Ein runder Geburtstag

Nein, es geht nicht um meinen eigenen Geburtstag, sondern um eine weitere Erzählung aus dem Sommer. Einer meiner besten Freunde (der, mit dem ich in meinen Geburtstag hineingefeiert habe) feierte im August seinen Geburtstag nach. Um etwas vorzubereiten, traf ich mich mit einem anderen meiner besten Freunde (mit dem, der jetzt das Computerspiel macht) in Hannover. Das war auch der Grund, warum ich aus Ungarn zurückkehren musste. So ergab sich überhaupt die Gelegenheit, dass ich einen Tag lang auf ein Fantasy-Festival als Besucher kam.

Zusammen fuhren wir nach getaner Arbeit und einem Freitag in fremden Welten am Samstag nach Köln, wo die Party steigen würde. Es gab ein Wiedersehen mit vielen Leuten, die ich über Esperanto kennengelernt habe und die mich zum Teil ab meinen Jahren als Jugendlicher begleitet haben.

Das Essen war gut, es gab ein paar tolle Gespräche und auch der Sketch, den wir zu zweit vorbereitet hatten, kam gut an. Aber der wirkliche Höhepunkt des Abends war für mich die Disco. In meiner Jugend war die eine Woche Esperantotreffen um Silvester herum das Ereignis schlechthin und die Disco der wichtigste Programmpunkt. Hier habe ich Nächte durchgetanzt, war der erste, der kam, und der letzte, der ging (meistens zum Frühstück). Es war eine ganz andere Stimmung als in normalen Discos; die Leute kannten sich einfach oder lernten sich dauerhaft kennen. Ohne diese Nächte hätte ich auch nie selbst als DJ angefangen. Passenderweise war jetzt in Köln mein ehemaliger Meister, DJ Nucki, anwesend, der seinerzeit auch der beste Esperanto-DJ war. In doppelter Hinsicht fühlte ich mich in alte Zeiten zurückversetzt – stärker noch als auf der 1990er-Jahre-Party oder in der Slowakei:

Ein weiteres Mal bestätigte sich, dass Esperantosprecher die härtesten Feierer sind, denn genau diese Gruppe rockte die Tanzfläche und tanzte bis in die frühen Morgenstunden. Dabei fiel mir einerseits auf, wie gut einige Leute tanzen konnten. Mein eigener Tanzstil, so gerne ich dafür Komplimente einheimse, ist im Vergleich dazu fast unspektakulär.

Andererseits stellte ich mit großer Freude fest, wie viele tolle Lieder es aus alten Zeiten gibt, die ich größtenteils zwar in meiner Sammlung habe, aber nicht mehr selbst auflege, weil ich meine, dass sie nicht mehr ankommen. Mit dem richtigen Publikum geht das! Insofern erwies es sich als richtig, dass ich selbst nicht als DJ tätig wurde, sondern nur ein paar Ideen einwarf. Es war schon toll, was die alten Bekannten alles an alten bekannten Liedern ausgruben.

Ein Stück neueren Datums fiel mir positiv auf. Es hatte die typische Disco-Gitarre der 1970er, aber klang ganz modern. Wie sich später bei meiner Recherche heraustellte, war das ein Riesenerfolg, der einfach nur komplett an mir vorbeigegangen war.

Daft Punk: Get Lucky

Ähnlich war es mir im März gegangen. Ich fuhr im Auto mit, da lief im Radio ein richtig schönes Stück. Etwas fetzig-funkig, nicht zu künstlich, und guter Gesang. Es handelte sich um „Happy“ von Pharrell Williams (der ja auch bei „Get Lucky“ von Daft Punkt singt – welch ein Zufall!)…

Am nächsten Tag verbrachte ich noch einige Stunden im Café, das zu dem Veranstaltungsort gehörte. Meine Bekannten von weiter weg hatten erst gegen Abend ihren Zug und ich hatte Zeit. So konnten wir noch beisammen sitzen und miteinander quatschen. Ein wenig Ukulele habe ich außerdem noch gespielt. Ein tolles Wochenende!

Mythodea

Dieses Jahr war ich schon in einigen Ländern. Aber zwischendurch war ich auch in anderen Welten unterwegs!

Das Fantasy-Wochenende Anfang Mai hatte ich nur kurz erwähnt, aber Anfang August war ich Tagesgast auf dem Fantasy-Konvent „ConQuest of Mythodea“ mit ca. 8.000 Teilnehmern. Der Con fand bei Brokeloh in der Nähe von Hannover statt.

Die Idee zum Besuch hatte einer meiner besten Freunde. Wir hatten noch etwas anderes vor (was der Grund war, warum ich am 04. August aus Ungarn zurückkehren musste), aber da die Vorbereitungen dafür gut voranschritten, konnten wir uns tatsächlich einen Tagen Mythodea gönnen.

Ein Kostüm hatte ich parat. Schließlich nehme ich seit Jahren am DSA-Briefspiel teil (mit einigen Leuten davon war ich im April in Jesberg) und besuche manches Treffen, auf denen man sich dann auch entsprechend verkleidet.

Leider hatte ich keine Zeit gehabt, mich in den Hintergrund von Mythodea einzulesen. Aber ich war schon mehrmals in eine LARP-Taverne in Welders verfluchten Landen (irdisch auf einem Hof in Ostbevern) eingekehrt und hatte ebenfalls eine kleine Hintergrundgeschichte rund um meinen Charakter improvisieren müssen. Diesmal entschloss ich mich, mich als Ukulele spielender Barde namens Thymion (wie Thymian, nur mit „o“!) vorzustellen.

Das Gelände war beeindruckend: Mehrere Zeltplätze voll, dazu Wiesen, die für Schlachten genutzt wurden. Als wir zu zweit ankamen, waren nur wenige Leute wach, das Aufstehen zog sich bis zum Mittag hin. Immerhin fiel ich gleich mit meinem Instrument auf und wurde angesprochen. In einem Zelt gab es Kaffee, ein paar gelangweilte, aber lustige Wachen gaben sogar Schnaps aus (nicht mir – ich trinke ja nach wie vor keinen Alkohol). Spätestens als die Fantasy-Stadt aus ihrem Schlaf erwacht war, kam es zu häufigeren Kontakten. Ich spielte traurige Musik auf zwei inszenierten Beerdigungen, wurde von Musikerkollegen eingeladen und nahm – wenn auch recht erfolglos, aber es ging ja ums Mitmachen – an einem Bardenwettbewerb teil. An einem Crêpestand wies ich mit meiner Musik nicht nur einen ziemlich großen und durchtrainierten Typen in die Schranken (alles nur gespielt natürlich!), sondern gab mehreren Frauen einen Ohrwurm und ergatterte sogar ein Gratis-Crêpe! Die Musikerrolle war wunderbar geeignet, um mit ganz verschiedenen Leuten ins Gespräch zu kommen. Ich hätte allerdings noch mehr fantasytaugliches Repertoire drauf haben sollen – mein Begleiter bekam ständig dieselben Sachen zu hören.

Mit mehr Vorbereitung hätte ich sicherlich noch besser in die Welt eintauchen können, aber selbst so war es schon beeindruckend, welchen Aufwand die Leute bezüglichen Kostümen und Ausrüstung betrieben hatten. Außerdem tummelten sich extrem lustige und kreative Menschen dort.

Wie groß die Vernstaltung war, das zeigen drei Videos beim NDR. Und auch sonst gibt es einige Aufnahmen, ich nenne nur eine weitere:

Mythodea 2014