Schlaflos und nicht in Seattle

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Elf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über den leichtbeschwingten Jahreswechsel gebloggt sowie Achtsamkeit im neuen Jahr.

Was für eine Woche: Am Freitag war ich in Nordwalde, um meine Familie (sogar im erweiterten Kreis) zu sehen, am Samstag in Amsterdam bei einem italienischen Abendessen, in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf einer Internetveranstaltung, die von Neuseeland aus organisiert wurde, und am Montagabend auf einer virtuellen Esperantorunde, wo noch einmal über Silvester geredet wurde. Gleichzeitig habe ich seit über einer Woche so schlecht geschlafen wie schon lange nicht mehr.

Bei dem Treffen mit der Familie hatte ich wie seit Jahren nicht mehr das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Das stellt noch mehr in Frage, womit ich meine Zeit verbringe und wofür ich meine Energie aufwende. Unsere Zeit ist begrenzt.

Mein persönliches Kanban-Brett habe ich nur dafür genutzt, einfach gar nichts Neues anzufangen, sondern zu versuchen, alte und bereits angefangene Dinge (die erst gar nicht auf dem Brett gelandet sind) zu beenden. Wenn das der Effekt ist, dann kann ich schon gut zufrieden sein, denn normalerweise ist mein Problem, dass ich zu zu vielen Vorschlägen „ja“ sage. Was ich bisher gelernt habe: Es ist viel weniger an einem Tag möglich als ich dachte. Das ist gut, um kein schlechtes Gewissen zu haben oder zu denken, dass ich „faul“ bin. Gleichzeitig habe ich Angst davor, wie lange es dauern wird, bis ich die nächste große positive Veränderung in meinem Leben sehe. Denn eines wurde mir den letzten Wochen noch einmal deutlich vor Augen geführt: Veränderung ist möglich. Viele Leute haben sich erfolgreich verändert. Es gibt keine Ausrede dafür, zu verharren. Ich bin alleine für mich verantwortlich.

Am Samstag war ich zu Gast bei dem italienischen Paar, mit dem ich schon mehrmals stundenlang Italienisch gesprochen hatte und von deren Begegnungen ich immer wieder gute Anstöße mitgenommen hatte. Wir trafen uns Mitte Januar, nachdem wir einen Monat vorher ausgemacht hatten, genau das im neuen Jahr zu machen. Es tat sehr gut, diese Pläne tatsächlich umgesetzt und nicht vor sich hergeschoben oder vergessen zu haben! Als Hauptgericht gab es Risotto und als Nachtisch Schokosalami, die ich schon seit Juni kannte und von der ich diesmal deutlich mehr erwischte. An diesem Abend war ich wieder jemand, der ich vor langer Zeit gewesen war: Ein ganz anderer Mensch. Ruhig, zuversichtlich, staunend, fröhlich. Es war natürlich ausgelöst durch die netten Leute, das gute Essen, die nichtalltägliche Situation, Italienisch zu sprechen. Das löste die Erinnerung an Italien aus und auch an meine Vergangenheit in Catania. Beachtlich, dass ich nicht sentimental oder traurig wurde, und dass ich mich dieser Magie des Momentes so hingeben konnte!

Was hat es dann mit dem schlechten Schlaf auf sich – abgesehen davon, dass ich für die Veranstaltung nach neuseeländischer Zeit bis 4 Uhr morgens wachblieb, um mit jemandem zu reden, den ich im Sommer kennengelernt hatte?

Ich glaube, dass all diese Eindrücke der letzten Zeit mich noch einmal nachdrücklich daran erinnert haben, dass ich mich verändern will, auch wenn das einige schwierige und vielleicht schmerzhafte Entscheidungen kosten wird. Dass mir meine Psyche ein so deutliches Signal sendet, ist gut: Ich unterdrücke das nicht etwa über längere Zeit, sondern werde mir dessen zeitnah bewusst. Das ist für Januar sogar eine sehr gute Sache – anstatt wieder im Alltag unterzugehen.

Mit Schlafproblemen hatte ich schon früher in meinem Leben zu schaffen. Warum bin ich diesmal nicht so besorgt?

  • Ich gerate nicht in eine Panik- und Abwärtsspirale à la „ich schlafe schlecht“ – „ich bin nervös“ – „ich schlafe noch schlechter, weil ich so nervös bin“ – „ich bin erst recht mit den Nerven fertig“ usw.
  • Ich verstehe, warum ich schlecht schlafe, und werde darüber ganz ruhig.
  • Ich kann mich trotz allem hinreichend konzentrieren und bekomme Dinge erledigt.
  • Ich bin zufrieden mit meinen letzten Entscheidungen und bin davon überzeugt, das richtige getan zu haben.
  • Ich sitze nicht wie gelähmt rum, sondern komme zumindest in kleinen Schritten voran.
  • Ich habe etwas für mich selbst getan und war kreativ.

Tocotronic: Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk

Der schwierige Fokus auf mich selbst

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal, wie ich endlich wieder gesund wurde, ein Wochenende in Aventurien, wie ich Mut zum Wachstum aufbrachte, wie ich begann, mich meiner größten Angst zu stellen sowie wie ich gegen meine Angst und die Wahrscheinlichkeit handelte, ein Wochenende in mit Freunden.

Das Wochenende in Deutschland hatte mich durchaus nachdenklich zurückgelassen. Ich hatte erlebt, wieviel Energie ich in der richtigen Umgebung hatte. Wie könnte ich das öfters erleben? Einfachstes Mittel: Mich mit Freunden in Amsterdam treffen! Erneut lockte La Boutique del Caffè, und ein weiteres Mal wurden es drei Stunden ganz auf Italienisch!

Was für ein sinnliches, intellektuell erfüllendes, emotional tiefgehendes Erlebnis! Wie intensiv alles schmeckte. Wie leicht die Gespräche fielen, obwohl so viele ernste und wahre Aspekte des Lebens angeschnitten wurden.

Gleich am Anfang bekam ich eine interessante Anmerkung und eine wichtige Frage gestellt: „Du kannst nicht mit jemandem zusammen glücklich werden, wenn Du nicht mit Dir selbst alleine glücklich bist. Was hast Du zuletzt für Dich selbst gemacht, etwas, das niemand anders von Dir wollte als Du selbst?“

Immerhin hatte ich zwei Antworten: Zum einen lese ich derzeit ein Buch, das nur mittelbar mit der Arbeit zu tun hat und in erster Linie für mich selbst ist.

Zum anderen habe ich außerdem Material gesammelt, um meinen Lebenslauf zu aktualisieren. Nach sieben Monaten auf der neuen Stelle ist es wichtig, ihn wieder zu überarbeiten. Nur für mich selbst, damit ich mich nicht gefangen fühle.

Die Frage erinnerte mich an ein Video über Kanban fürs persönliche Leben, das ich vor kurzem gesehen habe:

ProKanban: Kanban for… [everyone] PERSONAL LIFE

Das hat mich ebenfalls sehr nachdenklich gemacht. Drei Erkenntnisse, die ich davon mitgenommen habe:

  1. Nicht alle Aufgaben sind gleichwertig. Einige können persönliche Fürsorge sein, etwas Nettes für Dich selbst. Gibt es Aufgaben, die Du immer verschiebst?
  2. Miss, wie Du Dich fühlst, nachdem Du bestimmte Aufgaben erledigt hast. Was sagt das für Dich aus?
  3. Kanban ist noch besser, wenn es mit Zielen verknüpft ist. Wie beeinflusst es den Fortschritt auf dem Weg zu Deinen Zielen, wenn Du eine Sache zu „Erledigt“ bewegst?

Insbesondere zu merken, dass ich nur selten etwas nur für mich selbst tue, hatte mich sehr erschüttert. Aber Abhilfe ist möglich!

Am Ende dieses schönen Nachmittages fühlte ich mich wunderbar. So kann es gerne im neuen Jahr weitergehen!

Oh, und zwei Tage vorher habe ich noch eine mutige Sache dieses Jahr erledigt und nicht aufs nächste verschoben: Ich habe zum ersten Mal auf Türkisch gesungen!

Sezen Aksu – Değer mi?

Und heute ist der kürzeste Tag des Jahres. Ab jetzt wird es ein halbes Jahr lang jeden Tag ein wenig länger hell sein. Die dunkelste Zeit ist überstanden!

Sich der eigenen Angst stellen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal, wie ich endlich wieder gesund wurde, ein Wochenende in Aventurien sowie wie ich Mut zum Wachstum aufbrachte.

Ich habe in der letzten Woche da weitergemacht, wo ich zuvor aufgeführt hatte: Ich habe etwas Neues gewagt.

Ursprünglich wollte ich am Freitag nach der Arbeit ein ganz neues Lied in einer neuen Sprache lernen und zum ersten Mal aufführen, aber es kam etwas dazwischen. Stattdessen ergab sich die Gelegenheit, ein Lied auf Russisch zum ersten Mal auf der Ukulele zu spielen. Zum letzten Mal hatte ich es auf der Guitarlele in Hamburg gespielt vor über neun Jahren. Und das letzte Mal habe ich es für eine ganze bestimmte Person gesungen, im Sommer 2011 in Kiew

Я то, что надо / Ja to shto nado

„Ja to shto nado“ stammt aus dem Film „Stiljagi„, der es mir angetan hat, seit ich ihn im Sommer 2009 in Liberec (Tschechien) zum ersten Mal gesehen habe. Irgendwie hatte ich nie ganz herausbekommen, was die genauen Akkorde waren, da kamen mir plötzlich beim Probespielen einen Abend vorher einige Ideen. Wie es so ist mit der Kreativität: Wenn sie erst fließt, sollte man sie nicht aufhalten!

Was soll ich sagen? Auch der Teil meiner Vergangenheit, in der ich mich intensiver mit der russischen Sprache und Kultur beschäftigt habe, war nicht umsonst. Der Zauber in den Gesichtern der Menschen, wenn man zumindest ein wenig ihre Muttersprache spricht und sie das nicht gewohnt sind, ist das, was Magie auf dieser Welt am nächsten kommt.

Am Samstag habe ich mich den anderen freiwilligen Helfern vom Amsterdam Language Café getroffen. Was für ein gemütlicher Abend mit vielen guten Gesprächen! Zwischendurch waren wir in einem „Escape Room“, also einer Anlage, die man nur durch das Lösen mehrerer Rätsel verlassen konnte. Ich hatte so etwas noch nie gemacht. Dazu kommt, dass ich Zeitdruck nicht gerne habe.

Es ergab sich jedoch eine interessante Situation: Jeder in meiner Gruppe hat etwas zur Lösung beigetragen. Es gab keine unnötige Hierarchie, nur Probleme lösen und gegenseitige Unterstützung. Wir würden definitiv keine guten Horrorfilmcharaktere abgeben! Was für eine angenehme Erfahrung!

Diese zwei Gelegenheiten, bei denen ich mit den offensichtlich richtigen Leuten zusammen war, haben mir noch einmal vor Augen geführt, wie sehr es von meiner Umgebung abhängt, wie ich mich fühle. Was meine Umgebung ist, habe ich dabei viel stärker selbst in der Hand, als ich es bisher dachte.

Wäre das nicht die Gelegenheit, die großen Dinge anzugehen? Da meine Gesundheit wieder da ist, mein Traum vom Reisen und mein Wunsch nach Weiterbildung für dieses Jahr erfüllt sind, wäre Einsamkeit der nächste Schritt.

Meine größte Angst besteht darin, nicht geliebt werden zu können. Das erzeugt wiederum Angst vor Ablehnung. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich die Einsamkeit nicht besiegen können, ohne vorher Dutzende Male zurückgewiesen zu werden. Das kann sogar freundlich geschehen, aber selbst das ist keine Garantie; es kann auch einfach keine Antwort (mehr) kommen. Wie ich es auch drehe und wende: Ich werde mich meiner Angst stellen müssen, sonst werde ich nicht mehr glücklich werden. Und wann, wenn nicht jetzt, wo ich den Groove gerade wiedergefunden habe und wo ich endlich verstanden habe, dass ich nicht den Groove bekomme, weil mir tolle Dinge passieren, sondern genau mir umgekehrt tolle Dinge passieren, weil ich den Groove habe.

Ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht, wie ich die Angst umdrehen kann, und bin bei diesem schönen Satz gelandet:

Ich möchte mir jeden Tag eine neue Chance kreieren, um abgewiesen werden zu können.

  • Ohne diese Chancen, dass etwas schiefgehen kann, kann es auch keinen Erfolg geben.
  • Wenn ich das mache, dann für mich, nicht für jemand anderes oder anderer Leute Erwartungen.
  • Ich muss das nicht. Es ist keine Pflicht. Ich will das nicht. Es ist keine Verbohrtheit. Ich möchte das. Es ist eine Wahl.
  • Es muss eine neue Chance sein, also etwas Zusätzliches, nicht Bestehendes.
  • Diese Gelegenheit muss ich mir schon selbst schaffen, anstatt darauf zu warten, dass sich irgendwie von alleine etwas ergibt.
  • Es geht nicht darum, Abweisungen zu sammeln, sondern die Möglichkeit, dass es passiert. Nur dann gibt es auch die Möglichkeit, dass es anders ausgeht.

Mal sehen, was ich damit konkret anstelle und wie lange ich das durchhalte!

Mut zum Wachstum

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass der Morgen nahe ist, wie ich an meinem Geburtstag endlich wieder unterwegs war, die Rückkehr nach Catania, wie ich Sizilien, Malta und Berlin besuchte, Portugal, wie ich endlich wieder gesund wurde sowie ein Wochenende in Aventurien.

Die Gesundheit ist wieder da und ich frage mich natürlich, was ich jetzt, da das nicht mehr meine größte Sorge ist, mit meinem Leben anfangen soll. Einen mutigen Schritt bin ich schon gegangen:

Ich war wieder beim Speedating, diesmal eine Ausgabe speziell für Ausländer (und international orientierte). Obwohl es eine ähnliche Mischung war, war es eine deutlich bessere Atmosphäre für mich. Ob es daran lag, dass ich mir unbewusst darüber klar, dass von vornherein alle mit der Absicht antraten, zu einer interkulturellen Beziehung bereit zu sein?

Diesmal gab es im Nachhinein Zahlen: 26 Treffer insgesamt aus 17 Frauen und (ich meine) 14 Männern, also 238 Kombinationen. Das wäre eine Trefferquote von mehr als 10 Prozent, was ich sehr hoch finde. Bei mir haben zwei Damen signalisiert, dass sie mich noch einmal wiedersehen wollen, was auch überrraschend viele sind.

Durch diesen Filter zu gehen, hätte ich vorher nicht erwartet. Was so eine solche Anfangsbestätigung in mir für Hoffnungen weckt, was noch möglich ist in meinem Leben! Jetzt hätte ich gerne mehr von diesen Anfangserfolgen oder noch lieber den nächsten Schritt. Es ist schon bekloppt, was das Herz mit einem macht. Eben noch einsam und mit sich selbst beschäftigt und jetzt möchte ich alles auf einmal.

Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, was das mit mir ausgelöst hat. Ich hatte Angst, enttäuscht oder verletzt zu werden – was ja durchaus nicht unrealistisch ist, es ist mir ja schon passiert. Und ich hatte Angst, den Groove wieder zu verlieren, denn verliebt war ich meistens unglücklich und dann fühlte mich kraft- und hilflos. Und gleichzeitig sagte ich mir überraschend ruhig, dass das die richtige Art von Verletzbarkeit ist, die ich außerdem bewusst und selbst gewählt habe.

Mit ein wenig Nachdenken bin ich mir auch wieder bewusst geworden, wie viele Dinge ich richtig gemacht habe und wie viele hätten schiefgehen können, es aber nicht sind. Ich sollte viel mehr experimentieren und ausprobieren.

Ich bekam heute noch Rückmeldung von einer Freundin, die mir sagte: „Du darfst mit Dir Geduld haben. Du musst nicht heute Deine Gesundheit wiedergewonnen haben und morgen einen Partner finden.“ Das ist richtig und tat sehr gut zu hören!

Eine andere Freundin, die in der IT arbeitet, teilte mir überraschend noch mit, dass ich überhaupt kein IT-Typ sei. Und das etwa ein halbes Jahr, nachdem ich die IT verlassen und damit meinen bisherigen Lebensweg als Softwareentwickler mit Diplom und vielen Jahren Berufserfahrung verlassen habe. Das nehme ich als Zeichen, dass ich in mancherlei fundamentaler Hinsicht ganz anders bin und ganz anders sein kann, als ich immer dachte.

Mit einem weiteren mutigen Schritt möchte ich heute schließen. Beim Amsterdam Language Café war wieder ein niederländischer Abend. Und ich habe meinen alten Traum wahrgemacht und dort ein Lied auf Niederländisch gesungen:

Guus Meeuwis & Vagant – Het Is Een Nacht (Levensecht)

Ich kannte dieses Lied von einer deutsch-niederländischen Hochzeit 2008 und hatte mindestens seit 2018 die Idee, es zu lernen. Jetzt habe ich endlich alle meine Ängste besiegt und es vor einem größeren Publikum gespielt. Und es fühlte sich so leicht an.

Was auch immer passieren mag: Ich möchte mich weiterhin selbst herausfordern, um zu wachsen.

Der Morgen ist nahe

„Feel it in your heart and in your soul
Let the music take control“
Lionel Ritchie: All Night Long

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Wie kann ich den Groove bewahren, wenn ein höheres Stressniveau droht? Drei Dinge, mit denen ich zuletzt gegengesteuert habe:

Ich habe die Operation Augias vorangetrieben: Ich habe ein Saz (türkisches Saiteninstrument; reine Dekoversion) und zwei DVDs verschenkt. Das war für mich ein Schritt dahin, dass ich aus einem früheren Teil meines Lebens loswerde, was mir in einem neuen Leben nicht mehr nützen würde.

Ich habe mich aktiv um meine Gesundheit gekümmert und war in den letzten Tagen zweimal beim Zahnarzt und einmal beim Hausarzt. Das war für mich ein wichtiges Zeichen gegen Selbstvernachlässigung.

Am Sonntag war ich im La Boutique del Caffè. War ich beim ersten Besuch bereits verzaubert, hatte ich diesmal die Gelegenheit, dreieinhalb Stunden Italienisch zu sprechen mit einem Paar, das sehr freundlich und sehr geduldig mit mir war. Ich bin weit enfernt von dem Niveau, das ich 1999/2000 in meiner Zeit in Catania auf Sizilien hatte, aber besser, als ich erwartet hatte – irgendwo zwischen A2 und B1. Was habe ich mich gefreut, dass die beiden mir das zugetraut haben. Ich spürte meine Grenzen, es war also eine würdige Herausforderung, und gleichzeitig fühlte es sich so gut an, denn ich habe die Grenzen der letzten Jahre durchbrochen. Das war eine Erinnerung daran, wer ich einmal gewesen bin und wer ich wieder sein könnte. Ein Rückblick auf die Vergangenheit muss nicht nostalgisch oder schmwerzvoll sein. Er kann auch ein Fingerzeig in die Zukunft sein.

Die lange Nacht, die vor einigen Jahren über mein Leben gekommen ist, sie könnte endlich zuende gehen. Ich wage es kaum zu glauben.

Sprachencafé und besserer Alltag

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten, die Geschichte vom Drachen, die großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress sowie wie der Groove die Angst besiegte.

Nachdem ich den Groove im Urlaub wiedergefunden habe, treibt mich die Frage um, wie ich ihn im Alltag leichter erleben kann. Bis jetzt ist mir dazu eingefallen, kreativ zu sein, Dinge zu wagen – und mich mit Leuten zu umgeben, die mir gut tun.

Am Freitag gab es wieder eine größere Veranstaltungen des Amsterdam Language Café, bei der man alle Sprachen sprechen und üben konnte, die man wollte.

Das letzte Mal war bereits großartig gewesen. Nun war wieder – wie im April beim ersten Café seit zwei Jahren – eine kostenlose Salsa-Lektion. Ich hatte im Urlaub noch eine Bekräftigung meiner Idee bekommen, endlich einen Tanzkurs zu wagen. Diesmal verzichtete ich jedoch dankend, denn ich war Helfer auf der Veranstaltung und begrüßte die Leute. Das machte unglaublich Spaß, Dutzende unbekannte Gesichter zu sehen. Ich hatte es von der Arbeit nicht mehr nach Hause geschafft und war daher in Hemd und Krawatte da – und bekam für die Krawatte ein Kompliment!

In der internationalen Runde mit so vielen verschiedenen Sprachen fühlte ich mich wie zu Hause. Auch das „nicht einfach konsumieren, sondern selbst etwas schaffen“ machte mich sehr glücklich.

Das ist ein sehr wichtiger Schritt, um den Alltag zu verbessern. Gleichzeitig sind noch einige Urlaubstage übrig. Daher habe ich heute für mehrere Termine später im Jahr Urlaub eingereicht. Das war auch ein symbolischer Akt, denn an so etwas habe ich vor fast einem Jahr meine Selbstvernachlässigung erkannt. Zeit, aktiv gegenzusteuern und mich selbst zu achten.

Der Groove besiegt die Angst

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde, die zweite Hochzeit in zwei Wochen, zwei Flaschen Alkohol weniger, zwei Lernerfolge an einem Tag, die Freude an Kleinigkeiten, die Geschichte vom Drachen sowie die großartige Woche auf dem Esperanto-Jugendweltkongress.

Angeregt durch ein Gespräch im Urlaub und meine Überzeugung „ich möchte mein Leben zurück“ habe ich mich gestern abend erneut auf eine Speeddating-Veranstaltung eingelassen. Die Hemmschwelle, das noch einmal zu machen, war deutlich geringer als beim ersten Mal. Diesmal war ich nicht nervös – nur kurz vorher überrascht von der eigenen Courage.

Ich hatte mir ein paar Sachen vom letzten Mal gemerkt: Lieber die Papierversion statt die digitale Matchkarte nehmen, weil das deutlich einfacher ist, um Notizen zu machen; den eigenen Namen aufschreiben, weil Namen immer schwer verstanden werden und in diesem Kontext genau sein müssen; auf Google Maps zeigen, wo aus Deutschland meine Familie herkommt, weil das Thema werden kann; und zur Not Google Translate Deutsch – Niederländisch für einzelne Wörter. Letzteres habe ich am Ende nicht gebraucht. Es gelang mir mühelos, zwischen Niederländisch und Englisch umzuschalten und die Gespräche zu führen. Alle drei anderen Ideen erwiesen sich als goldrichtig.

Ich habe es sehr genossen, neue Frauen kennenzulernen und mich jeweils ganz auf eine Person konzentrieren zu können. Es fiel mir diesmal deutlich einfacher, ins Gespräch zu kommen. Die neue Stelle macht einen großen Unterschied. Softwareentwickler scheint viele abzuschrecken. Ich glaube, dass auch hinzukommt, dass ich mit dem beruflichen Wechsel mein Leben selbst in die Hand genommen habe. Auch meine kreativen Hobbys weckten einige positive Reaktionen. Ich habe offensichtlich nicht nur Arbeit im Kopf und mache interessante Dinge in meinem Leben. Ich bekam sogar mehrmals Komplimente für meine Kleidung (meine Krawatte!). Am wichtigsten war mir, dass ich bei Themen, die mir wichtig waren, Leidenschaft ausstrahlte und das bei vielen Frauen auch ein Stück zurückstrahlte.

Überhaupt hatte ich dieses Mal bessere Gespräche: Themen, die mehrmals vorkamen, waren persönliches Wachtstum; arbeiten, um zu leben – nicht umgekehrt; sowie Dinge zu wagen und absichtlich Situationen suchen, die anfangs ein wenig einschüchtern können.

Interessant war auch, wie viele Frauen erwähnten, dass sie ein wenig nervös waren und die Situation – auf viele unbekannte Männer treffen und dann im Zwiegespräch mit ihnen zu sein – sehr ungewohnt. Mehrere sagten auch, dass sie müde von Flirt-Apps und endlosem Klicken sind. Das tat gut zu hören!

Ich meine, dass es diesmal mehr „Treffer“ von meiner Seite aus gab. Dennoch war mir das Endergebnis egal. Es ging um das Prinzip. Die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg war gering, aber größer, als wenn ich zu Hause geblieben wäre. Ich konnte nur gewinnen, weil ich überhaupt etwas gewagt habe.

Am Ende des Abends war ich zufrieden und tiefenentspannt. Das ist doch ein erstaunlicher Wandel von „Flirten als lästige Pflicht zu empfinden und dabei verkrampft und genervt zu sein“ hin zu „ich suche die Herausforderung und bin gespannt“.

Ich glaube, ich weiß, was anders war: Ich dachte nicht, mich „beweisen“ oder „anpreisen“ oder Bestätigung bekommen zu müssen. Ich bin nicht angetreten in der Überzeugung, dass irgendetwas funktionieren oder erfolgreich sein „muss“. Ich mochte mich selbst und war mutig genug, mich zu zeigen, wie ich bin. Und was die Damen an mir mochten, das war ich selbst.

Wenn ich ich selbst bin, fühle ich mich unbesiegbar. Das ist der Groove. Mit ihm habe ich im Alltag über meine größte Angst gewonnen. Es war entscheidend, mich in eine Situation zu begeben, vor der ich früher Angst hatte. Da wo die Angst ist, steckt die beste Gelegenheit auf persönliches Wachstum. So möchte ich weitermachen!

Der Groove des Nachts in Amsterdam

Übermorgen sind es zwei Jahre und drei Monate, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Was habe ich in den ersten drei Monaten des dritten Jahres meiner Suche erlebt? Ich habe viel getan und viel geschafft.

Ostern war ich nicht alleine. Ich erzielte einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr. Ich habe die Operations Augias fortgeführt und mich dabei unter anderem von meiner alten Lederjacke verabschiedet.

Ich habe eine neue Stelle angetreten. Um mir symbolisch zu zeigen, dass ich jederzeit ausbrechen kann, bin ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen gefahren. Doch meine Reisen führten mich diesmal deutlich weiter, einmal auf ein Wochenende in Frankfurt, danach nach Paris. Endlich ging es wieder in ein anderes Land als die Niederlande und Deutschland!

Ich habe an mir selbst gearbeitet. Ich konnte meine Angst überwinden und mich selbst lieben. Ich probierte viele Sachen aus und erkannte, dass ich kein Versager bin. Und in einer unerwarteten Gnade des Lebens erlebte ich, wie alte Wunden zu heilen begannen.

Gleich am ersten Tag des Quartals geschah etwas Wundervolles: Der Groove kehrte nach zwei Jahren zurück. Ich bemerkte ihn später besonders an einem Gebet und einem Lied.

Passenderweise hatte ich letzten Freitag ein ganz ähnliches Erlebnis: Erneut fand das Amsterdam Language Café im Café Belcampo in den Foodhallen statt. Diesmal gab es keine Salsa-Lektion, sondern jeder brachte Essen aus seinem Land mit – ich verschiedene Schokoladen, die ich eine Woche zuvor in Münster gekauft hatte.

Diesmal war ich Mitorganisator – eine Folge davon, dass es mir im April so gut gefallen hatte. Es hat mir unheimlich Spaß gemacht, so viele Leute freundlich zu begrüßen und verschiedene Sprachen zu sprechen! Danach gingen noch einige der Teilnehmer und Organisatoren in einen anderen Teil der Foodhallen. Diesmal konnte ich mitgehen und länger bleiben, denn ich war mit dem Fahrrad bis zum Flughafen gefahren und wusste, dass die ganze Nacht hindurch noch Züge dorthin fahren würden.

Zum ersten Mal seit 2,5 Jahren hatte ich die Gelegenheit zu tanzen – also nicht nur vor dem Bildschirm etwa im Rahmen der Distance Disco, sondern so wie früher. Ich hatte den Eindruck, bei 25% meiner normalen Kraft zu sein, doch die Leute waren begeistert von meiner Energie. Ich kam mir so lebendig vor wie seit 4,5 Jahren nicht mehr. So fühlt es sich an, wenn ich den Groove habe.

Man muss sich dabei vor Augen halten: Ich war noch nie bis spät in die Nacht in Amsterdam. An diesem Tag habe ich eine alte Grenze durchbrochen, die mich viel zu lange zurückgehalten hat. Davon hatte ich seit mindestens Ende 2019 geträumt – und für diesen Tag geübt, bis zum Flughafen zu radeln.

Als ich dann mit dem ÖPNV von Amsterdam nach Schiphol fahren wollte, war die beste Verbindung ein Nachtbus, der sogar ganz in der Nähe der Foodhallen losfuhr und nur etwa eine halbe Stunde brauchte. Zu meiner großen Überraschung fuhr er sogar noch weiter und hätte mich bis nach Hoofddorp bringen können. Ich kontrollierte die Fahrtzeiten: Die ganze Nacht durch alle halbe Stunde, selbst unter der Woche. Ich konnte es kaum fassen!

Als ich wieder zu Hause und ausgeschlafen war, habe ich noch einmal recherchiert: Die N97 gibt es in dieser Form seit Ende 2017. Warum war mir das vorher entgangen? Wie sie vielleicht nicht vorher in der NS-App aufgeführt?

Die ganze Idee, mit dem Fahrrad zum Flughafen und zurück zu fahren, war erst aus der Not geboren worden, ansonsten nicht sorglos am Nachtleben von Amsterdam teilnehmen zu können. Nun stellte sich heraus, dass ich das ab jetzt viel einfacher haben kann. Damit wird meine derzeitige Wohnung deutlich aufgewertet, denn das war einer ihrer wichtigsten Nachteile.

Meine Fahrradtouren bis zum Flughafen waren dennoch alles andere als umsonst: Ich habe selbst eine Lösung für eine Beschränkung gesucht. Dass ich sie nicht mehr brauche, ist umso besser.

Am Sonntag gönnte ich mir einen Besuch bei La Boutique del Caffè, eine italienische Bar nicht nur mit Espresso, sondern mit Arancini (wie auf Sizilien!) und Cannoli mit Ricotta (wie auf Sizilien!). Arancini hatte ich bestimmt seit über 20 Jahren nicht mehr gegessen. Dabei hätte ich doch längst wieder nach Sizilien reisen können. Warum habe ich mich so lange aufhalten lassen?

So endet dieses Quartal damit, dass ich den Groove gefunden habe, ohne dass ich weit weg reisen musste. Die spannende Frage für die nächsten drei Monate lautet: Wie kann ich das häufiger erreichen?

Kein Versager

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt, meinen Aufenthalt in Paris, wie ich mich von meiner alten Lederjacke verabschiedete, wie ich den Groove an einem Gebet und einem Lied bemerkte sowie die Kunst mich selbst zu lieben.

Ich habe – ermutigt durch die Erfahrungen in diesem Quartal – einen Schritt getan, den ich noch vor kurzem rigoros ausgeschlossen hätte. Ich war bei einem Speeddating-Abend.
Mein Bild von Speeddating war bisher im wesentlichen „schrecklich“.

Speeddating bei Dr. House

Wie konnte es dazu kommen, dass ich meine Meinung geändert habe? Nichts in meinem bisherigen Leben hätte darauf hingedeutet.

Flirten halte ich für ein leidiges Thema. Ich habe das nie besonders gerne gemacht, aber leider muss es sein, sonst bleibe ich alleine. Ich mag keine Aufreißer-Discos, keine Flirtportale, keine Spruchduelle. Ich fand das alles immer extrem erzwungen und auch erniedrigend, mich quasi selbst so anbieten zu müssen und mich zum Affen zu machen.

Es gibt Dinge, die mich so unglaublich traurig und wütend machen wie Fotos von Hochzeiten und Überschriften wie „Es kommt eine Zeit für jeden„. Der Artikel hat jedoch einen sehr guten Punkt: Singles, die nicht alleine bleiben wollen, sollten bei allen ihren täglichen Aktivitäten und Interaktionen messen, ob diese – egal wie unwahrscheinlich – zu einer Beziehung führen können. „Zu Hause sitzen und keine neuen Leute kennenlernen“ hat offensichtlich eine Wahrscheinlichkeit von 0.

Ich weiß, dass mein jetziger Lebensstil mit all seinen Facetten mich nicht glücklich gemacht hat. Wenn mein Leben wie bisher sowieso nicht funktioniert hat, habe ich fast nichts mehr zu verlieren. Daher habe ich mir vorgenommen, alle möglichen kleineren Experimente durchzuführen und jeweils nach kurzer Zeit zu messen, wie es wahr.

Seit April habe ich in so vielen sozialen Situationen erlebt, wie ich doch offensichtlich ein ganz anständiger Kerl bin, der auch Leute unterhalten kann. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass ich in direkter Interaktion wesentlich sympathischer rüberkomme als es ein noch so guter Steckbrief ausdrücken könnte.

Als ich von einem Speeddating-Angebot für meine Altersklasse in Amsterdam las, habe ich noch eine Nacht drüber geschlafen und mich dann tatsächlich angemeldet. Natürlich hatte ich viele Bedenken: Bin ich als Ausländer nicht deutlich weniger attraktiv, weil ich die Landessprache nicht so gut wie die meisten Einheimischen beherrsche? Bin ich nicht relativ schlecht im Vergleich zur Auswahl der Männer?

Ich las dann jedoch noch drei goldene Tipps, insbesondere dass so ein Abend vor allem ein soziales Ereignis ist, bei dem man mit vielen verschiedenen Menschen ins Gespräch kommt. Das hat mir ja sehr gefehlt! Und vor allem konnte ich mit dieser Idee meine Ängste und Zweifel, aber vor allem den Druck ablegen.

Ich hatte mir noch einen Haarschnitt verpassen lassen, den ich sehr mag, und mich wieder glatt rasiert. So gefalle ich mir selbst! Ich ging daher, was mich anging, recht entspannt zu dem Abend und mit einer gewissen Ergebnisindifferenz.

Und was soll ich sagen? Das war genau richtig! Ich habe mit den meisten der Damen ein paar schöne Kurzgespräche geführt und konnte mich in vielen Fällen als Unterhalter und Zuhörer einbringen. Und vor allem war ich ich selbst!

Auch vor der Konkurrenz hatte ich nicht den Eindruck, mich verstecken zu müssen. Ich bin zwar kein Unterwäschemodell (das sind die wenigsten), aber auch weit entfernt davon, mit Quasimodo verwechselt zu werden.

Es waren sogar erstaunlicherweise viele Ausländerinnen dabei. Meine Befürchtungen über die Sprachbarriere waren also unbegründet, auch wenn ich noch ein wenig einfacher auf Englisch als auf Niederländisch einen Plausch führen kann und ich Flirten für das allerschwierigste überhaupt innerhalb von Sprachkenntnissen halte. (Ich habe Kommunalwahlen und Arztbesuche auf Niederländisch hinter mich gebracht…)

Interessanterweise war mir fast egal, ob sich nach dem Abend etwas ergeben würde (hat sich nicht, sonst würde ich das hier nicht so offen schreiben). Ich empfand den Abend an sich als Erfolg und habe schon richtig Lust auf das nächste Mal.

Mit anderen Worten: Es war alles völlig anders, als ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich bin völlig anders, als ich mich selbst immer gesehen habe.

Die Speeddating-Erfahrung in einem Satz zusammengefasst lautet: Ich bin ja gar kein Versager!

Ich habe eine Sache fundamental richtig gemacht: Ich bin dahin gegangen, wo die Angst war, und bin über meinen eigenen Schatten gesprungen.

Ich werte das als wichtigen Hinweis darauf, dass ich bisherige Glaubenssätze in Frage stellen sollte, indem ich experimentiere. Keine Hölle ist so vermeidbar wie die, die man sich in seinem eigenen Kopf errichtet.

Eine Sache habe ich außerdem gelernt: Manche fragten danach, wo ich wohne (innerhalb Amsterdams gilt Hoofddorp als langweilig) und wie häufig ich nach Deutschland reise, um Freunde und Familie zu sehen. Es ist durchaus möglich, dass ich gut genug bin, aber nicht in der richtigen Umgebung, um erfolgreich zu sein. Auch das ist ein wichtiger Hinweis für die Zukunft. Weil ich offen und interkulturell einigermaßen kompetent bin, kann ich vielleicht in mehr Kontexten Erfolg haben kann als andere. Das heißt aber nicht, dass ich überall Erfolg haben werde oder in einer gegebenen Umgebung Erfolg haben kann. Eine spannende These, die es für die nahe Zukunft noch weiter zu untersuchen gilt!

Amsterdam – Frankfurt – Paris

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