Yodas wertvolle Warnung

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss sowie wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor.

Ich habe in mehrfacher Hinsicht einen „Das Imperium schlägt zurück“-Moment erreicht, was mein Lernen angeht. Zum einen, was meine berufliche Weiterbildung angeht: Ich habe einige erste erstaunliche Erfolge erzielt – mehr, als ich noch vor einem Jahr zu träumen gewagt hätte! Gleichzeitig bin ich mir bewusst, wieviel ich noch nicht weiß und wieviel es noch zu lernen gibt. Für Angeben besteht kein Anlass, denn ich habe noch einen langen Weg vor mir.

Zum anderen gibt es eine Szene aus besagtem Star-Wars-Film, an die ich immer wieder zurückdenken muss. Als Teenager fand ich sie langweilig; heute spricht sie sehr zu mir. Yoda ist mit Luke Skywalker in seiner Hütte und spricht davon, was es ausmacht, ein Jedi zu sein, und warum Lukes Vater seinerzeit in seiner Ausbildung zum Jedi gescheitert ist:

„A Jedi must have the deepest commitment, the most serious mind. This one a long time have I watched. All his life has he looked away… to the future, to the horizon. Never his mind on where he was. Hmm? What he was doing. Hmph! Adventure. Heh! Excitement. Heh! A Jedi craves not these things.“
– Yoda, The Empire Strikes Back

Natürlich kenne ich die Szene vor allem auf Deutsch (die Übersetzung ist sehr gut gelungen):

Zwar habe ich an anderer Stelle Yoda als falsches Vorbild bezeichnet. In diesem Punkt hat er aber sehr recht. Insbesondere wenn es heißt, dass jemandes Blick sein ganzes Leben lang auf die Zukunft oder den Horizont gerichtet war und er mit seinen Gedanken niemals ganz bei dem war, was ihn umgab und was er tat, dann erkenne ich mich darin wieder, auch wenn es sehr schmerzhaft ist. Es ist sehr wichtig, diesen Schmerz nicht wegzudrücken oder zu betäuben, denn er weist den Weg in Richtung Heilung: Ich muss ganz in dem hier und jetzt sein können, um wieder ganz gesund zu werden.

Ich habe in den letzten Tagen einige ganz merkwürdige Dinge erlebt. Ich habe einige Urlaubstage beantragt. Ich bin zum Friseur gegangen und habe neue Fotos von mir machen lassen, weil ich die für den Beruf verwenden möchte. Ich habe zwei Zugfahrkarten für eine Reise am Wochenende gebucht. Soweit, so normal. Was aber innerlich in mir ablief, das hat mich zutiefst verstört, als es mir bewusst wurde:

Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um mich endlich aufzuraffen, die Urlaubstage einzureichen. Beim Buchen des Friseurtermins, beim Gang zum Fotografen spürte ich einen unheimlichen Widerstand in mir aufsteigen. Eine innere Stimme rief mir zu, dass das doch irgendwie lächerlich und nutzlos sei, was falle mir überhaupt ein, das „so einfach mal eben“ glauben tun zu können. Zu den Zugfahrkarten musste ich mich regelrecht zwingen.

Das sind alles Zeichen von Selbstvernachlässigung und von geringem Selbstwertgefühl. Ich habe Abwertung soweit verinnerlicht, dass es mir schwerfällt, mir selbst etwas zu gönnen – selbst wenn es ganz normale Sachen sind. Diese innere Abwertung muss es schon sehr lange geben – denn sie war so selbstverständlich, dass ich sie gar nicht mehr wahrnehme. Erst mit ganz großer Konzentration konnte ich mir ihrer bewusst werden und sie überwinden.

Es wird ein ganz wichtiger Schritt zurück zum Groove sein, diese Selbstsabotage immer wieder zu erkennen und zu beenden. Letzten Endes ist das eine negative Steuerung von außen, die inzwischen automatisch abläuft. Ich halte es sogar für wichtiger als das Verändern äußerer Lebensumstände, diese geistigen Ketten zu sprengen.

Die Zeit ist jetzt

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss.

Gestern bin ich ein Jahr älter geworden. Obwohl ich erneut keinen Besuch vor Ort bekommen konnte, war es längst kein so einsamer Tag, denn ich habe von früh bis spät Glückwünsche bekommen und einige Leute sogar via Discord gesehen. Das tat sehr gut!

Auch wenn ich mit Wehmut lese, was ich vor fünf Jahren gebloggt habe, so erkenne ich an dem, was ich vor einem Jahr schrieb, dass ich inzwischen ein ganzes Stück weiter bin. Das macht Mut!

Ich habe mir fürs neue Lebensjahr vorgenommen, einige Sachen in meinem Leben aufzuräumen. Ich brauche in meinem Alltag Energiequellen – Dinge und Leute, die mich unterstützen und die mir Kraft geben. Es hat außerdem keinen Sinn, in einer Situation zu bleiben, die mich konstant überfordert. Wie auch immer die notwendige Veränderung aussehen wird – sie wird kommen, da bin ich ganz zuversichtlich.

Es gibt noch vieles, was ich im Leben erreichen kann. Es gibt nichts mehr, das ich erreichen muss.

Es gibt nichts und es hat auch nie etwas gegeben, für das sich Stress lohnt. Es mag Veränderung geben, die irgendwann einfach so kommt ohne mein Zutun – und dennoch lohnt es sich nicht, darauf zu warten.

Wie der Zufall so spielt: Ich stieß in den letzten Stunden meines Geburtstags auf ein altes Lied, das „Die Zeit ist jetzt“ heißt. Und wie so viele guten Lieder der letzten Zeit brachte es etwas in mir zum Schwingen… diese Sehnsucht, diese innere Unruhe… dieser Appell ans Hier und Jetzt. Was für eine Freude, ein scheinbar altbekanntes Lied zum ersten Mal richtig zu entdecken!

Ich guckte nach, von wann es war: Anfang 2000. Eine der besten Zeiten meines Lebens. Klare Sache, das Schicksal zwinkert mir zu.

Moloko: The Time Is Now

Es ist an der Zeit

Übermorgen sind es eineinhalb Jahre, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Gestern waren es genau sechs Jahre, seit ich aus Deutschland in die Niederlande gezogen bin. Wenn ich an die Zeit damals denke, so scheint es wie ein anderes Leben zu sein – ich war so glücklich und zuversichtlich, und jetzt plagen mich oft Jahrestage und Phantomschmerzen. Doch es hat nicht sollen sein.

Immerhin gestatte ich mir endlich Verletztheit und Wut, denn ich hatte an dem, was mir passiert ist, nicht Schuld, und hätte etwas Besseres verdient.

Auch ansonsten waren die letzten drei Monate recht fruchtbar, was meinen Weg zurück zu mir selbst anging. Ich habe mir bewusst gemacht, was ich bin und was nicht. Ich habe mir (und mich!) den Fragen gestellt, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben. Einige Jahre aus der Vergangenheit sprachen zu mir.

Doch ich habe auch einiges konkret angepackt: Die Operation Augias hat einige neue Kapitel bekommen.

Meine Hoffnung, die bessere Jahreshälfte sei nun angebrochen, hat sich bislang erfüllt. Ich war endlich wieder unterwegs und habe meine besten Freunde wiedergesehen

Ich habe auch erlebt, wie die Energie langsam zurückkommt und wie es sich anfühlt, wenn meine drei Motive aus der Auszeit wieder alle drei erfüllt sind. Ich habe viel geschafft in den letzten eineinhalb Jahren.

Jetzt sehne ich mich danach, wieder einige Urlaubstage zu nehmen und zu reisen. Die letzten 18 Monate waren eine Zeit der Bewährung. Jetzt, wo die ganz große Anspannung weg ist, merke ich die Müdigkeit. Gleichzeitig bin ich wieder verhalten hoffnungsvoll, weil ich sehe, wie sich ganz langsam wieder einzelne Elemente in meinem Leben bewegen. Es ist an der Zeit!

Auch Wut braucht ihren Platz

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben, Jahre, die zu mir sprechen, Platz für Verletztheit sowie Lei{d|t}motive.

Am Wochenende war ich wieder in Nordwalde bei einer Familienfeier. Es tat sehr gut, all die Leute wiederzusehen. In den Tagen um dieses Wochenende ist mir eines an mir aufgefallen (diesmal auch vorher): In mir wohnt nach wie vor sehr viel Wut. Es war kein Zufall, dass ich vor einem Jahr ebenfalls nach einer Familienfeier über unbezähmbare Wut gebloggt habe. Denn all diese netten Menschen zu sehen, die Normalität von einem guten Zusammenleben, von einfach so akzeptiert zu werden, das hat mir vor Augen geführt, was für ein krankmachendes Leben ich in den letzten Jahren geführt habe und wie schlecht ich mich habe behandeln lassen. Erst, wenn man zurück in die Wärme geht, merkt man, wie kalt es vorher gewesen ist.

Ich hatte davor schon einmal über den Sinn des Zorns geschrieben und ich habe ein Jahr später auch eine neue Einstellung zur Wut. Sie ist nicht mehr eine gefährliche Kraft, die mich zu übermannen droht. Sie ist sogar ein wichtiger Bestandteil eines richtiges Lebens. Zu einem Regenbogen gehören auch die dunklen Farben, sonst ist er nicht vollständig. So ist es auch mit den Gefühlen. Nichts ist so unsicher und schädlich als nur einen Teil seiner Gefühle zulassen zu dürfen.

Das ich diese Wut endlich spüren kann, ohne dass sie plötzlich in mir hochkommt und explosionsartig ausbricht, ist ein wichtiges Signal für meine emotionale Entwicklung. Überhaupt diese Wut „einfach mal so“ spüren so können, ist ein Fortschritt.

Der erste Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, den Schmerz zuzulassen. Der zweite Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, Verletzungen anzuerkennen. Der dritte Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, der Wut ihren Platz zu geben.

Ich habe alles Recht der Welt, wütend zu sein. Jemand, dem ich vertraut habe, hat mich sehr verletzt und mir gleichzeitig mitgeteilt, dass meine Gefühle völlig unangemessen und meine Bedürfnisse eine schreckliche Last sind. Deswegen habe ich mir lange selbst nicht mehr getraut und an mir selbst gezweifelt. Was für ein Unsinn! Ich war es doch, der die ganze Zeit in Ordnung war.

Es wird sehr, sehr wichtig sein, die Wut nicht mehr wegzudrücken, sondern sie anzunehmen und aktiv mit ihr umzugehen. Dazu gehört auch, offen anderen gegenüber zu sein darüber, wie es um meine Gefühlslage bestellt ist.

Nur sieben Wochen, nachdem ich ein altes Fahrrad zur Deponie gebracht habe, habe ich auch das zweite Fahrrad weggebracht – diesmal eines, das ich selbst gekauft hatte und das damals neu gewesen war. Ein paar Idioten hatten es, als ich es am Bahnhof in Hoofddorp abgestellt hatte, soweit demoliert, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Was soll’s! Die Operation Augias geht weiter. Fürs neue Fahrrad habe ich gelernt, wo ich es sicher abstellen kann – und es kostet nicht einmal viel.

Lei{d|t}motive

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben, Jahre, die zu mir sprechen sowie über Platz für Verletztheit.

Zu dem Blogeintrag von letzter Woche ist mir noch eine Frage eingefallen: Warum erzielen nur einige Versionen der genannten Lieder diesen Effekt? Warum werde ich bei einigen traurig und bitter, während andere sogar meine Stimmung verbessern?

Diejenigen Versionen, die meine Stimmung kippen lassen, sind besonders zart, ruhiger, leichter arrangiert oder leicht beschwingt. Dann kommen viele starke Emotionen in mir hoch. Dabei sind mir noch drei Sachen aufgefallen:

  • Dass nicht alle Versionen dies bewirken, zeigt mir, dass ich nicht eine generelle Allergie gegen diese Lieder entwickelt habe.
  • Dass ich positiv auf einige Versionen reagiere, zeigt auch, dass nicht starke Emotionen, Romantik und Leidenschaft ein Problem sind. Es ist eher die mitschwingende Annahme, dass alles ganz leicht ist, dass sich alles schon ergeben wird.
  • Dass ich nicht verbittert bin, zeigt sich darin, dass ich nicht meine Erfahrung zum allgemeinen Maßstab erheben möchte oder nach diesen Regeln mein restlichen Leben zubringen will.

Gestern war habe ich erneut an einer virtuellen Runde rund um Befreiende Strukturen (Liberating Structures) teilgenommen. Die haben mir ja bereits mehrmals auf meinem Weg geholfen, etwa dabei, meine eigene Aufgabe glasklar formulieren zu können.

Es ging diesmal um eine scheinbar einfache Frage: Wie waren die letzten eineinhalb Jahre?
Dabei stellte ich fest, dass es sich anfühlte, als habe sich nichts verändert, während sich tatsächlich viel verändert hat für mich:

  1. Ich habe mich beruflich verändert und eine neue Stelle (innerhalb desselben Unternehmens) angetreten.
  2. Ich habe für meine berufliche Entwicklung 5 Zertifizierungen bei scrum.org gemacht – die letzte im Januar.
  3. Ich kenne mich inzwischen so gut mit Liberating Structures aus, dass ich sie immer wieder gerne mitmache und auch selbst verwende.
  4. Ich habe eine professionelles Netzwerk aufgebaut.
  5. Ich blogge einmal die Woche.
  6. Ich bin musikalisch aktiv, habe mich dabei an neue Sachen gewagt und sogar einige Aufnahmen gemacht.

Mir war gleichzeitig auch klar, was mir nach wie vor zu schaffen macht. Es tat gut, das ebenfalls deutlich benennen zu können:

  • Einsamkeit
  • immer nah an der Kante genäht sein, was die Energie angeht
  • die Frage nach dem Warum stellen

Ich muss mich verändern und ich muss Veränderung erleben. Das ist mir klar.

Interessant ist, was mir einen Tag später auffällt: Ich dachte, ich träte auf der Stelle. Dabei habe ich mich in einiger Hinsicht sogar sehr weiterentwickelt.

Heute hatte ich ein einschneidendes Erlebnis. Ich habe seit langer Zeit wieder eine positive Erfahrung gemacht.

Mir ist im nachhinein wieder in den Sinn gekommen, was ich zu Beginn meiner Auszeit als meine drei Motive notiert hatte: „einen Unterschied machen“, „etwas in den Herzen der Menschen bewegen“ und „gut genug für etwas sein“.

Mir ist jetzt erst aufgefallen, warum ich mich so lange so schlecht gefühlt habe: Weil in allen drei Gesichtspunkten das Gegenteil der Fall war. Was ich tat, machte keinen Unterschied; ich konnte nichts mehr in den Herzen der Menschen um mich herum bewegen und ich schien auch nichts mehr gut genug zu sein.

Heute habe ich zum ersten Mal seit über drei Jahren erlebt, wie es sich anfühlt, wenn alle drei Dinge erfüllt sind. Wie Superkräfte! Das ist der Groove. Es muss kein Traum bleiben! Ich kann wieder dort hin!

Platz für Verletztheit

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben sowie über Jahre, die zu mir sprechen.

Nachdem ich letztes Mal der Vergangenheit gelauscht habe, geht der Blick heute wieder in die Gegenwart und die nahe Zukunft. Ich trage dieses Thema schon lange mit mir herum und will es mir endlich von der Seele schreiben.

Ich bin gleichermaßen durch die 1980er und 1990er Jahre sozialisiert worden, was Musik angeht. Die 1980er waren meine Kindheit, die 1990er meine Jahre als Teenager und junger Erwachsener.

Aus den 1980ern stammen viele Lieder, die auf Hochglanz arrangiert und produziert sind und sehr gefühlvoll sind. Mit ihnen verbinde ich Zartheit, Romantik, Melancholie, aber auch Leidenschaft und Hingabe.

Aus den 1990ern hingegen kenne ich viele Stücke, bei denen alte Zöpfe abgeschnitten wurden, alles bewusst spärlicher angegangen wurde und das Ergebnis of rauher klingt. Mit der Musik aus diesen Jahren verbinde ich Authentizität, Energie, Veränderung, Mut und einen Blick ohne Filter.

So kommt es, dass ich zwei sehr unterschiedliche Jahrzehnte schätze, die oft gegenteilige Aspekte und Facetten hervorheben. Aber gerade dieser scheinbare Widerspruch gefällt mir besonders gut.

Durch Zufall stieß ich auf ein Video, in dem quasi die westliche Popkultur der 1980er in einem Zusammenschnitt hervorragend eingefangen wird. Es fehlen natürlich einige europäische Aspekte (Robin of Sherwood!), aber insgesamt kommt das Gefühl des Jahrzehnts sehr gut rüber:

Boy Meets Girl: Waiting For A Star To Fall

Ich kannte das Lied, hatte es aber jahrelang nicht gehört und wusste auch nichts über die Gruppe dahinter. Und wie es so ist, wenn mich etwas interessiert, lese ich den Hintergrund und suche nach Coverversionen:

Yohanna: Waiting For A Star To Fall

Claire Richards: Waiting For A Star To Fall

Diana Vickers: Waiting For A Star To Fall

Die von Claire Richards finde ich so unglaublich kraftvoll und mit absoluter Hingabe – ganz meine Sache! Auch die Metalband At The Movies hat eine Coverversion aufgenommen, die ich jedoch nicht ganz so herausragend finde – aber immerhin bin ich so auf ihre Interpretation der Lied „We Don’t Need Another Hero“ sowie „The One And Only“ gestoßen.

Bei den beiden ruhigen Versionen von Yohanna und Diana Vickers geschah etwas Merkwürdiges: Ich wurde plötzlich traurig und dann bitter. So wie mein Selbstbild manchmal plötzlich wie ein Kippbild war, so kippte hier meine Stimmung.

Ähnlich erging es mir mit anderen Liedern. Ich entdeckte etwa eine Coverversion von Rick Astleys „Together Forever“ – eine leichte, beschwingte Jazzversion. Und so, wie ich das Stück anfangs genoss, die positive Stimmung, die Leichtigkeit, so wurde ich auf einmal schwermütig und genervt.

Together Forever (Jazz)

Ein drittes Beispiel: Ich hatte gelesen, dass das Lied Belfast Child die Melodie von „She Moved Through The Fair“ verwendet. Es gibt etwa eine Version von Sinead O’Connor, die sehr eindringlich ist. Eine bestimmte Version von Loreena McKennitt finde ich am schönsten.

Loreena McKennitt: She Moved Through The Fair

Hayley Westenra: She Moved Through The Fair (Pipes Version)

Aber ganz seltsamerweise macht mich die Version von Hayley Westenra ruhe- und hoffnungslos, fast zynisch. Was steckt dahinter?

Es hat lange gedauert, das zu verstehen. Im Kern läuft es immer auf dasselbe hinaus:
Die Vorstellung,
– Liebe könnte auch in Teenagerjahren erfüllt und glücklich sein
– es gäbe eine Liebe, bei der man Verletzbarkeit zeigen könne
– man könnte heiraten und sogar dann noch geliebt werden
und dass das alles so normal ist, dass man es in Folklore und Popkultur gießt,
das alles tut mir unglaublich weh, weil ich entweder viele Jahre oder mehrmals das genaue Gegenteil erlebt habe.

In dem Moment, in dem ich das so niedergeschrieben habe, ist es plötzlich nicht mehr merkwürdig oder verrückt, sondern absolut normal und verständlich. Ich selbst werde völlig ruhig.

Das ist ein starker Hinweis darauf, dass ich mich einer alten Angst gestellt und etwas gefunden habe, das ganz wichtig ist. Es erfordert echte moderne Männlichkeit, einige falschen Lehren zu erkennen. Bislang war ich „Wenn Du Dich schlecht fühlst, bist Du selbst daran Schuld und beweist das einen persönlichen Defekt.“ oder „Du darfst das gar nicht fühlen!“ gewohnt. Das ist beides völliger Blödsinn und emotional absolut unreif.

Der erste Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, den Schmerz zuzulassen. Der zweite Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, Verletzungen anzuerkennen.

Wunden muss man auswaschen, damit sie gut heilen können. In diesem Sinne:

  • Ich bin tief verletzt worden und das war nicht in Ordnung. Ich habe alles Recht der Welt, das zum Ausdruck zu bringen.
  • Es gibt keine Lehre und keine Umstände, die es entschuldigen, einen Menschen so zu verletzen.
  • Ich möchte nicht, dass Lieder, die mir gefallen und mich tief berühren, auf Dauer Bitterkeit in mir auslösen.

Jahre, die zu mir sprechen

„Here we stand /
Or here we fall /
History won’t care at all“
Queen: Hammer To Fall

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt sowie die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben.

Ich kann im Grunde genau da anknüpfen, wo ich letzte Woche aufgehört habe: Es ist nicht nur so, dass ich selbst auf die Vergangenheit blicke. In den letzten Wochen ist es fast, als würden einige Jahre meiner Vergangenheit zu mir sprechen. Und zwar nicht voller Zorn oder Traurigkeit – sondern gütig und ruhig und zum Teil mit Ernst und Eindringlichkeit.

2014 flüstert mir zu: „Weißt Du noch, als Du aus allem ausgebrochen bist und Du erfahren hast, dass Du ein viel besserer und liebenswerterer Mensch bist, als Du jemals von Dir dachtest? Das ist noch gar nicht so lange her. Worauf wartest Du diesmal?

2011 hat einen ernsten, aber auch feierlichen Klang in der Stimme: „Du warst geschlagen und fast am Ende, aber Du hast nicht aufgegeben. Obwohl Du keine Kraft und keine Hoffnung mehr hattest, hast Du Dich noch einmal selbst erfunden und dabei erfahren, dass Du ganz anders sein kannst, als Du bislang glaubtest. Und als Du die Chance hattest, da hast Du Dich wie ein echter Ritter verhalten. Du warst in schlechterer Lage als heute und hast Dich durch alles durchgekämpft. Wann kämpfst Du wieder für das, was zählt?

1999 ruft mir laut und rebellisch zu: „Du hättest auf Nummer Sicher gehen können, aber Du hattest verstanden, dass Du endlich einmal etwas wagen musstest. Du hast in kurzer Zeit mehr Abenteuer erlebt und mehr über das Leben und Dich selbst gelernt als in den vielen Jahren zuvor. Du hast nicht auf Veränderung gewartet, sondern sie selbst geschaffen. Was hast Du jetzt zu verlieren, um wieder Abenteuer zu suchen?

1996 spricht ganz gelassen, aber mit einer ungebrochenen Freude: „Du brauchtest keine Angst vor einer neuen Umgebung und Lebenssituation zu haben. Du gingst nicht unter. Es war noch so viel zu entdecken. Erst in der neuen Freiheit konntest zu zeigen, was wirklich in Dir steckt. Suche die Freiheit! Sie wird Deine Rettung sein.

1989 dröhnt vor Donner: „Du hattest gelernt, wie die Welt in zwei Lager geteilt war. Das war schon 40 Jahre so – warum sollte es sich jemals ändern? Doch dann brachen in wenigen Wochen alle Grenzen und Schranken zusammen, und diejenigen, die größere Träume gehabt hatten, bekamen recht. Du wolltest nie einem System dienen, das schlecht für die Menschen war. Erinnere Dich daran.

1983 spricht warm und nostalgisch: „Du warst noch ein Kind, aber die große Friedensdemonstration hat Dich auf immer geprägt. Den Friedensaktivisten war es egal, dass sie für naiv oder gefährlich gehalten wurden, denn sie taten, was sie für richtig hielten. Es ist wichtig, für Deine Prinzipien und Werte einzustehen und mit Deinem Herzen in Einklang zu leben.

Ich habe erst beim Aufschreiben gemerkt, dass mich das ein weiteres Mal an den Film Dragonheart erinnert. Ritter Bowen ist nach einer tiefen menschlichen Enttäuschung verbittert. Vieles Gute, das er lange Jahre verkörpert hat, schläft tief in ihm. Es braucht erst einige Freunde, damit er sich wieder an sich selbst erinnert.

Dragonheart – Der Kodex

Ich halte das für die wichtigste Tugend eines Ritters: Nicht alles alleine aus dem Hier und Jetzt ableiten – das ist für erbsenzählerische Krämer, die möglichst jedem Risiko aus dem Weg gehen wollen – sondern eine Vision von etwas größerem zu haben, ein Ideal, das man anstrebt.

Ich glaube, das ist es, was die Vergangenheit mir sagen will. Ich kann noch so viel mehr sein als das, was ich gerade bin. Ich möchte nicht, dass eine schwere menschliche Enttäuschung meinen weiteren Lebensweg bestimmt und wie ich auf das Leben schaue.

Ich habe im neuesten Schritt der Operation Augias einige alte USB-Sticks, die ich ohnehin nicht mehr benutze und deren Verlässlichkeit ich nicht mehr traue, durchgeguckt, neu formatiert und letztendlich 4 von 5 weggeworfen. Das war nicht immer leicht, denn auf einigen waren auch Erinnerungen an bessere Zeiten. Auch darum ist es wichtig, dass vergangene Jahre positiv zu mir sprechen.

Wo gehe ich hin?

„What’s the buzz, tell me what’s a-happening?“ – Jesus Christ Superstar

„Where do I go? / Follow the river“ – Hair

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht sowie wie die Energie langsam zurückkommt.

In diesen Wochen und Monaten sind mir öfters zwei Musicals in den Sinn gekommen, die ich vor vielen Jahren unter anderem in der Schule gesehen habe. Es hat mich in eine merkwürdige, aber nicht unangenehme Unruhe versetzt, wie da anscheinend einige Lektionen aus der Vergangenheit etwas in mir zum Schwingen brachten.

Zum einen die Szene aus Jesus Christ Superstar, in der die Jünger eindringlich und immer wieder von Jesus eine Antwort darauf haben wollen, was gerade passiert und was der ganze Trubel soll. Sie sind zwar voller Hingabe und Energie – aber sie haben vor all der Aufregung den Fokus auf das Hier und Jetzt vergessen. Damit geht aber auch ihr eigentliches großes Ziel verloren und ihr ganzer Einsatz ist vergeudet. Sie brauchen auch nicht „beweisen“, dass sie wirklich interessiert sind – das merkt man schon schnell genug. Es fehlt ihnen hingegen an Geduld und Ruhe, und einem offenen Blick um das, was um sie herum noch geschieht. In diesen Jüngern erkenne ich mich wieder. So war ich sehr oft in den letzten Jahren. Scheinbar voller Tatentrang, aber gleichzeitig völlig unbewusst dessen, was wirklich zählt. Hellwach und tief schlafend zugleich.

What’s The Buzz – Jesus Christ Superstar

Zum anderen das Lied „Where do I go?“ aus dem Musical Hair. Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Alle großen Religionen haben sich mit diesen drei fundamentalen Fragen der Menschheit beschäftigt.

Wer ich bin, habe ich besser gelernt, seit ich mich auf die Suche nach dem Groove gemacht habe. Das hat auch mein Bewusstsein dafür geschärft, wo ich herkomme. Auf die dritte Frage habe ich hingegen noch keine Antwort – und ich habe das Gefühl, dass es gar nicht auf die Antwort ankommt, sondern vielmehr, überhaupt die Frage zu stellen. Die Frage offen zu lassen lädt einen zum Staunen und dazu, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich genauer umzuschauen, als schnurstracks von A nach B zu eilen.

Die Fernsehverfilmung von Hair hat dazu ein beeindruckende Szene – man sieht so viele verschiedene Leute auf der Straße, alle mit ihrem eigenen Leben und ihren eigenen Sorgen. Und der Mann, der hier singt, ist fast universal und könnte jeder Mensch sein. Es geht also nicht darum, dass hier ein Wehrpflichtiger am Ende ins Musterungsbüro geht, sondern um die Energie, die das Fragen alleine bereits beinhaltet. In diesem „Fragen ohne verzweifeln“ finde ich mich derzeit sehr stark wieder. Es putscht mich geradezu auf, die Frage nach dem größeren Sinn zu stellen.

Where do I go? – Hair (1979)

Das Thema im Intro, das durch verschiedene Instrumentengruppen wiederholt wird und aufpeitschend wirkt, die Streicher… es ist alles voller Energie und trägt zur Gesamtwirkung bei. Nicht alle Versionen sind so energievoll und treibend wie die Filmversion. Die oft sehr langsamen und ruhigen Arrangements erzeugen bei mir nicht den gleichen Effekt.

Es gibt allerdings noch eine Version, die ein wenig zurückgenommener ist, aber gleichzeitig ihre Wirkung erzielt. Dabei kommt die Stimme noch ein wenig besser zur Geltung, weil sie ein wenig mehr heraussteht. Ich habe sie erst vor wenigen Tagen entdeckt und bin sehr angetan von ihr!

Where do I go? – Hair (Original Broadway / Off-Broadway Cast Recordings)

Du kannst es spüren

„Du kannst es spüren /
Du kannst es fühlen“
– Kyau & Albert: Spüren

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen sowie was ich bin und was nicht.

Die letzten Tage waren nicht immer einfach. Es gab Phasen, da war ich sehr traurig oder einfach nur erschöpft. Das allein klingt erst einmal altbekannt.

Es gab aber auch eine neuere Entwicklung: Ich schien jeden Tag ein wenig Energie übrig zu behalten. Ich halte das für ein deutliches Zeichen, dass die Talsohle längst durchschritten ist, denn das war ein Kennzeichen in der späten Phase der letzten Krise.

Außerdem gab es mehrere aufeinanderfolgende Tage, in denen sich einzelne Puzzlestücke endlich zusammenzufügen schienen. Mein Wunsch, dass mein Leben einen Zweck haben soll, ist kein leerer Traum. Auch mein Verlangen nach Lebensumständen, die mich nicht völlig auslaugen, ist keine unrealistische Phantasie. Es kann durchaus sein, dass ich mich sehr verändern muss dafür – und das ist völlig in Ordnung.

Beim Hören von Above & Beyond – Group Therapy 445 (ABGT) stieß ich auf ein Lied, das irgendwie zu meiner Situation zu passen schien. Es klingt hoffnungsvoll, träumend, staunend… es drückt sogar ein wenig die Idee vom Groove aus und dass sich manche Dinge nicht rational erfassen lassen.

Kyau & Albert: Spüren

Heute abend habe ich einen weiteren wichtigen Schritt in der Operation Augias unternommen:
Ich habe meinen ersten Laptop, einen zwölf Jahre alten Toshiba Satellite Pro P300 – 1F1 (17 Zoll), entsorgt.

Er hat mich auf manchen Hochs und Tiefs meines Lebens begleitet. Im Sommer 2009 in Liberec während eines Unwetters hätte es ihn fast erwischt – glücklicherweise stand er weit genug vom Fenster weg, um nicht eine volle Dusche während eines heftigen Unwetters abzubekommen. Im Sommer 2011 haben ihn zwei Jungs auf einem selbstgebauten Floß über den Dnjepr in Kiew gerudert.

Die Aufkleber von Jonny M und The Heroine Whores stammen noch aus seinen ersten Jahren. Oft haben mich die Leute ein wenig belächelt dafür, so einen „Fernseher“ unterwegs dabei zu haben. Allerdings fand ich den großen Bildschirm immer sehr angenehm und durch das Metallgehäuse war er auch robust.

Im Dezember 2015 macht er das erste Mal Mucken, gab dann mehr und mehr den Geist auf, so dass ich ihn vor dem Sommer 2016 ersetzt habe. Zwischendurch benutzte ich ihn noch zum Drucken, aber später ging auch das nicht mehr, da er sich beim Einschließen eines USB-Gerätes aufhing. Heute habe ich einige letzte Fotos via Bluetooth herunterkopiert (einige schmerzvolle Erinnerungen über eine bessere Zeit in meinem Leben kamen dabei hoch), dann wurde die Platte einmal komplett übergebügelt und das alte Windows XP noch einmal frisch installiert. Mach’s gut, alter Laptop!

Sein anstatt Nichtsein

„All this time I’ve tried to walk with dignity and pride“
At The Movies – The One and Only

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen sowie Jahrestage und Phantomschmerzen.

Ich befinde mich in mehrfacher Hinsicht an einer Wegekreuzung in meinem Leben. Wo soll es hingehen? Da ist es umso wichtiger, zunächst einmal ein wenig Ballast loszuwerden, und auf der Suche danach, was ich sein kann, auch einmal festzuhalten, was ich alles nicht bin und sein muss:

  • Ich bin nicht, was ich leiste.
  • Ich bin nicht, was ich weiß.
  • Ich bin nicht, was ich erreicht habe.
  • Ich bin nicht, was ich besitze.
  • Ich bin nicht, was ich erlebt habe.
  • Ich bin einfach nur ich – und das reicht vollkommen aus.