Wo gehe ich hin?

„What’s the buzz, tell me what’s a-happening?“ – Jesus Christ Superstar

„Where do I go? / Follow the river“ – Hair

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht sowie wie die Energie langsam zurückkommt.

In diesen Wochen und Monaten sind mir öfters zwei Musicals in den Sinn gekommen, die ich vor vielen Jahren unter anderem in der Schule gesehen habe. Es hat mich in eine merkwürdige, aber nicht unangenehme Unruhe versetzt, wie da anscheinend einige Lektionen aus der Vergangenheit etwas in mir zum Schwingen brachten.

Zum einen die Szene aus Jesus Christ Superstar, in der die Jünger eindringlich und immer wieder von Jesus eine Antwort darauf haben wollen, was gerade passiert und was der ganze Trubel soll. Sie sind zwar voller Hingabe und Energie – aber sie haben vor all der Aufregung den Fokus auf das Hier und Jetzt vergessen. Damit geht aber auch ihr eigentliches großes Ziel verloren und ihr ganzer Einsatz ist vergeudet. Sie brauchen auch nicht „beweisen“, dass sie wirklich interessiert sind – das merkt man schon schnell genug. Es fehlt ihnen hingegen an Geduld und Ruhe, und einem offenen Blick um das, was um sie herum noch geschieht. In diesen Jüngern erkenne ich mich wieder. So war ich sehr oft in den letzten Jahren. Scheinbar voller Tatentrang, aber gleichzeitig völlig unbewusst dessen, was wirklich zählt. Hellwach und tief schlafend zugleich.

What’s The Buzz – Jesus Christ Superstar

Zum anderen das Lied „Where do I go?“ aus dem Musical Hair. Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Alle großen Religionen haben sich mit diesen drei fundamentalen Fragen der Menschheit beschäftigt.

Wer ich bin, habe ich besser gelernt, seit ich mich auf die Suche nach dem Groove gemacht habe. Das hat auch mein Bewusstsein dafür geschärft, wo ich herkomme. Auf die dritte Frage habe ich hingegen noch keine Antwort – und ich habe das Gefühl, dass es gar nicht auf die Antwort ankommt, sondern vielmehr, überhaupt die Frage zu stellen. Die Frage offen zu lassen lädt einen zum Staunen und dazu, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich genauer umzuschauen, als schnurstracks von A nach B zu eilen.

Die Fernsehverfilmung von Hair hat dazu ein beeindruckende Szene – man sieht so viele verschiedene Leute auf der Straße, alle mit ihrem eigenen Leben und ihren eigenen Sorgen. Und der Mann, der hier singt, ist fast universal und könnte jeder Mensch sein. Es geht also nicht darum, dass hier ein Wehrpflichtiger am Ende ins Musterungsbüro geht, sondern um die Energie, die das Fragen alleine bereits beinhaltet. In diesem „Fragen ohne verzweifeln“ finde ich mich derzeit sehr stark wieder. Es putscht mich geradezu auf, die Frage nach dem größeren Sinn zu stellen.

Where do I go? – Hair (1979)

Das Thema im Intro, das durch verschiedene Instrumentengruppen wiederholt wird und aufpeitschend wirkt, die Streicher… es ist alles voller Energie und trägt zur Gesamtwirkung bei. Nicht alle Versionen sind so energievoll und treibend wie die Filmversion. Die oft sehr langsamen und ruhigen Arrangements erzeugen bei mir nicht den gleichen Effekt.

Es gibt allerdings noch eine Version, die ein wenig zurückgenommener ist, aber gleichzeitig ihre Wirkung erzielt. Dabei kommt die Stimme noch ein wenig besser zur Geltung, weil sie ein wenig mehr heraussteht. Ich habe sie erst vor wenigen Tagen entdeckt und bin sehr angetan von ihr!

Where do I go? – Hair (Original Broadway / Off-Broadway Cast Recordings)