Manche Wunden heilen doch

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„Are you such a loser, you can’t tell when you’ve won?“ – From Dusk Till Dawn Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen: Q2/2020 / Q3/2020 / Q4/2020 … Weiterlesen

Kein Versager

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt, meinen Aufenthalt in Paris, wie ich mich von meiner alten Lederjacke verabschiedete, wie ich den Groove an einem Gebet und einem Lied bemerkte sowie die Kunst mich selbst zu lieben.

Ich habe – ermutigt durch die Erfahrungen in diesem Quartal – einen Schritt getan, den ich noch vor kurzem rigoros ausgeschlossen hätte. Ich war bei einem Speeddating-Abend.
Mein Bild von Speeddating war bisher im wesentlichen „schrecklich“.

Speeddating bei Dr. House

Wie konnte es dazu kommen, dass ich meine Meinung geändert habe? Nichts in meinem bisherigen Leben hätte darauf hingedeutet.

Flirten halte ich für ein leidiges Thema. Ich habe das nie besonders gerne gemacht, aber leider muss es sein, sonst bleibe ich alleine. Ich mag keine Aufreißer-Discos, keine Flirtportale, keine Spruchduelle. Ich fand das alles immer extrem erzwungen und auch erniedrigend, mich quasi selbst so anbieten zu müssen und mich zum Affen zu machen.

Es gibt Dinge, die mich so unglaublich traurig und wütend machen wie Fotos von Hochzeiten und Überschriften wie „Es kommt eine Zeit für jeden„. Der Artikel hat jedoch einen sehr guten Punkt: Singles, die nicht alleine bleiben wollen, sollten bei allen ihren täglichen Aktivitäten und Interaktionen messen, ob diese – egal wie unwahrscheinlich – zu einer Beziehung führen können. „Zu Hause sitzen und keine neuen Leute kennenlernen“ hat offensichtlich eine Wahrscheinlichkeit von 0.

Ich weiß, dass mein jetziger Lebensstil mit all seinen Facetten mich nicht glücklich gemacht hat. Wenn mein Leben wie bisher sowieso nicht funktioniert hat, habe ich fast nichts mehr zu verlieren. Daher habe ich mir vorgenommen, alle möglichen kleineren Experimente durchzuführen und jeweils nach kurzer Zeit zu messen, wie es wahr.

Seit April habe ich in so vielen sozialen Situationen erlebt, wie ich doch offensichtlich ein ganz anständiger Kerl bin, der auch Leute unterhalten kann. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass ich in direkter Interaktion wesentlich sympathischer rüberkomme als es ein noch so guter Steckbrief ausdrücken könnte.

Als ich von einem Speeddating-Angebot für meine Altersklasse in Amsterdam las, habe ich noch eine Nacht drüber geschlafen und mich dann tatsächlich angemeldet. Natürlich hatte ich viele Bedenken: Bin ich als Ausländer nicht deutlich weniger attraktiv, weil ich die Landessprache nicht so gut wie die meisten Einheimischen beherrsche? Bin ich nicht relativ schlecht im Vergleich zur Auswahl der Männer?

Ich las dann jedoch noch drei goldene Tipps, insbesondere dass so ein Abend vor allem ein soziales Ereignis ist, bei dem man mit vielen verschiedenen Menschen ins Gespräch kommt. Das hat mir ja sehr gefehlt! Und vor allem konnte ich mit dieser Idee meine Ängste und Zweifel, aber vor allem den Druck ablegen.

Ich hatte mir noch einen Haarschnitt verpassen lassen, den ich sehr mag, und mich wieder glatt rasiert. So gefalle ich mir selbst! Ich ging daher, was mich anging, recht entspannt zu dem Abend und mit einer gewissen Ergebnisindifferenz.

Und was soll ich sagen? Das war genau richtig! Ich habe mit den meisten der Damen ein paar schöne Kurzgespräche geführt und konnte mich in vielen Fällen als Unterhalter und Zuhörer einbringen. Und vor allem war ich ich selbst!

Auch vor der Konkurrenz hatte ich nicht den Eindruck, mich verstecken zu müssen. Ich bin zwar kein Unterwäschemodell (das sind die wenigsten), aber auch weit entfernt davon, mit Quasimodo verwechselt zu werden.

Es waren sogar erstaunlicherweise viele Ausländerinnen dabei. Meine Befürchtungen über die Sprachbarriere waren also unbegründet, auch wenn ich noch ein wenig einfacher auf Englisch als auf Niederländisch einen Plausch führen kann und ich Flirten für das allerschwierigste überhaupt innerhalb von Sprachkenntnissen halte. (Ich habe Kommunalwahlen und Arztbesuche auf Niederländisch hinter mich gebracht…)

Interessanterweise war mir fast egal, ob sich nach dem Abend etwas ergeben würde (hat sich nicht, sonst würde ich das hier nicht so offen schreiben). Ich empfand den Abend an sich als Erfolg und habe schon richtig Lust auf das nächste Mal.

Mit anderen Worten: Es war alles völlig anders, als ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich bin völlig anders, als ich mich selbst immer gesehen habe.

Die Speeddating-Erfahrung in einem Satz zusammengefasst lautet: Ich bin ja gar kein Versager!

Ich habe eine Sache fundamental richtig gemacht: Ich bin dahin gegangen, wo die Angst war, und bin über meinen eigenen Schatten gesprungen.

Ich werte das als wichtigen Hinweis darauf, dass ich bisherige Glaubenssätze in Frage stellen sollte, indem ich experimentiere. Keine Hölle ist so vermeidbar wie die, die man sich in seinem eigenen Kopf errichtet.

Eine Sache habe ich außerdem gelernt: Manche fragten danach, wo ich wohne (innerhalb Amsterdams gilt Hoofddorp als langweilig) und wie häufig ich nach Deutschland reise, um Freunde und Familie zu sehen. Es ist durchaus möglich, dass ich gut genug bin, aber nicht in der richtigen Umgebung, um erfolgreich zu sein. Auch das ist ein wichtiger Hinweis für die Zukunft. Weil ich offen und interkulturell einigermaßen kompetent bin, kann ich vielleicht in mehr Kontexten Erfolg haben kann als andere. Das heißt aber nicht, dass ich überall Erfolg haben werde oder in einer gegebenen Umgebung Erfolg haben kann. Eine spannende These, die es für die nahe Zukunft noch weiter zu untersuchen gilt!

Kontext oder die Kunst, mich selbst zu lieben

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt, meinen Aufenthalt in Paris, wie ich mich von meiner alten Lederjacke verabschiedete sowie wie ich den Groove an einem Gebet und einem Lied bemerkte.

Unperfektion kann für mich der Weg zum Erfolg sein. Ich wollte schon seit Monaten ein neueres Foto von mir haben, aber irgendwie war nie „die richtige Zeit“. Irgendetwas passte immer gerade nicht. Letzte Woche Mittwoch habe ich mir gesagt: Egal, dann übe ich eben für den Ernstfall und lerne ein wenig über Selbstfotos mit der Ausrüstung, die ich habe. Ich habe mehrere Sachen ausprobiert. Es war erstaunlich, wie schlecht vieles funktioniert hat – Licht, Hintergrund, Bildausschnitt, Körperhaltung, Gesichtsausdruck… Das gute Element war, dass ich sehr schnell verschiedene Ideen testen konnte. Plötzlich landete ich einzen Zufallstreffer: Sehr nahe rangezoomt, Ukulele zärtlich ans Gesicht gehalten, Augen weit auf. So gefiel ich mir selbst! Ich habe von der beruflichen Veranstaltung im Mai zwei Fotos, die ich für berufliche Netzwerke und den Lebenslauf verwenden kann. Dieses selbstgemachte Foto kann ich für private Kontexte gebrauchen. Die interessante Lehre daraus: Insgesamt hat die ganze Foto-Aktion nur etwa eine halbe Stunde gedauert. Ich brauchte also nicht einen freien Tag oder die perfekten Umstände, um das hinzubekommen!

Letzten Samstag bin ich wieder mit dem Fahrrad ans Meer gefahren. Ich wollte mich einfach bewegen. Was bis zum 1. Mai nur ein monatelang gehegter Traum war, ist inzwischen einfache Wirklichkeit geworden. Was für eine schöne Erfahrung, dass mir dieselbe Strecke viel leichter gefallen ist!

Diesmal fuhr ich nicht bald wieder zurück, sondern ging eine Stunde am Strand passieren. Dieser Eindruck des Meeres, des Strandes und des Sonnenscheines, es war wie ein plötzlicher Urlaub. Ich fühlte mich total entspannt und wohl in meiner Haut. Plötzlich überkam mich ein Eindruck, der so ziemlich das Gegenteil von dem war, was mir seinerzeit am Strand von Barcelona passiert war: Ich war mit selbst im reinen. Ich habe die großen Fragen oder Probleme meines Lebens keineswegs gelöst, sondern allenfalls angefangen, sie bzw mich ihnen zu stellen. Viel wichtiger jedoch, dass ich als Mensch völlig in Ordnung bin. Ich brauche offensichtlich nicht besonders viel Luxus, sondern kann mich an so „einfachen“ Dingen wie einem Strandspaziergang erfreuen. In diesem Kontext, in dieser Umgebung, konnte ich mich selbst lieben. Unglaublich, wie stark sich ein Ortswechsel auf meine Stimmung auswechseln kann!

Das bedeutet für die Zukunft: Ich brauche eine Umgebung, die die guten Seiten in mir hervorbringt und fördert. Der Kontext ist König.

Amsterdam – Frankfurt – Paris

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Bis ans Meer und zum Flughafen

„Und dann beim ersten Mal / Als wir am Meer waren /
War es kalt und neblig / doch das störte nicht“
– Klee: Tausendfach

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war sowie einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr.

Am Sonntag war der 1. Mai und damit der erste Tag meiner neuen Stelle. Irgendwo in meinem Unterbewusstsein fühlte ich wohl die Angst, gefangen in den Umständen zu sein und nicht mehr ausbrechen zu können. Jedenfalls bekam ich eine große Lust, eine Fahrradtour zu machen. Es war hervorragendes Wetter – sonnig und nicht windig.

Da dachte ich an eine Idee, die ich schon vor Monaten vorgehabt hatte, als ich einmal auf die Karte der Niederlande geguckt hatte: Ich wohne etwa 17 km vom Meer entfernt. Warum war ich eigentlich in über sechseinhalb Jahren noch nie mit dem Fahrrad bis ans Meer gefahren? Ich hatte mir diesen verrückten Traum im Hinterkopf gespeichert, aber nie konkret in Angriff genommen. Das Wetter war zu schlecht, es war draußen zu früh dunkel, mein Fahrrad war nicht in Schuss, ich war immer so müde… aber jetzt war das Wetter gut, es blieb draußen lange genug hell, mein Fahrrad war in Ordnung und ich war wieder einigermaßen fit.

Es könnte natürlich viel passieren. Ich könnte einen Platten haben und mitten unterwegs gestrandet sein. Oder plötzlich kommt ein Platzregen und ich bin falsch angezogen (schon erlebt!). Oder ich verfahre mich total.

Aber dann musste ich auch an Christo Foerster und seine Abenteuer denken. Wenn nichts schiefgehen kann, ist die Erfahrung nichts wert! Die Möglichkeit zu scheitern ist Grundvoraussetzung dafür, dass etwas als bereichernd empfunden wird.

Also machte ich mich auf den Weg. Zuerst bis zur Eisdiele, die ich noch eine Woche vorher mit dem Rad besucht hatte. Das fühlte sich allerhöchstens wie ein Aufwärmen an. Ein sehr verheißungsvolles Zeichen! Dann ging es weiter, ich verfuhr mich kurz und entdeckte dadurch einen schönen Radweg. Schließlich sah ich zwar Dünen, aber irgendwie stimmte die Richtung nicht. Ich schien mich verfranzt zu haben. Ich wollte schon umkehren, guckte dann aber noch einmal auf die Karte. Ich war schon ganz nahe!

Und dann, als ich mich dem Fahrrad plötzlich das Meer sah, da war es wie eine Mischung aus dem Lied „Tausendfach“ von Klee und dem Film „Knockin‘ On Heaven’s Door„. Ich sah das Meer, als ob es das erste Mal wäre. Als ob ich gerade eine Filmszene sah, die durch einen Filter geschickt wurde und nebenbei romantische Musik ertönte.

Digital Elvis & Zero – Theme For Elvis Instrumental

Kurioserweise kamen gleichzeitig alte Erinnerungen hoch – Phantomschmerzen aus der Zeit, als ich das letzte Mal am Meer war und der Zeit davor, aus der die Fotos auf dem alten Laptop stammten.

Und gleichzeitig war es so, als würde das Meer mich freundlich fragen: „Warum kommst Du erst jetzt? Du hättest mich viel früher besuchen können. Das war doch ganz leicht für Dich.“

Mich überkam eine ganz merkwürdige, leichte Stimmung. Ich fühlte mich wie auf meinem Jugendstil-Rundgang im Kreuzviertel in Münster zu Beginn meiner Auszeit. Aber diesmal war keine Traurigkeit oder Bitterkeit dabei. Ich konnte den leichten Wind genießen, die Musik aus den Restaurants in der Nähe sowie alles, was ich sah. Ich musste nicht einmal schnell ein Ziel erreichen, etwas tun, nützlich sein. Ich konnte in dem Moment leben. Das war ein Teil des Grooves!

Ich hatte eine alte Schranke durchbrochen, die mich von nun an nie mehr zurückhalten musste. 17 Kilometer ans Meer? Kein Problem! Auf dem Rückweg wurde ich sogar übermütig: Warum nicht – wie einige Male in den letzten zweieinhalb Jahren – eine Radtour zum Flughafen Schiphol? Dann wären es rund 50 km an einem Tag. Ich könnte ja immer noch vorher umdrehen, wenn es zuviel würde.

Aber es wurde nicht zuviel. Mir tat nichts weh, ich wurde nicht müde, ich fühlte mich so kräftig und fit wie seit Jahren nicht mehr. Als ich am Flughafen stand, da war ich glücklich, denn ich hatte mir eines selbst gezeigt: Ich brauche keine Angst zu haben, dass ich hier gebunden bin durch die Umstände. Wenn ich nicht mehr will, kann ich einfach aus allem ausbrechen. Ich schaffe es aus eigener Kraft ans Meer und bis zum Flughafen.

Das war genau das richtige, das ich machen musste vor meinem ersten Arbeitstag. Ich habe dazu noch eine weitere Antwort gefunden auf die Frage nach Angst, die mich begrenzt: „Was wäre möglich, wenn Du diese Angst nicht hättest?“

Ich hätte keine Angst, einen Teil dessen zu verlieren, der ich einst war, und wäre nicht darüber besorgt, wer ich jetzt nicht bin, und einzig aufgeregt und neugierig darauf, wer ich werden kann.

Ein zweiter Lernerfolg

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Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst sowie wie ich Ostern nicht alleine war.

Heute habe ich die nächste Prüfung bestanden: Professional Scrum Product Owner II (PSPO II). Dieses Zertifikat gibt es seit Juli 2016. (Stand 01. April haben es 4.569 Leute.)

Die Vorbereitung bestand aus zwei Monaten täglichem Lernen. Ich habe direkt nach der letzten Prüfung angefangen. Insgesamt habe ich also ein ganzes Quartal am Stück gelernt. Damit habe ich Ende April dieselbe Anzahl an bestandenen Prüfungen wie letztes Jahr insgesamt.

So wird es natürlich nicht weitergehen – das kann und möchte ich nicht. Es war mir wichtig, diese Prüfung zu bestehen, und auch, das vor meinem beruflichen Wechsel noch in trockenen Tüchern zu haben. Denn nächsten Monat geht es tatsächlich wieder auf Reisen, sogar außerhalb Deutschlands und der Niederlande!

Ein Gefühl von Urlaub hatte ich bereits am Samstag, als ich zusammen mit Kollegen den Blumenkorso Bollenstreek angesehen habe, wie er in Heemstede vorbeifuhr. Ich aß das erste Eis dieses Jahr und dazu von der Eisdiele, die ich letzten Sommer entdeckt habe. Was für ein herrliches Gefühl! Dass ich mich bei „normalen“ Situation so außergewöhnlich fühle, zeigt mir, wie einsam ich bin.

Heute war frei, da Königstag ist. Zum ersten Mal seit drei Jahren war der übliche Trubel. Aber für mich war es kein Vergleich zu 2015 in Utrecht. Ich hatte eines meiner orangefarbenen T-Shirts an und schlenderte einmal über den Flohmarkt in Hoofddorp, aber es packte mich nicht auf dieselbe Weise wie früher.

Tatsächlich war es die Prüfung, die mich richtig gefesselt hatte. Zu merken, was mir selbst wichtig ist und das dann zu tun, war eine wichtige Erfahrung.

Passend dazu fand ich in den letzten Tagen ein 20 Jahre altes Lied wieder. Damals fand ich es „ganz ok“, heute finde ich es ziemlich schön.

Vanessa carlton: A Thousand Miles

Die Zeile „Ich würde 1000 Meilen gehen, um bei Dir zu sein“ löst tatsächlich etwas in mir aus. Ich glaube, dass mir in erster Linie nicht jemand anders fehlt, sondern vor allem ich mir selbst. Um wieder bei mir selbst zu sein, würde ich auch 1000 Meilen gehen. Der heutige Tag war ein weiterer Schritt auf dem Weg.

Ostern – nicht alleine

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Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam sowie Selbstliebe statt Angst.

Was für ein Unterschied: Während ich letztes Jahr Ostern alleine war, konnte ich diesmal wie selbstverständlich nach Deuschland reisen. Dort habe ich:

  • gemeinsam das Ende der Fastenzeit gefeiert – und als erste Süßigkeit Schokolade aus der Ukraine genossen
  • die große Familie wiedergesehen
  • Kaffee und Kuchen genossen
  • ein ernstes Gespräch bei einem Spaziergang geführt

Was hat mir das alles gut getan! Wann habe ich zuletzt ein so unbeschwertes Osterfest erlebt? Vor fünf Jahren? Oder sogar noch früher?

Nebenbei bin ich noch vier Bücher losgeworden. Gleichzeitig habe ich fast einen Koffer voller Bücher von Nordwalde nach Hoofddorp mitgenommen. Die Operation Augias geht weiter!

Selbstliebe statt Angst

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Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam und wie ich mich zu Hause und wieder lebendig auf dem Amsterdam Language Café fühlte. Daran anknüpfend fragte ich mich, wie ich dieses Gefühl häufiger haben könnte.

Einen ersten Fingerzeig gaben mir zwei Veranstaltungen der letzten Tage. Am Freitag war ich erneut auf dem „Agile Learning Lab Berlin“. Ich sprach mit jemandem über den Wert von emotionaler Reife und die emotionale Reise, die man als Führungskraft zurücklegen muss. Führungskraft meine ich nicht im Sinne von „Macht über andere ausüben“ sondern „andere folgen einem, weil sie es wollen“. Als ich sehr offen über meine Angst sprach, bekam ich eine interessante Fragestellung mit auf den Weg gegeben: „Was wäre möglich, wenn Du diese Angst nicht hättest?“

Meine erste spontane Antwort im Kopf war: Ich würde tun, was ich für richtig halte. Ich würde einfach unbeirrt meinen Weg gehen.

Die Frage ist so gut, dass ich sie im Hinterkopf behalten möchte. Wer weiß, was ich noch für Antworten finde!

Am Dienstag war ich erneut auf einer Veranstaltung zum Thema Befreiende Strukturen (Liberating Structures). Diesmal war erneut Troika Consulting an der Reihe, bei dem ich ja bereits lebensverändernde Einsichten gewonnen hatte.

Die Bemerkung, die mich diesmal aufhorchen ließ, war eine auf den ersten Blick ganz kleine, harmlose: Ich mache anscheinend sehr viel. Bevor ich darüber nachdenke, wie ich unbedingt noch weitere Sachen anleiere, dürfe ich zuerst auch einmal nett zu mir sein. Was für eine treffende Bemerkung – und eine gute Erinnerung daran, Selbstfürsorge zu üben. Ich hatte es kurz zuvor noch erlebt, wie schwer es mir fiel, mich einmal hinzusetzen und meine Urlaubstage einzureichen, obwohl die mir doch zustehen. Das hatte ich schon einmal!

Heute war nach mehreren kalten Tagen wieder richtiges Frühlingswetter und ich fühlte diese Stimmung, die mich so oft im Frühling überkommt: Eine innere Unruhe und Aufregung – einerseits die Hoffnung, dass Veränderung möglich ist, und gleichzeitig die Ungeduld, sie endlich zu erleben.

Irgendwie kam ich während des Tages auf das Lied „Love You Like Mad“ von U2. Das hatte mir schon damals gefallen, als ich es zum ersten Mal entdeckt hatte. Es war 2000 aufgenommen worden, aber lange Zeit nicht offiziell erscheinen. Ich hatte es auf meine alternative Version des Albums „All That You Can’t Leave Behind“ gepackt. Die Rohheit, die Unperfektion, der rockige Gitarrenriff im Refrain und gleichzeitig diese eine voller Inbrunst gesungene Zeile – das finde ich alles unglaublich attraktiv und passend für mich selbst. So möchte ich auch wieder werden: Nicht glattgeschliffen, absichtlich nicht perfekt, dafür ein wenig rockiger und voller offen ausgelebter Leidenschaft.

„Love You Like Mad“

Für einen kleineren Gang nach draußen habe ich meine alte, inzwischen sehr gebrauchte Lederjacke angezogen. Ich fühlte mich wieder so in mir selbst zu Hause. Wer weiß, was ich noch erreichen kann?

Du kannst nicht vor Dir selbst weglaufen

Übermorgen ist es genau zwei Jahre her, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe – und acht Jahre seit dem Beginn meiner Auszeit.

Sieben Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Was habe ich in den letzten drei Monaten des zweiten Jahres meiner Suche erlebt? Das tollste Erlebnis war ohne Zweifel ein Wochenende wie früher. Das schlimmste Ereignis ist natürlich der Krieg in der Ukraine.

Abgesehen davon war es ein Quartal voll des Lernens und der Veränderung. Ich habe einen weiteren Lernerfolg erzielt. Aber noch wichtiger waren die emotionalen Lehren: Ich bin mir falscher Scham bewusst geworden und habe umgekehrt Angst als wertvollen Ratgeber anerkannt.

Das neue Jahr begann mit einem Traum. Ich erkannte den Wert darin, den Fokus auf mich selbst aufrechtzuerhalten. Ich bin bereit, einen Teil meines alten Lebens schöpferisch zu zerstören, damit ein neues beginnen kann. Ich habe begonnen, mein Leben wieder aktiv zu gestalten. Ich blieb meinen Träumen treu. Ich kam in mehreren Schritten weiter, bis es Gewissheit wurde: Ab Mai breche ich zu neuen beruflichen Ufern auf.

Ich hatte mir diese Veränderung für das erste Halbjahr vorgenommen. So oder so hätte ich bis Ende Juni eine Entscheidung treffen können. Dass ich das jetzt schon unter Dach und Fach gebracht habe, ist natürlich sehr gut.

Eines möchte ich in meiner zukünftigen Rolle als Agile Coach beherzigen: „Heile Dich selbst, bevor Du andere Menschen zu retten versuchst.Sich zuerst selbst retten ist ganz wichtig, um sich nicht selbst zu vernachlässigen.

Ein erster Schritt auf diesem richtigen Weg: Mir ist in diesen Tagen ein weiteres Prinzip bewusst geworden, nachdem ich lange Zeit unbewusst gelebt habe: „Sei immer härter zu Dir selbst als das Leben zur Dir ist, dann kann Dich nichts mehr umhauen!“ Das ist natürlich völliger Blödsinn, denn dann haut man sich in schlechten Zeiten selbst andauernd um! Die ganze Wahrheit lautet:

„Wenn Du immer härter zu Dir bist als das Leben zu Dir, dann kann Dir nichts mehr weh tun als Du Dir selbst.“

Warum es ganz im Gegenteil zu dieser Einstellung sogar sehr wichtig ist, gegenüber sich selbst gnädig zu sein: Mit niemand anderem verbringt man mehr Zeit. Ein Spruch, der mir in den letzten Monaten immer wieder eingefallen ist:

Du kannst nicht vor Dir selbst weglaufen.

Nichts, was ich tue, wird daran etwas ändern. Also sollte ich das als eine Prämisse nehmen für alles, was ich mit meinem Leben anstelle.

Abschließen möchte ich dieses Blogquartal mit einer Coverversion, die sehr gut meine gegenwärtige Stimmung wiedergibt: Etwas beschwingt und optimistisch.

Andrew and Sally Acoustic Duo (Blue Planet Entertainment): Higher Love