Ein Wochenende in Arkham

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal, wie ich endlich wieder gesund wurde, ein Wochenende in Aventurien, wie ich Mut zum Wachstum aufbrachte, wie ich begann, mich meiner größten Ang t zu stellen sowie wie ich gegen meine Angst und die Wahrscheinlichkeit handelte.

Ich habe letzte Woche zwei Tage Urlaub genommen, um ein extralanges Wochenende mit zwei Freunden zu verbringen. Wir waren in der Ferienwohnung Knögel in Weilburg – Kirschhofen in Hessen und haben drei Tage lang Call of Cthulhu gespielt. In derselben Personenkonstellation habe ich bereits Star Trek und zuletzt Conan jeweils als Rollenspiel erlebt.

Obwohl ich von Haus aus kein besonders großer Cthulhu- oder Horror-Fan bin, hat mir das unglaublich Spaß gemacht. Ein angenehm zu bespielendes System mit spannenden Geschichten, auf die man sich voll einlassen konnte. Mir ist noch einmal aufgefallen, wieviel besser sich alles anfühlt, jetzt, wo ich wieder gesund bin. Ich konnte mich auf etwas konzentrieren und alles, was ich aß und trank, schmeckte intensiver und besser. Dabei ist das das normale Leben.

Das Wochenende hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig Freunde sind und Gelegenheiten, bei denen man seelisch auftanken kann. Es wird für die Zukunft entscheidend sein, diese Kraftquellen regelmäßig aufzusuchen.

Eine andere Veränderung habe ich mit freudigem Erstaunen festgestellt: Die Lieder sind nicht mehr bitter. Ich kann Musik, die mich vor einem Jahr und drei Monaten sehr traurig und wütend gemacht hat, einfach so anhören, und sie ist einfach nur schön – so, wie sie sein sollte.

Ein Wochenende in Aventurien

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal sowie wie ich endlich wieder gesund wurde.

Vorletztes Wochenende habe ich das beste gemacht, was ich ohne in ein neues Land zu reisen konnte: Ich war auf einem Fantasywochenende, genauer gesagt dem Allaventurischen Konvent der DSA-Briefspieler auf Burg Rieneck im Spessart. Ich hatte seinerzeit darüber gebloggt, wie es 2014 war, und Anfang Februar bereits ein Wochenende wie früher mit einigen der Teilnehmer erlebt.

Diese Art von Wochenende hat mir gerade in den letzten Jahren besonders gut getan: Das lange Wochenende im Mai mit einer anderen Runde war sehr gut und inspirierend und mit jenen Leuten erlebte ich vor einem Jahr ein wunderbares Wochenende.

Dieses Mal war bereits die Zugfahrt sehr gut: Ich hatte mir eine Idee für einen (umgedichteten) Liedertext mitgenommen, die zunächst nur aus einigen Fragmenten bestand, und schrieb den gesamten Liedertext während der Fahrt. Bereits vor drei Jahren hatte ich einen Liedertext zuende geschrieben, was mich sehr glücklich gemacht hatte.

In Gemünden am Main, meinem letzten Umstieg, hatte ich ca. 45 Minuten Zeit. Ich ging ins Café am Bahnhof und hatte wieder meine portugiesische Tenorukulele dabei. Die Bedienung machte große Augen und sprach mich an. Ich erzählte gerne mehr über das Instrument, zeigte es – und bekam sogar einen kostenlosen Kaffee! So habe ich eine längere Wartezeit am Ende äußerst kurzweilig verbracht und jemanden noch zum Staunen gebracht. So macht das Leben Spaß!

Auf der Burg angekommen, freute ich mich darüber, einige Freunde nach drei Jahren endlich wiederzusehen. Was fiel die Begrüßung herzlich aus!

Ich merke übrigens sehr deutlich, was es für einen Unterschied macht, dass ich wieder ganz gesund bin. Ich spüre meinen Körper wieder so wie seit über 20 Jahren nicht mehr.

Das konnte ich auf dem Kon ganz bewusst ausleben. Ich war verletzlich, staunend, fröhlich – wie ein kleiner Junge. Ich bekam auch nach dem ersten Abend die Rückmeldung, dass man das auch sah, dass ich voll mitging.

Es gab soviel zu erleben und zu bereden. Ich blieb am Freitag bis 4 Uhr morgens auf und schlief nur 4 Stunden. Normalerweise grummelt dann am nächsten Tag mein Magen und ich hänge in den Seilen. Tatsächlich ging es mir unglaublich gut – wie seit über 20 Jahren nicht mehr…

Eine Sache merkte ich: Es zahlte sich aus, auf meinen Körper zu hören. Zum Beispiel sagte er mir beim Essen: Das ist alles lecker, aber eine Portion reicht mir! Du muss Dir nicht noch nachnehmen. Da wurde mir bewusst, wie oft ich mein gesamtes Körpergefühl ausgeblendet hatte, vor allem über die Sinneseindrücke beim Essen und Trinken gespürt hatte, dass ich lebendig war, und deswegen oft mehr gegessen hatte, als ich eigentlich brauchte. Eine sehr wichtige Erkennntnis!

Am späten Nachmittag spielte ich Ukulele in der Kneipe und sang. Meine eigene Stimme gefiel mir wieder. Ich war ganz bei mir selbst, als ich sang!

Ich bekam sogar Komplimente von anderen Musikern. Als ich erklärte, dass ich die Lieder von anderen Künstlern übernommen habe, die auch sehr gut singen, bekam ich eine weitere wertvolle Rückmeldung: Ich solle mich nicht kleiner machen als ich bin. Hier und jetzt in dieser Kneipe sei ich der beste Sänger. Das ging mir runter wie Öl! Außerdem bekam ich noch ein alkoholfreies Bier ausgegeben.

Ein persönlicher Höhepunkt am Abend war noch das Gespräch mit einer Freundin. Danach war ich so zufrieden, dass ich in Ruhe schlafen gehen konnte.

Ich war völlig aufgetankt mit Energie und guter Laune nach diesem Wochenende. Vor allem bin ich nicht in ein emotionales Loch gefallen, als ich wieder nach Hause gekommen bin. Stattdessen habe ich an dem Briefspiel-Wiki weitergearbeitet und tatsächlich eine Aufgabe gelöst, von der ich vorher gar nicht wusste, dass sie technisch möglich ist. Ich habe meine Arbeit bereits einigen Leuten gezeigt und sie waren sehr angetan davon. Ich bin in dieser Hinsicht mit mir zufrieden und mir bewusst, dass ich wieder ein Stück persönlich gewachsen bin.

Der Morgen ist da

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte sowie Portugal.

Man sollte meinen, nachdem ich den halben Oktober unterwegs war, könnte es ja nicht mehr besser werden. Weit gefehlt!

Doch zuerst zum Abschluss meines Urlaubs: Gerade aus Lissabon zurückgekehrt, fuhr ich am vorletzten Freitag nach Delft auf ein Esperantotreffen. Hier sah ich viele Freunde wieder, mit denen ich im Sommer in Brabant gewesen war. Diesmal hatte ich meine portugiesische Tenorukulele eingepackt und spielte spät in der Nacht sogar Het is een nacht von Guus Meeuwis auf Niederländisch.

Der Ort – Het Kruithuis – hatte eine besondere Bedeutung für mich: Hier war ich bereits zweimal auf früheren Ausgaben derselben Veranstaltung gewesen. 2012, mitten in der letzten Krise, und 2016, als ich voller Hoffnung war. Es war interessant, denn es kam mir alles viel vertrauter und weniger überwältigender vor.

Ich kehrte am Samstag noch in das Café Huszár ein (ein ungarischer Name!). Beim ersten Mal vor 10 Jahren konnte ich noch kein Niederländisch und war froh über die geduldige und freundliche Bedienung. Vier Jahre später fühlte ich mich schon sicherer. Jetzt war es ein Heimspiel. So kann die Welt auf positive Weise zusammenschrumpfen!

Das Wochenende hat mich noch einmal daran erinnert, was mir wichtig ist und welche Leute und welche Umgebung mir gut tun.

Eigentlich sollte ich traurig sein, dass die Zeit des Reisens erst einmal vorbei ist. Aber im nachhinein habe ich mich selbst aus dem Jahr Auszeit übertroffen: Diesmal ist es mir gelungen, aus meinem Alltag auszubrechen und eine entscheidende Veränderung in meinem Leben zu erreichen.

Letzten Donnerstag bekam ich dann die Nachricht: Ich bin wieder vollkommen gesund. Ich hatte zu Beginn der Auszeit eine ähnliche Situation über meine Gesundheit. Was soll ich sagen? Das ist die beste Neuigkeit dieses Jahres und mein größter persönlicher Erfolg.

Es war ein langer Weg, den ich mit Geduld bis zum Ende gegangen bin. Vor einem Monat war der Morgen nahe. Jetzt ist es soweit: Der Morgen ist da. Die lange Nacht, die über mein Leben gekommen war und die vier Jahre lang angedauert hatte, sie ist endlich vorüber.

Der Morgen ist nahe

„Feel it in your heart and in your soul
Let the music take control“
Lionel Ritchie: All Night Long

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Wie kann ich den Groove bewahren, wenn ein höheres Stressniveau droht? Drei Dinge, mit denen ich zuletzt gegengesteuert habe:

Ich habe die Operation Augias vorangetrieben: Ich habe ein Saz (türkisches Saiteninstrument; reine Dekoversion) und zwei DVDs verschenkt. Das war für mich ein Schritt dahin, dass ich aus einem früheren Teil meines Lebens loswerde, was mir in einem neuen Leben nicht mehr nützen würde.

Ich habe mich aktiv um meine Gesundheit gekümmert und war in den letzten Tagen zweimal beim Zahnarzt und einmal beim Hausarzt. Das war für mich ein wichtiges Zeichen gegen Selbstvernachlässigung.

Am Sonntag war ich im La Boutique del Caffè. War ich beim ersten Besuch bereits verzaubert, hatte ich diesmal die Gelegenheit, dreieinhalb Stunden Italienisch zu sprechen mit einem Paar, das sehr freundlich und sehr geduldig mit mir war. Ich bin weit enfernt von dem Niveau, das ich 1999/2000 in meiner Zeit in Catania auf Sizilien hatte, aber besser, als ich erwartet hatte – irgendwo zwischen A2 und B1. Was habe ich mich gefreut, dass die beiden mir das zugetraut haben. Ich spürte meine Grenzen, es war also eine würdige Herausforderung, und gleichzeitig fühlte es sich so gut an, denn ich habe die Grenzen der letzten Jahre durchbrochen. Das war eine Erinnerung daran, wer ich einmal gewesen bin und wer ich wieder sein könnte. Ein Rückblick auf die Vergangenheit muss nicht nostalgisch oder schmwerzvoll sein. Er kann auch ein Fingerzeig in die Zukunft sein.

Die lange Nacht, die vor einigen Jahren über mein Leben gekommen ist, sie könnte endlich zuende gehen. Ich wage es kaum zu glauben.

Zehn Monate rum…

…von der einjährigen Auszeit. Was ist passiert? Wie habe ich die Zeit genutzt?

Zu berichten gibt es diesmal etwas mehr als nur einen Monat. In einer vierteiligen Serie habe ich erzählt, wie ich auf einem einwöchigen Esperantotreffen ins neue Jahr gekommen bin: Als DJ, mit einem Konzert von Jonny M, einer tollen Silvesterfeier und mit viel selbstgemachter Musik.

Wieder zu Hause, kümmerte ich mich erst einmal um einige ganz alltägliche Dinge: So standen Besuche beim Zahnarzt und Hausarzt an. Nebenbei habe ich im Januar auch noch den Hautarzt aufgesucht, schließlich soll die wiedergewonnene Gesundheit erhalten bleiben.

Auch im neuen Jahr hatte ich einige Ideen und eine setzte ich gleich in die Tat um: Es gibt jetzt bei wordpress.com mehrere Themes auf Esperanto.

Ansonsten kümmerte ich mich weiter um die Operation Augias: So kamen der Rest aus dem Zimmer aus Nordwalde nach Münster, der Rasierapparat wurde endlich entsorgt, ebenso wie der Koffer, der auf meinen Reisen zuletzt sehr gelitten hatte.

Kurioserweise hatte ich in der ersten Hälfte des Januars keine Lust, in ein neues Land von meiner Liste zu verreisen. Dann ging es aber zumindest noch in ein Land in diesem Monat – und zwar mal wieder nach Ungarn. Neben Budapest besuchte ich Sopron, bevor ich auf abenteuerliche Weise zurück nach Hause reiste.

Im Januar hatte sich eine interessante Möglichkeit ergeben, bereits vor dem abzusehenden Ende des Jahres Auszeit wieder mit der Arbeit anzufangen – zwei Monate früher als geplant. Ich sagte zu, denn ich brauchte akut nicht mehr Zeit. Beachtlich bleibt die emotionale Wegstrecke, die ich zurückgelegt habe. Ich habe inzwischen auch verstanden, wie die Jahre vor der Auszeit mir vieles Gute auf den Weg gegeben haben, und manche schwierigere Punkte aus dieser Zeit kehrten als in ein Album gegossene Erinnerungen zurück, doch diesmal viel angenehmer.

Damit könnte ich dieses Blog beenden, aber ich habe noch etwas zu erzählen, was losgelöst von einem konkreten Zeitpunkt in diesen zehn Monaten passiert ist, und außerdem möchte ich noch einmal groß und ganz zurückblicken. Die Musik des heutigen Tages kommt jedoch von Coldplay, denn die haben ein Lied namens „Amsterdam“ veröffentlicht, und dort bin ich jetzt.

Coldplay: Amsterdam

Feiern, bis der Arzttermin kommt

Ich habe schon lange nichts mehr zum Thema Gesundheit geschrieben. Natürlich ist das kein Ziel, das man einmal erreicht und dann erledigt hat.

Was tun am Jahresanfang, wenn man (noch) den Ansporn hat, im neuen Jahr etwas besser zu machen? Richtig, mal wieder zum Arzt gehen zur Kontrolle. Letzte Woche habe ich gleich einen Zahnarzttermin hinter mich gebracht und heute war ich beim Hausarzt.

Seit ich wieder gesund bin, kann ich das Leben deutlich mehr genießen – und das soll auch so bleiben! Ich bleibe am Ball.

Die Gnade der Gesundheit

Reisen und Musik schön und gut, aber Gesundheit ist das Fundament dafür. Ich hatte vor einem Monat von einem Termin beim Hautarzt berichtet (auf den ich über einen Monat gewartet habe!) und erwähnt, dass es einen Nachfolgetermin geben würde.

Anfang diesen Monats hatte ich eine kleine OP. Keine große Sache auf den ersten Blick, lokale Betäubung, dauerte nicht lange, mit ein paar Stichen genäht, ich konnte sofort nach Hause gehen.

Aber die Unsicherheit war eben da. War die Ursache für die Operation (und den Arztbesuch überhaupt) bösartig?

Heute war Fäden ziehen. Und ich habe erfahren, dass alles in Ordnung ist. Das war eine sehr große Erleichterung für mich.

Ja, das Jahr Auszeit ist nicht nur für Spaß und Party. Es gibt auch immer wieder sehr ernste Momente.

Mit Haut und Haar

Aktuell bin ich ein wenig unzufrieden mit mir selbst, weil ich mit meinen Reiseplänen für die nächsten Monate nicht aus den Pötten komme. Ich habe jetzt nach drei Tagen in meiner Wohnung sogar wieder einen leichten Lagerkoller. Wenigstens zeigt das, dass ich wirklich weg will und keine Angst vor der großen weiten Welt habe.

Andererseits läßt sich eben nicht alles bis zur letzten Minute flexibel halten. Ich habe festgestellt, dass ich eine sehr große Abneigung dagegen entwickelt habe, in meinem Privatleben zu planen und frühzeitig irgendwelche Sachen zuzusagen. Dahinter steckt offensichtlich das Gefühl, zu sehr fremdbestimmt zu sein. Die Abwehrreaktion erscheint auf den ersten Blick unvernünftig, aber ich erinnere mich auch an frühere Zeiten, in denen ich tatsächlich sehr durchgeplant war. Da hing ich seelisch oft so richtig in den Seilen. Mal sehen, ob es mir gelingt, diese psychische Blockade – die eigentlich ein psychischer Schutz ist, der nur jetzt nicht mehr sinnvoll erscheint – wieder loszuwerden.

Ich bin außerdem in die alte Alltagsfalle getappt, nur das zu sehen, was ich noch erledigen muss oder was noch nicht klappt, und nicht das, was ich schon geschafft habe und was läuft. Immerhin geht’s mir gleich besser, während ich das hier aufschreibe. Manchmal muss man die Dämonen beim Namen nennen, um ihnen ihre Macht zu nehmen…

Am Freitag habe ich mir in Erfurt erst einmal einen neuen Haarschnitt verpassen lassen. Der letzte war im Februar (ein guter Friseur in Hamburg-Altona, ich war begeistert!). Was ich in Erfurt zu tun hatte, erzähle ich ein anderes Mal. Jedenfalls sehe ich mit Linsen und gepflegtem, aber nicht zu kurzen Schnitt ganz anders aus als noch zu Beginn des Jahres. Ich finde mich viel frischer. Äußerlich erinnere ich mich selbst an meine guten Zeiten.

Noch keine weitere große Reise, dafür eine kleine und viel Musik – so erging es mir in den letzten Tagen. Heute hingegen habe ich das dritte große Thema angepackt, das mir auf die Frage Was tun? einfiel, und zwar Gesundheit. Ich bin zwar seit einem Monat und einer Woche wieder gesund, aber nach Augenarzt und Zahnarzt wollte ich noch zum Hautarzt.

In meiner Jugend bin ich leider nicht besonders vernünftig mit meiner hellen Haut umgegangen und habe mir viel zu oft Sonnenbrand geholt. Das kann sich noch rächen. Seit ich akzeptiert habe, dass ich als blonder Mensch einfach nicht fürs Sonnenbad geeignet bin, habe ich Frieden mit meiner Haut geschlossen. Die ewigen Sprüche „Du bist ja überhaupt nicht braun geworden!“ und die Vergleiche von dunkelhaarigeren Menschen mit mir sind einfach kein Maßstab.

Trotzdem war es wieder an der Zeit, zum Hautarzt zu gehen. Den Termin hatte ich mir bereits am 08. Mai gesucht – das war das früheste, was frei war! Heute merkte ich erst, wie nervös ich war.

Das hat zweierlei Gründe: Zum einen nehme ich meine Gesundheit nicht auf die leichte Schulter. Zum anderen habe ich jedoch ganz schöne Hemmungen davor, mich einem Arzt anzuvertrauen. Wenn es nur Kleinigkeiten sind: Was beklage ich mich über so etwas? Und mit so etwas stehle ich einem Arzt wertvolle Zeit! Wenn es ernst ist: Was bin ich denn für ein Idiot? Hätte ich mich mal früher deswegen gemeldet!

Das ist natürlich, einmal klar und deutlich aufgeschrieben, völliger Schwachsinn. Entweder mir ist Gesundheit wichtig – dann muss ich auch zum Arzt – oder eben nicht. Ich kann nicht sicher beurteilen, was schwerwiegend ist und was nicht (genau deswegen gehe ich zum Arzt). Trotzdem interessant, wie sehr ich da Hemmungen aufgebaut habe, mich selbst quasi in den Vordergrund zu stellen. Es würde mich nicht wundern, wenn es anderen Männern auch so gehen würde.

Ohne ein Jahr Auszeit hätte ich diese innere Blockade davor, mich an einen Spezialisten zu wenden, um auch die scheinbar kleinen Malessen behandeln zu lassen, jedenfalls nicht überwinden können. Beunruhigend, wie ich mich da selbst falsch trainiert habe.

Als ich erst einmal beim Arzt war, war alles halb so schlimm. Ich fühle mich so gut, weil ich das endlich gemacht habe. Es wird auch noch einen Nachfolgetermin geben.

Ach so, auch für die Kontaktlinsen gab es einen weiteren Termin und zwar am Dienstag. Nächste Woche ist die zweite Runde Linsen fertig, womit die Anpassung eventuell schon erledigt ist. Aber immerhin, es sind mehr Termine, als ich gedacht hätte. Und damit ist mir auch klar, dass ich hier nicht meine Zeit verplempere, sondern mich um eine der wichtigsten Sachen überhaupt kümmere.

Alle Wege führen nach Rom

Ich hatte gestern bereits verraten, dass ich zur Zeit in Rom bin. Warum war das schwerer als gedacht? Zum einen wollte die neue Kreditkarte noch nicht so, wie ich es will, sprich: Geld war genug drauf, aber das Limit noch nicht erhöht. Für mich eine ungewohnte Erfahrung, trotz genug Geld nicht zahlen zu können – ich weiß schon, warum ich bisher im Leben Kredikarten vermieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Dabei sollte eine Kreditkarte das Bezahlen doch einfacher machen, nicht schwerer…

Als das Buchen der Reise und der Unterkunft über ein Reisebüro endlich inklusive Bezahlvorgang abgeschlossen war, habe ich mir noch, damit die Reise nicht zu einfach wird, zwei Verpeiltheiten geleistet, für die man mich gerne „Verpeilian“ nennen kann:

Zum einen habe ich die Nacht vorher noch ordentlich einen draufgemacht. Gut, es war nach wie vor kein Alkohol im Spiel und ich musste einfach raus und mich bewegen. Ich hätte aber wenigstens vorher schon packen können – zumindest all die Dinge, von denen ich sowieso wusste, dass ich sie brauchen würde. Aber nichts da, ich hatte einfach keinen Bock, das könnte ich ja morgen früh noch machen. Was uns zur zweiten Verpeiltheit führt.

Zum anderen habe ich, gerade weil ich ja die Reisedaten so früh schriftlich wusste, diese nicht im Kopf abgespeichert. Prompt stellte ich mittags fest, dass ich die Abflugzeit falsch in Erinnerung hatte – sie war zwei Stunden früher! Also nichts mit in aller Ruhe zusammenpacken (natürlich war ich spät aufgestanden, denn wozu sich beeilen).

Wenigstens kann ich inzwischen einigermaßen schnell packen. Diesmal brauchte ich keine Viertelstunde, vielleicht sogar unter zehn Minuten. Dann habe ich flugs die Zugfahrt organisiert. Ich kam dann zwar nicht zwei Stunden vorher in Düsseldorf an (diese Möglichkeit hatte ich durch meine Verpeiltheit um einige Minuten verpasst), sondern eine halbe Stunde später. Das reichte aber locker, um die Reisedokumente vom Schalter abzuholen.

Dank eines Rom-Reiseführers meiner Eltern konnte ich vor dem Abflug bereits lesen, wie ich ab der Landung weiterkommen würde. Wenigstens die Adresse des Hotels hatte ich zu Hause bereits auf der Karte ermittelt, alles andere wäre wirklich nicht entschuldbar gewesen!

Unglaublich, aber wahr: Obwohl ich schon oft in Italien war, bin ich noch nie in Rom gewesen. Gut, ich bin einmal auf der Rückreise Ostern 2001 in Rom umgestiegen, aber das zählt nicht richtig.

Dennoch kam ich ab der Landung wunderbar zurecht (die direkten Züge zum Bahnhof Roma Termini sind toll!). Mein Hotel liegt nur zwei Metrostationen weg und ist ein ehemaliges Kloster!

Schon beim Fußweg von der Metro zum Hotel war mir eine Pizzeria ganz in der Nähe aufgefallen, in der ich dann zu Abend gegessen habe. Mittags noch in der eigenen Wohnung gewesen, abends in Rom essen – wie cool ist das denn? Dabei kam mir das alles wie ein Heimspiel vor, so stark wirkten die Erfahrung mit Italien und die Italienischkenntnisse.

Es hätte vielleicht wie eine Wiederholung der Reise nach Mailand einen Monat vorher wirken können, als ich abends ankam und direkt neben dem Hotel essen ging. Aber jetzt merkte ich noch einmal, wieviel anders war, was alles fehlte: Die Negativität, die Stimmungsschwankungen, die tiefe Traurigkeit – und vor allem das Wissen, nach wie vor nicht gesund zu sein und deswegen keinen Alkohol trinken zu dürfen. (Gut, damals in Mailand war eh Fastenzeit… aber auf der Rückreise nach Ostern, als ich im selben Lokal erneut einkehrte, galt das Alkoholverbot immer noch.)

Nicht zu fassen, wieviel sich seitdem in meinem Innern verändert hat und wie stark sich das auswirkt. Es ist, als würde ich alles in einem neuen Licht sehen.

Auge für Auge, Zahn für Zahn

Nein, das wird kein Eintrag über Rache oder Vergeltung. Während sich die Vorbereitungen für die nächste Reise als komplizierter erweisen als gedacht, ist es umso wichtiger, andere Dinge erledigt zu bekommen. Gesundheit war neben Reisen und Musik das dritte wichtige Thema. Nachdem sich die größte Baustelle erledigt hat, blieb dennoch einiges zu tun.

Nach dem Hausarzt standen Besuche beim Zahnarzt und Augenarzt an. Interessant, wie sich die Perspektive in einem Jahr Auszeit verschiebt: Ich empfand die Zahnarzttermine als angenehm! Einerseits hatte ich Zeit und Ruhe, andererseits war es das Gefühl, mich um mich selbst zu kümmern.

Nach sechs Jahren war es höchste Zeit, neue Gläser zu bekommen. Beim Optiker habe ich mir außerdem neue Kontaktlinsen bestellt. Die alten waren überhaupt nicht mehr zu gebrauchen. Inzwischen müssen Linsen angepasst werden, wobei in mehreren Versuchen die optimale Linse ermittelt werden kann – na, ich bin gespannt!

Aber auch das: Eine reine Aktion nur für mich. „Funktionieren“ würde ich bei der Arbeit auch ohne das bzw. habe das lange genug getan. Es ist aber wichtig für mein Wohlbefinden und letzten Endes auch für mein Sozialleben, denn mal ohne Brille herumlaufen (und überhaupt 100% scharf sehen) zu können macht für die Freizeit sehr viel aus.