Lei{d|t}motive

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben, Jahre, die zu mir sprechen sowie über Platz für Verletztheit.

Zu dem Blogeintrag von letzter Woche ist mir noch eine Frage eingefallen: Warum erzielen nur einige Versionen der genannten Lieder diesen Effekt? Warum werde ich bei einigen traurig und bitter, während andere sogar meine Stimmung verbessern?

Diejenigen Versionen, die meine Stimmung kippen lassen, sind besonders zart, ruhiger, leichter arrangiert oder leicht beschwingt. Dann kommen viele starke Emotionen in mir hoch. Dabei sind mir noch drei Sachen aufgefallen:

  • Dass nicht alle Versionen dies bewirken, zeigt mir, dass ich nicht eine generelle Allergie gegen diese Lieder entwickelt habe.
  • Dass ich positiv auf einige Versionen reagiere, zeigt auch, dass nicht starke Emotionen, Romantik und Leidenschaft ein Problem sind. Es ist eher die mitschwingende Annahme, dass alles ganz leicht ist, dass sich alles schon ergeben wird.
  • Dass ich nicht verbittert bin, zeigt sich darin, dass ich nicht meine Erfahrung zum allgemeinen Maßstab erheben möchte oder nach diesen Regeln mein restlichen Leben zubringen will.

Gestern war habe ich erneut an einer virtuellen Runde rund um Befreiende Strukturen (Liberating Structures) teilgenommen. Die haben mir ja bereits mehrmals auf meinem Weg geholfen, etwa dabei, meine eigene Aufgabe glasklar formulieren zu können.

Es ging diesmal um eine scheinbar einfache Frage: Wie waren die letzten eineinhalb Jahre?
Dabei stellte ich fest, dass es sich anfühlte, als habe sich nichts verändert, während sich tatsächlich viel verändert hat für mich:

  1. Ich habe mich beruflich verändert und eine neue Stelle (innerhalb desselben Unternehmens) angetreten.
  2. Ich habe für meine berufliche Entwicklung 5 Zertifizierungen bei scrum.org gemacht – die letzte im Januar.
  3. Ich kenne mich inzwischen so gut mit Liberating Structures aus, dass ich sie immer wieder gerne mitmache und auch selbst verwende.
  4. Ich habe eine professionelles Netzwerk aufgebaut.
  5. Ich blogge einmal die Woche.
  6. Ich bin musikalisch aktiv, habe mich dabei an neue Sachen gewagt und sogar einige Aufnahmen gemacht.

Mir war gleichzeitig auch klar, was mir nach wie vor zu schaffen macht. Es tat gut, das ebenfalls deutlich benennen zu können:

  • Einsamkeit
  • immer nah an der Kante genäht sein, was die Energie angeht
  • die Frage nach dem Warum stellen

Ich muss mich verändern und ich muss Veränderung erleben. Das ist mir klar.

Interessant ist, was mir einen Tag später auffällt: Ich dachte, ich träte auf der Stelle. Dabei habe ich mich in einiger Hinsicht sogar sehr weiterentwickelt.

Heute hatte ich ein einschneidendes Erlebnis. Ich habe seit langer Zeit wieder eine positive Erfahrung gemacht.

Mir ist im nachhinein wieder in den Sinn gekommen, was ich zu Beginn meiner Auszeit als meine drei Motive notiert hatte: „einen Unterschied machen“, „etwas in den Herzen der Menschen bewegen“ und „gut genug für etwas sein“.

Mir ist jetzt erst aufgefallen, warum ich mich so lange so schlecht gefühlt habe: Weil in allen drei Gesichtspunkten das Gegenteil der Fall war. Was ich tat, machte keinen Unterschied; ich konnte nichts mehr in den Herzen der Menschen um mich herum bewegen und ich schien auch nichts mehr gut genug zu sein.

Heute habe ich zum ersten Mal seit über drei Jahren erlebt, wie es sich anfühlt, wenn alle drei Dinge erfüllt sind. Wie Superkräfte! Das ist der Groove. Es muss kein Traum bleiben! Ich kann wieder dort hin!

Die eigene Aufgabe erkennen

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens sowie was dieses Blog hier wird (und was nicht).

Heute möchte ich über eine aktuelle und sehr positive Erfahrung schreiben. Ich hatte bereits früher erkannt, dass das Leben keinen Sinn haben muss. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich nicht nach einer Berufung für mich suchen und sie finden kann!

Ich habe in den letzten Monaten immer wieder „Liberating Structures“ („Befreiende Strukturen“; gemeint sind bestimmte Gesprächsformen zur Problemlösung) ausprobiert. Diese hatten mir völlig unerwartet beachtliche Einsichten ermöglicht.

Heute habe ich in einem virtuellen Treffen zuerst die Technik des Nine Whys („Neun Warums“, solange nach dem Grund fragen, bis man auf die grundsätzliche Motivation stößt) benutzt, um meine eigene Aufgabe zu erkennen.

Die Fragestellung zielte zunächst darauf ab, wie ich mir mich selbst in fünf Jahren vorstelle. Das klang zunächst schwer – ich weiß ja, dass ich fünf Jahre zuvor auch nicht absehen konnte, wo ich heute sein würde! Dennoch konnte ich einige grundsätzliche Überzeugungen notieren, denn die Frage nicht auf Status ab, sondern auf Aktivitäten, Initiativen und Beziehungen, in denen ich engagiert zu sein hoffte:

  1. Ich arbeite mit einigen Freiheiten bezüglich dessen, was ich tue.
  2. Ich trage zu einem besseren Arbeitsklima bei.
  3. Ich habe ein berufliches Netzwerk.
  4. Ich tausche mich regelmäßig mit Leuten aus, die mich inspirieren.
  5. Ich wachse als Person – arbeite entlang meiner Gefühle, nicht ohne oder gegen sie.

Ich konnte auch recht schnell erklären, warum mir das wichtig ist:

  • Ich muss als der anerkannt und geschätzt werden, der ich bin.
  • Ich muss zu einer Gemeinschaft gehören.
  • Lebenslanges Lernen ist einer meiner wichtigsten persönlichen Werte.
  • Wachstum als Person brauche ich, um glücklich zu sein.

Und siehe da – es fiel mir überhaupt nicht schwer, meine Mission zu formulieren:

Meine Aufgabe ist es, zu lehren und zu lernen, persönlich zu wachsen und andere, die dasselbe wollen, dabei zu unterstützen.

In einer nächsten Übung sollten wir mit „15%-Lösungen“ überlegen, welche nächsten Schritte wir dafür unternehmen können. Auch hier fiel es mir erstaunlich leicht, eine Antwort zu finden. Ich kam sogar auf drei Ideen!

  • „nein“ sagen zu Aufgaben, bei denen meine eigene (psychologische) Sicherheit nicht gewährleistet ist
  • meine eigenen Emotionen im Auge behalten, während ich arbeite
  • jeden Tag etwas Neues lernen

Für heute habe ich das schon geschafft! Das fühlt sich so erfüllend an…

Eine weitere Lektion, die ich heute wieder einmal erlebt habe: Wie normal und sympathisch ich offensichtlich unter den richtigen Leuten bin.