel aus.

Gesundheit geht über alles

Einer der drei Punkte, der mir als Antwort auf die Frage „Was tun?“ einfiel, war: Mich um meine Gesundheit kümmern. Herumreisen ist toll, aber wenn ich nicht fit bin, ist alles nur halb so schön.

Umgekehrt ist selbst ein Bad im Meer schon ein außergewöhnlich schöne Erfahrung, wenn ich dabei merke, wieviel besser es mir geht (und wieviel besser ich dabei aussehe). Aber zurück zu Hause gab es genug zu tun, um das Leben dauerhaft schön zu machen: Arztbesuche zum Beispiel. Es ist wirklich angenehm zu hören, dass man gut aussieht.

Heute ist aber noch ein ganz besonderer Tag für mich: Mit dem Ergebnis der letzten Blutprobe geht für mich eine lange, schwierige Zeit zuende. Ich habe seit 30 Monaten keinen Alkohol mehr getrunken. Jetzt sind meine Werte hervorragend.

Dabei gehe ich sogar davon aus, dass eine so strenge Diät gar nicht notwendig gewesen wäre. Aber „ich trinke gar nichts“ ist einfacher zu handhaben als „ich möchte weniger trinken“. Wo will man bei letzterem die Grenze setzen, besonders wenn man in Partylaune ist? Also habe ich lieber eine klare Regel aufgestellt und die dann konsequent durchgezogen.

Ich habe diese Zeit erstaunlich gut überstanden. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt. Es ist auch bei vielen Gelegenheiten sehr angenehm, vollkommen nüchtern zu sein.

Andererseits fällt damit Alkohol aus, um Schüchternheit wegzubekommen (falls es denn nötig ist – ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das auf mich noch zutrifft). Bei sozialen Anlässen störte es mich in einigen Fällen, nicht mal einen Schluck trinken oder probieren zu können und immer ein wenig zu irritieren, anders zu sein.

Interessanterweise habe ich nach wie vor keine große Lust auf Alkohol. Die Flasche Champagner, die ich vor zweieinhalb Jahren zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen habe, liegt immer noch ungeöffnet in meinem Kühlschrank. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen „nichts trinken müssen“ und „nichts trinken dürfen“.

Wein aus Tokaj, Jahrgang 2008.

Tokajer

Zur Feier des Tages habe ich mir etwas gegönnt: Eine Flasche Wein von der Weinhandlung Nientiedt. Ein weißer Tokajer. Ungarischer Wein ist sowieso gut, aber der aus Tokaj heißt nicht umsonst „Wein der Könige und König der Weine“. Im Jahr 2000 war ich in Tokaj selbst auf einer Weinprobe und habe von dort Wein mit nach Hause genommen. Als ich ihn zusammen mit einem Freund trank, konnte ich immer nur kleine Schlucke trinken und musste innehalten, so gut schmeckte der Wein. Der Tokajer ist der beste Wein, den ich je getrunken habe. Das war der Grund für diesen symbolischen Einkauf.

Ich versuchte später noch im Supermarkt, eine Flasche ungarischen Weines zu bekommen – oder ersatzweise eine Flasche Tatra-Tee aus der Slowakei, von dem ich schon viel gehört, den ich aber noch nie getrunken habe. Es war ein unwirkliches, verblüffendes Erlebnis: Ich stellte fest, dass ich keine Ahnung mehr hatte, wo welcher Wein steht und was für hochprozentige Getränke es gibt. Am Ende habe ich mich mit der Flasche 2008er zufriedengegeben, die ich bereits hatte. Dass ich mich mit Alkohol nicht mehr auskenne, ist ja auch eine schöne Erfahrung.

Sardinien und das Meer

So, ich habe in meinem reichlich gefühlsduseligen Eintrag versprochen, über ordentlich Action in meinem Urlaub in Lu Bagnu auf Sardinien zu berichten. Also los:

Ein paar Dinge gehören am Strand in Italien natürlich zum Standardprogramm. Ein ungeschriebenes lex teutonica besagt: Ein deutscher Mann muss grundsätzlich im Meer baden, wenn es nach italienischem Empfinden dafür noch oder schon wieder zu kalt ist (also ungefähr immer außer im August – kein Witz, man erklärte mir mal auf Sizilien bei 40 Grad im Schatten im September, die Badesaison sei eigentlich vorbei!). Dies gilt besonders, wenn Frauen oder italienische Männer zusehen. Letzteren kann man bei dieser Gelegenheit noch einmal zeigen, dass ein richtiger Mann keine Angst vor kaltem Wasser zu haben braucht (wie gesagt, wir reden über das Meer in Italien im Frühling!) und dass es durchaus unterschiedliche Kriterien von Männlichkeit gibt, von denen wohl niemand alle erfüllen kann. Schließlich bekommt man oft genug zu hören, dass deutsche Männer nicht flirten könnten, kein Rhythmusgefühl hätten, zu schüchtern wären usw. Da macht sich so ein Bad im Meer, das bei Italienern regelmäßig Entsetzen und Schockstarre auslöst, als Diskussionsbeitrag ganz gut. Außerdem müssen unter Männern solche kleinen Frotzeleien auch mal sein.

Glücklicherweise gab es am Strand von Lu Bagnu eine Stelle, in denen keine spitzen Steine oder Muschelschalen im Weg waren, so dass ich das perfekte Terminator-Programm durchziehen konnte: Hose und T-Shirt aus und dann mit steten großen Schritten ins Meer waten, ohne eine Miene zu verziehen. Was für ein Spaß!

Beim ersten Mal erschien mir das Meer tatsächlich recht kalt (sogar noch kälter als üblicherweise die italienischen Duschen, um einen Seitenhieb auf Esperanto-Urlaube in Italien zu bringen), aber einige Tage später war es sogar angenehm erträglich. Zu meiner großen Freude wurde ich tatsächlich von mehreren anwesenden Damen fotografiert und bejubelt. Bei dieser Gelegenheit freute ich mich zum ersten Mal besonders, seit dem letzten Sommer ca. 8 Kilo abgenommen zu haben, denn das Nichtvorhandensein eines Bauchansatzes macht sich auf solchen Fotos in Badehose doch sehr gut. Im Laufe der Woche sammelte ich noch einige Komplimente ein, etwa dass ich doch ganz schöne Muskeln hätte, dass ich wirklich abgenommen hätte und dass ich durch meine neue Frisur jünger und viel besser aussähe.

Das klingt alles ganz eitel und oberflächlich? Das mag sein, aber es hat mich glücklich gemacht. Wie damals meine Träume, nur in klein.

Und falls das zu wenig Action war: Da kommt noch mehr.

Ziele im Leben

Es steht noch aus, die die grobe Ideenliste konkretisieren, auch wenn ich schon seit Monaten weiß, worauf es hinausläuft. Aber es ist doch wichtig, vorher noch einmal die Gedanken sortiert zu haben.

Träume sind ein gutes Leitmotiv für mich, um glücklich zu werden. Das habe ich an den vergangenen, erfüllten Träumen gesehen. Was sind die Träume, die geblieben sind? Wenn ich morgen tot umfallen würde, was würde ich bereuen, dass ich es nie gemacht habe? Was würde ich tun, wenn ich Zeit und Geld dafür hätte und ich unabhängig bin (also jetzt)?

– alle Länder Europas besuchen
– eine CD mit meiner Band aufnehmen

Zu der CD: Die Kohle für die Produktionskosten habe ich alleine schon zusammen. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob sich das finanziell rechnet oder nicht. Es geht darum, dauerhaft etwas festzuhalten.

Und damit beginnen die Probleme. Natürlich muss das Ergebnis gut sein (da kommt der alte Perfektionist in mir wieder hoch). Zum Glück haben wir uns Zeit gelassen, um besser zu werden. Dennoch würde ich lieber noch das „r“ rollen lernen und meine scheinbar ständig verschnupfte Nase loswerden, um meinen eigenen Gesang zu ertragen. Am wichtigsten ist mir jedoch, dass mir noch ein selbstgeschriebenes Lied fehlt, um das Repertoire abzurunden. Es ist zum Glück keine vage Idee, sondern ein ganz konkreter Titel. Das letzte Mal, als ich dieses Gefühl hatte und Jahre dafür brauchte, wurde es am Ende ein großer Erfolg, den ich immer wieder gerne spiele.

In dem Sinne: Weitermachen und sich nicht hetzen lassen. Da ich als dritten Punkt auf der groben Ideenliste „Gesundheit“ notiert habe, kann ich mich auch darauf konzentrieren, die lästige Nasenreizung loszuwerden – etwas, für dass ich im normalen Berufsalltag nie im Leben zum Arzt gehen würde.

Jetzt zu „Reisen“ und „Europa“. Von drei Wochen in Brasilien mal abgesehen, habe ich Europa nie verlassen. Allerdings hatte ich ab einem bestimmten Alter gar kein so großes Fernweh mehr. Stattdessen faszinierte mich mein Heimatkontinent immer mehr. So klein und doch so vielfältig… und wie viele Länder es zu entdecken gab! Bis jetzt habe ich davon folgende besucht:

  1. Deutschland
  2. Niederlande
  3. Belgien
  4. Österreich
  5. Schweiz
  6. Frankreich
  7. Italien
  8. San Marino (1986, 1999)
  9. Kroatien (1997, 1998)
  10. Vereinigtes Königreich (1989, 1994)
  11. Dänemark (1985, 1991)
  12. Norwegen (1991)
  13. Finnland (2000, 2005)
  14. Polen
  15. Tschechien
  16. Slowakei
  17. Ungarn
  18. Ukraine (2011)
  19. Russland

„Besucht“ heißt dabei: Mindestens festen Boden unter den Füßen gehabt. Eine Durchreise oder ein Überfliegen zählen also nicht. Damit bleiben die folgenden noch nicht besuchten Länder in Europa:

  1. Luxemburg
  2. Liechtenstein
  3. Vatikanstadt
  4. Monaco
  5. Andorra
  6. Spanien
  7. Portugal
  8. Türkei
  9. Griechenland
  10. Malta
  11. Weißrussland
  12. Litauen
  13. Lettland
  14. Estland
  15. Schweden
  16. Island
  17. Irland
  18. Slowenien
  19. Bosnien-Herzegowina
  20. Serbien
  21. Montenegro
  22. Mazedonien
  23. Albanien
  24. Bulgarien
  25. Rumänien
  26. Moldawien

Eine beachtliche Menge! Wenn ich alle zwei Wochen ein neues Land besuche, schaffe ich das in genau einem Jahr!

Es bleiben ferner noch einige Länder, die ich unter „außer Konkurrenz“ nenne:

  • theoretisch ja: Kasachstan
  • umstrittene Gebiete: Kosovo, Transnistrien
  • Inselkram: Färöer, Gibraltar, Guernsey, Isle of Man, Jersey
  • Zypern (EU, aber nicht Europa), Georgien usw., Armenien

Kasachstan hatte ich dabei überhaupt nicht auf dem Schirm, dabei gibt es nach gängiger Europa-Definition mindestens eine kasachische Großstadt, die ganz in Europa (westlich des Flusses Ural) liegt und eine genau auf der Grenze (analog zu Istanbul in der Türkei). Mir will aber im Moment kein Weg einfallen, wie ich dort hinkomme, ohne von hinten durch die Brust ins Auge zu reisen.

Kosovo und Transnistrien sind de facto unabhängig, aber auch sehr unsichere Gebiete. Ich habe keine Lust, mir für meinen Perfektionismus offensichtliche Gefahr für Leib und Leben einzuhandeln. Mal ganz davon abgesehen, dass man sich in Serbien bzw. Moldawien bestimmt „freuen“ wird, dass ich unbedingt dorthin will.

Diese ganzen Inseln sind keine unabhängigen Staaten. Egal, ob sie mit eigener Fußballnationalmannschaft antreten (ansonsten müsste ich Schottland, Wales und Nordirland ja ebenfalls extra zählen).

Zypern hat in meiner Liste nichts zu suchen, weil es mir um Europa geht, nicht um die EU. Armenien, Georgien und strittige Gebiete, die man mit ihnen assoziiert, haben kulturelle Verbindungen zu Europa, sind aber geographisch ebenfalls keine europäischen Länder.

Da habe ich mir natürlich viel vorgenommen. Mal sehen, wieviel ich schaffe.

Was tun?

Nach einem Blick auf die Lage stellt sich als nächstes die Frage: Was tun? Was kann ich in einem Jahr alles machen?

Eine erste Ideenliste mit groben Stichpunkten:
– Gesundheit
– Musik
– Reisen

Klar, ganz grob beschrieben wäre es „meine Träume verwirklichen“. Aber dazu muss ich erst einmal wissen, was meine Träume sind. Man vergisst sie so leicht im Alltag, ständig muss man Kompromisse machen und kommt mit der Zeit völlig vom Kurs ab… gut, ich habe mir schon aufgeschrieben, was meine Träume sind, aber das ist Thema für einen eigenen Artikel. Jetzt erst einmal zu den groben Ideen:

Gesundheit: Das vernachlässigen Männer ja angeblich viel zu sehr. Aber wenn man darauf getrimmt ist, Leistung zu erbringen, geht man nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt… bis es vielleicht ernst oder zu spät ist. „Wir hatten noch so viel vor“ ist ein Satz, der laut einer ehemaligen Klassenkameradin oft von Angehörigen gesagt wird, wenn jemand schwer krank ist und den meine Freunde und Verwandte nicht nach meinem Tod sagen sollen.

Musik: Hier habe ich in den letzten Jahren bereits einige wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht. 2011 bin ich regelmäßig ausgegangen und habe viele Konzerte besucht. Da waren gute Bands dabei. Doch auch wenn ich die Musik genossen habe, ein Gedanke ging mir nie aus dem Kopf: „Das würde ich am liebsten selbst machen!“ Eine alte Sehnsucht von mir kam hervor.

Ganz unspektakulär habe ich das ab Mitte 2012 umgesetzt. Seitdem war ich häufiger als Sänger aktiv, ab Herbst vergangenen Jahres zusätzlich mit Ukulele. Die regelmäßige Bühnenerfahrung war ganz wichtig für mich. 2013 bin ich in sechs verschiedenen Ländern aufgetreten – alle, in die ich in dem Jahr gereist bin.

Reisen: Womit wir beim dritten Punkt sind. Ich spürte es zum ersten Mal, als ich über Ostern in Italien war. Obwohl eine Reise immer stressig sein kann, fühlte ich mich unglaublich gut. Es war überraschend und erschütternd zugleich für mich, zu merken, was für ein positiver und begeisterungsfähiger Mensch ich außerhalb meiner normalen Umgebung bin. Das hat mich innerlich sehr gerührt – und das ist ein sehr guter Hinweis darauf, dass ich etwas richtig gemacht habe.

Ich war früher viel öfter so. Es war sehr erschreckend, festzustellen, wie sehr ich mich davon entfernt habe. Andererseits zeigte diese Erfahrung, dass ich immer noch so sein kann – nur dass es nur im Urlaub wieder hervorkam, war sehr schade.

Wenn ich reisen muss, um wieder ganz bei mir selbst zu sein, dann sollte ich das wohl machen. Heute habe ich einen neuen Reisepass beantragt. Und eine Kreditkarte bestellt.