Länderbilanz 2014

Ein Jahr geht zuende und da schaut man natürlich gerne zurück. Früher habe ich oft mit meinen besten Freunden einen Jahresrückblick gehalten. In diesem Blog bietet sich das aus zweierlei Gründen nicht so sehr an: Zum einen fasse ich jeden Monat zusammen, was ich gemacht habe. Zum anderen läuft das Jahr Auszeit noch eine Weile und danach schreibe ich lieber einen Gesamtrückblick.

Was sich hingegen lohnt, ist eine Liste der Länder, in denen ich 2014 gewesen bin. Das hatte ich bisher auf der Länderliste getan, aber sie soll idealerweise den Zeitraum des Auszeitjahres umfassen.

Neue Länder, die ich zwischen dem 01.04. und 31.12.2014 besucht habe:

  1. Luxemburg
  2. Vatikan
  3. Schweden
  4. Spanien
  5. Andorra
  6. Slowenien
  7. Monaco
  8. Liechtenstein

Weitere Länder, die ich in dieser Zeit besucht habe, in denen ich jedoch bereits gewesen bin:

  1. Deutschland
  2. Frankreich
  3. Schweiz
  4. Italien
  5. Dänemark
  6. Österreich
  7. Slowakei
  8. Ungarn
  9. Niederlande
  10. Polen
  11. Belgien

Länder, die ich zwischen dem 01.01. und 31.03.2014 besucht habe:

  1. Tschechien

Summe der Länder 2014 insgesamt: 20

Wenn ich das vergleiche mit der Liste der Länder, in denen ich zuvor gewesen bin, dann stelle ich fest: 2014 bin ich in so vielen Ländern gewesen wie zuvor in meinem gesamten Leben. Keine schlechte Leistung für dieses Jahr.

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Ach, Schweden, komm und gib mir Deine Hand

Schweden war so toll und es gibt noch soviel zu erzählen! Trotzdem war hier im Blog seit fast einer Woche Pause und zwar aus dem besten Grund von allen: Ich bin zu faul zum Schreiben. Ich habe seit Tagen kein Internet zu Hause. Ich war direkt wieder los. Aber zuerst gilt es, alles zu berichten, was ich noch in Schweden gemacht habe.

Die Anreise mit Hindernissen hatte das Abenteuer-Element, der erste Abend tolle Begegnungen in Stockholm und das Mittsommerfest war zauberhaft. Doch die Zeit in Härnösand ging noch weiter! Am nächsten Tag trafen sich die meisten Teilnehmer des Fests (und einige andere) erneut, um den Geburtstag des dänischen Esperantosprechers nachzufeiern, der mich vom Bahnhof abgeholt hatte. Ich war vorgewarnt und hatte eine Esperanto-CD eingepackt (das Album „Regestilo“ von Jonny M, meiner Meinung nach das Esperanto-Album des Jahres 2013).

Es setzte sich fort, was schon am Abend zuvor geschehen war: Es wurde unheimlich viel leckeres Zeug aufgetischt und gegessen. Diesmal waren jedoch ganz viele Kinder anwesend, die ebenfalls versorgt werden wollten und fröhlich herumtollten. Es wirkte wie Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag in der Großfamilie.

Etwas später kamen noch zwei Syrer hinzu. Ihre Schwedisch-Lehrerin war eine der Esperantosprecherinnen. Erneut erlebte ich ein Beispiel, wie Integration in Schweden funktioniert.

Anwesend waren jedoch noch zwei Freunde des Geburtstagskindes, die Gitarre spielen konnten. Es fing ganz harmlos an mit zwei Liedern, dann stieg ich mit der mitgebrachten Ukulele ein und präsentierte einige Esperantolieder (was die Esperantosprecher erfreute und die anderen erstaunte – so etwas hatten sie wohl noch nicht gehört bzw. hätten sie nicht vermutet), schließlich kam noch eine Schwedin mit ihrer Mundharmonikasammlung hinzu und schon war das schönste Jammen im Gange!

Für mich war das etwas ganz Besonderes, weil ich zum ersten Mal auf Zuruf ein mir bislang unbekanntes Lied mitspielen konnte. Vor allem konnte ich anhand der ersten Akkorde erkennen, welche sonst noch vorkommen würden. Die theoretische Erziehung (Quintenzirkel!) hat sich voll und ganz gelohnt!

Der Höhepunkt war ein schwedisches Frühlingslied, das dem Gitarrenspieler heilig war. Es stammt aus der Serie „Michel aus Lönneberga“ (der im Original übrigens Emil heißt – wieso man wohl in der Übersetzung den Namen geändert hat?).

Idas sommarvisa: Jag gör så att blommorna blommar

Astrid Lindgren, Frühling, Musik – mehr Schweden geht nun wirklich nicht! Und ich durfte Teil davon sein. Erneut überkam mich ein Gefühl, das ich schon einige Male während meines Aufenthaltes gehabt hatte: Ist es nicht herrlich, am Leben zu sein?

Stockholm, ich liebe Dich!

Nach meiner abenteuerlichen Anreise und einem kurzen Frischmachen kam direkt der erste Höhepunkt meines Aufenthaltes in Stockholm: Ich traf Martin Wiese, eines meiner musikalischen Idole! Er hatte ja als einziger beim Amplifiki-Konzert über Ostern gefehlt, was allerdings dazu geführt hat, dass ich als Sänger eingesprungen bin – einer der schönsten Tage in meinem Leben!

Martin Wiese

Martin Wiese


Texte seiner Lieder, die er für Persone oder seine Solo-Aktivitäten geschrieben hat, waren während der ganzen Reise in meinem Kopf und konkurrierten um meine Aufmerksamkeit. Longe for („Weit weg“) ist ohnehin eines meiner Lieblingslieder, das ich seit vielen Jahren mit Band oder alleine nachspiele. Jetzt passte es auch inhaltlich wunderbar: Den Rahmen bildet die Erzählung darüber, wie der Frühling gekommen ist (und langsam der Sommer kommt) und wie herrlich die Tage nun sind. Konnte es eine bessere Einstimmung auf eine Reise nach Skandinavien geben?

Stockholm selbst hat übrigens in einem anderen Lied auf demselben Album eine Hymne bekommen. Der Refrain lautet:

Ja, Du bist schön, schön wie das schönste Mädchen /
Stockholm, ich liebe Dich

Und so saßen wir vor einer spanischen Tapas-Bar direkt um die Ecke von meinem Hotel. Ein unwirkliches Gefühl: Es wirkte so alltäglich, und doch war es das erste Mal, dass wir das in seinem Heimatland und seiner Heimatstadt machten! Ich hatte zwei Ukulelen mitgebracht, auf denen wir dann ein wenig spielten. Zwischendurch kamen Passanten vorbei und freuten sich über die Darbietung.

Nachdem sich Martin verabschiedet hatte – er musste ja am nächsten Morgen arbeiten – ging ich noch ein wenig alleine los, um ein spätes Abendessen zu bekommen. Auf dem Rückweg sprach mich ein schwedisches Pärchen an: Ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen einen trinken zu gehen? Nun trinke ich zwar nach wie vor keinen Alkohol, obwohl ich es wieder dürfte, aber das war ja kein Hindernis. Für die beiden war es die letzte Runde; ich blieb noch und trank meine große Cola aus, als – es war bereits Mitternacht – das Spiel Kamerun – Kroatien angepfiffen wurde. Eigentlich hätte ich ja müde sein müssen nach der langen Reise, aber ich hatte noch ein wenig WM zu gucken. Da mich das Spiel durchaus fesselte, sprach mich irgendwann das Paar am Nebentisch an. Über Fußball kamen wir dann wunderbar ins Gespräch über Gott und die Welt. Nach der Partie machten wir sogar zusammen Musik – gut, dass ich nach wie vor die beiden Ukulelen dabei hatte!

Als wir schließlich gingen, war es kurz vor 3 Uhr morgens und fast taghell draußen. Was für eine faszinierende Erfahrung!

Stockholm bei Nacht

Stockholm bei Nacht

Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut

Rom war toll: Ich habe den Vatikan gesehen, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und war in den Vatikanischen Museen. Am letzten Abend habe ich noch einige Fotos im Lateransviertel gemacht, in dem mein Hotel stand. Wie erwähnt ist es schwer, irgendwohin zu gehen und nicht etwas Interessantes zu sehen. Abends aß ich wieder im Lokal ganz in der Nähe (die Adresse lautet via Santa Croce in Gerusalemme 31; sie haben die Speisekarte inklusive Touristenmenüs außen an der Mauer!).

Nach dem Abendessen machte ich noch einen kleinen Ausflug zum Forum Romanum und einen nächtlichen Spaziergang bis zum Kapitol. Dabei habe ich allerdings keine Kamera mitgenommen. Angenehmerweise waren um diese Zeit noch genügend Leute unterwegs, so dass es sicher war.

Die Rückreise am nächsten Tag war problemlos. Insbesondere der direkte Zug zum Flughafen, für den ich mir am späten Nachmittag vorher bereits eine Fahrkarte gekauft hatte, machte die Sache angenehm entspannt. Das Wetter in Deuschland war dann überraschend kalt und regnerisch. Da wäre ich gerne in Rom geblieben, wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich bereits am nächsten Tag Besuch bekommen würde…

Aber ich habe ja noch eine kleine Anekdote versprochen. Nach meinem sechsstündigen Marathon in den Museen ging ich in das Lokal, das ich schon zweimal besucht hatte. Ich fand nicht nur Essen und Getränke gut, die Bedienung schien sich doch beide Male sehr zu freuen, dass ich wiederkam und dass man mit mir Italienisch reden konnte.

Diesmal setzte ich mich draußen hin, um die Frischluft zu genießen. An einem Tisch neben mir saß scheinbar auch eine Touristin, denn ich hatte beim Vorbeigehen ein Buch namens „Italie“ gesehen. Allerdings sah sie nicht wie eine typische Touristin aus, recht adrett gekleidet, ohne aufreizend oder aufgedonnert zu sein, eine richtig stilvolle Dame, die irgendetwas zwischen Mitte 20 und Mitte 30 sein konnte. Sie ging zwischendurch hinein. Als sie wiederkam, sprach ich sie an, denn es ist ja durchaus nicht ungefährlich, seine Sachen unbeaufsichtigt draußen zu lassen. Wie sich herausstellte, war sie Französin. Sie antwortete auf Englisch, da sie mein (automatisch gewähltes) Italienisch nicht verstand, und ich redete auf Französisch weiter. Sie fragte mich noch ein paar Sachen, ich fragte sie aber meinerseits dann nicht zurück, weil ich sie auch nicht belästigen wollte. Nachdem wir beide bezahlt hatten, habe ich sie aber noch einmal kurz angesprochen. Sie wollte noch zu Fuß gehen und hatte nach dem Weg gefragt, ich wollte zur Metro, weil mir doch ein wenig die Füße weh taten und ich noch eigene Ziele hatte (bestimmte Sachen ansehen, Fahrkarte kaufen, wie oben erwähnt).

Schade, dass es so kurz war, aber trotzdem (oder gerade deswegen, weil ich nicht so gedrängt habe) eine sehr nette Zufallsbekanntschaft! Vor allen Dingen zahlte sich jetzt die elegante Kleidung aus, die ihrer in nichts nachstand. So war ich eben nicht der typische Tourist, den man sofort erkennen konnte, sondern zumindest interessant. Es waren auch ideale Bedingungen gewesen, um meine übliche Schüchternheit zu überwinden: Ich fühlte mich so richtig wohl, ich kannte den Ort, an dem ich war, sprach die Sprache, ja konnte sogar anderen Touristen (wieder auf Französich) helfen, die zwischendurch vorbeikamen und die Metro suchten und mich erst auf Englisch angesprochen hatten. Ich hatte die Lage im Griff und kam mir souverän vor. Ist es ein Wunder, wenn ich dann ganz locker vom Hocker bin und offensichtlich auch so rüberkomme? Und genau diese Lockerheit ist es, die ich in den letzten Jahren so sehr vermisst habe.

Ich habe mich viel zu sehr von dem leiten lassen, was ich als meine Pflicht angesehen habe, und das alles viel zu ernst genommen. Dabei ist locker sein doch das Salz in der Suppe des Lebens, ohne das schmeckt alles so fad…

Diese Situation, in der ich Souveränität ausstrahlte, erinnerte mich an die besten Zeiten meines Lebens. Ob Liebe oder Musik, in diesen Phasen gelang es mir immer, alle Zweifel auszublenden so wie störendes Rauschen im Hintergrund. Da möchte ich wieder hin. Ich glaube, dass es auch für andere Menschen besser ist, wenn ich wieder öfters so eine Ausstrahlung habe. Der Kampf hin zu mehr Selbstbewusstsein ist ein lohnendes Ziel.