Sprachencafé und besserer Alltag

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten, die Geschichte vom Drachen, die großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress sowie wie der Groove die Angst besiegte.

Nachdem ich den Groove im Urlaub wiedergefunden habe, treibt mich die Frage um, wie ich ihn im Alltag leichter erleben kann. Bis jetzt ist mir dazu eingefallen, kreativ zu sein, Dinge zu wagen – und mich mit Leuten zu umgeben, die mir gut tun.

Am Freitag gab es wieder eine größere Veranstaltungen des Amsterdam Language Café, bei der man alle Sprachen sprechen und üben konnte, die man wollte.

Das letzte Mal war bereits großartig gewesen. Nun war wieder – wie im April beim ersten Café seit zwei Jahren – eine kostenlose Salsa-Lektion. Ich hatte im Urlaub noch eine Bekräftigung meiner Idee bekommen, endlich einen Tanzkurs zu wagen. Diesmal verzichtete ich jedoch dankend, denn ich war Helfer auf der Veranstaltung und begrüßte die Leute. Das machte unglaublich Spaß, Dutzende unbekannte Gesichter zu sehen. Ich hatte es von der Arbeit nicht mehr nach Hause geschafft und war daher in Hemd und Krawatte da – und bekam für die Krawatte ein Kompliment!

In der internationalen Runde mit so vielen verschiedenen Sprachen fühlte ich mich wie zu Hause. Auch das „nicht einfach konsumieren, sondern selbst etwas schaffen“ machte mich sehr glücklich.

Das ist ein sehr wichtiger Schritt, um den Alltag zu verbessern. Gleichzeitig sind noch einige Urlaubstage übrig. Daher habe ich heute für mehrere Termine später im Jahr Urlaub eingereicht. Das war auch ein symbolischer Akt, denn an so etwas habe ich vor fast einem Jahr meine Selbstvernachlässigung erkannt. Zeit, aktiv gegenzusteuern und mich selbst zu achten.

Der Groove besiegt die Angst

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten, die Geschichte vom Drachen sowie die großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress.

Angeregt durch ein Gespräch im Urlaub und meine Überzeugung „ich möchte mein Leben zurück“ habe ich mich gestern abend erneut auf eine Speeddating-Veranstaltung eingelassen. Die Hemmschwelle, das noch einmal zu machen, war deutlich geringer als beim ersten Mal. Diesmal war ich nicht nervös – nur kurz vorher überrascht von der eigenen Courage.

Ich hatte mir ein paar Sachen vom letzten Mal gemerkt: Lieber die Papierversion statt die digitale Matchkarte nehmen, weil das deutlich einfacher ist, um Notizen zu machen; den eigenen Namen aufschreiben, weil Namen immer schwer verstanden werden und in diesem Kontext genau sein müssen; auf Google Maps zeigen, wo aus Deutschland meine Familie herkommt, weil das Thema werden kann; und zur Not Google Translate Deutsch – Niederländisch für einzelne Wörter. Letzteres habe ich am Ende nicht gebraucht. Es gelang mir mühelos, zwischen Niederländisch und Englisch umzuschalten und die Gespräche zu führen. Alle drei anderen Ideen erwiesen sich als goldrichtig.

Ich habe es sehr genossen, neue Frauen kennenzulernen und mich jeweils ganz auf eine Person konzentrieren zu können. Es fiel mir diesmal deutlich einfacher, ins Gespräch zu kommen. Die neue Stelle macht einen großen Unterschied. Softwareentwickler scheint viele abzuschrecken. Ich glaube, dass auch hinzukommt, dass ich mit dem beruflichen Wechsel mein Leben selbst in die Hand genommen habe. Auch meine kreativen Hobbys weckten einige positive Reaktionen. Ich habe offensichtlich nicht nur Arbeit im Kopf und mache interessante Dinge in meinem Leben. Ich bekam sogar mehrmals Komplimente für meine Kleidung (meine Krawatte!). Am wichtigsten war mir, dass ich bei Themen, die mir wichtig waren, Leidenschaft ausstrahlte und das bei vielen Frauen auch ein Stück zurückstrahlte.

Überhaupt hatte ich dieses Mal bessere Gespräche: Themen, die mehrmals vorkamen, waren persönliches Wachtstum; arbeiten, um zu leben – nicht umgekehrt; sowie Dinge zu wagen und absichtlich Situationen suchen, die anfangs ein wenig einschüchtern können.

Interessant war auch, wie viele Frauen erwähnten, dass sie ein wenig nervös waren und die Situation – auf viele unbekannte Männer treffen und dann im Zwiegespräch mit ihnen zu sein – sehr ungewohnt. Mehrere sagten auch, dass sie müde von Flirt-Apps und endlosem Klicken sind. Das tat gut zu hören!

Ich meine, dass es diesmal mehr „Treffer“ von meiner Seite aus gab. Dennoch war mir das Endergebnis egal. Es ging um das Prinzip. Die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg war gering, aber größer, als wenn ich zu Hause geblieben wäre. Ich konnte nur gewinnen, weil ich überhaupt etwas gewagt habe.

Am Ende des Abends war ich zufrieden und tiefenentspannt. Das ist doch ein erstaunlicher Wandel von „Flirten als lästige Pflicht zu empfinden und dabei verkrampft und genervt zu sein“ hin zu „ich suche die Herausforderung und bin gespannt“.

Ich glaube, ich weiß, was anders war: Ich dachte nicht, mich „beweisen“ oder „anpreisen“ oder Bestätigung bekommen zu müssen. Ich bin nicht angetreten in der Überzeugung, dass irgendetwas funktionieren oder erfolgreich sein „muss“. Ich mochte mich selbst und war mutig genug, mich zu zeigen, wie ich bin. Und was die Damen an mir mochten, das war ich selbst.

Wenn ich ich selbst bin, fühle ich mich unbesiegbar. Das ist der Groove. Mit ihm habe ich im Alltag über meine größte Angst gewonnen. Es war entscheidend, mich in eine Situation zu begeben, vor der ich früher Angst hatte. Da wo die Angst ist, steckt die beste Gelegenheit auf persönliches Wachstum. So möchte ich weitermachen!

Der Groove des Nachts in Amsterdam

Übermorgen sind es zwei Jahre und drei Monate, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Was habe ich in den ersten drei Monaten des dritten Jahres meiner Suche erlebt? Ich habe viel getan und viel geschafft.

Ostern war ich nicht alleine. Ich erzielte einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr. Ich habe die Operations Augias fortgeführt und mich dabei unter anderem von meiner alten Lederjacke verabschiedet.

Ich habe eine neue Stelle angetreten. Um mir symbolisch zu zeigen, dass ich jederzeit ausbrechen kann, bin ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen gefahren. Doch meine Reisen führten mich diesmal deutlich weiter, einmal auf ein Wochenende in Frankfurt, danach nach Paris. Endlich ging es wieder in ein anderes Land als die Niederlande und Deutschland!

Ich habe an mir selbst gearbeitet. Ich konnte meine Angst überwinden und mich selbst lieben. Ich probierte viele Sachen aus und erkannte, dass ich kein Versager bin. Und in einer unerwarteten Gnade des Lebens erlebte ich, wie alte Wunden zu heilen begannen.

Gleich am ersten Tag des Quartals geschah etwas Wundervolles: Der Groove kehrte nach zwei Jahren zurück. Ich bemerkte ihn später besonders an einem Gebet und einem Lied.

Passenderweise hatte ich letzten Freitag ein ganz ähnliches Erlebnis: Erneut fand das Amsterdam Language Café im Café Belcampo in den Foodhallen statt. Diesmal gab es keine Salsa-Lektion, sondern jeder brachte Essen aus seinem Land mit – ich verschiedene Schokoladen, die ich eine Woche zuvor in Münster gekauft hatte.

Diesmal war ich Mitorganisator – eine Folge davon, dass es mir im April so gut gefallen hatte. Es hat mir unheimlich Spaß gemacht, so viele Leute freundlich zu begrüßen und verschiedene Sprachen zu sprechen! Danach gingen noch einige der Teilnehmer und Organisatoren in einen anderen Teil der Foodhallen. Diesmal konnte ich mitgehen und länger bleiben, denn ich war mit dem Fahrrad bis zum Flughafen gefahren und wusste, dass die ganze Nacht hindurch noch Züge dorthin fahren würden.

Zum ersten Mal seit 2,5 Jahren hatte ich die Gelegenheit zu tanzen – also nicht nur vor dem Bildschirm etwa im Rahmen der Distance Disco, sondern so wie früher. Ich hatte den Eindruck, bei 25% meiner normalen Kraft zu sein, doch die Leute waren begeistert von meiner Energie. Ich kam mir so lebendig vor wie seit 4,5 Jahren nicht mehr. So fühlt es sich an, wenn ich den Groove habe.

Man muss sich dabei vor Augen halten: Ich war noch nie bis spät in die Nacht in Amsterdam. An diesem Tag habe ich eine alte Grenze durchbrochen, die mich viel zu lange zurückgehalten hat. Davon hatte ich seit mindestens Ende 2019 geträumt – und für diesen Tag geübt, bis zum Flughafen zu radeln.

Als ich dann mit dem ÖPNV von Amsterdam nach Schiphol fahren wollte, war die beste Verbindung ein Nachtbus, der sogar ganz in der Nähe der Foodhallen losfuhr und nur etwa eine halbe Stunde brauchte. Zu meiner großen Überraschung fuhr er sogar noch weiter und hätte mich bis nach Hoofddorp bringen können. Ich kontrollierte die Fahrtzeiten: Die ganze Nacht durch alle halbe Stunde, selbst unter der Woche. Ich konnte es kaum fassen!

Als ich wieder zu Hause und ausgeschlafen war, habe ich noch einmal recherchiert: Die N97 gibt es in dieser Form seit Ende 2017. Warum war mir das vorher entgangen? Wie sie vielleicht nicht vorher in der NS-App aufgeführt?

Die ganze Idee, mit dem Fahrrad zum Flughafen und zurück zu fahren, war erst aus der Not geboren worden, ansonsten nicht sorglos am Nachtleben von Amsterdam teilnehmen zu können. Nun stellte sich heraus, dass ich das ab jetzt viel einfacher haben kann. Damit wird meine derzeitige Wohnung deutlich aufgewertet, denn das war einer ihrer wichtigsten Nachteile.

Meine Fahrradtouren bis zum Flughafen waren dennoch alles andere als umsonst: Ich habe selbst eine Lösung für eine Beschränkung gesucht. Dass ich sie nicht mehr brauche, ist umso besser.

Am Sonntag gönnte ich mir einen Besuch bei La Boutique del Caffè, eine italienische Bar nicht nur mit Espresso, sondern mit Arancini (wie auf Sizilien!) und Cannoli mit Ricotta (wie auf Sizilien!). Arancini hatte ich bestimmt seit über 20 Jahren nicht mehr gegessen. Dabei hätte ich doch längst wieder nach Sizilien reisen können. Warum habe ich mich so lange aufhalten lassen?

So endet dieses Quartal damit, dass ich den Groove gefunden habe, ohne dass ich weit weg reisen musste. Die spannende Frage für die nächsten drei Monate lautet: Wie kann ich das häufiger erreichen?

Kein Versager

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt, meinen Aufenthalt in Paris, wie ich mich von meiner alten Lederjacke verabschiedete, wie ich den Groove an einem Gebet und einem Lied bemerkte sowie die Kunst mich selbst zu lieben.

Ich habe – ermutigt durch die Erfahrungen in diesem Quartal – einen Schritt getan, den ich noch vor kurzem rigoros ausgeschlossen hätte. Ich war bei einem Speeddating-Abend.
Mein Bild von Speeddating war bisher im wesentlichen „schrecklich“.

Speeddating bei Dr. House

Wie konnte es dazu kommen, dass ich meine Meinung geändert habe? Nichts in meinem bisherigen Leben hätte darauf hingedeutet.

Flirten halte ich für ein leidiges Thema. Ich habe das nie besonders gerne gemacht, aber leider muss es sein, sonst bleibe ich alleine. Ich mag keine Aufreißer-Discos, keine Flirtportale, keine Spruchduelle. Ich fand das alles immer extrem erzwungen und auch erniedrigend, mich quasi selbst so anbieten zu müssen und mich zum Affen zu machen.

Es gibt Dinge, die mich so unglaublich traurig und wütend machen wie Fotos von Hochzeiten und Überschriften wie „Es kommt eine Zeit für jeden„. Der Artikel hat jedoch einen sehr guten Punkt: Singles, die nicht alleine bleiben wollen, sollten bei allen ihren täglichen Aktivitäten und Interaktionen messen, ob diese – egal wie unwahrscheinlich – zu einer Beziehung führen können. „Zu Hause sitzen und keine neuen Leute kennenlernen“ hat offensichtlich eine Wahrscheinlichkeit von 0.

Ich weiß, dass mein jetziger Lebensstil mit all seinen Facetten mich nicht glücklich gemacht hat. Wenn mein Leben wie bisher sowieso nicht funktioniert hat, habe ich fast nichts mehr zu verlieren. Daher habe ich mir vorgenommen, alle möglichen kleineren Experimente durchzuführen und jeweils nach kurzer Zeit zu messen, wie es wahr.

Seit April habe ich in so vielen sozialen Situationen erlebt, wie ich doch offensichtlich ein ganz anständiger Kerl bin, der auch Leute unterhalten kann. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass ich in direkter Interaktion wesentlich sympathischer rüberkomme als es ein noch so guter Steckbrief ausdrücken könnte.

Als ich von einem Speeddating-Angebot für meine Altersklasse in Amsterdam las, habe ich noch eine Nacht drüber geschlafen und mich dann tatsächlich angemeldet. Natürlich hatte ich viele Bedenken: Bin ich als Ausländer nicht deutlich weniger attraktiv, weil ich die Landessprache nicht so gut wie die meisten Einheimischen beherrsche? Bin ich nicht relativ schlecht im Vergleich zur Auswahl der Männer?

Ich las dann jedoch noch drei goldene Tipps, insbesondere dass so ein Abend vor allem ein soziales Ereignis ist, bei dem man mit vielen verschiedenen Menschen ins Gespräch kommt. Das hat mir ja sehr gefehlt! Und vor allem konnte ich mit dieser Idee meine Ängste und Zweifel, aber vor allem den Druck ablegen.

Ich hatte mir noch einen Haarschnitt verpassen lassen, den ich sehr mag, und mich wieder glatt rasiert. So gefalle ich mir selbst! Ich ging daher, was mich anging, recht entspannt zu dem Abend und mit einer gewissen Ergebnisindifferenz.

Und was soll ich sagen? Das war genau richtig! Ich habe mit den meisten der Damen ein paar schöne Kurzgespräche geführt und konnte mich in vielen Fällen als Unterhalter und Zuhörer einbringen. Und vor allem war ich ich selbst!

Auch vor der Konkurrenz hatte ich nicht den Eindruck, mich verstecken zu müssen. Ich bin zwar kein Unterwäschemodell (das sind die wenigsten), aber auch weit entfernt davon, mit Quasimodo verwechselt zu werden.

Es waren sogar erstaunlicherweise viele Ausländerinnen dabei. Meine Befürchtungen über die Sprachbarriere waren also unbegründet, auch wenn ich noch ein wenig einfacher auf Englisch als auf Niederländisch einen Plausch führen kann und ich Flirten für das allerschwierigste überhaupt innerhalb von Sprachkenntnissen halte. (Ich habe Kommunalwahlen und Arztbesuche auf Niederländisch hinter mich gebracht…)

Interessanterweise war mir fast egal, ob sich nach dem Abend etwas ergeben würde (hat sich nicht, sonst würde ich das hier nicht so offen schreiben). Ich empfand den Abend an sich als Erfolg und habe schon richtig Lust auf das nächste Mal.

Mit anderen Worten: Es war alles völlig anders, als ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich bin völlig anders, als ich mich selbst immer gesehen habe.

Die Speeddating-Erfahrung in einem Satz zusammengefasst lautet: Ich bin ja gar kein Versager!

Ich habe eine Sache fundamental richtig gemacht: Ich bin dahin gegangen, wo die Angst war, und bin über meinen eigenen Schatten gesprungen.

Ich werte das als wichtigen Hinweis darauf, dass ich bisherige Glaubenssätze in Frage stellen sollte, indem ich experimentiere. Keine Hölle ist so vermeidbar wie die, die man sich in seinem eigenen Kopf errichtet.

Eine Sache habe ich außerdem gelernt: Manche fragten danach, wo ich wohne (innerhalb Amsterdams gilt Hoofddorp als langweilig) und wie häufig ich nach Deutschland reise, um Freunde und Familie zu sehen. Es ist durchaus möglich, dass ich gut genug bin, aber nicht in der richtigen Umgebung, um erfolgreich zu sein. Auch das ist ein wichtiger Hinweis für die Zukunft. Weil ich offen und interkulturell einigermaßen kompetent bin, kann ich vielleicht in mehr Kontexten Erfolg haben kann als andere. Das heißt aber nicht, dass ich überall Erfolg haben werde oder in einer gegebenen Umgebung Erfolg haben kann. Eine spannende These, die es für die nahe Zukunft noch weiter zu untersuchen gilt!

Amsterdam – Frankfurt – Paris

Galerie

Diese Galerie enthält 14 Fotos.

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen: Q2/2020 / Q3/2020 / Q4/2020 / Q1/2021 Q2/2021 / Q3/2021 / Q4/2021 / Q1/2022 Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der … Weiterlesen

Verőce

Eine Woche zuvor war ich zuletzt in Budapest gewesen. Vergangenes Wochenende ging es wieder hin. Diesmal wurde die Reise jedoch ein echtes Abenteuer. Morgens in Amsterdam fiel während der Arbeit plötzlich der Strom aus. Wie sich langsam herausstellte, war nicht nur das Gebäude betroffen, sondern die gesamte Stadt und sogar die Umgebung. Wie ich später erfahren sollte, war in etwa einem Viertel der Niederlande der Strom weg!

Dadurch fuhren auch keine Züge zum Flughafen. Zur Not hätte ich die letzten Kilometer dorthin noch zu Fuß gehen können, aber zum Glück konnte mich eine Kollegin hinfahren. Der Flieger hatte dann jedoch mehr als 1,5 Stunden Verspätung, weil die Besatzung nicht rechtzeitig aus Paris eingetroffen war. Auch das war eine Folge des Stromausfalls, denn die Maschine aus dem Flughafen Charles de Gaulle durfte eine Zeit lang nicht nach Schipohl fliegen.

Am Ende schaffte ich es doch noch nach Budapest. Nachdem ich einige Monate zuvor von dort aus zweimal nach Norden gefahren und einmal Esztergom, einmal Vác besucht hatte, ging es diesmal nach Verőce. Es war ein kleines Esperantotreffen am Wochenende, von dessen Existenz ich schon seit Jahren wusste, das ich bisher jedoch nie in meinem Terminkalender hatte unterbringen können.

Eigentlich hätte es das letzte freie Wochenende in meinem Jahr Auszeit werden sollen. Aufgrund der Planänderung wurde es nun ein Mini-Urlaub in Esperantujo nach fast genau zwei Monaten Arbeit.

Es hat schon sehr viel Freude gemacht, all die Leute wiederzusehen. Auch zum Ukulelespielen und unterrichten bin ich gekommen!

Zusammen mit einem Freund saß ich am Sonntag vormittag im Café. Er meinte, dass ich jetzt im besten Alter sei: Ich sei immer noch relativ jung, habe aber schon Erfahrung und Geld. Da war viel wahres dran. Ich empfinde es als besonders toll, problemlos mit Leuten Zeit zu verbringen, die 20 Jahre älter oder jünger sein können. Das ist ein großer Reichtum des Lebens!

Der Flieger zurück hatte wegen starken Windes 2 Stunden Verspätung. Den Großteil davon verbrachte ich wartend im Flugzeug. Zum Glück hatte ich noch genügend Lesestoff dabei! Ein weiteres Mal fiel mir auf, wie gutgelaunt und ruhig die Niederländer bei solchen Gelegenheiten blieben. Das kann man sich nur zum Vorbild nehmen!

Feierabendfeier

Nachdem ich einen Monat lang nicht in meiner Wohnung gewesen war und festgestellt hatte, dass ich nicht viel vermisst hatte, habe ich am Freitag darauf umgesetzt, was ich schon vier Wochen zuvor vorgehabt hatte: Nach der Arbeit gibt es ab und zu ein gemütliches Beisammensein und ich war endlich einmal dabei. Es ist sehr schön, in internationaler Runde mit Leuten zu plaudern. Sogar die paar Brocken Katalanisch, die vom Urlaub in Barcelona übrig waren, konnte ich anwenden! Und für einige Leute habe ich noch ein wenig Ukulele gespielt, was ebenfalls gut ankam. Ich war dann zwar erst nach 23 Uhr wieder in Münster, aber das war die Erfahrung auch wert. Diesmal habe ich mich wieder mit Freunden getroffen, die ich seitdem ich in Amsterdam arbeite nicht mehr gesehen hatte, was ein guter Grund war, nach Hause zu kommen.

Göd Gave Rock and Roll to You

Ich hatte gestern bereits erwähnt, dass ich inzwischen wieder auf Reisen war, und das, obwohl ich wieder arbeite. Das ist echter Luxus: Von Amsterdam aus in ein anderes Land fliegen, also für mich vom Ausland ins Ausland, und dabei von Hoofddorp aus nur wenige Minuten mit dem Zug zum Flughafen zu benötigen.

Meine Serie, mindestens einmal im Monat nach Budapest zu reisen, hielt an, und so kam ich wie zuletzt im Januar (auf die anderen Monate spare ich mir diesmal die Hinweise) nach Göd. Da der Flug frühnachmittags war, kam ich zu einer besseren Zeit als sonst an, als es draußen noch hell war.

Da es „nur“ ein Wochenende war, habe ich mich vor allem ausgeruht und fast keinen Computerkram gemacht (bis auf ein wenig Niederländisch lernen). Dafür gab’s wie immer leckeres Essen und den obligatorischen Spaziergang, der etwas länger ausfiel, weil ich mich in der Woche zu wenig bewege – die Kehrseite der kurzen Wege.

Es war für mich ein wenig unwirklich: Eben war ich noch mitten im Arbeitsalltag, jetzt an einem Ort, der mir in den letzten Monaten soviel Freude bereitet hat und der zu einer weiteren Heimat (neben Deutschland und Italien) geworden ist.

Als Bonus erlebte ich am Sonntag noch, wie ich im Flughafen zunächst Ungarisch sprach (und damit gut ankam) und dann im Flugzeug und bei der Ankunft Niederländisch (und damit gut ankam). Ist es nicht herrlich, etwas lernen zu dürfen und damit auch noch andere Menschen glücklich zu machen?

Am Samstag wurde anlässlich des internationalen Tages der Muttersprache ein Video veröffentlicht, in dem unter anderem ich auftauche. Untertitel sind in zahlreichen Sprachen verfügbar!

Esperanto-Muttersprachler

Die Aufnahmen mit mir stammen aus dem Januar und wurden in der Nähe von Sopron gefilmt. Ich hätte allerdings nicht meine Digitalkamera zur Verfügung stellen sollen, sondern auf das Angebot eines wohl recht aktuellen Smartphones zurückgreifen sollen, dann hätte es eine bessere Auflösung gegeben. Das Lied aus dem Video ist übrigens von Éric Languillat, einem Künstler, der elektronische Popmusik auf Esperanto macht und den ich sehr schätze.

Inicialoj DC (i.d.c.): La fina venk‘

Am Sonntag in Amsterdam

Vor einer Woche war ich am Wochenende in Amsterdam geblieben und hatte am Samstag einen schönen Spaziergang gemacht und dabei zwei Plattenläden besucht. Über den Internetauftritt und die Schaufenster des Concerto bin ich auf ein Konzert aufmerksam geworden, das dort am Sonntag stattfinden sollte – sogar mit freiem Eintritt!

Janne Schra wüde ihr neues Album „Ponzo“ vorstellen. Da man via Internet ins Album hereinhören kann, konnte ich mir gleich einen eigenen Eindruck von der Musik verschaffen. Gleich das erste Stück „Ship“ überzeugte mich (ein Ausschnitt zwischen 0:06 und 0:22).

Der Laden war rappelvoll, so dass ich nur noch in der Nähe der Bar einen Stehplatz bekam und nichts von der Band sah. Das machte aber nichts, denn so konnte ich mir schön Kaffee und Kuchen bestellen und zwischen all den gut angezogenen und freundlich dreinblickenden Leuten die Musik genießen. Ich bin ehrlich gesagt immer noch erstaunt, wieviel bereitwilliger die Niederländer zu lächeln scheinen – oder ist das nur mir gegenüber?

Jedenfalls kaufte ich mir nach dem Konzert das Album, holte mir ein Autogramm und machte noch Fotos. Zu Hause stellte ich dann fest, dass eines der Lieder mit Ukulele eingespielt wurde. Vor der Ukulele gibt es kein Entkommen mehr. Inzwischen finde ich solche Sachen schon, ohne es darauf anzulegen. Angenehmerweise sind auch die Akkorde der Lieder im CD-Begleitheft – das lobe ich mir!

Janne Schra: Everything I Do Ooh Ooh

Ich nutzte die Zeit nach dem Konzert, um noch ein weniger weiter in dem Laden zu stöbern, der ja streng genommen aus vier zusammenhängenden Geschäft besteht. Ich guckte im Vorbeigehen auf einige neue CDs, die man probehören konnte, und was sehe ich? Ein Album namens „Esperanto Slang“ von Captain Planet! Das erste Stück „Enter the Esperanto“ hat es mir so angetan, dass ich weiter reinhörte.

Captain Planet: Enter the Esperanto

Das andere Lied, das mir spontan zusagte, heißt „Perdido en el exceso“. Es erinnert mich ein wenig an Manu Chao und pass wahrscheinlich gut in mein Repertoire als DJ.

Captain Planet: Perdido En El Exceso (featuring Paco Mendoza)

Und als ob das nicht genug wäre, stieß ich beim Stöbern noch auf eine CD von Khaled. Dessen Musik hatte ja zuletzt wieder Lust auf Reisen gemacht.

Tatsächlich war ich am Wochenende darauf wieder unterwegs. Ich bin direkt nach der Arbeit in den Flieger und weg. Davon schreibe ich ein anderes Mal.

Am Samstag in Amsterdam

Am Wochenende war ich in Amsterdam und darüber möchte ich – wie angekündigt – jetzt berichten. Vorrangig habe ich mich ausgeruht, schließlich hatte ich eine Arbeitswoche hinter mir. Viel geknippst habe ich am Samstag auch nicht, denn das Wetter war einfach nicht schön genug. Aber für einen Spaziergang hat es allemal gereicht.

Anstatt mir eine größere Dosis Kultur in Form eines Museums zu geben, bin ich dem Tipp eines Bekannten gefolgt und habe einen größeren Plattenladen namens Concerto aufgesucht. Das sind eigentlich sogar vier Läden direkt nebeneinander inklusive Café. Hier freute ich mich, ausnahmsweise keinen Rucksack dabeizuhaben, denn an einigen Stellen war es doch recht eng aufgrund der vielen Kunden. Der Laden ist groß genug, um einen mehrere Tage lang beschäftigt zu halten – „schlimmer“ noch als damals in Stockholm. Auch wenn meine letzte größere CD-Einkaufaktion schön mehr als ein halbes Jahr her ist, habe ich nicht massenhaft zugeschlagen. Ich war einfach nicht gut vorbereitet mit einer Liste dessen, was ich suche. Außerdem komme ich kaum zum Hören.

Zugeschlagen habe ich dafür vorher bei einem anderen Laden namens Second Life Music, der etwas weiter weg vom Touristengetümmel liegt. Ich habe gar nicht alles systematisch durchgesehen, sondern nur punktuell gestöbert, aber eine CD erregte meine Aufmerksamkeit, weil man ihren Titel gut lesbar auch auf der oberen schmalen Seite lesen konnte: „Theatre Is Evil“ von Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra. Nun hatte ich dieses Album bereits im Sommer für meine Arbeit als DJ – schließlich kann man es
kostenlos herunterladen – aber diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, um ein Original zu erstehen. Zum einen gefällt mir das Prinzip, das Album auch kostenlos anzubieten, zum anderen ist es eine gute Idee, seine CDs auch so beschriften, dass Käufer beim Wühlen sie leicht lesen können.

Der Verkäufer fragte sogar, was das denn für ein Musikstil sei. Ich war knackenstolz, bereits ein einfaches Gespräch auf Niederländisch führen zu können, und beschrieb das Album als „ein wenig härter, aber Pop, für junge Mädchen“. Die Illustrationen im Inneren der CD-Hülle (unter anderem ein Bild von einer nackten Frau sowie ein Foto von Amanda Palmer mit Graffiti auf dem Körper) weckten dann doch Erstaunen.

Am Sonntag war ich ebenfalls unterwegs. Darüber schreibe ich später.