Keine Lust

Ein übliches Problem, wenn man von einer Esperanto-Veranstaltung nach Hause kommt, ist das „Post-Esperanto-Treffen-Syndrom“ (Post-Esperanto-renkontiĝo-sindromo, P.E.R.S.): Nach so viel Feiern und Fröhlichkeit kommt der Alltag zurück und der erscheint einem grau und öde. Ich habe schon vor Jahren (auf Esperanto) fünf Rezepte gegen dieses Syndrom formuliert und auch ein Lied darüber geschrieben.

Es liegt auf der Hand: Wenn ich in einer Woche als DJ gearbeitet, tolle Konzerte erlebt, zünftig Silvester gefeiert und schließlich selbst Musik gemacht habe, was soll da noch Besseres kommen?

Allerdings stand ich diesmal nicht unter dem Zwang, direkt danach oder wenige Tage später wieder arbeiten zu müssen. Außerdem bin ich nicht, wie sonst oft, krank geworden (mein Metabolismus fährt üblicherweise herunter, sobald ich es wieder etwas ruhiger angehen lasse).

Dennoch hielt sich bei mir erstaunlich lange die Stimmung, dass ich nichts Besonderes machen wollte. Ein paar Tage hatte ich sowieso in Münster eingeplant, es wurden dann aber zwei Wochen. Die nutzte ich immerhin, um Arzttermine hinter mich zu bringen. Außerdem setzte ich meine Idee um, Themes bei WordPress.com auf Esperanto zu übersetzen.

In der Operation Augias erledigte ich die nächsten Schritte: Mit einer Autofahrt kamen die Reste aus dem Zimmer von Nordwalde nach Münster, wobei ich schon mehrere Kisten Altpapier daraus entsorgt habe (es waren sogar alte Schulhefte von mir dabei!) sowie eine weitere Reihe Bücher in die Öffentlichen Bücherregale gebracht habe. Auch sonst räumte ich meine Wohnung weiter auf und sortierte einige Sachen. Zuletzt kam der Rasierapparat in den Elektromüll.

Das Wetter war mies (es regnete ständig), so dass ich nicht einmal auf Ausgehen Lust hatte. Daher nahm ich mir die Zeit, um den Stapel Dutzender ungehörter CDs ein wenig zu verkleinern. Dazu muss man wissen, dass ich jede CD, die ich bekomme, mindestens einmal konzentriert anhöre. Währenddessen mache ich normalerweise nichts anderes, weil mich das ablenken könnte. Das bedeutet natürlich auch, dass ich zum Hören oft nicht komme, weil ich immer irgendetwas zu tun habe.

So schlecht ist das nicht: Es spricht eher für mein Leben, dass sich inzwischen so viele CDs, DVDs, Bücher und sogar einige Computerspiele angesammelt haben, die noch auf ihren Konsum warten.

Unter anderem hörte ich mir die CD von Khaled an, die ich – wie berichtet – im Sommer in Schweden gekauft hatte. Bis auf das erste Lied, wegen dessen ich das Album gekauft hatte, kannte ich noch nichts davon. Mehrere Stücke weckten mein Interesse, unter anderem eines, das die spanische oder andalusische Kadenz zu enthalten schien und mich daher an Südeuropa erinnerte:

Khaled: Wahrane

Als ich das obige Video dazu sah mit den Bildern, da erwachte wieder die Reiselust, die erstaunlicherweise mehr als eine Woche in mir geschlafen hatte. Ich bereitete mich im Kopf bereits auf ein Ziel im Süden vor, doch es sollte dann ganz anders kommen. Darüber schreibe ich ein anderes Mal.

Operation Augias – der Rest aus dem Zimmer

Die Operation Augias geht auch im neuen Jahr weiter. Letztes Jahr waren es 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele, Audiokassetten sowie Sachen aus dem Zimmer zu Hause.

Heute kam eine weitere Autoladung hinzu. Es war aber nicht so viel wie beim letzten Mal. Dafür war ein sperriges Weihnachtsgeschenk dabei. Damit sind praktisch alle Sachen aus Nordwalde jetzt in Münster. Verblieben sind nur ein paar Kleidungsstücke, aber die machen das Kraut nicht fett und können alle zusammen in einem Koffer transportiert werden.

Damit ist die Operation Augias gut fortgeschritten. Jetzt kann es weitergehen mit dem Durchsehen und Aussortieren.

Operation Augias: Das Zimmer zu Hause

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen – da schließt sich gewissermaßen ein Zeitfenster, um noch etwas zu machen. Ich wollte unbedingt noch einmal verreisen (was mir gelungen ist). Nach dem Winterfest musste ich jedoch erst einmal wieder ein paar Tage in Münster sein, um endlich einige Sachen zu erledigen, zum Beispiel einen Teil der Post, die sich während der ganzen Reisen angestaut hatte.

Ein wichtiger Meilenstein der Operation Augias wartete noch darauf, getan zu werden, denn er konnte nicht gut aufgeschoben werden. Bisher hatte ich es als Schritt zum Erfolg gewertet, wenn ich etwas losgeworden war: 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele sowie Audiokassetten. Inzwischen hatte ich zwar noch ein paar Kleinigkeiten zur Wiederverwendung weggegeben (ein paar Kleidungsstücke, einen Satz Brillengläser), aber noch keinen weiteren Durchbruch erzielt. Diesmal ging es stattdessen darum, was sozusagen fertig war vom dem, was blieb. Nachdem ich die neuen Regale bekommen hatte, war ein Großteil der Sachen, die ich noch in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern hatte, nach Münster gekommen. Jetzt sortierte ich die Regale in Nordwalde ein mit Comics und Büchern, die dort bleiben sollten, so dass einige Kisten leer wurden. Es gäbe sicherlich noch die eine oder andere Kleinigkeit von den anderen Sachen, die ich in meine Wohnung schaffen könnte, aber es ist nichts Weltbewegendes und man kann mein ehemaliges Zimmer jetzt endlich als Gästezimmer einsetzen. Das war das Ziel!

Eine Mitbewohnerin

Ende September, ich war gerade aus Berlin wieder da, bekam ich Besuch in Münster. Das war ja schon einige Male vorgekommen, seit das Jahr Auszeit lief, aber diesmal ging es nicht darum, die Stadt zu zeigen, sondern es hatte einen praktischeren Grund: Eine Bekannte von mir begann in Münster zu studieren, hatte aber noch keine Wohnung. Wohnungssuche in Münster ist ein Kapitel für sich, aber von der Ferne aus noch schwerer. Also habe ich ihr angeboten, einfach eine Zeit bei mir unterzukommen, bis sie etwas gefunden hätte.

Plötzlich wieder in einer WG zu wohnen, so wie in Studentenzeiten, war schon eine seltsame Aussicht. Aber ich reiste ja herum und wäre gar nicht so oft vor Ort. Dass ich hingegen jetzt zu Hause war und Zeit hatte, war Gold wert. Die Bekannte hat dann übrigens innerhalb weniger Tage eine Wohnung gefunden, so dass sie Anfang Oktober bereits wieder weg war. Es waren also wirklich nur die paar Tage zur Überbrückung nötig, die sich jedoch als entscheidend erwiesen haben.

Mich hat es sehr gefreut, jemandem zu helfen. Es hatte zwar direkt nichts mit Esperanto zu tun, aber der Kontakt kam über eine Esperanto-Bekannte zustande.

Treffen mit Kollegen

Wie schon erwähnt war ich in der ersten Septemberhälfte in Münster, anstatt wieder durch Europa zu reisen. Das Aufgeben einiger Reisepläne eröffnete mir dafür die Möglichkeit, mich vor Ort mit einigen Kollegen und ehemaligen Kollegen zu treffen. Die Gelegenheiten für so etwas sind eher spärlich gesäht und ohne ein Jahr Auszeit wäre ich in der Woche wahrscheinlich gar nicht in Münster gewesen.

Das hat mir soviel Spaß gemacht, dass ich mich am nächsten Tag mit zweien von ihnen wieder getroffen habe, um noch jemanden zu sehen, der am Abend zuvor nicht kommen konnte. Und am Nachmittag ging ich noch mit dem Kollegen essen, dessen Familie ich in Berlin beim Umzug geholfen hatte. Später besuchten wir dann noch die Familie, bei der der Kollege untergekommen war.

Ich kannte alle diese Leute schon seit Jahren und doch war es ein ganz anderes Gefühl. Alles kam mir viel entspannter und schöner vor.

Da steppt der Bär

Mit meinen Erzählungen bin ich inzwischen im September angekommen. Am 03.09. half ich der Esperanto-Vereinigung Münster e.V. beim Umzug. (Als Umzugshelfer war ich dieses Jahr ja schon einmal tätig.) Es ging zum Glück nur ein paar Straßen weiter.

Und wie es der Zufall so will, sehe ich vor der Kneipe namens „Berliner Bär“ ein Schild, dass an diesem Abend (wie jeden 1. Mittwoch im Monat) eine offene Bühne stattfinden würde. Bisher hätte das immer mit den Terminen im Flic Flac kollidiert. Aber seit der Zeit nach der Sommerpause ist dort jeden Donnerstag abend offene Bühne.

Nun war ich noch nie im Berliner Bär gewesen. Aber gerade das war ja der Trick: Es ging darum, etwas Neues auszuprobieren! Und was soll ich sagen? Ich wurde sehr freundlich empfangen. Die Leute schauten sehr interessiert auf die Ukulele. Dass ich eine verstärkbare eingepackt hatte, war ein großer Vorteil, denn das sparte langes Herumhantieren mit der Technik.

Zuerst präsentierte ich drei Lieder und nachher zum Abschluss noch einmal zwei. Einer der Gäste verglich meine Stimme mit der von David Byrne, dem Sänger der Talking Heads. Was für ein Kompliment! Zu meiner Schande musste ich gestehen, dass mir David Byrnes Gesang gar nicht so im Gedächtnis geblieben war, weil mir von den Talking Heads im wesentlichen „Road To Nowhere“ und „Burning Down The House“ präsent waren. Da habe ich gleich noch einen interessanten Musiktipp mitgenommen! Und genau das war ja das Ziel eines solchen Ausprobierens gewesen: den eigenen Horizont zu erweitern.

Münster, Enschede, Bremen, Köln

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Ich war erst einige Tage aus Ungarn wieder da, da bekam ich auch schon Besuch. Nun war ich ja bereits durch die beiden vorherigen Besucher geübt darin, meine Heimatstadt Münster zu zeigen (inklusive Kreuzviertel natürlich!), aber diesmal ging es auch noch woanders hin. Nach einem Tag Münster fuhren wir mit dem Zug nach Enschede. Schließlich gibt es eine direkte Bahnverbindung und wenn man schon einmal die Gelegenheit hat, so einfach in die Niederlande zu kommen, soll man sie auch nutzen. Für mich war es ein weiteres Land, das ich in diesem Jahr besucht habe.
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Ganz unverhofft kam ich dort noch dazu, mit zwei jungen Leuten ein wenig Musik auf der Straße zu machen. Zwei Studenten spielten Gitarre und sangen (es gehörte wohl zu einer Orientierungswoche der dortigen Uni). Ich hatte eine Ukulele dabei, eine junge Dame sprach mich an und schlug vor, dass ich mich dazugesellen sollte. Gesagt, getan! Wir spielten „Budapest“ von George Ezra, was sehr gut ankam.
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Abends trat ich mit meinem Besuch im Flic Flac auf. Der Ukulelekurs trug Früchte! Im Flic Flac war ich nebenbei bemerkt schon seit drei Monaten nicht mehr gewesen – dem letzten Abend vor der Sommerpause, als ich zwischen Stockholm und Barcelona einen Tag Pause hatte.

Einen Tag ging es dann nach Bremen, wo uns eine Bekannte erwartete. Wir bummelten ein wenig in der Stadt, besuchten Läden für Schokolade und Tees, aßen zu Mittag und spielten nachher zusammen Ukulele!

An einem anderen Tag machten wir einen Ausflug nach Köln. Hier schauten wir uns aufgrund des schlechten Wetters vor allem den Dom an, saßen beisammen im Café und genossen danach die Aussicht vom Köln Triangle aus.

Schließlich ging es noch an einem weiteren Tag nach Nordwalde. Dort schauten wir bei meinen Eltern vorbei und sahen uns den Bispinghof an.

Insgesamt haben wir die eine Woche gut genutzt. Man kann also auch aus einem „Urlaub zu Hause“ eine Menge herausholen!