Ostern – nicht alleine

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam sowie Selbstliebe statt Angst.

Was für ein Unterschied: Während ich letztes Jahr Ostern alleine war, konnte ich diesmal wie selbstverständlich nach Deuschland reisen. Dort habe ich:

  • gemeinsam das Ende der Fastenzeit gefeiert – und als erste Süßigkeit Schokolade aus der Ukraine genossen
  • die große Familie wiedergesehen
  • Kaffee und Kuchen genossen
  • ein ernstes Gespräch bei einem Spaziergang geführt

Was hat mir das alles gut getan! Wann habe ich zuletzt ein so unbeschwertes Osterfest erlebt? Vor fünf Jahren? Oder sogar noch früher?

Nebenbei bin ich noch vier Bücher losgeworden. Gleichzeitig habe ich fast einen Koffer voller Bücher von Nordwalde nach Hoofddorp mitgenommen. Die Operation Augias geht weiter!

Operation Augias: Der neue Schreibtischstuhl

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR, wie sich meine Reisepläne verschoben, Stress rechtzeitig zu erkennen, wie der Groove ausgerechnet in schlechter Zeit zurückkam, einen Lernerfolg am Jahresende sowie Selbstvorsorge zu üben.

Da ich noch auf absehbare Zeit von zu Hause aus arbeiten werde, ist es umso wichtiger, eine gute Ausstattung zu haben. In den letzten Monaten ist mein einst heißgeliebter „Commanderstuhl“ mehr und mehr kaputtgegangen, bis er ganz absackte und sich die Größe gar nicht mehr verstellen ließ. Klare Sache, ich brauchte etwas Neues.

Gerne hätte ich mir einen neuen Schreibtischstuhl von einem lokalen Unternehmen angesehen, aber das war in diesen Tagen nicht möglich, da sich der Ausstellungsraum nicht in Hoofddorp befindet. Immerhin wurde ich so auf die EU-Norm 1337 aufmerksam für egonomische Stühle. Letzten Endes habe ich im Internet bei IKEA gestöbert, mir zwei Modelle notiert und bin dann zur Filiale nach Haarlem gefahren.

Ich hatte ohnehin am letzten Freitag im November einen Urlaubstag genommen. Am Nachmittag war es angenehm leer. Ich fand beide Modelle sofort und stellte fest, dass mir mein erster Kandidat tatsächlich besser gefiel. Es ist ein neues Modell namens Järvfjället, entworfen von Eva Lilja Löwenhielm.

Bevor ich mir mein Exemplar aus dem Lager suchte, ging ich jedoch im IKEA-Restaurant essen. Ich konnte in aller Ruhe essen; ich musste ja nicht hetzen. Alles schmeckte irgendwie intensiver als sonst: Die Fleischklößchen, die Pommes, die Preiselbeerensoße, sogar der Broccoli!

Plötzlich überkam mich wieder ein Kippbild. Es war schon vorher nicht ohne Traurigkeit gewesen, als ich durch die Filiale ging. Was IKEA in Haarlem mal für eine Bedeutung für mich hatte – ein neues Leben aufbauen. Auch das alleine essen erzeugte gewisse Phantomschmerzen. Gerade weil es mir so gut schmeckte, kippte das Bild plötzlich: Da sitze ich als einzelner Mensch und kann mich unheimlich darüber freuen, eine Mahlzeit einzunehmen. Ich weiß etwas zu schätzen. Ich bin doch eigentlich ganz ok!

Der neue Stuhl ist übrigens eine Wucht. Was ist das angenehm, in ihm zu sitzen!

Dann blieb noch, den alten Stuhl zu entsorgen. Leider gab es Termine zum Sperrmüllabholen nur noch ganz am Ende des Jahres. Letzten Samstag habe ich mich dann mit einer Sackkarre zur Umweltstraße aufgemacht. Dieses Mal konnte ich den Großteil der Strecke mit dem Bus zurücklegen. Ohne die neuen Schuhe hätte ich mich nicht gewagt. Aber es war recht warm und regnete nicht. Eine besser Chance würde nicht kommen!

Was habe ich alles mit diesem Stuhl erlebt, wie viele Schlachten geschlagen, aber auch bittere Niederlagen erlebt! Dennoch war ich froh, ihn noch vor Ablauf des Jahres loszuwerden. Es ist wichtig, alte Kapitel abzuschließen, damit neue beginnen können.

Einen Stuhl zum Sperrmüll bringen hört sich trivial an. Ich fühlte mich direkt danach jedoch unheimlich erfüllt. Da ist ein ganz deutliches Zeichen, dass ich das Richtige getan habe – und noch viel wichtiger, etwas allein für mich, denn niemand anders profitiert davon.

Wie nach dem Entsorgen der beiden Fahrräder machte ich mich zu der speziellen Bäckerei auf, bei der ich mir bereits die beiden vorherigen Male leckere Sachen gegönnt hatte. Ich machte unterwegs meine Jacke auf. Ich fühlte die leichte Kühle am Körper. Es war so angenehm, wieder so intensiv etwas zu spüren!

Die Schinken-Käse-Croissants und der Karottenkuchen schmeckten ebenfalls unheimlich lecker. Es scheint, als ob meine Sinne mehr und mehr zurückkommen. Die lange nicht enden wollende Dunkelheit könnte in einer späten Phase sein!

Auch Wut braucht ihren Platz

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben, Jahre, die zu mir sprechen, Platz für Verletztheit sowie Lei{d|t}motive.

Am Wochenende war ich wieder in Nordwalde bei einer Familienfeier. Es tat sehr gut, all die Leute wiederzusehen. In den Tagen um dieses Wochenende ist mir eines an mir aufgefallen (diesmal auch vorher): In mir wohnt nach wie vor sehr viel Wut. Es war kein Zufall, dass ich vor einem Jahr ebenfalls nach einer Familienfeier über unbezähmbare Wut gebloggt habe. Denn all diese netten Menschen zu sehen, die Normalität von einem guten Zusammenleben, von einfach so akzeptiert zu werden, das hat mir vor Augen geführt, was für ein krankmachendes Leben ich in den letzten Jahren geführt habe und wie schlecht ich mich habe behandeln lassen. Erst, wenn man zurück in die Wärme geht, merkt man, wie kalt es vorher gewesen ist.

Ich hatte davor schon einmal über den Sinn des Zorns geschrieben und ich habe ein Jahr später auch eine neue Einstellung zur Wut. Sie ist nicht mehr eine gefährliche Kraft, die mich zu übermannen droht. Sie ist sogar ein wichtiger Bestandteil eines richtiges Lebens. Zu einem Regenbogen gehören auch die dunklen Farben, sonst ist er nicht vollständig. So ist es auch mit den Gefühlen. Nichts ist so unsicher und schädlich als nur einen Teil seiner Gefühle zulassen zu dürfen.

Das ich diese Wut endlich spüren kann, ohne dass sie plötzlich in mir hochkommt und explosionsartig ausbricht, ist ein wichtiges Signal für meine emotionale Entwicklung. Überhaupt diese Wut „einfach mal so“ spüren so können, ist ein Fortschritt.

Der erste Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, den Schmerz zuzulassen. Der zweite Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, Verletzungen anzuerkennen. Der dritte Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, der Wut ihren Platz zu geben.

Ich habe alles Recht der Welt, wütend zu sein. Jemand, dem ich vertraut habe, hat mich sehr verletzt und mir gleichzeitig mitgeteilt, dass meine Gefühle völlig unangemessen und meine Bedürfnisse eine schreckliche Last sind. Deswegen habe ich mir lange selbst nicht mehr getraut und an mir selbst gezweifelt. Was für ein Unsinn! Ich war es doch, der die ganze Zeit in Ordnung war.

Es wird sehr, sehr wichtig sein, die Wut nicht mehr wegzudrücken, sondern sie anzunehmen und aktiv mit ihr umzugehen. Dazu gehört auch, offen anderen gegenüber zu sein darüber, wie es um meine Gefühlslage bestellt ist.

Nur sieben Wochen, nachdem ich ein altes Fahrrad zur Deponie gebracht habe, habe ich auch das zweite Fahrrad weggebracht – diesmal eines, das ich selbst gekauft hatte und das damals neu gewesen war. Ein paar Idioten hatten es, als ich es am Bahnhof in Hoofddorp abgestellt hatte, soweit demoliert, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Was soll’s! Die Operation Augias geht weiter. Fürs neue Fahrrad habe ich gelernt, wo ich es sicher abstellen kann – und es kostet nicht einmal viel.

Jahre, die zu mir sprechen

„Here we stand /
Or here we fall /
History won’t care at all“
Queen: Hammer To Fall

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt sowie die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben.

Ich kann im Grunde genau da anknüpfen, wo ich letzte Woche aufgehört habe: Es ist nicht nur so, dass ich selbst auf die Vergangenheit blicke. In den letzten Wochen ist es fast, als würden einige Jahre meiner Vergangenheit zu mir sprechen. Und zwar nicht voller Zorn oder Traurigkeit – sondern gütig und ruhig und zum Teil mit Ernst und Eindringlichkeit.

2014 flüstert mir zu: „Weißt Du noch, als Du aus allem ausgebrochen bist und Du erfahren hast, dass Du ein viel besserer und liebenswerterer Mensch bist, als Du jemals von Dir dachtest? Das ist noch gar nicht so lange her. Worauf wartest Du diesmal?

2011 hat einen ernsten, aber auch feierlichen Klang in der Stimme: „Du warst geschlagen und fast am Ende, aber Du hast nicht aufgegeben. Obwohl Du keine Kraft und keine Hoffnung mehr hattest, hast Du Dich noch einmal selbst erfunden und dabei erfahren, dass Du ganz anders sein kannst, als Du bislang glaubtest. Und als Du die Chance hattest, da hast Du Dich wie ein echter Ritter verhalten. Du warst in schlechterer Lage als heute und hast Dich durch alles durchgekämpft. Wann kämpfst Du wieder für das, was zählt?

1999 ruft mir laut und rebellisch zu: „Du hättest auf Nummer Sicher gehen können, aber Du hattest verstanden, dass Du endlich einmal etwas wagen musstest. Du hast in kurzer Zeit mehr Abenteuer erlebt und mehr über das Leben und Dich selbst gelernt als in den vielen Jahren zuvor. Du hast nicht auf Veränderung gewartet, sondern sie selbst geschaffen. Was hast Du jetzt zu verlieren, um wieder Abenteuer zu suchen?

1996 spricht ganz gelassen, aber mit einer ungebrochenen Freude: „Du brauchtest keine Angst vor einer neuen Umgebung und Lebenssituation zu haben. Du gingst nicht unter. Es war noch so viel zu entdecken. Erst in der neuen Freiheit konntest zu zeigen, was wirklich in Dir steckt. Suche die Freiheit! Sie wird Deine Rettung sein.

1989 dröhnt vor Donner: „Du hattest gelernt, wie die Welt in zwei Lager geteilt war. Das war schon 40 Jahre so – warum sollte es sich jemals ändern? Doch dann brachen in wenigen Wochen alle Grenzen und Schranken zusammen, und diejenigen, die größere Träume gehabt hatten, bekamen recht. Du wolltest nie einem System dienen, das schlecht für die Menschen war. Erinnere Dich daran.

1983 spricht warm und nostalgisch: „Du warst noch ein Kind, aber die große Friedensdemonstration hat Dich auf immer geprägt. Den Friedensaktivisten war es egal, dass sie für naiv oder gefährlich gehalten wurden, denn sie taten, was sie für richtig hielten. Es ist wichtig, für Deine Prinzipien und Werte einzustehen und mit Deinem Herzen in Einklang zu leben.

Ich habe erst beim Aufschreiben gemerkt, dass mich das ein weiteres Mal an den Film Dragonheart erinnert. Ritter Bowen ist nach einer tiefen menschlichen Enttäuschung verbittert. Vieles Gute, das er lange Jahre verkörpert hat, schläft tief in ihm. Es braucht erst einige Freunde, damit er sich wieder an sich selbst erinnert.

Dragonheart – Der Kodex

Ich halte das für die wichtigste Tugend eines Ritters: Nicht alles alleine aus dem Hier und Jetzt ableiten – das ist für erbsenzählerische Krämer, die möglichst jedem Risiko aus dem Weg gehen wollen – sondern eine Vision von etwas größerem zu haben, ein Ideal, das man anstrebt.

Ich glaube, das ist es, was die Vergangenheit mir sagen will. Ich kann noch so viel mehr sein als das, was ich gerade bin. Ich möchte nicht, dass eine schwere menschliche Enttäuschung meinen weiteren Lebensweg bestimmt und wie ich auf das Leben schaue.

Ich habe im neuesten Schritt der Operation Augias einige alte USB-Sticks, die ich ohnehin nicht mehr benutze und deren Verlässlichkeit ich nicht mehr traue, durchgeguckt, neu formatiert und letztendlich 4 von 5 weggeworfen. Das war nicht immer leicht, denn auf einigen waren auch Erinnerungen an bessere Zeiten. Auch darum ist es wichtig, dass vergangene Jahre positiv zu mir sprechen.

Du kannst es spüren

„Du kannst es spüren /
Du kannst es fühlen“
– Kyau & Albert: Spüren

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen sowie was ich bin und was nicht.

Die letzten Tage waren nicht immer einfach. Es gab Phasen, da war ich sehr traurig oder einfach nur erschöpft. Das allein klingt erst einmal altbekannt.

Es gab aber auch eine neuere Entwicklung: Ich schien jeden Tag ein wenig Energie übrig zu behalten. Ich halte das für ein deutliches Zeichen, dass die Talsohle längst durchschritten ist, denn das war ein Kennzeichen in der späten Phase der letzten Krise.

Außerdem gab es mehrere aufeinanderfolgende Tage, in denen sich einzelne Puzzlestücke endlich zusammenzufügen schienen. Mein Wunsch, dass mein Leben einen Zweck haben soll, ist kein leerer Traum. Auch mein Verlangen nach Lebensumständen, die mich nicht völlig auslaugen, ist keine unrealistische Phantasie. Es kann durchaus sein, dass ich mich sehr verändern muss dafür – und das ist völlig in Ordnung.

Beim Hören von Above & Beyond – Group Therapy 445 (ABGT) stieß ich auf ein Lied, das irgendwie zu meiner Situation zu passen schien. Es klingt hoffnungsvoll, träumend, staunend… es drückt sogar ein wenig die Idee vom Groove aus und dass sich manche Dinge nicht rational erfassen lassen.

Kyau & Albert: Spüren

Heute abend habe ich einen weiteren wichtigen Schritt in der Operation Augias unternommen:
Ich habe meinen ersten Laptop, einen zwölf Jahre alten Toshiba Satellite Pro P300 – 1F1 (17 Zoll), entsorgt.

Er hat mich auf manchen Hochs und Tiefs meines Lebens begleitet. Im Sommer 2009 in Liberec während eines Unwetters hätte es ihn fast erwischt – glücklicherweise stand er weit genug vom Fenster weg, um nicht eine volle Dusche während eines heftigen Unwetters abzubekommen. Im Sommer 2011 haben ihn zwei Jungs auf einem selbstgebauten Floß über den Dnjepr in Kiew gerudert.

Die Aufkleber von Jonny M und The Heroine Whores stammen noch aus seinen ersten Jahren. Oft haben mich die Leute ein wenig belächelt dafür, so einen „Fernseher“ unterwegs dabei zu haben. Allerdings fand ich den großen Bildschirm immer sehr angenehm und durch das Metallgehäuse war er auch robust.

Im Dezember 2015 macht er das erste Mal Mucken, gab dann mehr und mehr den Geist auf, so dass ich ihn vor dem Sommer 2016 ersetzt habe. Zwischendurch benutzte ich ihn noch zum Drucken, aber später ging auch das nicht mehr, da er sich beim Einschließen eines USB-Gerätes aufhing. Heute habe ich einige letzte Fotos via Bluetooth herunterkopiert (einige schmerzvolle Erinnerungen über eine bessere Zeit in meinem Leben kamen dabei hoch), dann wurde die Platte einmal komplett übergebügelt und das alte Windows XP noch einmal frisch installiert. Mach’s gut, alter Laptop!

Jahrestage und Phantomschmerzen

Galerie

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Druck für Veränderung

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Vier Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass es normal ist, mich einsam zu fühlen, Platz für Gefühle, einen Traum vom Groove, gesunde Angst, lieben zu können sowie darüber, dass Verletzbarkeit liebenswert macht.

Heute habe ich die nächste große Veränderung angestoßen. Es wird wahrscheinlich über ein Jahr dauern, bis sie abgeschlossen ist – wenn es denn klappt.

Das hat mich noch einmal richtig Kraft gekostet. Aber damit dieser Winter, der nun schon drei Jahre dauert, endlich enden kann, muss es sein.

Ich habe in den letzten Wochen noch eines besser verstanden: Nicht „ich habe keinen Wert“ ist mein Problem. „Ich erfahre keinen Wert in meinem Alltag“ ist es. Das fasst sehr gut zusammen, was den jetzigen Winter ausgelöst hat und wie er sich anfühlt.

(Genauer werde ich es nicht schreiben. Dieses Blog ist kein Seelenstriptease.)

Eine praktische Veränderung möchte ich noch erwähnen, die Voraussetzung dafür war, eine Menge Papierkram in den letzten Wochen zu erledigen. Was ich Anfang des Jahres vorgenommen hatte, habe ich nun sehr konkret umgesetzt. Im neuesten Teil der Operation Augias habe ich mir einen neuen Drucker gekauft und den alten entsorgt.

Das alte Gerät, ein Laserdrucker Modell Brother HL-1030, war mindestens 18,5 Jahre alt und stammte noch aus meinen späten WG-Zeiten als Student. Auf ihm habe ich seinerzeit meine Diplomarbeit gedruckt!

Viele Jahre lief er gut, zuletzt wurde es jedoch immer schwieriger: Der Druck war nicht mehr sauber und nur gut für Dokumente, bei denen es auf gute Qualität nicht ankam (etwa Akkorde zum Ukulele-Spielen). Außerdem ließ er sich nicht einmal unter Windows 7 installieren – ich musste also jeweils einen Uraltrechner anschmeißen und tat das entsprechend nur, wenn es absolut notwendig war.

Ja, ich halte lange an alten Dingen fest und empfinde es als Verschwendung, ja fast schon als Verrat, sie zu ersetzen. Aber jetzt war es an der Zeit.

Der neue Drucker läuft nicht nur mit dem Laptop, sondern kann außerdem scannen, was es deutlich einfacher macht. Mach’s gut, alter Drucker! Du hast mir gut gedient.

Kurs halten

„Doch olles, wos da föhlt im Lebn,
des kannst Du Dir nua söba geb’n.“
– Erste Allgemeine Verunsicherung, I hab des G-fühl

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren sowie über Wegweiser fürs neue Jahr.

Das neue Jahr ist nun schon fast drei Wochen alt – und vorgestern war „Blue Monday“, der deprimierendste Tag des Jahres. Vielleicht liegt es daran, dass zu diesem Zeitpunkt die Routine wieder Einzug gehalten hat und die meisten Vorsätze fürs neue Jahr an der Realität zu scheitern scheinen.

New Order: Blue Monday

Auch ich hatte in den letzten Tagen eine schlechte Phase. Ein Teil meiner jüngeren Vergangenheit, mit dem ich doch eigentlich abgeschlossen hatte, schien mich nicht loszulassen.

Interessant ist, wie ich es seit gestern abend geschafft habe, die Stimmung wieder umzudrehen. Auf den ersten Blick habe ich gar nicht viel gemacht: Ein wenig Software deinstalliert und ein paar E-Mails geschrieben.

Effektiv war das aber sehr wichtig: Anstatt neue Sachen anzufangen, habe ich vorangetrieben, alte zu beenden. Das ist einer der wichtigsten Ratschläge, die ich kenne, um zu entrümpeln – auch bezogen auf das eigene Leben. Denn an neuen Impulsen und Ideen mangelt es mir sicher nicht – nur an dem Platz und der Zeit, sie auch auszuleben. Ein Prinzip, das ich aus der Arbeitswelt kenne, passt hier sehr gut: „Verschwendung vermeiden.“

Verschwendung sind Tätigkeiten, die mich zwar auslaugen, aber mir letztendlich keine Freude bereiten. Verschwendung sind auch Gegenstände, die ich zwar besitze, die ich aber nicht benutze und die höchstens Staub fangen (und Schuldgefühle erzeugen). Ganz in diesem Sinne habe ich der früher öfters in diesem Blog erwähnten Operation Augias jetzt eine eigene Seite gewidmet.

Denn ebenso wichtig wie das Festhalten an dem, was mir wichtig ist, ist auch das Loslassen dessen, das seine Zeit gehabt hat, auch wenn es manchmal traurig ist, das zu tun. Damit wieder mehr in meinem Leben passieren kann und Platz für Neues ist, muss es erst leerer werden.

Diesen Kurs halten und mich auf das wenige konzentrieren, das wirklich zählt, wird für mich entscheidend in diesem Jahr sein. Und genau dieses Gefühl, das richtige zu tun, hat meine Stimmung so magisch verbessert. Es kann niemand machen außer ich. Es wird keine bessere Zeit kommen als jetzt. Es gibt keine Zukunft, die es wert ist, dass ich für sie meine Gegenwart opfere.

Zukunftslust

Entspannt, glücklich – und immer noch neugierig auf das Leben. So fühlt sich das Leben mit 40 an.

Geburtstage mit einer „5“ oder „0“ hinten bergen immer das Risiko, dass ich melancholisch werde. Das ist diesmal ausgefallen. Es kann daran liegen, dass ich dieses Jahr bereits verschiedene Gelegenheiten hatte, zurückzublicken.

Erstens wurde am 02. Juli das 50-jährige Jubiläum meiner Schule gefeiert. Bei der Gelegenheit traf ich eine ehemalige Mitschülerin wieder, mit der ich vor 20 Jahren Abi gemacht habe. Als ich ihr erzählte, wie es mir seit dem Sommer 2014 ergangen ist, fiel mir auf: Ich bin zwar seinerzeit viel gereist, aber glücklich war ich nicht – vor der „magischen Nacht“.

Zweitens habe ich jemandem im Sommer (auf ausdrücklichen Wunsch!) mein ganzes Leben erzählt. Dabei ist mir klar geworden, wie unglaublich zäh sich mein Leben nach der Uni entwickelt hat, wie lange sich schlechte Phasen hinzogen und wie unsicher meine Lebenssituation war.

Drittens habe ich vor einigen Wochen angefangen, alte Papiere durchzusehen, die großzügig verteilt aus der Zeit meiner Jugend bis jetzt stammen. Von wenigen Unterbrechungen wie Urlaub und Partys abgesehen, war das Studium eine sehr dröge Zeit. Wie fern viele Länder, die heute in der EU sind, damals noch schienen. Wieviel schwieriger der Kontakt zum Rest der Welt fiel, als es noch kein WiFi, Google Maps, Skype, Flugtickets und Bahnfahrkarten via Internet gab. Da war eine internationale Reise tatsächlich noch umständlich statt alltäglich. Lieder musste man aufwändig suchen, statt mal eben bei Youtube zu klicken und dann die CD zu bestellen. Überhaupt war es längst nicht so leicht, etwas zu erleben.

  1. Wie mir schon mal jemand anderes sagte: Wenn man nüchtern aufs Leben zurückblickt, dann ist die meiste Zeit ist nicht besonders toll.
  2. Dazu kommt ergänzend von mir: Es ist ein ganz anderes Leben als vor einer Generation – weder die Aussichten noch die Sorgen sind auch nur ansatzweise dieselben.
  3. Die Auszeit war das Meisterstück meines Lebens. Da habe aus mir selbst heraus gehandelt und gezeigt, was in mir steckt.

„Die beste Zeit“, das waren lange Zeit einige Monate mit 23 und einige Jahre Anfang 30. „Die besten Momente“, das waren die Konzerte, in denen ich als Sänger auf der Bühne stand oder in denen ich eine Frau in meinen Armen hielt. „Die beste körperliche Verfassung“ hatte ich in dem Jahr, in dem ich zwei Ju-Jutsu-Prüfungen bestanden habe.

Aber auch in den schlechten oder entwicklungsarmen Zeiten konnte ich immer noch etwas Gutes tun: kreativ sein, etwas Neues lernen, etwas ausprobieren und aus mir rausgehen.

Früher war ich immer nostalgisch, habe vor allem auf die Kindheit die 1980er zurückgeblickt, in den Erinnerungen an die seltenen glanzvollen Momente geschwelgt. Heute bin ich mehr auf das Hier und Jetzt gerichtet: Es gibt so vieles, was ich machen kann. Genau das ist die wichtige Veränderung in meiner Einstellung.

Michael Spreng hat dafür das Wort Zukunftslust entdeckt. Auch wenn es nicht von ihm stammt, hat er dafür eine sehr gute Beschreibung gefunden:

Zukunftslust – was für ein wunderbares Wort. Es schmeckt nach Abenteuer und Lebenslust, nach Spaß und Freude, nach Risikobereitschaft und Mut. Ein Wort, das die Phantasie beflügelt.

Genau das ist es. Er hat auch eine prima Erklärung parat, warum der Begriff attraktiver ist als eine rebellische „Sturm und Drang“-Phase, die sich üblicherweise auf die Jugend beschränkt und danach unzeitgemäß wirkt:

Zukunftslust ist altersunabhängig. Noch was wissen zu wollen, noch etwas zu unternehmen, das Abenteuer, die Herausforderung zu suchen – das kann jeder. Bewusst leben und sich nicht zum Sklaven seiner Ängste zu machen.

Ein Lied, das meine eigene Stimmung wiedergibt, auch wenn ich nie auf den Text geachtet habe:

Imaad Wasif: Her Sorcery

Es stammt von einer die CD, die ich auf Imaad Wasifs Konzert am 20. April 2011 gekauft habe – eine von den guten Aktionen in einer schlechten Zeit. Der mich so packende Hauptriff besteht einfach nur aus drei Dur-Akkorden – B, F und C. Um das nachzuspielen, muss ich nur kurz nach einer Ukulele in meiner Nähe greifen – ein positives Ergebnis von dem Blogeintrag, der mein Leben veränderte.

Operation Augias – der Koffer

Manchmal ergibt es sich ganz automatisch, dass ich die Operation Augias weiterführe. Bisherige Meilensteine waren 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele, Audiokassetten, Sachen aus dem Zimmer zu Hause, die Reste aus dem Zimmer sowie der Rasierapparat.

Vor meiner nächsten Reise nach Budapest musste ein neuer Koffer her, denn mein bisheriger Trolley von Imagio war Anfang des Jahres endgültig unbrauchbar geworden. Zwar war eventuell noch Garantie auf den Koffer, aber so, wie ich ihn abgenutzt hatte, bezweifele ich, dass ich da irgendwelche Ansprüche hätte geltend machen können.

Zunächst war eine Rolle blockiert und dann immer mehr abgeschabt worden, ebenso wie ein unterer Rand des Koffers. Dann gesellte sich eine zweite Rolle dazu, so dass man ihn nur noch in einer Position ziehen konnte. Danach scheuerte eine Ecke ab. Bei einem Flug ging der obere Griff halb kaputt und riss mir auf einer Reise ganz ab. Der ausziehbare Griff blockierte, so dass ich jedesmal den Koffer öffnen und per Hand die Mechanik drücken musste, um den Griff auszufahren oder wieder hineinzuschieben. Anfang diesen Monats ging nicht einmal das mehr und ich bekam den Griff überhaupt nicht mehr hinein, so dass der Koffer, der bisher bereits sehr unpraktisch geworden war, nun überhaupt nicht mehr für eine Flugreise zu benutzen war.

So sehr ich auch an Sachen festhalte, die noch irgendwie funktionieren: Hier war nichts mehr zu machen.

Also habe ich Kataloge im Internet gewälzt und lange in drei Geschäften gesucht, bis ich endlich eine Lösung hatte, die mir gefiel. Der neue Trolley ist von Eminent, heißt Vaduz (wie die Hauptstadt von Liechtenstein), ist mittelgroß so wie der alte und in einem dezenten indigoblau gehalten, so dass er auch für die Arbeit taugt. Vor allem wiegt er nur drei Kilo! Die erste Reise (nach Ungarn) hat er bereits unbeschadet überstanden.