Der Groove des Nachts in Amsterdam

Übermorgen sind es zwei Jahre und drei Monate, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe.

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Was habe ich in den ersten drei Monaten des dritten Jahres meiner Suche erlebt? Ich habe viel getan und viel geschafft.

Ostern war ich nicht alleine. Ich erzielte einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr. Ich habe die Operations Augias fortgeführt und mich dabei unter anderem von meiner alten Lederjacke verabschiedet.

Ich habe eine neue Stelle angetreten. Um mir symbolisch zu zeigen, dass ich jederzeit ausbrechen kann, bin ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen gefahren. Doch meine Reisen führten mich diesmal deutlich weiter, einmal auf ein Wochenende in Frankfurt, danach nach Paris. Endlich ging es wieder in ein anderes Land als die Niederlande und Deutschland!

Ich habe an mir selbst gearbeitet. Ich konnte meine Angst überwinden und mich selbst lieben. Ich probierte viele Sachen aus und erkannte, dass ich kein Versager bin. Und in einer unerwarteten Gnade des Lebens erlebte ich, wie alte Wunden zu heilen begannen.

Gleich am ersten Tag des Quartals geschah etwas Wundervolles: Der Groove kehrte nach zwei Jahren zurück. Ich bemerkte ihn später besonders an einem Gebet und einem Lied.

Passenderweise hatte ich letzten Freitag ein ganz ähnliches Erlebnis: Erneut fand das Amsterdam Language Café im Café Belcampo in den Foodhallen statt. Diesmal gab es keine Salsa-Lektion, sondern jeder brachte Essen aus seinem Land mit – ich verschiedene Schokoladen, die ich eine Woche zuvor in Münster gekauft hatte.

Diesmal war ich Mitorganisator – eine Folge davon, dass es mir im April so gut gefallen hatte. Es hat mir unheimlich Spaß gemacht, so viele Leute freundlich zu begrüßen und verschiedene Sprachen zu sprechen! Danach gingen noch einige der Teilnehmer und Organisatoren in einen anderen Teil der Foodhallen. Diesmal konnte ich mitgehen und länger bleiben, denn ich war mit dem Fahrrad bis zum Flughafen gefahren und wusste, dass die ganze Nacht hindurch noch Züge dorthin fahren würden.

Zum ersten Mal seit 2,5 Jahren hatte ich die Gelegenheit zu tanzen – also nicht nur vor dem Bildschirm etwa im Rahmen der Distance Disco, sondern so wie früher. Ich hatte den Eindruck, bei 25% meiner normalen Kraft zu sein, doch die Leute waren begeistert von meiner Energie. Ich kam mir so lebendig vor wie seit 4,5 Jahren nicht mehr. So fühlt es sich an, wenn ich den Groove habe.

Man muss sich dabei vor Augen halten: Ich war noch nie bis spät in die Nacht in Amsterdam. An diesem Tag habe ich eine alte Grenze durchbrochen, die mich viel zu lange zurückgehalten hat. Davon hatte ich seit mindestens Ende 2019 geträumt – und für diesen Tag geübt, bis zum Flughafen zu radeln.

Als ich dann mit dem ÖPNV von Amsterdam nach Schiphol fahren wollte, war die beste Verbindung ein Nachtbus, der sogar ganz in der Nähe der Foodhallen losfuhr und nur etwa eine halbe Stunde brauchte. Zu meiner großen Überraschung fuhr er sogar noch weiter und hätte mich bis nach Hoofddorp bringen können. Ich kontrollierte die Fahrtzeiten: Die ganze Nacht durch alle halbe Stunde, selbst unter der Woche. Ich konnte es kaum fassen!

Als ich wieder zu Hause und ausgeschlafen war, habe ich noch einmal recherchiert: Die N97 gibt es in dieser Form seit Ende 2017. Warum war mir das vorher entgangen? Wie sie vielleicht nicht vorher in der NS-App aufgeführt?

Die ganze Idee, mit dem Fahrrad zum Flughafen und zurück zu fahren, war erst aus der Not geboren worden, ansonsten nicht sorglos am Nachtleben von Amsterdam teilnehmen zu können. Nun stellte sich heraus, dass ich das ab jetzt viel einfacher haben kann. Damit wird meine derzeitige Wohnung deutlich aufgewertet, denn das war einer ihrer wichtigsten Nachteile.

Meine Fahrradtouren bis zum Flughafen waren dennoch alles andere als umsonst: Ich habe selbst eine Lösung für eine Beschränkung gesucht. Dass ich sie nicht mehr brauche, ist umso besser.

Am Sonntag gönnte ich mir einen Besuch bei La Boutique del Caffè, eine italienische Bar nicht nur mit Espresso, sondern mit Arancini (wie auf Sizilien!) und Cannoli mit Ricotta (wie auf Sizilien!). Arancini hatte ich bestimmt seit über 20 Jahren nicht mehr gegessen. Dabei hätte ich doch längst wieder nach Sizilien reisen können. Warum habe ich mich so lange aufhalten lassen?

So endet dieses Quartal damit, dass ich den Groove gefunden habe, ohne dass ich weit weg reisen musste. Die spannende Frage für die nächsten drei Monate lautet: Wie kann ich das häufiger erreichen?