Vor fünf Jahren: Am Boden

Ich schreibe aus gutem Grund nicht allzu viel darüber, wie es eigentlich kam, dass es mit meinem Leben zwischenzeitlich so bergab gegangen ist. In diesen Tagen, jetzt wo es mir wieder gut geht, werde ich jedoch öfters daran erinnert und da der Blick zurück nicht mehr weh tut, macht es auch nichts aus. Heute vor fünf Jahren war ich am Boden – es sollte jedoch noch weiter abwärts gehen.

Beachtlich, wie lange es gedauert hat, um wieder hochzukommen. Und auch wenn ich in all der Zeit viele gute Dinge gemacht habe, etwa eine andere Wohnung gesucht, neue Hobbys angefangen habe, mehr ausgegangen und im Jahr Auszeit viel verreist bin: Richtig glücklich bin ich durch all das nicht geworden. Den großen Unterschied konnte ich damit nicht machen. Dafür musste sich schon noch mehr in meinem Leben verändern.

Wieviel haben meine jetzigen Lebensumstände mit dem zu tun, wie mein Leben vor fünf Jahren aussah? Fast nichts. Das ist schon ein beachtliches Ergebnis. Es zeigt aber auch, dass nichts planen oder vorhersehen läßt. Auf kaum etwas hätte ich gezielt hinarbeiten können.

Mein Leben sieht gut aus, aber der Einfluss, den ich darauf hatte, war nur begrenzt. Vielfach waren es äußere Umstände, die ich zur rechten Zeit genutzt habe.

Wenn ich an meine drei Motive denke – einen Unterschied machen, etwas in den Herzen der Menschen bewegen, gut genug für etwas sein – dann konnte ich das erste und das dritte bezogen auf mein Leben insgesamt nur sehr selten erleben. Vielleicht erklärt das auch, warum ich nicht mehr an das große Ganze glaube und stattdessen versuche, die paar kurzen Zwischenphasen zu genießen.

Ich weiß noch genau, wie verloren ich mich vor fünf Jahren in Kazan in Tatarstan gefühlt habe. Ich war ein Fremder ohne irgendeine Bindung oder Funktion. Ich hoffe, diese Zeiten kommen nicht wieder.

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Das Jahr ist rum!

Als ich heute vor genau einem Jahr verkündete, ein Auszeit vom Berufsleben anzutreten, da waren zwar einige grundsätzliche Sachen mit meinem Leben wieder in Ordnung, aber vieles lag im argen. Einerseits hatte ich mich von einer schweren gesundheitlichen Phase wieder hochgekämpft, gerade eine anstrengende, aber auch erfolgreiche Zeit in Hamburg hinter mir, jede Menge Spaß mit einer wachsenden Sammlung von Ukulelen, langsam wieder meine normale Figur zurück und ich war im Jahr zuvor in sechs verschiedenen Ländern gewesen. Auf der anderen Seite fragte ich mich ernsthaft, ob das, was ich tat, mich auf die Dauer glücklich machen würde. Aus den vielen kleinen Puzzlestücken des Lebens wollte sich kein großes Ganzes ergeben.

Obwohl es insgesamt ganz okay lief, dachte ich mir: Das kann es nicht gewesen sein.

Heute kommt mir das alles unglaublich lange her vor. In gewisser Weise ist das auch richtig: Ich habe in einem Jahr die Erfahrungen gemacht, für die ich sonst gut und gern fünf Jahre gebraucht hätte.

In dem Sinne habe ich die Zeit, die ich hatte, genau richtig genutzt: Ich habe das Leben mal wieder so richtig gekostet, bin aus mir rausgegangen, habe alle möglichen verrückten (aber harmlosen) Sachen gemacht, die ich immer mal tun wollte und für die scheinbar nie Zeit war.

Um zu erleben, wer ich bin oder was ich sein kann, musste ich mich in allerhand verschiedene Situationen versetzen. Sicher, manches davon ist nicht glorreich oder heldenhaft verlaufen, sondern war einfach trivial oder eher peinlich. Leider gab es auch einige sehr traurige Ereignisse, die aber privater Natur sind und nicht in die Öffentlichkeit gehören.

Mehr als ich es erhofft hatte habe ich mir durch die all die verschiedenen Eindrücke einen frischen Wind um den Kopf wehen lassen, um die Dinge endlich einmal wieder aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das war das große Ziel und es ist mir gelungen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich andernfalls getan hätte.

Zum Glück hatte ich schon grobe Vorstellungen, was ich machen wollte, und viele gute Ansätze aus der Vergangenheit. Nur hatte ich mich bisher viel zu sehr davon treiben lassen, einen Beitrag zu leisten und Ansprüche zu erfüllen, die an mich gestellt wurden. Das ist im Prinzip auch keine schlechte Einstellung, aber sie läuft ins Leere, wenn man nicht unter passenden Rahmebedingungen arbeitet, um eine realistische Chance zu haben, und sich dabei selbst aus den Augen verliert.

Und das ist das allerwichtigste, das ich in diesem Jahr gelernt habe: Wieviel ich selbst an meinem Leben ändern kann und wie sehr ich selbst dafür verantwortlich bin. Verantwortung heißt gerade nicht, einfach meine Pflicht zu erfüllen, sondern mich zu fragen, ob ich gerade am richtigen Ort mit der richtigen Aufgabe für mich bin. Wenn ich darauf nicht achte, geht’s mir nicht gut und am Ende leiden auch andere darunter, weil sie mich in diesem Zustand ertragen müssen.

Verantwortung bedeutete auch, gerade nicht die Erwartungen zu erfüllen, sondern mit ihnen zu brechen, wenn es notwendig war. Das war sehr schwer für mich zu lernen, denn ich habe mehrere Male in meinem Leben mitbekommen, wie mit denen umgegangen wird, die nicht als nützlich erachtet werden und das war keine schöne Erfahrung.

Ich möchte heute aber kein endgültiges Fazit ziehen oder einen kompletten Rückblick auf das Jahr machen. Dafür war es viel zu facettenreich. Ich hatte mir schon einmal überlegt, eine Gesamtübersicht anzulegen. Außerdem gibt es noch einige Themen für dieses Blog, um es weiterzuschreiben, selbst wenn die Frequenz der Einträge geringer werden dürfte.

Turin

Eigentlich wäre heute mein erster Arbeitstag. Weil ich jedoch zwei Monate früher wieder angefangen habe zu arbeiten – ein internationales Projekt in Amsterdam war einfach zu interessant, um ausgelassen zu werden – bin ich kurioserweise inzwischen wieder unterwegs. Es klingt wie ein schlechter Aprilscherz, aber ich genieße heute meinen letzten Urlaubstag 2013. Übernachtet habe ich in einem schönen Hotel in Turin (siehe das Foto vom Frühstück). Wohin es weiter ging, erzähle ich später.

Zehn Monate rum…

…von der einjährigen Auszeit. Was ist passiert? Wie habe ich die Zeit genutzt?

Zu berichten gibt es diesmal etwas mehr als nur einen Monat. In einer vierteiligen Serie habe ich erzählt, wie ich auf einem einwöchigen Esperantotreffen ins neue Jahr gekommen bin: Als DJ, mit einem Konzert von Jonny M, einer tollen Silvesterfeier und mit viel selbstgemachter Musik.

Wieder zu Hause, kümmerte ich mich erst einmal um einige ganz alltägliche Dinge: So standen Besuche beim Zahnarzt und Hausarzt an. Nebenbei habe ich im Januar auch noch den Hautarzt aufgesucht, schließlich soll die wiedergewonnene Gesundheit erhalten bleiben.

Auch im neuen Jahr hatte ich einige Ideen und eine setzte ich gleich in die Tat um: Es gibt jetzt bei wordpress.com mehrere Themes auf Esperanto.

Ansonsten kümmerte ich mich weiter um die Operation Augias: So kamen der Rest aus dem Zimmer aus Nordwalde nach Münster, der Rasierapparat wurde endlich entsorgt, ebenso wie der Koffer, der auf meinen Reisen zuletzt sehr gelitten hatte.

Kurioserweise hatte ich in der ersten Hälfte des Januars keine Lust, in ein neues Land von meiner Liste zu verreisen. Dann ging es aber zumindest noch in ein Land in diesem Monat – und zwar mal wieder nach Ungarn. Neben Budapest besuchte ich Sopron, bevor ich auf abenteuerliche Weise zurück nach Hause reiste.

Im Januar hatte sich eine interessante Möglichkeit ergeben, bereits vor dem abzusehenden Ende des Jahres Auszeit wieder mit der Arbeit anzufangen – zwei Monate früher als geplant. Ich sagte zu, denn ich brauchte akut nicht mehr Zeit. Beachtlich bleibt die emotionale Wegstrecke, die ich zurückgelegt habe. Ich habe inzwischen auch verstanden, wie die Jahre vor der Auszeit mir vieles Gute auf den Weg gegeben haben, und manche schwierigere Punkte aus dieser Zeit kehrten als in ein Album gegossene Erinnerungen zurück, doch diesmal viel angenehmer.

Damit könnte ich dieses Blog beenden, aber ich habe noch etwas zu erzählen, was losgelöst von einem konkreten Zeitpunkt in diesen zehn Monaten passiert ist, und außerdem möchte ich noch einmal groß und ganz zurückblicken. Die Musik des heutigen Tages kommt jedoch von Coldplay, denn die haben ein Lied namens „Amsterdam“ veröffentlicht, und dort bin ich jetzt.

Coldplay: Amsterdam

Die Jahre vor der Auszeit

Gestern habe ich bereits über die emotionale Wegstrecke geschrieben, die ich den dem Jahr Auszeit zurückgelegt habe. Unmittelbar damit verknüpft sind die Jahre davor. Zum einen ergibt sich aus ihnen, warum ich überhaupt die Auszeit genommen habe, zum anderen (und das ist die wichtigere Erkenntnis), warum so vieles überhaupt geklappt hat. Um den Jahreswechsel herum habe ich mich ohnehin damit beschäftigt, auf die letzten Jahre zurückzublicken. Jetzt ergab sich noch ein praktischer Anlass, darüber zu schreiben.

Das lohnt sich natürlich erst jetzt, wo es mir wieder gut geht und ich den richtigen Abstand zu den Dingen habe. Denn mit Bitterkeit wollte ich das nicht tun. Das bringt wenig und wird auch nicht den Leuten gerecht, die mich in dieser Zeit unterstützt und positiv beeinflusst haben.

Mein Leben geriet ab Jahresende 2009/2010 zunehmend aus den Fugen und lag ab Mitte 2010 brach. Details spielen keine große Rolle. Ich hatte ja bereits ganz am Anfang der Auszeit erwähnt, dass ich eine sehr schwere Phase meines Lebens überstanden habe, was meine Gesundheit angeht. Das war nur ein Punkt von mehreren. In mancherlei Hinsicht kämpfte ich mich wieder nach oben, während ich gleichzeitig auf andere offenen Fragen überhaupt keine Antwort wusste.

Ich sehe längst die Fehler, die ich damals gemacht habe. Umgekehrt habe ich vieles richtig entschieden, viele gute Dinge getan – und manche guten Dinge sind mir einfach passiert, ohne dass ich sie verdient oder mir erarbeitet hätte. Aber ganz auskosten konnte ich das alles nicht.

Das war einer der kuriosen und verwirrendsten Aspekte in dieser Zeit: Ich erlebte einige unglaublich tolle Momente, an deren Entstehung ich aktiv beteiligt gewesen war, während ich gleichzeitig innerlich am Boden war. Aber wenn man emotional am Ende ist, kommt man nicht mehr weit im Leben.

Viel hat sich in diesen Jahren in meinem Leben geändert, ich selbst habe mich verändert. Aber eine Konstante blieb, und das war das Problem: Ich konnte all diese positiven Aspekte nicht zu einem großen Ganzen zusammenfügen, mit dem ich hätte weitermachen können. Und automatisch wollte sich ein neuer Lebensentwurf nicht ergeben.

Das war der Grund, warum ich die Auszeit genommen habe. Das geschah zu einem Zeitpunkt, als ich viele Bereiche meines Lebens in Ordnung gebracht hatte. Es klingt zunächst widersinnig, ist aber durchaus logisch: Wenn man fertig mit der Welt ist, hilft einem auch keine Auszeit mehr. Man muss schon aus dem gröbsten wieder raus sein, oder wie ich zu sagen pflege: Wenn die Sonne wieder scheint, erkennt man umso besser, wo die Schatten bleiben.

Jetzt profitiere ich von all den guten Dingen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Es zahlt sich aus, dass ich ein aktiver und vielseitig interessierter Mensch geblieben bin. Ich ernte, was ich gesät habe.

Klingt nach einem guten Schluss. Dann schreibe ich über den Anlass, auf die letzten Jahre zu gucken, ein anderes Mal.

Vor dem Ende der Auszeit

Die Zeit ist immer begrenzt. Dementsprechend musste ich mir schon seit einigen Monaten überlegen, wie ich nach der Auszeit weitermachen wollte. Wie sähe eine ideale Zeit danach aus?

Im Gespräch hatte ich das schon einmal grob ausgemalt: Am liebsten wäre ich in einer großen Stadt. Die würde mir abends noch etwas bieten können und hätte ein abwechslungsreiches kulturelles Programm. Das war eine wichtige Erfahrung in dem Jahr vorher, das ich in Hamburg verbracht habe und das ich auch privat genutzt habe, um mich wieder hochzuarbeiten.

Eine internationale Großstadt hätte zudem wahrscheinlich einen Flughafen. Von da aus könnte ich etwa wieder nach Budapest reisen oder in ein neues Land, das sich noch nicht auf meiner Liste befindet – selbst, wenn es „nur“ ein (verlängertes) Wochenende sein sollte. Sich solche Freiheiten zu erkämpfen, ist natürlich nicht das Hauptziel des Berufs, es macht das Leben aber viel angenehmer und gibt einem zusätzliche Kraftreserven. Unrealistisch ist das nicht: Die Reisen in sechs Länder 2013, die ich erstaunlicherweise geschafft habe, waren das, was mir so gut getan hat, und die mir überhaupt den Weg gewiesen haben für das Jahr Auszeit. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne wieder ein internationales Projekt haben, bei dem ich meine Sprachkenntnisse anwenden und erweitern könnte.

Anfang des Jahres auf dem Esperantotreffen kam dann das übliche Thema auf: Wohin würden die Reisen 2015 gehen? Diesen Sommer gibt es sogar eine große Veranstaltung mehr in Europa. Mir wurde dabei schmerzlich bewusst, dass meine Optionen dieses Jahr deutlich eingeschränkter sein würden als 2014, denn das Jahr Auszeit würde Ende März zuende gehen. Da das Treffen in Italien über Ostern auf die erste Aprilwoche´fallen würde, wäre es unwahrscheinlich, dass ich teilnehmen könnte – nach einem Jahr frei erst einmal wieder Urlaub nehmen zu können klingt doch etwas unwahrscheinlich.

In der ersten Januarhälfte machte sich dann eine gewisse Reisemüdigkeit bemerkbar. Nach der sehr guten Länderbilanz 2014 hatte ich plötzlich wenig Lust, sofort wieder loszupreschen, und das, obwohl ich doch die letzten drei Monate gut nutzen wollte. Noch viel erstaunlicher war, dass ich auch in Münster wenig Lust hatte, Sachen zu unternehmen, die ich sonst mit ausreichend Zeit sehr genieße – etwa tanzen zu gehen, Cafés zu besuchen, mal wieder länger in Läden zu stöbern oder musikalisch aufzutreten. Wenn man von einem Treffen mit einer Freundin mal absieht und einigen kleineren Einkäufen, war ich ein richtiger Stubenhocker. Die Akzente haben sich verschoben. Was geblieben ist, ist die Motivation, erneut nach Budapest zu kommen (wo ich seit Sonntag abend wieder bin). Ansonsten herrschte das Gefühl vor: Es ist alles schön, aber ein Stück weit ist es jetzt auch gut gewesen.

In dieser Stimmung erreichte mich die Anfrage meines Arbeitsgebers, ob ich bereit wäre, wieder früher einzusteigen, zum Beispiel Anfang Februar. Die noch ausstehenden zwei Monate Auszeit könnte ich ja zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Das Projekt wäre in einer internationalen Großstadt mit Flughafen und es wären vermutlich auch interkulturelle Kompetenzen gefordert.

Das klang zu gut, um es abzulehnen. Irgendwann wäre es so gekommen, dass ich wieder arbeiten müsste – jetzt hätte ich in vielen Teilen das, was ich mir als günstige Bedingungen vorgestellt hatte. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, wenn man sofort wieder gebraucht wird. Das zeigt, dass man nach einigen Monaten Pause nicht „weg vom Fenster“ ist.

Bock auf Arbeit hatte ich sowieso schon, wie man an meiner Übersetzungsarbeit für WordPress auf Esperanto (und WordPress.com-Themes) sieht. Da spielten Organisation, Termine halten, über die Arbeit kommunizieren, an einem internationalen Projekt teilnehmen und sich in eine neue Umgebung einzuarbeiten ebenfalls eine große Rolle.

Meine Monatsrückblicke sind gute Meilensteine für die Rückschau – auch, was meine Stimmung angeht. An dem, was ich nach vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun Monaten schrieb, konnte man merken, dass das wesentliche geschafft war. Mehr bringt wenig.

Daher hielt ich es für sinnvoller, nach 10 Monaten wieder einzusteigen, statt auf einem Jahr am Stück zu bestehen. Ursprünglich hatte man mir großzügigerweise auch 15 angeboten – oder „wie ich es brauche“. Warum sollte ich also jetzt auf 12 herumreiten?

Februar und März sind zwar schon weit vom Winteranfang entfernt, aber sie gehören immer noch zu den Monaten mit unterdurchschnittlich viel Tageslicht. Das Wetter kann je nach Land variieren, aber die Möglichkeiten, Sonne und Wärme zu erleben, sind begrenzt. Dazu kommt noch die Fastenzeit, in der ich üblicherweise keine Süßigkeiten esse, wodurch mir eventuell lokale Leckereien entgehen würden. Alles in allem sind das also keine idealen Reisebedingungen.

Zwei freie Monate später hingegen kann ich so oder so gut verwenden. Entweder ich habe eine bessere Jahreszeit für Reisen oder kann etwas anderes damit anstellen.

Vor allem habe ich so bessere Chancen, im Sommer ganz regulär Urlaub zu nehmen und mehr von den interessanten Esperantotreffen mitzunehmen. Das ist allemal besser als zwei Monate alleine zu reisen.

In diesem Sinne: Ich bin jetzt tiefenentspannt und freue mich auf die Arbeit!

Neun Monate rum…

…von der einjährigen Auszeit. Was ist passiert? Wie habe ich die Zeit genutzt?

Es galt ja sogar über fast zwei Monate zu erzählen, denn ich war mit der Schilderung bis zum November gekommen. An dessen zweiten Wochenende fuhr ich auf ein Esperanto-Wochenende in die Niederlande. Mitte des Monats, nur eine Woche später, war es Zeit für eine längere Reise: Ich fuhr von Münster nach Marseille in drei Zügen, wobei ich bei einem Halt in Brüssel nebenbei noch Belgien als besuchtes Land auf meine Liste nahm. Frankreich erwies sich als großartiges Reiseziel, das noch so spät im Jahr ein wenig Sommerlichkeit ausstrahlte. Von Marseille ging es nach Nizza und von dort aus nach Monaco, einem neuen Land für mich. Pavia in Italien war bereits winterlicher, ergab aber ebenfalls einen schönen Aufenthalt. Von dort aus war die Schweiz nicht mehr weit und in Zürich bekam ich schon eine bessere Vorstellung vom Winter, hatte jedoch erneut eine gute Zeit. Ein Ausflug nach Liechtenstein bedeutete für mich, erneut ein neues Land besucht zu haben. Als letzte Etappe flog ich ein weiteres Mal nach Budapest, von wo ich diesmal einen Ausflug nach Vác machte und sowohl den ersten Advent als auch den Monatswechsel von November auf Dezember verbrachte.

Zurück in Deutschland fuhr ich direkt danach ein Wochenende lang aufs Winterfest, auf dem ich Nikolaus und den zweiten Advent in Fantasy-Atmosphäre genoss. Danach musste ich mich endlich wieder einige Tage um profane Alltagsdinge kümmern und bereitete das Zimmer zu Hause bei meinen Eltern auf neuen Besuch vor.

Eine Reise ins Ausland sollte es noch sein und so reiste ich – diemal mit dem Zug – wieder nach Budapest, wo ich die Wintersonnenwende und den dritten und vierten Advent erlebte. Dort gelang es mir unerwarteterweise noch vor Jahresende ein Softwareprojekt zu vollenden: WordPress auf Esperanto.

Die Länderbilanz 2014 kann sich sehen lassen. Ich bin mit meiner Erzählung Ende Dezember angelangt und bin damit fast wieder in der Jetztzeit.

Ganz kurios: Ein Stück weit freue ich mich darauf, wieder zu arbeiten. Reisen, feiern und musizieren ist schön, ich habe aber in den vergangenen Wochen mehr und mehr gemerkt, wie mir die Projektarbeit fehlt, das Analysieren und Lösen von Problemen. Ich bin offensichtlich tatsächlich ein vielseitiger Mensch und wenn ein Aspekt zu lange zu kurz kommt, vermisse ich etwas. Das war ja auch einer der ursprünglichen Gründe für das Jahr Auszeit; es ist insofern vollkommen logisch.

Wäre das zurückliegende Jahr ein Computerspiel, dann würde jetzt auf dem Bildschirm stehen: Du hast alle größeren Probleme Deines Lebens gelöst. Herzlichen Glückwunsch.

Acht Monate rum…

…von der einjährigen Auszeit. Was ist passiert? Wie habe ich die Zeit genutzt?

Ursprünglich hatte ich gedacht, dass ich in den dunklen Monaten weniger reisen würde, doch das Gegenteil war der Fall: Mehr als die Hälfte der Zeit habe ich im Ausland verbracht. Ganz nebenbei habe ich auch die Liste der Länder, in denen ich gewesen bin, um einige Einträge erweitern können. Sogar zwei neue Länder waren dabei. Alle 26 Länder von meiner ursprünglichen Liste werde ich in den verbleibenden vier Monaten kaum zuende schaffen oder es wird sehr anstrengend und hektisch. Ohne dieses hochgesteckte Ziel hätte ich jedoch sicherlich nicht soviel Neues ausprobiert und wäre weniger gereist.

Stattdessen haben sich meine Ziele verschoben, denn es sind einige neue dazugekommen. Benny Lewis von „Fluent in 3 months“ hat vor einiger Zeit einen kritischen Artikel über das ständige Reisen geschrieben, in dem er die Dinge auflistet, die man nur „zu Hause“ machen kann. Er empfiehlt außerdem, lieber mal eine längere Zeit in einem Land zu bleiben. Das mache ich zwar nicht am Stück, aber von dem Jahr Auszeit war ich insgesamt schon über einen Monat lang in Ungarn. Das ist natürlich auch eine tolle Erfahrung, sich woanders so heimisch fühlen zu können.

(Der Eitelkeit halber sei noch erwähnt: Ich tauche in einigen früheren Videos von Benny Lewis auf, weil wir auf denselben Esperanto-Veranstaltungen waren. Er hat auch ein Lied von mir verwendet.)

Wenn ich heute an den Tag zurückdenke, an dem ich das Jahr Auszeit angetreten habe, dann kommt es mir vor, als seien Jahre vergangen, so viele Erfahrungen habe ich gemacht, so sehr hat sich mein Leben verändert. Ich sehe jetzt viele Dinge anders, auch die Zeit vorher. Ich konnte aus der damaligen Situation heraus nichts weiter ändern, weil ich zu sehr in meinen bisherigen Rollen gefangen war. Vieles, das ich damals schon richtig gemacht habe, kann ich erst jetzt voll genießen. Die wichtigste Überzeugung, die ich in den vergangenen Monaten gesammelt habe, lautet: Ich kann ein ganz anderer Mensch sein.

Angenehmerweise habe ich es im November ebenfalls geschafft, einiges zu schreiben. Völlig aus der Reihe war der Eintrag über den 09. November 1989. Danach ging es weiter mit dem aktuellen Jahr ab Ende September: Ich besuchte einen Kollegen und seine Familie in Pankow, schaute am nächsten Tag im Leleland vorbei und reiste dann zurück nach Münster. Dort erwartete mich für ein paar Tage das ungewöhnliche Erlebnis namens „eine Mitbewohnerin„. Anfang Oktober war Kirmes in Nordwalde, über einige Ereignisse danach hatte ich bereits im Oktober selbst berichtet. In der Mitte des Monats fuhr ich für ein Wochenende nach Kempen, reiste danach ein weiteres Mal nach Budapest. In dieser Zeit besuchte ich Esztergom und gönnte mir bei der Gelegenheit den Spaß, zu Fuß über eine Brücke die Grenze zur Slowakei zu überqueren. Das Wochenende um den Monatswechsel herum verbrachte ich dann wieder in Fantasy-Gefilden, genauer gesagt auf dem Allaventurischen Konvent auf Burg Rieneck im Spessart. Damit bin ich mit dem Schreiben bei Anfang November angelangt. Und wie gesagt, der November hatte es in sich! Da war sogar der Oktober, in dessen zweiter Hälfte ich, von einer Übernachtung und einigen Stunden Pause abgesehen, ständig unterwegs war, vergleichsweise harmlos dagegen.