Schlaflos und nicht in Seattle

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Elf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über den leichtbeschwingten Jahreswechsel gebloggt sowie Achtsamkeit im neuen Jahr.

Was für eine Woche: Am Freitag war ich in Nordwalde, um meine Familie (sogar im erweiterten Kreis) zu sehen, am Samstag in Amsterdam bei einem italienischen Abendessen, in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf einer Internetveranstaltung, die von Neuseeland aus organisiert wurde, und am Montagabend auf einer virtuellen Esperantorunde, wo noch einmal über Silvester geredet wurde. Gleichzeitig habe ich seit über einer Woche so schlecht geschlafen wie schon lange nicht mehr.

Bei dem Treffen mit der Familie hatte ich wie seit Jahren nicht mehr das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Das stellt noch mehr in Frage, womit ich meine Zeit verbringe und wofür ich meine Energie aufwende. Unsere Zeit ist begrenzt.

Mein persönliches Kanban-Brett habe ich nur dafür genutzt, einfach gar nichts Neues anzufangen, sondern zu versuchen, alte und bereits angefangene Dinge (die erst gar nicht auf dem Brett gelandet sind) zu beenden. Wenn das der Effekt ist, dann kann ich schon gut zufrieden sein, denn normalerweise ist mein Problem, dass ich zu zu vielen Vorschlägen „ja“ sage. Was ich bisher gelernt habe: Es ist viel weniger an einem Tag möglich als ich dachte. Das ist gut, um kein schlechtes Gewissen zu haben oder zu denken, dass ich „faul“ bin. Gleichzeitig habe ich Angst davor, wie lange es dauern wird, bis ich die nächste große positive Veränderung in meinem Leben sehe. Denn eines wurde mir den letzten Wochen noch einmal deutlich vor Augen geführt: Veränderung ist möglich. Viele Leute haben sich erfolgreich verändert. Es gibt keine Ausrede dafür, zu verharren. Ich bin alleine für mich verantwortlich.

Am Samstag war ich zu Gast bei dem italienischen Paar, mit dem ich schon mehrmals stundenlang Italienisch gesprochen hatte und von deren Begegnungen ich immer wieder gute Anstöße mitgenommen hatte. Wir trafen uns Mitte Januar, nachdem wir einen Monat vorher ausgemacht hatten, genau das im neuen Jahr zu machen. Es tat sehr gut, diese Pläne tatsächlich umgesetzt und nicht vor sich hergeschoben oder vergessen zu haben! Als Hauptgericht gab es Risotto und als Nachtisch Schokosalami, die ich schon seit Juni kannte und von der ich diesmal deutlich mehr erwischte. An diesem Abend war ich wieder jemand, der ich vor langer Zeit gewesen war: Ein ganz anderer Mensch. Ruhig, zuversichtlich, staunend, fröhlich. Es war natürlich ausgelöst durch die netten Leute, das gute Essen, die nichtalltägliche Situation, Italienisch zu sprechen. Das löste die Erinnerung an Italien aus und auch an meine Vergangenheit in Catania. Beachtlich, dass ich nicht sentimental oder traurig wurde, und dass ich mich dieser Magie des Momentes so hingeben konnte!

Was hat es dann mit dem schlechten Schlaf auf sich – abgesehen davon, dass ich für die Veranstaltung nach neuseeländischer Zeit bis 4 Uhr morgens wachblieb, um mit jemandem zu reden, den ich im Sommer kennengelernt hatte?

Ich glaube, dass all diese Eindrücke der letzten Zeit mich noch einmal nachdrücklich daran erinnert haben, dass ich mich verändern will, auch wenn das einige schwierige und vielleicht schmerzhafte Entscheidungen kosten wird. Dass mir meine Psyche ein so deutliches Signal sendet, ist gut: Ich unterdrücke das nicht etwa über längere Zeit, sondern werde mir dessen zeitnah bewusst. Das ist für Januar sogar eine sehr gute Sache – anstatt wieder im Alltag unterzugehen.

Mit Schlafproblemen hatte ich schon früher in meinem Leben zu schaffen. Warum bin ich diesmal nicht so besorgt?

  • Ich gerate nicht in eine Panik- und Abwärtsspirale à la „ich schlafe schlecht“ – „ich bin nervös“ – „ich schlafe noch schlechter, weil ich so nervös bin“ – „ich bin erst recht mit den Nerven fertig“ usw.
  • Ich verstehe, warum ich schlecht schlafe, und werde darüber ganz ruhig.
  • Ich kann mich trotz allem hinreichend konzentrieren und bekomme Dinge erledigt.
  • Ich bin zufrieden mit meinen letzten Entscheidungen und bin davon überzeugt, das richtige getan zu haben.
  • Ich sitze nicht wie gelähmt rum, sondern komme zumindest in kleinen Schritten voran.
  • Ich habe etwas für mich selbst getan und war kreativ.

Tocotronic: Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk

Achtsamkeit im neuen Jahr

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Elf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über den leichtbeschwingten Jahreswechsel gebloggt.

Ich hatte zwei Tage in Berlin, dann noch ein Wochenende in Nordwalde und erst dann ging der Alltag wieder los. Spätestens nach einigen Tagen zu Hause überkommt viele Leute das berühmt-berüchtigte Post-Esperanto-Treffen-Syndrom. Heute ist es besonders schlimm. Nach drei Tagen Arbeit könnte ich schon wieder Urlaub machen.

Dabei geht es mir nicht darum, aus meinem Leben zu fliehen. Im Gegenteil: Ich möchte mein Leben aufräumen. Wann, wenn nicht jetzt?

Einen Lichtblick gibt es: Ich habe eine klare Vorstellung, was mir helfen wird.

Wann immer ich über Achtsamkeit à la Ein guter Plan lese, leuchtet es hell vor meinem geistigen Auge auf. Es gibt so viele Einsichten aus der jüngeren Vergangenheit, die jetzt wiederkommen – aber diesmal mit einem gefassten, schönen Klang:

Der Traum im neuen Jahr, der jetzt ein Jahr her ist, hatte eine wegweisende Botschaft: „Du kannst verreisen, wie Du willst, aber Du kannst vor Deinen eigenen verborgenen Bedürfnissen nicht weglaufen und es ist besser, wenn Du zu ihnen stehst.“ Heute finde ich: Ich bin am richtigen Ort, wenn ich bei mir selbst bin. Wie ich nur kurze Zeit später sehr richtig feststellte: Ich bin nicht sehr respektvoll mit mir selbst umgegangen. Dabei gilt erst einmal: Ich bin ok, Du bist ok. Weil ich mir ausdrücklich antrainieren muss, das zu praktizieren, ist Selbstfürsorge ganz wichtig. Kurz vor Ende des letzten Jahres hatte ich mich näher mit Kanban fürs persönliche Leben beschäftigt und unter anderem gelernt, dass es wichtig ist, bei Kanban fürs eigene Leben Ziele festzuhalten und persönliche Fürsorge zu beachten. Ob und wenn ja wie ich das weiter vertiefe, weiß ich noch nicht. Es lässt bei mir ebenfalls etwas innerlich aufleuchten.

Ich habe bereits einige Taktiken gefunden, wie ich besser mit mir selbst umgehe: Ich stelle mich mir als kleinen Jungen vor, der ich einmal war. Es ist unmöglich, zu diesem Jungen grob oder hart zu sein. Ich will automatisch diesen Jungen beschützen und für ihn sorgen. So kann ich dann zum Beispiel netter mit mir selbst reden. Und ich achte auf meine Bedürfnisse, etwa wenn ich müde oder hungrig bin oder traurig oder verletzt.

Wenn es um die Lebensführung geht, frage ich mich: Was würde ich jemand anderem raten? Bei gewohnter Selbstvernachlässigung kommt man trotzdem zu vernünftigen Ideen, was man anderen in derselben Situation sagen würde. Und das ist verständnisvoll, wohlüberlegt und mit den besten Absichten ausgesprochen.

Eine Erkenntnis habe ich im Rückblick auf das letzte Jahr gewonnen: Wie oft ich mir wegen nichts einen Kopf mache, etwa bezüglich der Reisen viel zu viele Sorgen mache oder denke, ich bekomme das nicht hin. Es ist wichtig, festzustellen, dass mich mein eigener Eindruck getäuscht hat und ich mir mehr zutrauen kann.

Und zuletzt: Ich habe tatsächlich verschiedene Wege gefunden, wieder herunterzukommen, wenn ich aufgewühlt oder unzufrieden bin: Lesen, Musik oder einen Podcast hören. Nicht alles klappt in jeder Situation, aber eine der drei Möglichkeiten hat in den letzten Tagen immer erstaunlich gut geholfen. Ich werde ruhig.

Das alles kann verhindern, dass ich mich wieder selbst verliere. Ja, ich möchte nicht alleine bleiben und am liebsten in diesem Jahr etwas daran ändern. Nein, das ist nicht wichtiger als auf mich selbst zu achten. Lieber ein Jahr verlieren als den Groove!

Das Jahr endet viel besser als es begann

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zehn Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

In vier Tagen sind es zweidreiviertel Jahre, seit ich meine Suche begonnen habe. In drei Tagen geht ein ereignisreiches Jahr zuende. Wie war das letzte Quartal? Und was war es für ein Jahr?

Die wichtigste Nachricht zuerst: Ich bin wieder gesund! Ich spürte schon lange, dass der Morgen nahe ist, aber als es endlich soweit war, da fiel eine Last von meinem Herzen. Nichts ist so wichtig wie diese eine Veränderung in meinem Leben.

Die zweitwichtigste Nachricht: Ich war endlich wieder unterwegs!

Ich kehrte nach über 22 Jahren nach Catania zurück. Es war kein Urlaub, es war Heilung.

Noch vor meinem Geburtstag setzte ich einen weiteren Schritt auf dem Ziel zu meinen Traum, alle Länder Europas zu sehen, und besuchte Malta. Weniger als zwei Wochen später folgt der nächste Schritt und ich reiste nach Portugal. Der Traum vom Reisen, den ich seit Anfang 2020 hatte, er ist endlich wahr geworden!

Auch sonst war ich gut unterwegs, traf mich mit Freunden in Amsterdam, Delft und Deutschland und verbrachte Fantasy-Wochenenden in Aventurien und Arkham. Ich spielte viel auf der Ukulele, schrieb einen neuen Text und sang zum ersten Mal auf Niederländisch und Türkisch – und zum ersten Mal seit langer Zeit auf Russisch. Meine Kreativität wurde gut gefüttert!

Das war auch wichtig, denn das gab mir die Kraft, Mut zum Wachstum aufzubringen und mich meiner größten Angst zu stellen. Für die Zukunft wird es entscheidend sein, gegen meine Angst und die Wahrscheinlichkeit zu handeln. Ich habe erneut gemerkt, wie schwierig für mich der Fokus auf mich selbst ist und dass ich auf mich selbst achten muss, wenn ich etwas in meinem Leben verbessern will. Besser kann ich die Kernidee hinter dem Groove kaum ausdrücken.

Über Weihnachten war ich bei meinen Eltern. Sie sind nach 48 Jahren in ein neues Haus gezogen. Was für ein Mut für Veränderung! Ich sah ein letztes Mal mein altes Zimmer. Angenehmerweise wurde ich nicht wehmütig oder traurig. Es war ein Blick in die Vergangenheit. Wer eine Zukunft hat, den schmerzt das Zurückblicken nicht.

Jetzt bin ich auf einem Esperantotreffen über Silvester in der Nähe von Oranienburg. Zum ersten Mal seit drei Jahren kann die Silvesterveranstaltung wieder physisch stattfinden. Gestern abend reiste ich an; heute ist der erste offizielle Tag. Schon jetzt macht sich dasselbe Gefühl breit wie im Sommer: Endlich wieder zu Hause!

Bleibt die Frage: Wo soll die Reise im nächsten Jahr hingehen? Dieses Jahr bin ich gesund geworden, wieder in neue Länder gereist, bin persönlich gewachsen und habe meine Stelle gewechselt. Im neuen Jahr möchte ich mich noch mehr auf mich selbst fokussieren. Alles, was dem zuwider läuft, ist Ballast in meinem Leben, den ich getrost loswerden kann.

Ich bin noch lange nicht da, wo ich hin will. Aber dieses Jahr endet viel besser als es begann.

Das Leben kommt mir gar nicht hart vor

Galerie

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„36 Grad und es wird noch heißer Mach den Beat nie wieder leiser 36 Grad und kein Ventilator Das Leben kommt mir gar nicht hart vor – 2raumwohnung: 36 Grad (Rhythms del mundo) Ich bin auf der Suche nach dem … Weiterlesen

Eine Hochzeit wie früher

„We are the seed
of a new breed
We’ll succeed
Our time will come“
– East 17: It’s Alright

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt.

Ich war letzten Samstag auf einer Hochzeitsfeier in Nordwalde. Was für eine tolle Feier!

Das war alles andere als selbstverständlich. Soziale Anlässe in meiner alten Heimat erinnern mich üblicherweise daran, dass mein Leben anders verläuft als wie man es traditionell erwarten würde. Ich hätte wieder „Phantomschmerzen“ haben können.

Es war meine erste Hochzeit seit drei Jahren. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es damals mit meinem Leben steil bergab ging. Die Feier fand auf Sardinien statt, das mich 2014 schon begeistert hatte. Alles sah schön aus, die Leute feierten fröhlich-friedlich – und ich war innerlich tot und fühlte mich so fremd und fern von allem.

Diesmal war alles so angenehm normal, wie es sich für eine Hochzeit in Westfalen gehört. Ich habe manche Bekannten seit Jahren zum ersten Mal wiedergesehen und viele andere nette Leute kennengelernt.

Ich merkte, wie sehr ich wieder ich selbst war in Vergleich zu 2019. Ich war zwar nur bei einem Drittel meiner normalen Energie, aber neulich nachts in Amsterdam waren es erst 25% gewesen, und das hatte schon für eine gute Tanzeinlage gereicht. Entsprechend rockte ich mich einigen anderen die Tanzfläche. Popmusik aus den 1980ern und 1990ern funktionert immer! Als die Feier um 4 Uhr morgens endete, gehörte ich zu den letzten Gästen.

Diese Gelegenheiten nehmen mir die Angst vor der Zukunft. Wir sind die Saat einer neuen Art. Wir werden Erfolg haben. Unsere Zeit wird kommen!

East 17: It’s Alright

Ostern – nicht alleine

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam sowie Selbstliebe statt Angst.

Was für ein Unterschied: Während ich letztes Jahr Ostern alleine war, konnte ich diesmal wie selbstverständlich nach Deuschland reisen. Dort habe ich:

  • gemeinsam das Ende der Fastenzeit gefeiert – und als erste Süßigkeit Schokolade aus der Ukraine genossen
  • die große Familie wiedergesehen
  • Kaffee und Kuchen genossen
  • ein ernstes Gespräch bei einem Spaziergang geführt

Was hat mir das alles gut getan! Wann habe ich zuletzt ein so unbeschwertes Osterfest erlebt? Vor fünf Jahren? Oder sogar noch früher?

Nebenbei bin ich noch vier Bücher losgeworden. Gleichzeitig habe ich fast einen Koffer voller Bücher von Nordwalde nach Hoofddorp mitgenommen. Die Operation Augias geht weiter!

Absage mit Ansage

„Through our entire existence we seek purpose. (…) It’s ok to feel lonely in the moments when nobody is around and it’s ok to be sad and frustrated when the path to the dreams seems to be lost. (…) Never give up on yourself and your dreams.“ – ALPHA 9: The Purpose Is You

„There is always a purpose: the person that you see in the mirror.” – ARTY aka ALPHA 9.

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende sowie ASMR.

Es sieht ganz danach aus, als würde sich meine Sehnsucht, in diesem Jahr endlich ein neues Land zu sehen, nicht erfüllen. Ich habe für nächste Woche einen Urlaub abgesagt (zum Glück war noch nichts gebucht!), weil ich dann die Grippeschutzimpfung bekomme. Die möchte ich auf keinen Fall verpassen, denn die nächsten Monate werden hart. Auch eine für letztes Wochenende geplante Fahrt nach Nordwalde musste ich in letzter Minute absagen – Störung durch eine Baustelle auf der Strecke, Ende unbekannt. Umso wichtiger, im Oktober das tolle Wochenende mit Freunden erlebt zu haben! Davon zehre ich noch immer.

Ich brauche nicht streng mit mir selbst sein, dass ich nicht um jeden Preis genau jetzt eine Woche Urlaub mache, nur um auf Biegen und Brechen mein Ziel zu erreichen. Es war nicht abzusehen, wie turbulent und kompliziert dieses Jahr auch in der zweiten Jahreshälfte noch werden würde. Ich habe ein gutes Gewissen, weil ich weiß, dass ich die richtigen Prioritäten gesetzt habe.

Ich habe mir stattdessen Ende Oktober auf einer Feier bei der Arbeit – die erste seit fast zwei Jahren und wahrscheinlich die letzte für einige Monate – einige Ideen für eine zukünftige Reise geholt. Das zeigt mir, dass ich meine Ziele nicht mehr aus den Augen verliere, egal, was gerade passiert.

Mir kommt es in dieser Zeit sehr gelegen, einen weiteren musikalischen Lichtstrahl zu erfahren: Nach dem Lied „Du kannst es spüren“ und dem Debütalbum von Leaving Laurel ist mir ein weiteres elektronisches Lied aufgefallen – diesmal als Teil von Above & Beyond – Group Therapy 457 (ABGT).

Der russische Künstler Artem Stolyarov alis Arty sagt selbst über dieses neue Stück, dass es sehr persönlich ist, dass er es in einer sehr schweren Zeit konzipiert hat, dass er unter anderem mit Depressionen kämpfte. Ein weiteres Mal wird elektronische Musik mit geistiger Gesundheit verknüpft – beeindruckend!

Was für eine großartige Ansage am Ende. Das hilft mir sehr, über meine eigenen Absagen hinwegzukommen.

ALPHA 9: The Purpose Is You

Auch Wut braucht ihren Platz

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben, Jahre, die zu mir sprechen, Platz für Verletztheit sowie Lei{d|t}motive.

Am Wochenende war ich wieder in Nordwalde bei einer Familienfeier. Es tat sehr gut, all die Leute wiederzusehen. In den Tagen um dieses Wochenende ist mir eines an mir aufgefallen (diesmal auch vorher): In mir wohnt nach wie vor sehr viel Wut. Es war kein Zufall, dass ich vor einem Jahr ebenfalls nach einer Familienfeier über unbezähmbare Wut gebloggt habe. Denn all diese netten Menschen zu sehen, die Normalität von einem guten Zusammenleben, von einfach so akzeptiert zu werden, das hat mir vor Augen geführt, was für ein krankmachendes Leben ich in den letzten Jahren geführt habe und wie schlecht ich mich habe behandeln lassen. Erst, wenn man zurück in die Wärme geht, merkt man, wie kalt es vorher gewesen ist.

Ich hatte davor schon einmal über den Sinn des Zorns geschrieben und ich habe ein Jahr später auch eine neue Einstellung zur Wut. Sie ist nicht mehr eine gefährliche Kraft, die mich zu übermannen droht. Sie ist sogar ein wichtiger Bestandteil eines richtiges Lebens. Zu einem Regenbogen gehören auch die dunklen Farben, sonst ist er nicht vollständig. So ist es auch mit den Gefühlen. Nichts ist so unsicher und schädlich als nur einen Teil seiner Gefühle zulassen zu dürfen.

Das ich diese Wut endlich spüren kann, ohne dass sie plötzlich in mir hochkommt und explosionsartig ausbricht, ist ein wichtiges Signal für meine emotionale Entwicklung. Überhaupt diese Wut „einfach mal so“ spüren so können, ist ein Fortschritt.

Der erste Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, den Schmerz zuzulassen. Der zweite Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, Verletzungen anzuerkennen. Der dritte Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, der Wut ihren Platz zu geben.

Ich habe alles Recht der Welt, wütend zu sein. Jemand, dem ich vertraut habe, hat mich sehr verletzt und mir gleichzeitig mitgeteilt, dass meine Gefühle völlig unangemessen und meine Bedürfnisse eine schreckliche Last sind. Deswegen habe ich mir lange selbst nicht mehr getraut und an mir selbst gezweifelt. Was für ein Unsinn! Ich war es doch, der die ganze Zeit in Ordnung war.

Es wird sehr, sehr wichtig sein, die Wut nicht mehr wegzudrücken, sondern sie anzunehmen und aktiv mit ihr umzugehen. Dazu gehört auch, offen anderen gegenüber zu sein darüber, wie es um meine Gefühlslage bestellt ist.

Nur sieben Wochen, nachdem ich ein altes Fahrrad zur Deponie gebracht habe, habe ich auch das zweite Fahrrad weggebracht – diesmal eines, das ich selbst gekauft hatte und das damals neu gewesen war. Ein paar Idioten hatten es, als ich es am Bahnhof in Hoofddorp abgestellt hatte, soweit demoliert, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Was soll’s! Die Operation Augias geht weiter. Fürs neue Fahrrad habe ich gelernt, wo ich es sicher abstellen kann – und es kostet nicht einmal viel.

Endlich wieder unterwegs

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt.

Ein halbes Jahr war ich nicht mehr in Deutschland gewesen – so lange wie nie zuvor. Selbst während meines Erasmus-Jahres in Catania 1999/2000 war ich zwischendurch zweimal wieder da.

Und was soll ich sagen? Was vorher eine ganz normale Reise für ein Wochenende war, fühlte sich jetzt so befreiend wie ein großes Abenteuer an – auch wenn mir die Strecke so gut vertraut war.

Es tat unheimlich gut, endlich wieder einen Tapetenwechsel zu haben. Den hatte ich wirklich bitter nötig gehabt!

Ich bin weiterhin auf der Suche nach der richtigen Balance, was meine Energie angeht. Da ist es sehr hilfreich, einige Dinge zu haben, die einfach funktionieren und mir vertraut sind. Eine Reise ohne zweimal Quarantäne hatte ich zuletzt vor über einem Jahr unternommen! So, wie man bei einem Mischpult auch nicht wild alle möglichen Regler hoch- und runterdreht, ist es fürs Mischpult des Lebens wichtig, viele Teile in einer bestimmten Einstellung zu lassen und sich auf die wenigen zu konzentrieren, die dann noch Aufmerksamkeit erfordern.

Heute habe ich mir wieder einen Tag Urlaub genommen – anders als im Juni freiwillig. Ich habe den nächsten Schritt unternommen, um mein Leben zurückzubekommen. Es tat sehr gut, ein weiteres Mal die Bestätigung zu bekommen, dass das, was mir passiert ist, nicht meine Schuld war. Auch in dieser Hinsicht bin ich endlich wieder unterwegs.

So viele Sommer

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Ein Blogeintrag fasst den Hintergrund mit Verweisen auf alle Blogeinträge aus Q2/2020 zusammen. Seitdem habe ich über den Sinn des Zorn, Verletzbarkeit, die Zeit vor fünf bzw. zehn Jahren und dass das Leben keinen Sinn haben muss geschrieben sowie zuletzt über drei wertvolle Einsichten.

Heute geht es um eine Kleinigkeit, die mir dennoch viel bedeutet. Eine Freundin machte mich vor ein paar Monaten auf das Wohnzimmerkonzert von Reinhard Mey aufmerksam. Dabei präsentiert er drei Lieder, unter anderem „So viele Sommer“ (ab 3:58):

Das Lied brachte mich zum Weinen. Was für ein großartiger Inhalt! Was für eine tolle Darbietung dazu – ganz schlicht dargeboten mit Gitarre und Gesang, mit leiser Stimme gesungen, so zerbrechlich und authentisch.

Das Stück ist erst aus dem Jahre 2016, also gerade kein Klassiker aus seinem Repertoire. Ohne die Folgen der ungewöhnlichen Zeiten, in denen wir leben, wäre ich wahrscheinlich nie darauf gestoßen. Hier zum Vergleich die Albumversion:

Da es angenehmerweise Text, Noten und Akkorde als PDF im Netz gibt, habe ich mich daran gemacht, das Stück auf Ukulele spielen zu lernen. Ich singe am besten drei Halbtöne höher als das Original (ging mir auch bei „Gute Nacht, Freunde“ so).

Am Wochenende habe ich die erste längere Reise seit einem halben Jahr unternommen – zur Goldenen Hochzeit meiner Eltern. Für diesen Anlass hatte ich es gelernt.

Und siehe da – ich kam nicht ins Stocken bei meiner Darbietung und es kam gut an. Wer hätte gedacht, dass ich durch die verrückte Weltlage so einen Treffer landen würde?