Zukunftslust

Entspannt, glücklich – und immer noch neugierig auf das Leben. So fühlt sich das Leben mit 40 an.

Geburtstage mit einer „5“ oder „0“ hinten bergen immer das Risiko, dass ich melancholisch werde. Das ist diesmal ausgefallen. Es kann daran liegen, dass ich dieses Jahr bereits verschiedene Gelegenheiten hatte, zurückzublicken.

Erstens wurde am 02. Juli das 50-jährige Jubiläum meiner Schule gefeiert. Bei der Gelegenheit traf ich eine ehemalige Mitschülerin wieder, mit der ich vor 20 Jahren Abi gemacht habe. Als ich ihr erzählte, wie es mir seit dem Sommer 2014 ergangen ist, fiel mir auf: Ich bin zwar seinerzeit viel gereist, aber glücklich war ich nicht – vor der „magischen Nacht“.

Zweitens habe ich jemandem im Sommer (auf ausdrücklichen Wunsch!) mein ganzes Leben erzählt. Dabei ist mir klar geworden, wie unglaublich zäh sich mein Leben nach der Uni entwickelt hat, wie lange sich schlechte Phasen hinzogen und wie unsicher meine Lebenssituation war.

Drittens habe ich vor einigen Wochen angefangen, alte Papiere durchzusehen, die großzügig verteilt aus der Zeit meiner Jugend bis jetzt stammen. Von wenigen Unterbrechungen wie Urlaub und Partys abgesehen, war das Studium eine sehr dröge Zeit. Wie fern viele Länder, die heute in der EU sind, damals noch schienen. Wieviel schwieriger der Kontakt zum Rest der Welt fiel, als es noch kein WiFi, Google Maps, Skype, Flugtickets und Bahnfahrkarten via Internet gab. Da war eine internationale Reise tatsächlich noch umständlich statt alltäglich. Lieder musste man aufwändig suchen, statt mal eben bei Youtube zu klicken und dann die CD zu bestellen. Überhaupt war es längst nicht so leicht, etwas zu erleben.

  1. Wie mir schon mal jemand anderes sagte: Wenn man nüchtern aufs Leben zurückblickt, dann ist die meiste Zeit ist nicht besonders toll.
  2. Dazu kommt ergänzend von mir: Es ist ein ganz anderes Leben als vor einer Generation – weder die Aussichten noch die Sorgen sind auch nur ansatzweise dieselben.
  3. Die Auszeit war das Meisterstück meines Lebens. Da habe aus mir selbst heraus gehandelt und gezeigt, was in mir steckt.

„Die beste Zeit“, das waren lange Zeit einige Monate mit 23 und einige Jahre Anfang 30. „Die besten Momente“, das waren die Konzerte, in denen ich als Sänger auf der Bühne stand oder in denen ich eine Frau in meinen Armen hielt. „Die beste körperliche Verfassung“ hatte ich in dem Jahr, in dem ich zwei Ju-Jutsu-Prüfungen bestanden habe.

Aber auch in den schlechten oder entwicklungsarmen Zeiten konnte ich immer noch etwas Gutes tun: kreativ sein, etwas Neues lernen, etwas ausprobieren und aus mir rausgehen.

Früher war ich immer nostalgisch, habe vor allem auf die Kindheit die 1980er zurückgeblickt, in den Erinnerungen an die seltenen glanzvollen Momente geschwelgt. Heute bin ich mehr auf das Hier und Jetzt gerichtet: Es gibt so vieles, was ich machen kann. Genau das ist die wichtige Veränderung in meiner Einstellung.

Michael Spreng hat dafür das Wort Zukunftslust entdeckt. Auch wenn es nicht von ihm stammt, hat er dafür eine sehr gute Beschreibung gefunden:

Zukunftslust – was für ein wunderbares Wort. Es schmeckt nach Abenteuer und Lebenslust, nach Spaß und Freude, nach Risikobereitschaft und Mut. Ein Wort, das die Phantasie beflügelt.

Genau das ist es. Er hat auch eine prima Erklärung parat, warum der Begriff attraktiver ist als eine rebellische „Sturm und Drang“-Phase, die sich üblicherweise auf die Jugend beschränkt und danach unzeitgemäß wirkt:

Zukunftslust ist altersunabhängig. Noch was wissen zu wollen, noch etwas zu unternehmen, das Abenteuer, die Herausforderung zu suchen – das kann jeder. Bewusst leben und sich nicht zum Sklaven seiner Ängste zu machen.

Ein Lied, das meine eigene Stimmung wiedergibt, auch wenn ich nie auf den Text geachtet habe:

Imaad Wasif: Her Sorcery

Es stammt von einer die CD, die ich auf Imaad Wasifs Konzert am 20. April 2011 gekauft habe – eine von den guten Aktionen in einer schlechten Zeit. Der mich so packende Hauptriff besteht einfach nur aus drei Dur-Akkorden – B, F und C. Um das nachzuspielen, muss ich nur kurz nach einer Ukulele in meiner Nähe greifen – ein positives Ergebnis von dem Blogeintrag, der mein Leben veränderte.

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Operation Augias – der Koffer

Manchmal ergibt es sich ganz automatisch, dass ich die Operation Augias weiterführe. Bisherige Meilensteine waren 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele, Audiokassetten, Sachen aus dem Zimmer zu Hause, die Reste aus dem Zimmer sowie der Rasierapparat.

Vor meiner nächsten Reise nach Budapest musste ein neuer Koffer her, denn mein bisheriger Trolley von Imagio war Anfang des Jahres endgültig unbrauchbar geworden. Zwar war eventuell noch Garantie auf den Koffer, aber so, wie ich ihn abgenutzt hatte, bezweifele ich, dass ich da irgendwelche Ansprüche hätte geltend machen können.

Zunächst war eine Rolle blockiert und dann immer mehr abgeschabt worden, ebenso wie ein unterer Rand des Koffers. Dann gesellte sich eine zweite Rolle dazu, so dass man ihn nur noch in einer Position ziehen konnte. Danach scheuerte eine Ecke ab. Bei einem Flug ging der obere Griff halb kaputt und riss mir auf einer Reise ganz ab. Der ausziehbare Griff blockierte, so dass ich jedesmal den Koffer öffnen und per Hand die Mechanik drücken musste, um den Griff auszufahren oder wieder hineinzuschieben. Anfang diesen Monats ging nicht einmal das mehr und ich bekam den Griff überhaupt nicht mehr hinein, so dass der Koffer, der bisher bereits sehr unpraktisch geworden war, nun überhaupt nicht mehr für eine Flugreise zu benutzen war.

So sehr ich auch an Sachen festhalte, die noch irgendwie funktionieren: Hier war nichts mehr zu machen.

Also habe ich Kataloge im Internet gewälzt und lange in drei Geschäften gesucht, bis ich endlich eine Lösung hatte, die mir gefiel. Der neue Trolley ist von Eminent, heißt Vaduz (wie die Hauptstadt von Liechtenstein), ist mittelgroß so wie der alte und in einem dezenten indigoblau gehalten, so dass er auch für die Arbeit taugt. Vor allem wiegt er nur drei Kilo! Die erste Reise (nach Ungarn) hat er bereits unbeschadet überstanden.

Operation Augias – der Rasierapparat

Neues Jahr, neue Chance – insbesondere, um das eigene Leben ein wenig zu entrümpeln. Denn alles, was man noch an altem Kram mit sich schleppt, hindert einen daran, offen für Neues zu sein.

In diesem Sinne habe ich auch die Operation Augias weiter vorangetrieben. Bisher waren es 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele, Audiokassetten, Sachen aus dem Zimmer zu Hause sowie die Reste aus dem Zimmer.

Jetzt habe ich ganz unspektakulär meinen 20 Jahre alten Rasierapparat entsorgt. Eigentlich gibt es keinen Grund, sich jemals einen neuen zu kaufen – die Technik ist prinzipiell für die Ewigkeit gemacht. Aber mein guter alter Philishave 706 begann erste Ausfallerscheinungen zu zeigen. Der Rasierer funktionierte einwandfrei, aber der Stecker transportierte seit einigen Monaten nur noch dann Strom, wenn ich das Kabel anspannte und den Apparat in einem bestimmten Winkel hielt. Damit geriet jede Rasur zunehmend zu einer Akrobatiknummer. Dazu kam, dass die Klingen (Scherköpfe) etwas abgenutzt erschienen und neue waren für diese Baureihe nicht mehr erhältlich. In den letzten Jahren hatte ich zudem öfters die Erfahrung gemacht, dass ein Spiegel und eine nahe Steckdose seltener aufzufinden waren, als ich es allgemein angenommen hätte.

Es tat mir in der Seele weh, ein gutes Stück Technik, das ein findiger Bastler wahrscheinlich noch hätte reparieren können, in den Elektromüll zu geben. Aber ich hatte weder die Zeit noch die Kenntnis noch die Kontakte, um das in die Wege zu leiten, und das ganz einfache weltliche Problem, dass ich nicht mehr entweder unverhältnismäßig lange fürs Rasieren brauchen oder mehrere Tage leicht ungepflegt durch die Gegend laufen wollte. Schweren Herzens sah ich mich bereits im Oktober nach einer Alternative um.

Nun kann ich ja aus allem ein Drama machen und Rasierer sind eine Wissenschaft für sich. Nach scheinbar endlosem Vergleichem im Internet entschied ich mich für einen Akkurasierer mit beweglichem Kopf. Die bisherige Erfahrung ist absolut positiv, so dass ich endlich den alten Apparat weggeben konnte. Ein scheinbar alltäglicher Schritt, der mir aber sehr schwer gefallen ist!

Operation Augias – der Rest aus dem Zimmer

Die Operation Augias geht auch im neuen Jahr weiter. Letztes Jahr waren es 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele, Audiokassetten sowie Sachen aus dem Zimmer zu Hause.

Heute kam eine weitere Autoladung hinzu. Es war aber nicht so viel wie beim letzten Mal. Dafür war ein sperriges Weihnachtsgeschenk dabei. Damit sind praktisch alle Sachen aus Nordwalde jetzt in Münster. Verblieben sind nur ein paar Kleidungsstücke, aber die machen das Kraut nicht fett und können alle zusammen in einem Koffer transportiert werden.

Damit ist die Operation Augias gut fortgeschritten. Jetzt kann es weitergehen mit dem Durchsehen und Aussortieren.

Operation Augias: Das Zimmer zu Hause

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen – da schließt sich gewissermaßen ein Zeitfenster, um noch etwas zu machen. Ich wollte unbedingt noch einmal verreisen (was mir gelungen ist). Nach dem Winterfest musste ich jedoch erst einmal wieder ein paar Tage in Münster sein, um endlich einige Sachen zu erledigen, zum Beispiel einen Teil der Post, die sich während der ganzen Reisen angestaut hatte.

Ein wichtiger Meilenstein der Operation Augias wartete noch darauf, getan zu werden, denn er konnte nicht gut aufgeschoben werden. Bisher hatte ich es als Schritt zum Erfolg gewertet, wenn ich etwas losgeworden war: 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele sowie Audiokassetten. Inzwischen hatte ich zwar noch ein paar Kleinigkeiten zur Wiederverwendung weggegeben (ein paar Kleidungsstücke, einen Satz Brillengläser), aber noch keinen weiteren Durchbruch erzielt. Diesmal ging es stattdessen darum, was sozusagen fertig war vom dem, was blieb. Nachdem ich die neuen Regale bekommen hatte, war ein Großteil der Sachen, die ich noch in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern hatte, nach Münster gekommen. Jetzt sortierte ich die Regale in Nordwalde ein mit Comics und Büchern, die dort bleiben sollten, so dass einige Kisten leer wurden. Es gäbe sicherlich noch die eine oder andere Kleinigkeit von den anderen Sachen, die ich in meine Wohnung schaffen könnte, aber es ist nichts Weltbewegendes und man kann mein ehemaliges Zimmer jetzt endlich als Gästezimmer einsetzen. Das war das Ziel!

Operation Augias – die Computerspiele, erster Teil

Es ist mal wieder Zeit, um von einem neuen Meilenstein bei der Operation Augias zu berichten. Bisher waren es 500 Bücher, Klamotten, eine alte Brille und Papierkram von der Arbeit gewesen. Im September habe ich Kram allerlei Art aussortiert, aber letzten Freitag war es endlich soweit: Ich gab einen ganzen Koffer voll alter Computerspiele an das Computerspielemuseum in Berlin.

Ich hatte 5,25- und 3,5-Zoll-Disketten sowie CD-ROMs, Hefte, Handbücher und Originalverpackungen. In einigen Fällen waren Kaufbeleg, Poster und Kopierschutz dabei, in einem Fall bestand letzterer aus einem Stück Hardware, das an den Rechner gesteckt werden musste (sogenannte „Dongleware“). Manchmal waren es nur Demos, Playware- oder Shareware-Versionen, in den meisten Fällen handelte es sich um Vollversionen. Abgegeben habe ich das alles mit einer Inventarliste.

  • Sim City / Populous
  • Volfied
  • Space Crusade
  • Lemmings / Oh no! More Lemmings! / X-mas Demo
  • Dynablaster
  • Budokan
  • Lotus 3
  • Kaiser
  • Conspiracy
  • Star Warped
  • Rebel Assault
  • War Wind II
  • Arcade 1
  • International Ninja Rabbits
  • Chicago 90
  • Civilization Network
  • Space Quest IV
  • 15 Werbespiele
  • Free Spirit
  • Geheimprojekt DMSO
  • Splinter Cell
  • Agatha Christie: Das Böse unter der Sonne
  • Shareware-Spiele 1, 2 & Lösungen
  • Doppelkopf Professional 1.0, 2.0 und Offiziersschafkopf 1.0
  • Grand Monster Slam
  • Magic Boy
  • Verbatim-Spiel
  • Kellogg’s
  • Terminator Rampage
  • Body Blows
  • Gate World
  • Megaboulder
  • Serĉu Anĝela L.
  • Jack out of control
  • Continuum Universum
  • Electro Body
  • Blake Stone
  • Commander Keen IV
  • Catacomb Abyss
  • Doom
  • Doom Utilities
  • Tubular Worlds
  • Zipfire
  • Darkwolf
  • Ken’s Labyrinth

Zu einigen Spielen sei noch etwas erwähnt:

Sim City + Populous war die erste Spielepackung, die ich mir je gekauft habe. Ich weiß noch das Datum: 22.07.1992. (Der 22.07. hat ja sowieso eine besondere Bedeutung für mich, da konnte ich mir das leicht merken.) Ursprünglich wollte ich nur Sim City haben, dann kam Populous noch dazu und stellte sich als ebenso tolles Spiel heraus.

Serĉu Anĝela L. ist das erste Computerspiel auf Esperanto, das ich je kennengelernt habe. Größeren Erfolg sollte einige Jahre später Drilling Billy haben.

Zipfire und Darkwolf waren Vollversionen, die von John Paul D’India entwickelt worden waren. Er war als amerkanischer Austauschschüler 1993/94 ein Jahr an meiner Schule.

Ken’s Labyrinth war die erste Vollversion von einem Shareware-Spiel, die ich mir je gekauft habe. (Eigentlich handelt es sich natürlich um Playware, da der erste Teil frei gespielt werden konnte.) Ich hatte sogar noch den Briefumschlag mit einer aktualisierten Version, einem Handbuch und einem Brief von der Mutter des Programmierers Ken Silverman.

Die Mitarbeiter im Museum haben sich sehr gefreut, sahen aufmerksam die Schätze durch und waren erstaunt über die so gut erhaltenen Verpackungen. Als Dank für eine Spende erhält man übrigens einmalig freien Eintritt mit einer Begleitperson. Eine bessere Art, seinen alten Kram sinnvoll loszuwerden, kann ich mir nicht vorstellen!

Operation Augias – der Papierkram von der Arbeit

Es ist mal wieder Zeit für einen weiteren Schritt der Operation Augias geworden. Nachdem ich 500 Bücher, Klamotten und eine Brille (neben allerlei Kleinkram) losgeworden war, war es zuletzt doch ein wenig ruhig geworden. Stimmt, ich war ja auch ständig unterwegs!

Dennoch wurde ich im August noch an eine unangenehme Tatsache erinnert: Ich habe in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern noch eine Menge Krempel stehen und liegen. Zuletzt hatte ich bei meinem letzten Umzug 2010 großflächig ausgemistet (der Vorgänger der Operation Augias). Inzwischen möchte oder kann ich mich von weiteren Sachen trennen.

Dazu zählt einiges an Zeug, von dem ich jetzt eine selbst ausgewählte Autoladung voll nach Münster habe bringen lassen. Denn hier in meiner Wohnung gehen mir die Sachen (hoffentlich) so richtig auf die Nerven, so dass ich sie auch zeitnah loswerden will.

Da war etwa eine ganze Reihe von Ordnern mit Papierkram von der Arbeit. Nichts wichtiges (sonst hätte ich ihn schon beim Einzug in die Wohnung hier gehabt oder bald nachgeholt), sondern Schulungsunterlagen und Lernmaterial, das ich mal verwendet hatte. Wie das so ist bei solchem Zeug: Man weiß nie, ob man es nicht noch einmal braucht, und irgendwann stellt man fest, dass es wirklich hoffnungslos veraltet ist. Das konnte ich jetzt wirklich einwandfrei feststellen (und ich hatte ja zudem die Erfahrung, dass ich es nie vermisst hatte oder verwenden können), also ab damit in die Papiertonne. Die Ordner selbst habe ich natürlich aufgehoben, denn die kann man wiederverwenden.

Außerdem habe ich symbolisch die erste VHS-Videokassette abgegeben. Ich hatte zum Glück nie eine besonders große Sammlung, so dass da nicht allzu viel Arbeit auf mich zukommt. Terminator 2 ist ein großartiger Film, den ich zum Glück inzwischen auf DVD habe. Neben das Bücherregal des Kinos Schloßtheater habe ich die Videokassette gestellt. Das Titelbild ist vom Schaufenster von der Melchersstraße aus zu sehen!