Mensch statt Held

„Wir sollten versuchen, Menschen zu werden, denn Affen sind wir ja schon.“ – Funny van Dannen: Bonobo

Morgen ist es genau ein Jahr her, seit ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove begeben habe – und sieben Jahre seit dem Beginn meiner Auszeit.

Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus den ersten drei Quartalen zusammen:

Was habe ich in den letzten drei Monaten des ersten Jahres meiner Suche erlebt?

Ich habe mir das richtige Ziel für dieses Jahr vorgenommen: meine Sehnsucht zu bewahren.

Bereits im Januar erlebte ich, wie der Groove zurück kam. Später freundete ich mich mit der Idee an, dass ich ein extrovertierter Hochsensibler sein könnte.

Ich lernte, den den inneren Dialog zu hören – und dass es sich lohnt, ihn zu verändern. Ich erkannte ein negatives Selbstbild – und dass ich es durch ein positives ersetzen kann.

Ich sah meine starke Reaktion auf Musik in neuem Licht.

Endlich verstand ich, dass ich die ganze Zeit ok war und meine Gefühle richtig waren.

Das Verstehen meiner Gefühle und Erkennen, wer ich wirklich bin waren wichtige Schritte voran.

Ich erzielte außerdem einen Lernerfolg und begann außerdem, Altes zu beenden.

Ich möchte dieses erste Jahr meiner Suche mit einer Coverversion beenden, die ich erst vor kurzem entdeckt habe und die in mir immer sehr gute Gefühle hervorbringt. 80er Jahre, Metal – was will man mehr?

At The Movies: We Don’t Need Another Hero

Ich glaube tatsächlich inzwischen, dass ich kein Held sein muss. Es reicht, ein Mensch zu sein.

Herz voll Mut

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr sowie darüber, den Kurs zu halten.

Ich habe erneut einige schwierige Tage hinter mir, an deren Ende jedoch steht, dass mir neue Erkenntnisse gekommen sind. Viele Gespräche der letzten Wochen und Monate haben bewirkt, dass sich die Zahnräder im Kopf langsam weitergedreht haben.

Ich werde hier bewusst nichts ins Detail gehen (dieses Blog soll kein Seelenstriptease werden). Entscheidend ist ohnehin, was es bewirkt hat. Nachdem ich eine bestimmte Sache verstanden hatte, war ich plötzlich gelöst und fröhlich und sagte zu mir selbst:

„Ja, aber dann bin ich ja gar kein Versager!“

Etwas später verblüfft:

„Ich war ja sogar sehr gut, über die Maßen erfolgreich!“

Und schließlich, völlig entspannt:

„Es hatte nichts mit mir zu tun.“

Meine Gefühle waren erstaunlich richtig. Ich war nicht naiv in dem, was ich wollte und getan habe. Die letzten Jahre waren nicht umsonst.

Beachtlich ist, dass dieser Blick zurück ohne Bitterkeit und Schuldzuweisung erfolgen konnte. Schuld spielt keine Rolle. Der Blick auf das jetzige Leben kommt ohne Bewertung der Vergangenheit aus. Es spielt auch keine Rolle, ob dieser Zustand so bleibt. Entscheidend ist, dass ich ihn überhaupt in so kurzer Zeit erreicht habe.

Mir ist eine weitere Sache klar geworden: Den Groove habe ich nicht verloren, weil ich etwas falsch gemacht habe. Ich habe das richtige getan. Ich konnte in dieser unmöglichen Situation nicht bestehen – niemand hätte das.

Aber das, was ich über meinen Groove gelernt habe, wird mich wieder herausführen aus der jetzigen Situation: Der Zugang zu den eigenen Gefühlen und vor allem das Wissen um den Wert der eigenen Verletzbarkeit.

Angelehnt an das Lied vom „Leben danach“ von Sasha: Ich sehe schon beinahe die neuen Türen, die aufgehen.

Wenn die Vergangenheit kein Urteil über mich bedeutet, dann bin ich frei, eine neue Zukunft zu suchen.

Auch die Traurigkeit und Enttäuschung waren nichts, was mich auf Dauer fesseln muss. Die Hobbits sind auch nicht nach dem ersten Besuch in der Kneipe wieder gemütlich nach Hause gegangen, sondern mussten Tod und Schmerz erleben. Aber am Ende haben sie das Auenland wiedergesehen.

Für die Zukunft brauche ich nur Mut. Ich sehe jetzt, dass ich viel Mut gezeigt habe in den letzten Jahren. Warum soll es nicht wieder funktionieren?

Two Steps from Hell: Heart of Courage

Die Sehnsucht bewahren

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Meine Idee, für Silvester einen Discord-Server einzurichten, hat sich als große Klasse erwiesen. Ich habe Dutzende Freunde wiedergesehen und mit einigen von ihnen sogar aus der Entfernung getanzt! Ein – unter den gegebenen Umständen – großartiger Abschluss des Jahres!

Ein neues Jahr bringt immer Hoffnung auf Veränderung, aber auch das Risiko, schnell enttäuscht zu werden. Deswegen möchte ich mich diesmal von Anfang an auf das konzentrieren, das mir persönlich wichtig ist. Pflichten wird es genug geben!

So wie im letzten Eintrag möchte ich das mit einem Foto und einem Lied zum Ausdruck bringen. Das Foto ist vom Januar letzten Jahres und zeigt die Sprachbücher, die ich gekauft hatte, um meiner Länderliste wenigstens ein neues Land hinzuzufügen:

Kauderwelsch Wort für Wort 2020-01-17 215925

4 Strings – Take Me Away (Into The Night)

Dieses Lied kenne ich durch eine CD, die einer meiner besten Freunde Ende 2002 für mich zusammengestellt hat.

Darauf befanden sich einige Stücke von Chicane, dessen Musik sowohl während meiner Auszeit als auch als Erinnerung an meine Träume eine Rolle spielt. Dieses Trance-Stück geht in eine ganz ähnliche Richtung. Ich verbinde damit sogar sehr viele Dinge:

  • die Erinnerung an eine Freundschaft, die sich gerade in schlechten Zeiten bewährt
  • der Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen
  • das Verlangen nach Kreativität, insbesondere selbst Musik zu machen
  • die Sehnsucht nach dem Reisen

An das Lied wurde ich durch eine neuere Version erinnert, auf die ich wie ein anderes Stück durch denselben Freund Ende Februar / Anfang März letzten Jahres aufmerksam gemacht wurde. Kurioserweise habe ich erst vor einigen Monaten erfahren, dass das Stück aus den Niederlanden stammt:

The story behind „4 Strings – Take Me Away (Into The Night)“ with Carlo Resoort | Muzikxpress 061

Es gibt also sogar eine Verbindung zu meiner Wahlheimat!

Die Stimmung und der Titel drücken es für mich so klar aus: Ich möchte noch einmal verreisen, all die Pflichten hinter mir lassen, mich selbst in einem anderen Kontext erleben, zeigen, was ich außer Routine noch kann. Ich habe mir das verdient. Ich bin es mir wert.

Auf der Schwelle zum neuen Jahr

Übermorgen sind es genau neun Monate, seitdem ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Groove gemacht habe. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen.

Was habe ich im dritten Quartal meiner Suche erlebt?

Am wichtigsten waren sicherlich die Minuten, in denen der Groove zurückkam sowie meine wiedergefundene Kreativität. Das waren ohne Zweifel Höhepunkte des Jahres.

Dabei war auch das letzte Quartal alles andere als einfach: Die Lieder, die mich durch die Nacht bringen sowie ein erstaunlich tiefgründiges Lied von Sasha hatte ich bitter nötig.

Ich habe kurz geklärt, was dieses Blog hier wird (und was nicht), und mich dann mit den Dingen beschäftigt, die mich früher und bislang zurückgehalten haben, etwa Schuld und Schuldgefühle.

Das neue Lebensjahr nahm ich zum Anlass, zu überlegen, wie ein Neuanfang aussehen kann.

Durch meine Beschäftigung mit Glauben und Zweifel kam ich auf eine persönliche Vision: Nicht weggeworfen zu werden für die eigenen Gefühle. Eine andere Facette der Vision meiner persönlichen Zukunft ist eine wirklich moderne Männlichkeit.

Für den Blick nach vorne war es wichtig, mich an den Sinn des Staunens zu erinnern, um zu erkennen, dass das Gute, das geschieht, nicht allein durch unsere Taten oder das Jetzt bestimmt wird.

Ich habe meine eigene Aufgabe erkannt und dabei drei konkrete Ansatzpunkte für den Alltag formulieren können.

Selbst in der Jahresendmüdigkeit habe ich noch einen positiven Ausblick auf das nächste Jahr formulieren können.

Ich möchte den letzten Eintrag diesen Jahres mit einem Foto und einem Lied abschließen.

Vác 2019-12-27 073215

Das Foto habe ich in Vác aufgenommen, am 27.12. letzten Jahres, frühmorgens, als ich auf einen Anschlusszug gewartet habe zu Beginn meiner letzten großen internationalen Reise von Ungarn über die Slowakei und Tschechien nach Polen. Es ging mir damals unglaublich schlecht, und doch – ich erinnere mich daran, wie mich die alte Reiselust überkam, die so lange hatte pausieren müssen. Im neuen Jahr möchte ich schaffen, was ich schon für dieses geplant hatte, und endlich meine Länderliste um einen neuen Eintrag ergänzen.

Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal seit 32 Jahren zu Hause. So sehr es mich schmerzt, die Tradition dieses Jahr nicht wie gewohnt fortführen zu können, so sehr freue ich mich über einige Möglichkeiten des Internets. Ich habe vor einigen Tagen einen Discord-Server erstellt, auf dem ich eine Disco aus der Ferne machen kann. Vielleicht klappt es sogar, den Menschen in verschiedenen Zeitzonen zum neuen Jahr zu gratulieren!

Der Text des Liedes „Nova jaro“ (neues Jahr) von Martin Wiese bekommt diesmal noch eine besondere Bedeutung:

„La jaroj venas kaj malaperas /
Pri kelkaj eble vi ne fieras /
kaj se fiaskis la pasinta /
via venonta certe estos la pinta“

„Die Jahre kommen und gehen /
auf einige bist Du vielleicht nicht stolz /
und wenn das vergangene ein Misserfolg war /
wird Dein nächstes sicherlich das beste“

Der Blick zurück hat mir sehr geholfen, denn er zeigt eines ganz deutlich: Dieses Jahr endet für mich in allen wichtigen Lebensbereichen besser, als es begonnen hat!

Die Nacht ist schon im Schwinden

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens, was dieses Blog hier wird (und was nicht), die eigene Aufgabe zu erkennen, ein erstaunlich tiefgründiges Lied von Sasha, Glauben und Zweifel, wie der Groove zurückkam, Jahresendmüdigkeit, menschliche Männlichkeit
sowie über Schuld und Schuldgefühle.

Der dunkelste Tag ist vorbei! Seit vorgestern gewinnen wir ein halbes Jahr lang täglich einige Minuten Helligkeit dazu. Die Talsohle ist durchschritten. Und so fühle ich mich auch persönlich. Ich habe beim Durchsehen von Fotos einige von mir von Ende letzten Jahres gefunden: Mein Gott, wie fertig ich aussehe. Ich habe andere Fotos gefunden, die mich daran erinnerten, wie ich fast nichts mehr genießen konnte, wie sehr mich bestimmte Themen in Beschlag hielten – und wie ich in meiner damaligen Rolle einfach nicht glücklich werden konnte.

Derzeit habe ich zwei Wochen Urlaub. Was ich beachtlich finde, ist dabei, wie ich mich fühle: Eine so geringe Alltagslast habe ich seit bestimmt fünf Jahren nicht mehr gehabt. Jeden Tag erledige ich ein paar Pflichten und dann ist noch so viel Zeit und Energie da. Und das in einer Jahreszeit, in der ich normalerweise deutlich müder bin!

Jetzt, wo mein Geist endlich einmal zur Ruhe kommen kann, kommt eine meiner wertvollsten Eigenschaften wieder zurück (also eine, die ich selbst am meisten an mir schätze), nämlich meine Kreativität. Kreativ war ich auch während diesen Jahres, keine Frage. Dennoch habe ich mich oft auf die kleinen Dinge beschränkt. Für große Sprünge war keine Kraft und Konzentration da.

Was ich darunter verstehe? Ich schreibe, übersetze und dichte seit vielen Jahren Lieder um. Für jedes Jahr habe ich mir vorgenommen, zumindest einen neuen Text zu schaffen. Dafür habe ich inzwischen Dateien und Papierhefter mit Notizen aller Art: Fragmenten, Ideen, Textzeilen, Reimen, Akkorden und sogar der Analyse der Originalstruktur eines Textes. Leider ging mir das schon einige Jahre nicht mehr leicht von der Hand; irgendwie hatte ich meistens eine geistige Blockade, die Inspiration kam einfach nicht mehr. Am besten ging es immer noch während Veranstaltungen (inklusive An- und Abreise), weil ich dann die richtige Stimmung hatte. Aber dieses Jahr war mit Treffen und Reisen ja nicht viel los…

Ich hatte mir vorgenommen, vor Ende des Jahres dennoch einen Text zuende zu bekommen. Das war eine der wenigen Sachen, die mir für dieses Jahr noch wichtig waren! Und was soll ich sagen? Plötzlich ging einiges wieder.

Seit 2001 bin ich Mitglied der Band „La Kuracistoj“, die „Die Ärzte“-Lieder auf Esperanto nachspielt. Das allererste Repertoire stammt nicht von mir; seit 2002 habe ich jedoch einige Übersetzungen beigetragen. Diese Liedertext-Übersetzungen stellten für mich – abgesehen von meinem eigenen Lied „Al la liberec'“ – immer die Krönung meines Schaffens dar.

In den letzten Tagen ist für mich ein kleines Wunder geschehen: Ich habe eine erste Fassung einer neuen Übersetzung fertigbekommen. Die Idee, genau dieses Lied zu übersetzen, hatte ich schon vor vielen Jahren – ich meine sogar, es sei eine meiner ersten Einfälle überhaupt gewesen. Dann war aber lange Schluss mit der Inspiration: Die Übersetzung lebte in Form von Notizen jahrelang in einem Schnellhefter, ohne dass mir zündende Ideen kamen. Ich habe zum Teil sogar mehrere Entwürfe für dieselben Abschnitte notiert, war dennoch nicht zufrieden. Und jetzt habe ich innerhalb weniger Tage alle ausstehenden Übersetzungsprobleme gelöst, ohne sogar in einer Esperanto-Umgebung zu sein! (Welches Lied ist es ist, verrate ich übrigens noch nicht – es muss immer noch das Korrekturlesen durch jemand anderen kommen und dann ein eventueller Feinschliff.)

Diese Kreativität, die Fähigkeit meines Hirns, so eine kreative Leistung zu vollbringen, ist für mich einer der eindeutigsten Hinweise darauf, dass es mir besser geht. Wunder über Wunder: Für ein anderes Lied sind mir ebenfalls bereits Zeilen eingefallen – ich hielt es zuvor für „schwer übersetzbar“. Mal sehen, was daraus wird!

Ich wollte bei der Gelegenheit endlich meine elektronischen Notizen aktualisieren und einmal nachlesen, wann ich denn das letzte Mal „Die Ärzte“ (zuende) übersetzt habe. Stellt sich raus: Sommer 2011. Neuneinhalb Jahre!

Das hat mir zu denken gegeben. Wenn ich wenige Pflichten habe, bekomme ich Sachen hin, die mir wichtig sind und bei denen ich den Teil meiner Persönlichkeit zeigen kann, die ich für am wertvollsten halte. Warum soll es denn nicht so weitergehen? Wenn ich mich freischaufele, kann das häufiger geschehen! Ich habe dieses Jahr besonders gespürt, dass die Zeit begrenzt ist und ich sie so gut wie möglich nutzen sollte. In diesem Sinne:

  • Es wird keine bessere Zeit kommen als heute.
  • Es wird keine günstigere Gelegenheit geben als die jetzt.
  • Ich kann niemals jemandem so wichtig sein wie ich mir selbst.

Um meine Kreativität so gut wie möglich zu fördern, möchte ich:

  • Alle Notizen zu einer Quelle zusammentragen. Ich bin es mir wert!
  • Alle anderen Aktivitäten (Rezensionen für andere…) ruhen lassen, bis ich meinen eigenen Kram sortiert habe.

Schuld und Schuldgefühle

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens, was dieses Blog hier wird (und was nicht), die eigene Aufgabe zu erkennen, ein erstaunlich tiefgründiges Lied von Sasha, Glauben und Zweifel, wie der Groove zurückkam, Jahresendmüdigkeit sowie über menschliche Männlichkeit.

An den Eintrag von letzter Woche anknüpfend möchte ich heute über eine weitere Erkenntnis berichten, zu der ich erst kürzlich gekommen bin und die mich umgehauen hat: Wie schnell sich Schuldgefühle einschleichen!

Von dem Konzept, dass sich Leute von überflüssigen Schuldgefühlen leiten lassen und dadurch gebückt und sich selbst einschränkend durchs Leben gehen, hatte ich schon gehört. Aber ich hätte nie gedacht, dass das auch auf mich zutreffen würde! Ich hatte doch einen hohen Sinn für Freiheit! Wie könnte ich mich da so sehr selbst knechten?

Mir war klar, dass sie eine „Anleitung zum Unglücklichsein“ (Paul Watzlawik) sind. Schuld hat eine soziale Funktion: Man zeigt Reue, damit man nicht ausgeschlossen wird aus der Gemeinschaft. Sich selbst mit Schuldgefühlen zu überhäufen und dann zu bestrafen hat jedoch keinen Sinn. Niemand hat etwas davon!

Beim Nachdenken über mein Leben, meine Gefühle und ihre Auslöser bin ich jedoch immer wieder darauf gestoßen, dass sich Schuldgefühle eingeschlichen haben. Einige Beispiele:

Ich tute mich mit irgendeiner Sache oder Aufgabe schwer. Plötzlich fühle ich mich schuldig, „weil ich nicht einmal das hinkriege“. Dabei steht nirgendwo geschrieben, dass jeder alles können muss oder dass einem alles leicht von der Hand gehen muss, um ein anständiger Mensch zu sein.

Ich sehe irgendetwas in der Wohnung, das nicht gut aufgeräumt ist. Ich bekomme Schuldgefühle, „wie wenig ich doch mein Leben im Griff habe“. Es gibt jedoch nach meiner Erfahrung niemanden, der eine 100% Tipptopp-Picobello-aufgeräumte Wohnung hat. Und diejenigen Leute, die das schaffen, stelle ich mir als sehr langweilig vor.

Ich habe viele Projekte, von denen die meisten aus Zeitgründen ruhen. Ich habe Schuldgefühle, „weil ich offenbar nichts zuende bringen kann“. Allerdings merke ich bei den meisten Aktivitäten, dass ich länger am Ball bleibe als andere. Ich habe nur viele Interessen und widme mich einer Sache lieber ganz, als sie „so irgendwie halb nebenher“ zu machen.

In meiner Sammlung gibt es viele ungelesene Bücher und ungehörte CDs. Mich überkommt ein Gefühl von Schuld, „dass sie ungenutzt rumstehen und ich für viele noch keine Rezension geschrieben habe“. Dabei sind solche Dinge zum Vergnügen und Entspannen da, nicht als Pflicht.

Solche künstlichen Schuldgefühle führen dazu, dass ich Schlechtes akzeptiere, das mir passiert (etwa schlecht behandelt zu werden) und dass ich das als „gerechte Strafe“ empfinde. Ich glaube, dass auch mein übersteigertes Verantwortungsgefühl zusammen mit der Erfahrung schlechter Behandlung dazu geführt hat, dass ich Angst davor habe, etwas „einfach zu genießen“ (mir könnte ja etwas passieren).

Dazu ein Satz von Alain de Botton über die Liebe: „Wir suchen uns Zähne, die zu unseren Wunden passen.“ Ich habe mit Erschrecken festgestellt, dass ich oft die Liebe gesucht habe, die schwierig ist, die ich „mir verdienen“ musste, bei der ich „mich stark beweisen“ musste.

Kein Wunder, dass ich so schnell ausgelaugt war. Ich bin oft nur unter den allerschwersten Bedingungen angetreten und habe nie geglaubt, dass ich darunter überhaupt eine Chance gehabt hätte, geliebt zu werden. Aber Erkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zum Ausstieg!

Für eine menschliche Männlichkeit

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens, was dieses Blog hier wird (und was nicht), die eigene Aufgabe zu erkennen, ein erstaunlich tiefgründiges Lied von Sasha, Glauben und Zweifel, wie der Groove zurückkam sowie über Jahresendmüdigkeit.

Ich hatte bereits über falsche Lehren aus der Popkultur geschrieben und den Sinn von Zorn und Weinen. Das heutige Thema ist damit verbunden. Ich habe erst vor kurzer Zeit erkannt, was für ein negatives Männerbild ich lange Zeit gehabt habe.

Kurioserweise war ich immer der Meinung, doch einem ganz anderen Ideal anzuhängen, das ich auch in meiner Erziehung erlebt habe: Alle Menschen sind gleichwertig. Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

Parallel dazu habe ich jedoch ein falsches Männerbild mitbekommen (insbesondere durch Popkultur und öffentlichen Diskurs):

  • Männer sind emotional verkrüppelt / unreflektiert.
  • Männer sind minderwertig (müssen erst etwas leisten, bevor sie akzeptiert werden können).
  • Männer sind eine Last (müssen daher nützlich sein, damit man sie überhaupt ertragen kann).

Auch, was Beziehungen angeht, gab ein klares Urteil. Wenn eine Beziehung scheitert, bekommt zunächst einmal der Mann automatisch die Schuld. Die drei üblichen Erklärungen lauten:

  • Der Mann war nicht gut genug / hat nicht genug getan.
  • Der Mann war nicht modern genug / kam nicht mit modernen Zeiten zurecht.
  • Der Mann war emotional unreif / hatte kein Verhältnis zu seinen Gefühlen.

Ich war völlig perplex, als ich erkannt habe, wie ich diesem Erklärungsmuster Schritt für Schritt gefolgt bin. Erst als ich „meine Unschuld bewiesen hatte“, konnte ich mich davon lösen. Dabei sollte man davon ausgehen, dass niemand schuldig ist für etwas, das man ist.

Es hilft nicht weiter, dass im modernen Diskurs der Mann als Wesen mit Rechten und Gefühlen nicht vorkam. Das traditionelle Männerbild sieht so aus:

  • Der Mann muss stark sein.
  • Der Mann muss sich beweisen.
  • Der Mann kann beliebig verheizt werden.

Das pseudomoderne Männerbild macht es jedoch nicht besser. Hier kommen die Männer vom Regen in die Traufe:

  • Der Mann darf nichts mehr erwarten (Respekt, Wertschätzung).
  • Der Mann darf keine Rollenbilder mehr haben (kein positives Bild von sich).
  • Der Mann muss Gefühle zeigen, wann immer es Frauen oder Gesellschaft wollen.

Unpassende Gefühle oder Gefühle zur falschen Zeit waren hingegen eine unerträgliche Last bzw. ließen Frauen und Gesellschaft ratlos zurück. (Nur ein Beispiel: Die „Schmerzensmänner“-Debatte vor einigen Jahren…)

Echt modern und pseudomodern lassen sich dabei recht einfach unterscheiden: Ein wirklich modernes Männerbild gesteht Männern dasselbe Recht zu wie allen Menschen allgemein, anstatt sie unter Extrazwänge zu stellen. Pseudomoderne Weltbilder hingegen halten völlig selbstverständlich an der traditionellen Verwertungslogik fest und versuchen diese nur unsichtbar zu machen, indem darüber nicht gesprochen werden darf. Modern steht allen Freiheit zu, pseudomodern ist von Angst erfüllt, was wohl Schreckliches passieren wird, wenn Männer nicht unter die Knute gezwungen werden. (Frühe moderne Bewegungen hatten als Hintergrund immer noch das traditionelle Bild, dessen Wert und Erfolg allgegenwärtig und offensichtlich waren. Sie konnten nur auf dessen Basis überhaupt etwas anderes versuchen, weil Wohlstand und Versorgung sichergestellt waren. Die Forderung nach einem „neuen Mann“ war denn auch nie die nach einem anderen Mann, sondern stets nach zusätzlichen Qualitäten, die doch bitte obendrauf geliefert werden sollten.)

Ich habe lange gedacht, das Problem sei zu lösen, indem sich Männer „in die gesellschaftliche Debatte einbringen“. Das halte ich inzwischen für sinnlos, denn gegenüber dominanten Geisteshaltungen, deren Verfechter Angst vor bestimmten Menschengruppen schüren, wird das nicht funktionieren.

Die Lösung liegt jenseits der Folklore und dessen, was immer wieder gesagt und geschrieben wird. Es geht darum, aus dem System auszusteigen, nicht innerhalb des Systems zu optimieren. Der eigentliche Wert bleibt unsichtbar und wird nur offensichtlich, wenn Männer wirklich fehlen.

Echte Männlichkeit besteht darin, gerade nicht all den Anforderungen zu entsprechen, sondern auf sich selbst zu achten und zur Not gegen den Rest der Welt zu sein. Kurioserweise ist genau dieses „auf sich allein gestellt bestehen“ typischer Bestandteil von Männlichkeitsritualen… diese traditionellen Rituale in eine Form zu übersetzen, die zur einer modernen westlichen Gesellschaft passt, das wäre etwas!

Ein Lied, das sich gegen die Verheizbarkeit von Männern richtet, hat Reinhard Mey kürzlich neu aufgenommen. Ein sehr guter Musiktipp aus meinem Freundeskreis!

Reinhard Mey & Freunde – Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht

Das Feuer in meinem Herzen

„Backbeat / the word is on the street that the fire in your heart is out /
I’m sure you’ve heard it all before but you never really had a doubt“ – Oasis: Wonderwall

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens, was dieses Blog hier wird (und was nicht), die eigene Aufgabe zu erkennen, ein erstaunlich tiefgründiges Lied von Sasha sowie über Glauben und Zweifel.

Letzten Freitag ist etwas Bedeutendes passiert: Ich habe für ein paar Minuten den Groove wieder gehabt!

Ich bin immer noch erstaunt, wie er auf einmal wieder da war, und habe darüber nachgedacht, wie das zustande kam. Es waren sicherlich nicht besonders vorteilhafte Umstände nötig, denn es war früher Abend, ich war bereits etwas müde und hatte vorher sogar etwas schlechte Laune.

Die Situation: Ich war auf einer Internet-Veranstaltung, jemand stellte eine Frage, und ich beantwortete sie mit einer Vision von einer aufregenden Zukunft (denn das war der Frage angemessen). Ich spürte, wie mich das tief berührte, wie ich ganz bei mir war. Die anderen Teilnehmer reagierten begeistert, kommentierten meine Antwort mit „wie poetisch“ und applaudierten.

Der Groove, lange Zeit verschüttet und verborgen, war plötzlich wieder da. Er war die ganze Zeit in mir; alles, was es brauchte, war eine Gelegenheit, bei der ich es passend fand, mit Begeisterung und voller Leidenschaft von etwas zu sprechen.

Bei anderer Gelegenheit hat mir ein Bekannter vorgeschlagen, meine Queste anders zu benennen, und zwar „Auf der Suche nach dem nicht verlorenen Groove“. Ich fand das „verloren“ nicht negativ – es bedeutet ja, etwas einmal gehabt zu haben, und was man einmal erlebt hat, ist sicher kein Traum. Dennoch nahm ich die Anregung auf und kam auf eine eigene Variation: „Auf der Suche nach dem verborgenen Groove“!

Und tatsächlich kann ich eine meiner tiefsten Ängste benennen, die das Gegenteil vom Groove ist. Sie kommt zum Ausdruck im Eingangszitat von Oasis und auch in einer Beerdigungsrede bei Game of Thrones, in der es heißt, jemand sei ein Drache gewesen, doch nun sei sein Feuer erloschen. Ich bin im Jahr des Drachen geboren. Die Vorstellung, mein eigenes Feuer sei erloschen, hat mich immer besonders erschreckt.

Seit letzter Woche weiß ich: Ich kann den Groove sogar inmitten einer schweren Zeit und einer persönlichen Krise haben. Es braucht nur eine Situation, in der ich mit Hingabe und mit vollem Gefühl bei der Sache sein kann.

Ryan Adams: Wonderwall

Wie das Leben so spielt… ich habe erst dieses Jahr Ryan Adams‘ Version von „Wonderwall“ entdeckt und mochte sie auf Anhieb. „Wonderwall“ ist ein klassisches Lied aus meinen besten Zeiten. Es ist unkaputtbar und muss nicht aufgehübscht werden. Auch diese neue Version hat jedoch ihren Reiz. Sie stellt einen anderen Weg dar, dem Lied etwas abzugewinnen. Dass ich mich für eine Coverversion begeistern kann, wenn ich das Original so liebe, ist ungewöhnlich – und es freut mich sehr, dass ich mich noch selbst überraschen kann!

Glauben und Zweifel

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens, was dieses Blog hier wird (und was nicht), die eigene Aufgabe zu erkennen sowie über ein erstaunlich tiefgründiges Lied von Sasha.

Heute möchte ich mich einem Thema widmen, das mich schon länger beschäftigt: Glaube und Zweifel.

Denn was mir zuletzt passiert ist, das hat meinen Glauben an viele Dinge erschüttert. Aber auch der Glaube an mich selbst ist seit längerer Zeit angekratzt – zuerst, weil ich aus allen Wolken fiel, als mir schlechte Dinge passierten, dann weil ich dachte, dass ich „nicht gut genug“ sei, schließlich gerade weil ich erkannt habe, dass ich manches nicht absehen konnte. Wie kann man mit einer solchen Unsicherheit zuversichtlich sein?

Ich habe – wie schon früher – einen Rat bekommen, den ich so nicht annehmen konnte:

„Du musst zuerst an Dich selbst glauben.“ bzw. „Wenn Du nicht an Dich selbst glaubst, wird es niemand anders tun.“

Ich habe mich immer dagegen gesperrt – und ich kann jetzt auch benennen, warum: Es kommt bei mir an als „Leistung, die ich zuerst erbringen muss“, bevor man mich überhaupt anständig behandeln kann. Vorher wäre es ja natürlich, mich grundsätzlich anzuzweifeln.

Das ist aber – wie schon bei Selbstwertgefühl und Selbstliebe – ein vergifteter Ratschlag. Tatsächlich wäre es richtig gewesen, auf meine Zweifel zu hören, denn sie waren eng mit meinen Gefühlen verbunden, insbesondere mit Angst. Dieses „Du musst Deine Gefühle unterdrücken, anders können wir nicht mit Dir zurechtkommen“ war überhaupt erst das, was mich so tief in die Krise geritten hat!

Doch kürzlich habe ich eine gute Antwort darauf bekommen. Popkultur kann falsch liegen, hier jedoch stimmte die Botschaft!

Nach dem Lied „The Dawn Will Come“ sagt die Priesterin (oder Seherin?) im Computerspiel „Dragon Age: Inquisition“ noch etwas. Es gibt verschiedene Varianten, aber eine ist ganz besonders:

„Faith is only made stronger by facing doubt. Untested, it is nothing.“

Das finde ich unheimlich ansprechend. Wirklicher Glaube entsteht nicht dadurch, indem man seine Zweifel einfach wegdrückt, sondern indem man sich ihrer bewusst wird und sich eine Zeit lang mit ihnen beschäftigt. Wie wichtig der Zweifel zum Glauben ist, dafür gibt es selbst in der Bibel Beispiele:

Jesus, der im Garten Gethsemane betet. Jesus, wie er 40 Tage in der Wüste lebt. Jesus, der Petrus aus dem Wasser zieht, als dieser zu ertrinken droht. Gerade das letzte Bild bringt mich immer wieder zuverlässig zum Weinen. Das ist, wie ich erkannt habe, ein guter Hinweis darauf, dass ich eine tiefe Verbindung dazu habe. Nicht weggeworfen zu werden, weil man zweifelt, weil man Grenzen hat, weil man strauchelt – das ist eine großartige Vision für die Welt.

Egal, wie oft ich hier eine positive Erkenntnis schildere oder von einem Schritt voran schreibe: Ich habe viele Zweifel. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich ein komplett geschlagener Mann bin. Gleichzeitig denke ich nicht, dass die Lösung darin liegen wird, das alles auszublenden oder zu überwinden. Denn mich auch diesen Gefühlen nicht zu widmen hat mich überhaupt erst in diese Lage gebracht. Wie könnte mich das also jemals wieder herausführen?

Es ist umgekehrt: Das richtige Maß an Zweifel drückt ein gesundes Verhältnis zu den eigenen Gefühlen aus.

„Zweifle nicht an dem, der dir sagt, er hat Angst – aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kenne keine Zweifel.“ – Erich Fried

Das Leben danach

„It is possible to commit no mistakes and still lose. That is not a weakness, that is life.“
Jean-Luc Picard

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens, was dieses Blog hier wird (und was nicht) sowie darüber, die eigene Aufgabe zu erkennen.

Das Leben hält doch noch positive Überraschungen bereit. Popsänger Sasha aus Soest, seit den späten 90ern mit radiokompatibler Popmusik unterwegs, hat 2018 ein Album ganz auf Deutsch herausgebraucht. Ich hatte das gar nicht mitbekommen und bin nur zufällig darauf gestoßen, als ich zuletzt seine „Schrott-Songs“ gesehen und gehört habe (Teil 1, Teil 2, Interview danach). So kann’s kommen: Ein alberner Streich mit der versteckten Kamera führt einen zu Liedern mit Tiefgang:

Sasha: „Leben danach“

Das spricht mir aus der Seele. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand so stilvoll über diese Situation singen kann. Drei besonders gelungene Lieblingstextzeilen:

  • „Du hast gedacht, Du wärst längst angekommen“
  • „So viele Jahre und Erinnerungen löscht man nicht mal so eben“
  • „Nachts liegst Du wach, hängst Euren Träumen nach / Dein Herz macht Überstunden“

Aber besonders berührt mich der Übergang: „wenn mit nem lauten Knall alle Türen zufallen / werden neue aufgehen, Du musst nur noch rausgehen“. Vor zehn Jahren, während meiner letzten großen Krise, hatte mir eine Freundin geschrieben: „Für jede Tür, die sich schließt, öffnet sich eine andere.“ Ich konnte das damals nicht gut annehmen – ich sah keine neuen Möglichkeiten. Ich habe damals tatsächlich sehr lange gebraucht, um wieder hochzukommen – mehrere Jahre. Heute sehe ich das anders: Da ist tatsächlich etwas dran, und ich habe mir im letzten halben Jahr einige neue Chancen erkämpft.

Dass ein eigentlich leicht beschwingter Sänger einen richtig tiefsinnigen Text darbieten kann, war mir schon vorher bekannt. Peter Maria (der Mann hinter „Tony Mono“) hat vor einigen Jahren ein ernstes Album aufgenommen. Da heißt es etwa:

„Ich will, dass sich der Himmel verdunkelt, wenn dieses Schiff hier auf Grund geht
(…) wenn dieses Bild wirklich entzwei ist, dass wirklich alles vorbei ist“

Peter Maria: „Wenn Du gehst, nimm mich mit“

Ich hatte immer den Eindruck, dass man als Mann mit Problemen eine lächerliche Figur abgibt, die auch noch zum Ziel von Hohn und Spott wird. Sasha und Peter Maria haben das hingegen umgedreht und aus Liebesleid ein paar tolle Lieder gemacht. Das ist eine Möglichkeit, den Groove wiederzufinden!