Tief und tausendfach

„Und wenn ich Dich zwei Fragen fragen würde, wär das:
Woran glaubt Du? Und wofür lebst Du?
Und wenn Du mich zwei Fragen fragen würdest, wär das:
Woran denkst Du? und Wohin gehst Du?“
– Klee: 2 Fragen

„Doch wie er von der Liebe sprach
stach mir mitten ins Herz
tief und tausendfach“
– Klee: Tausendfach

„Und eben noch war da
nur Dunkelheit“
– Klee: Wenn Dich die Liebe trifft

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR, wie sich meine Reisepläne verschoben, Stress rechtzeitig zu erkennen, wie der Groove ausgerechnet in schlechter Zeit zurückkam, einen Lernerfolg am Jahresende, Selbstvorsorge zu üben sowie den neuen Schreibtischstuhl.

In der vergangenen Woche seit dem letzten Eintrag habe ich einige interessante Erfahrungen gemacht. Ich kann mich nicht daran erinnern, seit dem Beginn meiner Suche jemals so viele Eindrücke auf einmal gesammelt zu haben. Vieles erinnerte mich an vergangene Situationen, aber es war alles viel dichter beieinander.

Auf der Arbeit hatte ich um Rückmeldung gebeten. Eine Kollegin schrieb, man sehe, wenn ich für eine Thema brenne, und sinngemäß, dass es toll sei, mich so zu erleben. Das erinnert mich daran, wie ich im Oktober 2019 die Leute begeisterte. Als ich jetzt diese Bestätigung bekam, fühlte ich mich sehr erfüllt. Ich habe diese Situationen, in denen ich etwas ausstrahle, also häufiger, und es ist angenehm für andere Leute. Ich sollte also umso stärker denn je dafür sorgen, dass ich meine Zeit mit Tätigkeiten verbringe, die mir etwas bedeuten. Dann habe ich den Groove.

Seit vorgestern habe ich außerdem Urlaub. Am Montag habe ich ein Wiki-Projekt um einen weiteren Meilenstein vorangebracht – etwas, das ich seit Monaten tun wollte und für das ich nie die Konzentration aufbrachte. Und jetzt ging es mir ganz leicht von der Hand, obwohl es tatsächlich nicht trivial war und ich immer wieder kurz nachdenken musste.

Am selben Tag habe ich eine weitere Esperanto-Übersetzung eines „Die Ärzte“-Liedertextes fertig bekommen – genauer gesagt, eine brauchbare Rohfassung, der noch Korrekturlesen fehlt. Es ist verrückt, dass mir ähnliches vor fast genau einem Jahr passiert ist. Der Text, den ich jetzt zuende übersetzt habe, war auch der, für den ich damals erste Ideen notiert hatte. Das Jahr über hatte ich meine Notizen immer mal wieder in der Hand (vor allem bei Zugfahrten) und weitere Zeilen aufgeschrieben. Die Übersetzung ist also wirklich ein Produkt der letzten 12 Monate. Wenn ich so kreativ bin, fühle ich mich lebendig!

Heute war ich in Münster und habe einige Dinge erledigt, die ich schon seit mindestens zweieinhalb Jahren tun wollte. Nebenbei hatte ich sogar noch Zeit, einige neue Klamotten einzukaufen. Es fühlte sich wie ein ungewohnter Luxus an, einfach in ein Geschäft gehen zu können und für mich zu sorgen!

Am Nachmittag habe ich den nächsten Meilenstein im Wiki-Projekt geschafft – und das war wirklich kreative Arbeit, denn es ging vor allem darum, einen Text zu verfassen und ihn aus allen möglichen Teilen und Notizen zusammenzusetzen. Damit habe ich die Vision, die ich mir zu Anfang des Jahres für das Wiki gesetzt hatte, wahr werden lassen. Ich habe etwas geschafft, nachdem ich über das Jahr verteilt immer wieder Phasen größerer Aktivität für dieses Ziel hatte.

Zuletzt gibt es noch eine bemerkenswerte musikalische Erfahrung, die ich schon vor einigen Tagen hatte und die bis jetzt anhält. Ich hatte die Singles des 2. Klee-Albums entdeckt, als sie jeweils neu waren, und mehrfach darüber gebloggt. So sehr sie mir auch gefielen, ich durfte ein Lied wie Tausendfach nicht zu oft hören, weil ich dann immer melancholisch wurde. Beim Hören der 1. Single „2 Fragen“ bekam ich außerdem Anfälle von Bitterkeit in Form von Gedanken wie „Ich kann an nichts glauben“ oder „Ich gehe doch nirgendwohin“.

Klee: 2 Fragen

Und jetzt höre ich dieselben Lieder – und ich werde nicht mehr bitter oder traurig. Ich denke daran, welche Ausstrahlung Leute an mir bemerkt haben, wenn ich den Groove habe. Eine Idee zu haben, für die ich mich begeistern kann, ist größer als die Summe all dessen, was ich hier und jetzt leiste, und eine Vision von einer besseren Zukunft formulieren zu können, kann verblassen lassen, was wir hier und heute erleben. Das ist etwas, was ich aus „2 Fragen“ jetzt auch heraushöre. Und „Tausendfach“ sehe ich nicht mehr als eine wehmütige, bittersüße Erinnerung an bessere Zeiten, sondern als Bestätigung, dass es wichtig ist, dass einen etwas berühren kann, und dass dann selbst schmerzvolle Erfahrungen ihren Sinn haben.

Klee: Tausendfach

Gestern war der kürzeste Tag des Jahres. Ab jetzt gewinnen wir fast ein halbes Jahr lang jeden Tag einige Minuten Helligkeit. Und wenn ich während der dunkelsten Zeit des Jahres so viele Lichtblicke erleben kann, dann glaube ich, dass auch meine persönliche Talsohle durchschritten ist.

Unglaublich, was ich alles zustandebringe und genießen kann, wenn ich Zeit für den nötigen Fokus bekomme. Davon möchte ich mehr in den nächsten sechs Monaten!

Operation Augias: Der neue Schreibtischstuhl

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR, wie sich meine Reisepläne verschoben, Stress rechtzeitig zu erkennen, wie der Groove ausgerechnet in schlechter Zeit zurückkam, einen Lernerfolg am Jahresende sowie Selbstvorsorge zu üben.

Da ich noch auf absehbare Zeit von zu Hause aus arbeiten werde, ist es umso wichtiger, eine gute Ausstattung zu haben. In den letzten Monaten ist mein einst heißgeliebter „Commanderstuhl“ mehr und mehr kaputtgegangen, bis er ganz absackte und sich die Größe gar nicht mehr verstellen ließ. Klare Sache, ich brauchte etwas Neues.

Gerne hätte ich mir einen neuen Schreibtischstuhl von einem lokalen Unternehmen angesehen, aber das war in diesen Tagen nicht möglich, da sich der Ausstellungsraum nicht in Hoofddorp befindet. Immerhin wurde ich so auf die EU-Norm 1337 aufmerksam für egonomische Stühle. Letzten Endes habe ich im Internet bei IKEA gestöbert, mir zwei Modelle notiert und bin dann zur Filiale nach Haarlem gefahren.

Ich hatte ohnehin am letzten Freitag im November einen Urlaubstag genommen. Am Nachmittag war es angenehm leer. Ich fand beide Modelle sofort und stellte fest, dass mir mein erster Kandidat tatsächlich besser gefiel. Es ist ein neues Modell namens Järvfjället, entworfen von Eva Lilja Löwenhielm.

Bevor ich mir mein Exemplar aus dem Lager suchte, ging ich jedoch im IKEA-Restaurant essen. Ich konnte in aller Ruhe essen; ich musste ja nicht hetzen. Alles schmeckte irgendwie intensiver als sonst: Die Fleischklößchen, die Pommes, die Preiselbeerensoße, sogar der Broccoli!

Plötzlich überkam mich wieder ein Kippbild. Es war schon vorher nicht ohne Traurigkeit gewesen, als ich durch die Filiale ging. Was IKEA in Haarlem mal für eine Bedeutung für mich hatte – ein neues Leben aufbauen. Auch das alleine essen erzeugte gewisse Phantomschmerzen. Gerade weil es mir so gut schmeckte, kippte das Bild plötzlich: Da sitze ich als einzelner Mensch und kann mich unheimlich darüber freuen, eine Mahlzeit einzunehmen. Ich weiß etwas zu schätzen. Ich bin doch eigentlich ganz ok!

Der neue Stuhl ist übrigens eine Wucht. Was ist das angenehm, in ihm zu sitzen!

Dann blieb noch, den alten Stuhl zu entsorgen. Leider gab es Termine zum Sperrmüllabholen nur noch ganz am Ende des Jahres. Letzten Samstag habe ich mich dann mit einer Sackkarre zur Umweltstraße aufgemacht. Dieses Mal konnte ich den Großteil der Strecke mit dem Bus zurücklegen. Ohne die neuen Schuhe hätte ich mich nicht gewagt. Aber es war recht warm und regnete nicht. Eine besser Chance würde nicht kommen!

Was habe ich alles mit diesem Stuhl erlebt, wie viele Schlachten geschlagen, aber auch bittere Niederlagen erlebt! Dennoch war ich froh, ihn noch vor Ablauf des Jahres loszuwerden. Es ist wichtig, alte Kapitel abzuschließen, damit neue beginnen können.

Einen Stuhl zum Sperrmüll bringen hört sich trivial an. Ich fühlte mich direkt danach jedoch unheimlich erfüllt. Da ist ein ganz deutliches Zeichen, dass ich das Richtige getan habe – und noch viel wichtiger, etwas allein für mich, denn niemand anders profitiert davon.

Wie nach dem Entsorgen der beiden Fahrräder machte ich mich zu der speziellen Bäckerei auf, bei der ich mir bereits die beiden vorherigen Male leckere Sachen gegönnt hatte. Ich machte unterwegs meine Jacke auf. Ich fühlte die leichte Kühle am Körper. Es war so angenehm, wieder so intensiv etwas zu spüren!

Die Schinken-Käse-Croissants und der Karottenkuchen schmeckten ebenfalls unheimlich lecker. Es scheint, als ob meine Sinne mehr und mehr zurückkommen. Die lange nicht enden wollende Dunkelheit könnte in einer späten Phase sein!

Selbstfürsorge üben

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR, wie sich meine Reisepläne verschoben, Stress rechtzeitig zu erkennen, wie der Groove ausgerechnet in schlechter Zeit zurückkam sowie einen Lernerfolg am Jahresende.

Ich habe vielleicht eine Methode gefunden, um meine Selbstvernachlässigung in bestimmten Situationen zu überwinden. Das kam so: Ich war erneut in einer Situation, in der ich gerne etwas Neues für mich kaufen wollte. Ich hörte – diesmal gut vorbereitet, um darauf zu achten – innere Stimmen, die mir sagten, dass das doch sehr aufwändig sei, nur dafür einkaufen zu gehen, die Geschäfte seien doch schon voll genug, ich würde Leuten zur Last fallen, ich sollte doch vernünftig sein…

Aber diesmal wollte ich noch weniger nachgeben als zuvor. Ich stellte mir zwei einfache Fragen:

  1. Brauche ich das wirklich?
  2. Brauche ich das wirklich jetzt?

Das konnte ich beides sofort bejahen. Damit stand fest, dass alle „Argumente“ gegen einen Einkauf nur innerliche Ablenkung waren. Ich suchte mir im Internet einige Paare Schuhe heraus, überprüfte die Verfügbarkeit im Geschäft und ging los. Zu meiner großen Freude bestätigte sich ein weiteres Mal, wovon ich sowieso schon überzeugt war: Schuhe möchte ich nicht im Internet bestellen, sondern vor Ort ausprobieren, weil ich nur dann weiß, wie gut sie sitzen. Es stellte sich heraus, dass genau das eine Modell, das ich nicht selbst finden konnte, so dass ich es mir von einer Verkäuferin heraussuchen ließ, am besten passte.

Und ja, eigentlich gruselig, dass mir für eine Ausgabe von unter 100 Euro die inneren Stimmen zurufen, dass ich das doch nicht verdient hätte. Gleichzeitig gut zu wissen, dass sie dieses Mal wieder nicht gewonnen haben.

Nachdem ich im Rahmen der Operation Augias seit letztem Jahr massiv Schuhe in die Kleidersammlung gegeben hatte, war es an der Zeit, mir wieder neue für den Winter zuzulegen. Es ist ein kaffeebraunes Paar geworden – sonst gar nicht mein Stil! Aber es war Zeit, etwas auszuprobieren.

Dazu fällt mir natürlich ein Lied von den Beatles ein. Aber auch im Film Wag the Dog gab es ein Stück über einen Schuh namens „Good Old Shoe“.

The Beatles: Old Brown Shoe

Wenn Münster am schönsten ist

Der Monat Mai neigt sich dem Ende entgegen und ich habe noch einige Geschichten aus dem April zu erzählen. Das letzte Mal zuvor war es mir recht egal gewesen, wann ich wieder in Münster war. Zwei Wochen später spielte es jedoch eine Rolle: In der Schulstraße blühten endlich die Bäume (schöner noch als in Hoofddorp) und es war die eine Gelegenheit für mich, Fotos zu machen! Ein Jahr zuvor, bei meinem Rundgang im Kreuzviertel, hatte ich den aus meiner Sicht besten Moment verpasst. Die Fotos aus diesem Jahr sind ungefähr genauso gut – besser konnte ich es diesmal auch nicht erwischen.

muenster-schulstrasse-bewoelkt

muenster-schulstrasse-sonne

Die Entfremdungserscheinungen setzten sich fort: Erst als ich eine niederländische Familie auf der Straße hörte, hatte ich wieder das Gefühl, jetzt sei wieder alles normal. Ich bin auch erneut nicht ausgegangen, obwohl ich das früher gerne gemacht habe. Allerdings war ich am Freitag abend müde und fuhr am Sonntag bereits zurück nach Amsterdam. Da blieb nicht viel Zeit, zumal ich am Samstag noch zu tun hatte.

Zum einen ließ ich mir nach drei Monaten endlich wieder einen Haarschnitt verpassen. So sehr ich auch versuche, Niederländisch zu lernen – bei bestimmten Sachen fällt es mir einfach noch zu schwer, meine Anforderungen zu formulieren.

Zum anderen nutzte ich die Gelegenheit, ein paar neue Klamotten einzukaufen. Das hatte ich schon lange nicht mehr gemacht und diesmal schlug ich richtig zu. Demnächst wird es wieder Zeit, ein wenig Kleidung auszusortieren – die Operation Augias kann in die nächste Runde gehen. Der wichtigste Neukauf war ein orangefarbenes T-Shirt. Wofür ich das gebraucht habe, erzähle ich im nächsten Eintrag.

Am Sonntag in Amsterdam

Vor einer Woche war ich am Wochenende in Amsterdam geblieben und hatte am Samstag einen schönen Spaziergang gemacht und dabei zwei Plattenläden besucht. Über den Internetauftritt und die Schaufenster des Concerto bin ich auf ein Konzert aufmerksam geworden, das dort am Sonntag stattfinden sollte – sogar mit freiem Eintritt!

Janne Schra wüde ihr neues Album „Ponzo“ vorstellen. Da man via Internet ins Album hereinhören kann, konnte ich mir gleich einen eigenen Eindruck von der Musik verschaffen. Gleich das erste Stück „Ship“ überzeugte mich (ein Ausschnitt zwischen 0:06 und 0:22).

Der Laden war rappelvoll, so dass ich nur noch in der Nähe der Bar einen Stehplatz bekam und nichts von der Band sah. Das machte aber nichts, denn so konnte ich mir schön Kaffee und Kuchen bestellen und zwischen all den gut angezogenen und freundlich dreinblickenden Leuten die Musik genießen. Ich bin ehrlich gesagt immer noch erstaunt, wieviel bereitwilliger die Niederländer zu lächeln scheinen – oder ist das nur mir gegenüber?

Jedenfalls kaufte ich mir nach dem Konzert das Album, holte mir ein Autogramm und machte noch Fotos. Zu Hause stellte ich dann fest, dass eines der Lieder mit Ukulele eingespielt wurde. Vor der Ukulele gibt es kein Entkommen mehr. Inzwischen finde ich solche Sachen schon, ohne es darauf anzulegen. Angenehmerweise sind auch die Akkorde der Lieder im CD-Begleitheft – das lobe ich mir!

Janne Schra: Everything I Do Ooh Ooh

Ich nutzte die Zeit nach dem Konzert, um noch ein weniger weiter in dem Laden zu stöbern, der ja streng genommen aus vier zusammenhängenden Geschäft besteht. Ich guckte im Vorbeigehen auf einige neue CDs, die man probehören konnte, und was sehe ich? Ein Album namens „Esperanto Slang“ von Captain Planet! Das erste Stück „Enter the Esperanto“ hat es mir so angetan, dass ich weiter reinhörte.

Captain Planet: Enter the Esperanto

Das andere Lied, das mir spontan zusagte, heißt „Perdido en el exceso“. Es erinnert mich ein wenig an Manu Chao und pass wahrscheinlich gut in mein Repertoire als DJ.

Captain Planet: Perdido En El Exceso (featuring Paco Mendoza)

Und als ob das nicht genug wäre, stieß ich beim Stöbern noch auf eine CD von Khaled. Dessen Musik hatte ja zuletzt wieder Lust auf Reisen gemacht.

Tatsächlich war ich am Wochenende darauf wieder unterwegs. Ich bin direkt nach der Arbeit in den Flieger und weg. Davon schreibe ich ein anderes Mal.

Am Samstag in Amsterdam

Am Wochenende war ich in Amsterdam und darüber möchte ich – wie angekündigt – jetzt berichten. Vorrangig habe ich mich ausgeruht, schließlich hatte ich eine Arbeitswoche hinter mir. Viel geknippst habe ich am Samstag auch nicht, denn das Wetter war einfach nicht schön genug. Aber für einen Spaziergang hat es allemal gereicht.

Anstatt mir eine größere Dosis Kultur in Form eines Museums zu geben, bin ich dem Tipp eines Bekannten gefolgt und habe einen größeren Plattenladen namens Concerto aufgesucht. Das sind eigentlich sogar vier Läden direkt nebeneinander inklusive Café. Hier freute ich mich, ausnahmsweise keinen Rucksack dabeizuhaben, denn an einigen Stellen war es doch recht eng aufgrund der vielen Kunden. Der Laden ist groß genug, um einen mehrere Tage lang beschäftigt zu halten – „schlimmer“ noch als damals in Stockholm. Auch wenn meine letzte größere CD-Einkaufaktion schön mehr als ein halbes Jahr her ist, habe ich nicht massenhaft zugeschlagen. Ich war einfach nicht gut vorbereitet mit einer Liste dessen, was ich suche. Außerdem komme ich kaum zum Hören.

Zugeschlagen habe ich dafür vorher bei einem anderen Laden namens Second Life Music, der etwas weiter weg vom Touristengetümmel liegt. Ich habe gar nicht alles systematisch durchgesehen, sondern nur punktuell gestöbert, aber eine CD erregte meine Aufmerksamkeit, weil man ihren Titel gut lesbar auch auf der oberen schmalen Seite lesen konnte: „Theatre Is Evil“ von Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra. Nun hatte ich dieses Album bereits im Sommer für meine Arbeit als DJ – schließlich kann man es
kostenlos herunterladen – aber diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, um ein Original zu erstehen. Zum einen gefällt mir das Prinzip, das Album auch kostenlos anzubieten, zum anderen ist es eine gute Idee, seine CDs auch so beschriften, dass Käufer beim Wühlen sie leicht lesen können.

Der Verkäufer fragte sogar, was das denn für ein Musikstil sei. Ich war knackenstolz, bereits ein einfaches Gespräch auf Niederländisch führen zu können, und beschrieb das Album als „ein wenig härter, aber Pop, für junge Mädchen“. Die Illustrationen im Inneren der CD-Hülle (unter anderem ein Bild von einer nackten Frau sowie ein Foto von Amanda Palmer mit Graffiti auf dem Körper) weckten dann doch Erstaunen.

Am Sonntag war ich ebenfalls unterwegs. Darüber schreibe ich später.

Konsumterror: Die CDs

Morgen geht die nächste Reise los, auch wenn das Ziel „nur“ ein bereits bekanntes Land sein wird. Dennoch bin ich schon seit Tagen nervös, denn zum einen werde ich wieder einen einwöchigen Ukulelekurs geben (wie zuletzt Silvester). Bis Bielefeld werde ich mit dem Zug reisen und muss möglichst viele Ukulelen mitnehmen. Der bisherige Rekord liegt bei fünf.

Zum anderen habe ich wieder einen DJ-Job. Das war die Gelegenheit, einmal die CDs zu sortieren, die sich auf der Fensterbank angesammelt und gestapelt haben. Einige davon hatte ich noch nicht auf die Festplatte kopiert. Inzwischen habe ich echte Platzprobleme. Der Besuch im Plattenladen in Stockholm hat die Situation verschärft und auch von der Reise danach (von der ich noch gar nicht berichtet habe) habe ich einige musikalische Andenken mitgebracht.

Dazu kommt aber noch mein Anspruch als DJ, mich stets zu verbessern. Ich habe mir ja gemerkt, nach was auf Sardinien, auf der 1990er-Jahre-Party und in Erfurt gefragt wurde, ich aber nicht (dabei) hatte. Vorgestern beim Tanzen ist mir auch noch ein Lied aufgefallen.

Daher habe ich in den letzten Tagen bereits einiges eingekauft und in den Nächten wahre CD-Auslese-Orgien eingelegt. Heute habe ich mich jedoch selbst übertroffen und alle fünf CD-Läden besucht, die ich in Münster regelmäßig oder zumindest ab und zu ansteuere. Dazu gehören zwei Filialen eines großen Elektronik-Discounters. Da fühle ich mich meistens nicht so wohl, selbst die Sonderangebote ziehen mich nicht mehr so sehr an, aber man bekommt die Charts (von denen ich ausnahmsweise zwei Singles gekauft habe, was sehr selten vorkommt!) und wenn die anderen Quellen nicht ergiebig sind, habe ich zumindest hier noch die Chance, fündig zu werden. Die drei Lieblingsläden sind:

  1. andrä
  2. Jörgs CD-Forum
  3. Poptanke

Was ich da schon an Schätzen gefunden und herausgetragen habe! Diese Einkaufsaktion zeigt auch meine Einstellung zum Konsum: Ich sehe Konsum allgemein nicht kritisch. Entscheidend ist für mich, was ich mit dem mache, was ich kaufe. In diesem Fall dient es dazu, dass ich selbst neue Musik hören kann und dass ich gleichzeitig andere als DJ unterhalten kann.

Alter Schwede!

Mein Bericht über Schweden ist noch nicht abgeschlossen! Nach einer Anreise mit Schwierigkeiten hatte ich ja bereits einen tollen Abend in Stockholm verbracht, um dann aber gleich am nächsten Tag nach Härnösand weiterzureisen und dort das Mittsommerfest und eine weitere Feier zu erleben.

Danach ging es aber wieder zurück nach Stockholm. Ich hatte mir kein festes Programm vorgenommen, sondern wollte in meinem Reiseführer einige Höhepunkte heraussuchen. Das Wetter erwies sich als recht kühl und regnerisch und ich war auch tatsächlich ein wenig platt. Was also tun? Zumindest einen Punkt hatte ich mir fest vorgenommen: Ich wollte unbedingt im Plattenladen „Mickes serier, CD & Vinyl“ vorbeischauen.

Einfacher Grund: Dieser Laden gehört Micke Englund, Gitarrist der legendären Esperanto-Rockband Amplifiki und damit einer der Helden meiner Kindheit! Mit ihm habe ich im April auf gemeinsam auf der Bühne gestanden, was einer der schönsten Tage in meinem Leben war.

Über den Laden hatte ich schon einmal gelesen; ich wollte ihn aber einmal selbst gesehen haben. Außerdem bin ich sowieso ein großer Fan davon, in CD-Läden zu stöbern – und bei Gebraucht-CDs findet man manches Mal Raritäten, die man gar nicht auf dem Schirm hatte!

Und was soll ich sagen? Das war eine goldrichtige Entscheidung! Ich habe im Hauptladen gleich am ersten Tag vier CDs gefunden. Am nächsten Tag ging ich noch in die Nebenfiliale auf der anderen Straßenseite und nahm noch einmal zehn CDs mit, dann noch einmal vier aus dem größeren Laden. (Ich hatte noch einmal im Internet recherchiert zu verschiedenen Albenausgaben, die mir am Tag zuvor bereits ins Auge gesprungen waren. Hinzu kam, dass inzwischen das Sortiment aktualisiert worden war – innerhalb eines Tages ein neuer Treffer, Wahnsinn!)

Micke freute sich übrigens auch über den Besuch. Natürlich habe ich ihm beide Male jeweils eine Ukulele gezeigt, auf der er sehr gut gespielt hat. Für mich eine tolle Sache, so einen Einkaufsbummel mit ganz persönlichem Bezug zu machen.

In dem kleineren Laden waren die Angestellten übrigens ebenfalls sehr freundlich. Es lief ein Reggaestück, das sehr alt klang und mich an melancholische frühe Rockmusik erinnerte. Wie man mir auf Nachfrage erläuterte, handelte es sich um Rocksteady von den Paragons. Man verglich sie mit den Heptones, die ich wiederum als Interpreten des wunderschön-melancholischen „Our Day Will Come“ kannte. So ein richtiges Stück Musikbildung durch eine kleine Frage – was will man mehr?

The Paragons: On the Beach

Toll auch, was ich unter den Sonderangeboten entdeckte: Das Album mit der Originalversion von „Didi“! Dazu eine Anekdote: Ich war 20 Jahre alt, es war um den Jahreswechsel 1996/97 herum, ein Esperantotreffen, das damals berühmt-berüchtigt dafür war, dass dort so richtig abgefeiert wurde. Ein Freund und ich gingen in den Keller, in dem sich Kneipe und Disco befanden, und was war los? Es war wie in einem Film – überall tanzten Leute, auch auf den Tischen. Und dabei wirkten die Menschen nicht betrunken oder besonders berauscht, sondern eher fröhlich-ausgelassen. Diese Szene hat sich tief in mein Gedächtnis gegraben. Es war so einer der magischen Momente.

Das Lied, das zu diesem Zeitpunkt lief, habe ich nie vergessen. Ostern 1999 in Italien, ich arbeitete auf einem Esperantotreffen als DJ, kam ein Däne auf mich zu mit einem Album, auf der angeblich einige tolle Lieder seien. Ich erkannte natürlich sofort „Aïcha“ wieder, ein Schwoflied, das auch in Deutschland recht bekannt geworden ist. Außerdem empfahl er mir „Didi“, was für mich zunächst wie ein Männername klang. Einmal aufgelegt, erkannte ich es jedoch sofort wieder als das Lied aus dem magischen Moment! Die Version war eine etwas andere, sie gefällt mir sogar noch etwas besser. Trotzdem finde ich auch das Original großartig, und natürlich kamen all die alten Erinnerungen wieder hoch, als ich die CD im Laden in Stockholm probehörte. Mit einem Schlag in einen coolen Zeitpunkt der Vergangenheit zurückversetzt zu werden, das hatte schon etwas.

Khaled: Didi