Wenn Münster am schönsten ist

Der Monat Mai neigt sich dem Ende entgegen und ich habe noch einige Geschichten aus dem April zu erzählen. Das letzte Mal zuvor war es mir recht egal gewesen, wann ich wieder in Münster war. Zwei Wochen später spielte es jedoch eine Rolle: In der Schulstraße blühten endlich die Bäume (schöner noch als in Hoofddorp) und es war die eine Gelegenheit für mich, Fotos zu machen! Ein Jahr zuvor, bei meinem Rundgang im Kreuzviertel, hatte ich den aus meiner Sicht besten Moment verpasst. Die Fotos aus diesem Jahr sind ungefähr genauso gut – besser konnte ich es diesmal auch nicht erwischen.

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Die Entfremdungserscheinungen setzten sich fort: Erst als ich eine niederländische Familie auf der Straße hörte, hatte ich wieder das Gefühl, jetzt sei wieder alles normal. Ich bin auch erneut nicht ausgegangen, obwohl ich das früher gerne gemacht habe. Allerdings war ich am Freitag abend müde und fuhr am Sonntag bereits zurück nach Amsterdam. Da blieb nicht viel Zeit, zumal ich am Samstag noch zu tun hatte.

Zum einen ließ ich mir nach drei Monaten endlich wieder einen Haarschnitt verpassen. So sehr ich auch versuche, Niederländisch zu lernen – bei bestimmten Sachen fällt es mir einfach noch zu schwer, meine Anforderungen zu formulieren.

Zum anderen nutzte ich die Gelegenheit, ein paar neue Klamotten einzukaufen. Das hatte ich schon lange nicht mehr gemacht und diesmal schlug ich richtig zu. Demnächst wird es wieder Zeit, ein wenig Kleidung auszusortieren – die Operation Augias kann in die nächste Runde gehen. Der wichtigste Neukauf war ein orangefarbenes T-Shirt. Wofür ich das gebraucht habe, erzähle ich im nächsten Eintrag.

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Am Sonntag in Amsterdam

Vor einer Woche war ich am Wochenende in Amsterdam geblieben und hatte am Samstag einen schönen Spaziergang gemacht und dabei zwei Plattenläden besucht. Über den Internetauftritt und die Schaufenster des Concerto bin ich auf ein Konzert aufmerksam geworden, das dort am Sonntag stattfinden sollte – sogar mit freiem Eintritt!

Janne Schra wüde ihr neues Album „Ponzo“ vorstellen. Da man via Internet ins Album hereinhören kann, konnte ich mir gleich einen eigenen Eindruck von der Musik verschaffen. Gleich das erste Stück „Ship“ überzeugte mich (ein Ausschnitt zwischen 0:06 und 0:22).

Der Laden war rappelvoll, so dass ich nur noch in der Nähe der Bar einen Stehplatz bekam und nichts von der Band sah. Das machte aber nichts, denn so konnte ich mir schön Kaffee und Kuchen bestellen und zwischen all den gut angezogenen und freundlich dreinblickenden Leuten die Musik genießen. Ich bin ehrlich gesagt immer noch erstaunt, wieviel bereitwilliger die Niederländer zu lächeln scheinen – oder ist das nur mir gegenüber?

Jedenfalls kaufte ich mir nach dem Konzert das Album, holte mir ein Autogramm und machte noch Fotos. Zu Hause stellte ich dann fest, dass eines der Lieder mit Ukulele eingespielt wurde. Vor der Ukulele gibt es kein Entkommen mehr. Inzwischen finde ich solche Sachen schon, ohne es darauf anzulegen. Angenehmerweise sind auch die Akkorde der Lieder im CD-Begleitheft – das lobe ich mir!

Janne Schra: Everything I Do Ooh Ooh

Ich nutzte die Zeit nach dem Konzert, um noch ein weniger weiter in dem Laden zu stöbern, der ja streng genommen aus vier zusammenhängenden Geschäft besteht. Ich guckte im Vorbeigehen auf einige neue CDs, die man probehören konnte, und was sehe ich? Ein Album namens „Esperanto Slang“ von Captain Planet! Das erste Stück „Enter the Esperanto“ hat es mir so angetan, dass ich weiter reinhörte.

Captain Planet: Enter the Esperanto

Das andere Lied, das mir spontan zusagte, heißt „Perdido en el exceso“. Es erinnert mich ein wenig an Manu Chao und pass wahrscheinlich gut in mein Repertoire als DJ.

Captain Planet: Perdido En El Exceso (featuring Paco Mendoza)

Und als ob das nicht genug wäre, stieß ich beim Stöbern noch auf eine CD von Khaled. Dessen Musik hatte ja zuletzt wieder Lust auf Reisen gemacht.

Tatsächlich war ich am Wochenende darauf wieder unterwegs. Ich bin direkt nach der Arbeit in den Flieger und weg. Davon schreibe ich ein anderes Mal.

Am Samstag in Amsterdam

Am Wochenende war ich in Amsterdam und darüber möchte ich – wie angekündigt – jetzt berichten. Vorrangig habe ich mich ausgeruht, schließlich hatte ich eine Arbeitswoche hinter mir. Viel geknippst habe ich am Samstag auch nicht, denn das Wetter war einfach nicht schön genug. Aber für einen Spaziergang hat es allemal gereicht.

Anstatt mir eine größere Dosis Kultur in Form eines Museums zu geben, bin ich dem Tipp eines Bekannten gefolgt und habe einen größeren Plattenladen namens Concerto aufgesucht. Das sind eigentlich sogar vier Läden direkt nebeneinander inklusive Café. Hier freute ich mich, ausnahmsweise keinen Rucksack dabeizuhaben, denn an einigen Stellen war es doch recht eng aufgrund der vielen Kunden. Der Laden ist groß genug, um einen mehrere Tage lang beschäftigt zu halten – „schlimmer“ noch als damals in Stockholm. Auch wenn meine letzte größere CD-Einkaufaktion schön mehr als ein halbes Jahr her ist, habe ich nicht massenhaft zugeschlagen. Ich war einfach nicht gut vorbereitet mit einer Liste dessen, was ich suche. Außerdem komme ich kaum zum Hören.

Zugeschlagen habe ich dafür vorher bei einem anderen Laden namens Second Life Music, der etwas weiter weg vom Touristengetümmel liegt. Ich habe gar nicht alles systematisch durchgesehen, sondern nur punktuell gestöbert, aber eine CD erregte meine Aufmerksamkeit, weil man ihren Titel gut lesbar auch auf der oberen schmalen Seite lesen konnte: „Theatre Is Evil“ von Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra. Nun hatte ich dieses Album bereits im Sommer für meine Arbeit als DJ – schließlich kann man es
kostenlos herunterladen – aber diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, um ein Original zu erstehen. Zum einen gefällt mir das Prinzip, das Album auch kostenlos anzubieten, zum anderen ist es eine gute Idee, seine CDs auch so beschriften, dass Käufer beim Wühlen sie leicht lesen können.

Der Verkäufer fragte sogar, was das denn für ein Musikstil sei. Ich war knackenstolz, bereits ein einfaches Gespräch auf Niederländisch führen zu können, und beschrieb das Album als „ein wenig härter, aber Pop, für junge Mädchen“. Die Illustrationen im Inneren der CD-Hülle (unter anderem ein Bild von einer nackten Frau sowie ein Foto von Amanda Palmer mit Graffiti auf dem Körper) weckten dann doch Erstaunen.

Am Sonntag war ich ebenfalls unterwegs. Darüber schreibe ich später.

Konsumterror: Die CDs

Morgen geht die nächste Reise los, auch wenn das Ziel „nur“ ein bereits bekanntes Land sein wird. Dennoch bin ich schon seit Tagen nervös, denn zum einen werde ich wieder einen einwöchigen Ukulelekurs geben (wie zuletzt Silvester). Bis Bielefeld werde ich mit dem Zug reisen und muss möglichst viele Ukulelen mitnehmen. Der bisherige Rekord liegt bei fünf.

Zum anderen habe ich wieder einen DJ-Job. Das war die Gelegenheit, einmal die CDs zu sortieren, die sich auf der Fensterbank angesammelt und gestapelt haben. Einige davon hatte ich noch nicht auf die Festplatte kopiert. Inzwischen habe ich echte Platzprobleme. Der Besuch im Plattenladen in Stockholm hat die Situation verschärft und auch von der Reise danach (von der ich noch gar nicht berichtet habe) habe ich einige musikalische Andenken mitgebracht.

Dazu kommt aber noch mein Anspruch als DJ, mich stets zu verbessern. Ich habe mir ja gemerkt, nach was auf Sardinien, auf der 1990er-Jahre-Party und in Erfurt gefragt wurde, ich aber nicht (dabei) hatte. Vorgestern beim Tanzen ist mir auch noch ein Lied aufgefallen.

Daher habe ich in den letzten Tagen bereits einiges eingekauft und in den Nächten wahre CD-Auslese-Orgien eingelegt. Heute habe ich mich jedoch selbst übertroffen und alle fünf CD-Läden besucht, die ich in Münster regelmäßig oder zumindest ab und zu ansteuere. Dazu gehören zwei Filialen eines großen Elektronik-Discounters. Da fühle ich mich meistens nicht so wohl, selbst die Sonderangebote ziehen mich nicht mehr so sehr an, aber man bekommt die Charts (von denen ich ausnahmsweise zwei Singles gekauft habe, was sehr selten vorkommt!) und wenn die anderen Quellen nicht ergiebig sind, habe ich zumindest hier noch die Chance, fündig zu werden. Die drei Lieblingsläden sind:

  1. andrä
  2. Jörgs CD-Forum
  3. Poptanke

Was ich da schon an Schätzen gefunden und herausgetragen habe! Diese Einkaufsaktion zeigt auch meine Einstellung zum Konsum: Ich sehe Konsum allgemein nicht kritisch. Entscheidend ist für mich, was ich mit dem mache, was ich kaufe. In diesem Fall dient es dazu, dass ich selbst neue Musik hören kann und dass ich gleichzeitig andere als DJ unterhalten kann.

Alter Schwede!

Mein Bericht über Schweden ist noch nicht abgeschlossen! Nach einer Anreise mit Schwierigkeiten hatte ich ja bereits einen tollen Abend in Stockholm verbracht, um dann aber gleich am nächsten Tag nach Härnösand weiterzureisen und dort das Mittsommerfest und eine weitere Feier zu erleben.

Danach ging es aber wieder zurück nach Stockholm. Ich hatte mir kein festes Programm vorgenommen, sondern wollte in meinem Reiseführer einige Höhepunkte heraussuchen. Das Wetter erwies sich als recht kühl und regnerisch und ich war auch tatsächlich ein wenig platt. Was also tun? Zumindest einen Punkt hatte ich mir fest vorgenommen: Ich wollte unbedingt im Plattenladen „Mickes serier, CD & Vinyl“ vorbeischauen.

Einfacher Grund: Dieser Laden gehört Micke Englund, Gitarrist der legendären Esperanto-Rockband Amplifiki und damit einer der Helden meiner Kindheit! Mit ihm habe ich im April auf gemeinsam auf der Bühne gestanden, was einer der schönsten Tage in meinem Leben war.

Über den Laden hatte ich schon einmal gelesen; ich wollte ihn aber einmal selbst gesehen haben. Außerdem bin ich sowieso ein großer Fan davon, in CD-Läden zu stöbern – und bei Gebraucht-CDs findet man manches Mal Raritäten, die man gar nicht auf dem Schirm hatte!

Und was soll ich sagen? Das war eine goldrichtige Entscheidung! Ich habe im Hauptladen gleich am ersten Tag vier CDs gefunden. Am nächsten Tag ging ich noch in die Nebenfiliale auf der anderen Straßenseite und nahm noch einmal zehn CDs mit, dann noch einmal vier aus dem größeren Laden. (Ich hatte noch einmal im Internet recherchiert zu verschiedenen Albenausgaben, die mir am Tag zuvor bereits ins Auge gesprungen waren. Hinzu kam, dass inzwischen das Sortiment aktualisiert worden war – innerhalb eines Tages ein neuer Treffer, Wahnsinn!)

Micke freute sich übrigens auch über den Besuch. Natürlich habe ich ihm beide Male jeweils eine Ukulele gezeigt, auf der er sehr gut gespielt hat. Für mich eine tolle Sache, so einen Einkaufsbummel mit ganz persönlichem Bezug zu machen.

In dem kleineren Laden waren die Angestellten übrigens ebenfalls sehr freundlich. Es lief ein Reggaestück, das sehr alt klang und mich an melancholische frühe Rockmusik erinnerte. Wie man mir auf Nachfrage erläuterte, handelte es sich um Rocksteady von den Paragons. Man verglich sie mit den Heptones, die ich wiederum als Interpreten des wunderschön-melancholischen „Our Day Will Come“ kannte. So ein richtiges Stück Musikbildung durch eine kleine Frage – was will man mehr?

The Paragons: On the Beach

Toll auch, was ich unter den Sonderangeboten entdeckte: Das Album mit der Originalversion von „Didi“! Dazu eine Anekdote: Ich war 20 Jahre alt, es war um den Jahreswechsel 1996/97 herum, ein Esperantotreffen, das damals berühmt-berüchtigt dafür war, dass dort so richtig abgefeiert wurde. Ein Freund und ich gingen in den Keller, in dem sich Kneipe und Disco befanden, und was war los? Es war wie in einem Film – überall tanzten Leute, auch auf den Tischen. Und dabei wirkten die Menschen nicht betrunken oder besonders berauscht, sondern eher fröhlich-ausgelassen. Diese Szene hat sich tief in mein Gedächtnis gegraben. Es war so einer der magischen Momente.

Das Lied, das zu diesem Zeitpunkt lief, habe ich nie vergessen. Ostern 1999 in Italien, ich arbeitete auf einem Esperantotreffen als DJ, kam ein Däne auf mich zu mit einem Album, auf der angeblich einige tolle Lieder seien. Ich erkannte natürlich sofort „Aïcha“ wieder, ein Schwoflied, das auch in Deutschland recht bekannt geworden ist. Außerdem empfahl er mir „Didi“, was für mich zunächst wie ein Männername klang. Einmal aufgelegt, erkannte ich es jedoch sofort wieder als das Lied aus dem magischen Moment! Die Version war eine etwas andere, sie gefällt mir sogar noch etwas besser. Trotzdem finde ich auch das Original großartig, und natürlich kamen all die alten Erinnerungen wieder hoch, als ich die CD im Laden in Stockholm probehörte. Mit einem Schlag in einen coolen Zeitpunkt der Vergangenheit zurückversetzt zu werden, das hatte schon etwas.

Khaled: Didi