Die deutsch-brasilianische Hochzeit

In meinem Leben habe ich auf zwei Hochzeiten als DJ aufgelegt: Beim ersten Mal war ich zusammen mit jemand anderem die Notlösung, beim zweiten Mal wurde ich ausdrücklich darum gebeten. Danach habe ich mir gesagt: Nie wieder! Was ich zuletzt geliefert habe, war einfach nicht gut genug.

Das liegt daran, dass Hochzeiten schlicht und ergreifend extrem schwierig zu handhaben sind: Zum einen ist das Publikum extrem heterogen (von ganz jung bis ganz alt). Die einen möchten klassische Tänze, die anderen Charts und dann gibt es noch die Kollision zwischen Schlager einerseits und was der Freundeskreis des Brautpaares als Teenager gehört hat andererseits. Außerdem wird der Fluss, den man als DJ aufbauen will, immer wieder durch Spiele oder festgelegte Programmpunkte wie Schleiertanz, Mitternachtsimbiss usw. unterbrochen. Mit anderen Worten: Hochzeit ist die Königsdisziplin für einen DJ. Was da alles zu beachten ist, zeigt folgende interessante Hilfe (sowohl für DJs als auch für Brautpaare, die ihre Hochzeit organisieren wollen):

DJ Vossi: Die Hochzeitscheckliste (Ablauf einer Hochzeit)

Tja, und dann kam der Anlass, um mich aus meinem Hochzeits-DJ-Ruhestand zu reaktivieren: Jemand aus meiner alten Heimat Nordwalde heiratete eine Brasilianerin. Da sich die beiden in Frankreich kennengelernt hatten, war ihre gemeinsame Sprache französisch. Eine deutsch-brasilianisch-französische Hochzeit – das erforderte etwas andere DJ-Künste als gewohnt, so dass ich mit meinem international erprobten Repertoire die große Hoffnung war. Andererseits reizte es mich natürlich auch, zu Hause so eine internationale Veranstaltung zu haben.

Allerdings bekam ich reichlich Unterstützung: Die Anfrage kam mehr als ein Jahr vor der Hochzeit. Das Brautpaar bereitete eine Liederliste vor und organisierte außerdem selbst den Großteil der speziellen gewünschten Musik (französische und brasilianische Künstler). Freunde und Verwandte brachten für die Spiele selbst die Musik mit und reichten mir noch einige Party-Sampler an. Nicht zuletzt organisierte der Bräutigam die Anlage, baute diese am Vormittag mit mir auf und machte den Soundcheck. Die Feier war wirklich sehr gut organisiert.

Beim Soundcheck leistete ich mir einen musikalischen DJ-Scherz, indem ich als erstes Lied „The Rains of Castamere“ auflegte. (Wer das im Zusammenhang mit einer Hochzeitsfeier nicht versteht, hat nicht genügend „Game of Thrones“ gesehen.)

Karliene: The Rains of Castamere

(Es ist eine andere Version als in der Serie. Ich finde sie aber sehr schön. Man kann sie sich außerdem bei der Künstlerin kostenlos herunterladen!)

Interessanterweise traf ich jemanden aus der Zeit wieder, als es mir gar nicht gut ging. Ich glaube, den Unterschied zwischen damals und jetzt zu sehen war doch beeindruckend. So sehe ich aus, wenn ich gesund und in meinem Element bin. Es war eine sehr angenehme Erinnerung daran, was ich für eine Wegstrecke zurückgelegt habe und wie sehr sich ein Mensch verändern kann.

Das einzige, was mir zwischenzeitlich dazwischenfunkte: Es war Hochsommer und der Jahreszeit entsprechend richtig heiß. Die Gäste von auswärts erlebten das Münsterland, wie es schöner nicht sein kann, also inmitten schöner Landschaft bei bestem Wetter. Deswegen gingen viele Leute (auch zum Rauchen) zwischendurch raus.

Als DJ hatte ich zuletzt über Pfingsten in der Slowakei aufgelegt. Jetzt machte sich die internationale Erfahrung bezahlt: Das Kauderwelsch-Buch „Portugiesisch Wort für Wort“ sorgte gleich für gute Laune. Ich erfüllte fleißig Musikwünsche. Nach einer ersten Anfangsphase dauerte es jedoch bis zum Mitternachtsimbiss, bis sich die Tanzfläche wieder sichtbar füllte. Dann legte ich auf, was zu meinem Stammrepertoire gehört: Rock-und Popklassiker sowie Vielsprachiges. Ich tanzte auch selbst fleißig mit. Zwischenzeitig erinnerte mich das alles an ein Esperantotreffen. Hier trafen sich die zwei Welten, in denen ich groß geworden bin: Zum einen das Münsterland, zum anderen eine internationale Gemeinschaft von Menschen. Ich schmuggelte sogar einige Lieder auf Esperanto in die Liederliste.

Um 3:15 Uhr gehörte ich zu den letzten Gästen und die anderen waren doch etwas müde. Deswegen bauten wir noch die Anlage ab und man brachte mich nach Hause. So ging ein glorreicher Abend zuende, bei dem ich selbst sicher nicht perfekt gewesen, aber doch für gute Stimmung gesorgt und mich selbst prächtig amüsiert habe. Das internationale Heimspiel ist geglückt.

Drei Monate nach dem Jahr Auszeit

Nach der ursprünglichen Planung wäre das Jahr Auszeit vor drei Monaten zuende gegangen; tatsächlich arbeite ich jedoch bereits wieder seit fünf Monaten – bin also bereits die halbe reale Auszeit wieder bei der Arbeit. Insgesamt, so läßt sich sagen, läuft es gut. Im Juni habe ich eine große Veränderung in meinem Leben angeleiert. Ich werde noch davon schreiben, wenn es endgültig soweit ist.

Als kleinen Nachtrag zum Mai habe ich inzwischen berichtet, wie ich am letzten Maiwochenende in Marburg war. Ein Wochenende darauf habe ich mich in Münster erst mit Kollegen getroffen, dann mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin und bin am Samstag nach Kempen gefahren. Auch im Juni ging es nach Budapest. Danach fuhr ich für einen 50. Geburtstag inklusive Konzert von JoMo mit Ukulele-Beteiligung von mir in den Odenwald.

Der Sommeranfang fiel mitten in die Woche und so war ich nicht in Ungarn, sondern in den Niederlanden. Dort gab es aber Besuch aus Utrecht – und nach einem Regen zeigte sich dieser schöne Regenbogen über Hoofddorp.

Hoofddorp 04

Damit fehlt noch das letzte Juniwochenende. Da war ich in Nordwalde und Münster.

Göd Put A Smile Upon Your Face

Ich habe mich ehrlich gesagt schon sehr an den Luxus gewöhnt, direkt von der Arbeit in Amsterdam nach Budapest fliegen zu können. Die Wochenenden in Felsögöd sind natürlich immer zu kurz, aber ich finde es herrlich, wie einfach das trotz allem geht. Nach meinem letzten Besuch im April habe ich diesmal viel Wert auf ausruhen und entspannen gelegt. Ein Spaziergang zur Donau war natürlich trotzdem drin.

Ein Wochenende später war ich wieder bei meiner Rollenspielrunde in Nordwalde. Daher hatte ich nur einen kurzen Zwischenstopp in Münster. Die Zeit scheint zu fliegen.

Operation Augias – der Rest aus dem Zimmer

Die Operation Augias geht auch im neuen Jahr weiter. Letztes Jahr waren es 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele, Audiokassetten sowie Sachen aus dem Zimmer zu Hause.

Heute kam eine weitere Autoladung hinzu. Es war aber nicht so viel wie beim letzten Mal. Dafür war ein sperriges Weihnachtsgeschenk dabei. Damit sind praktisch alle Sachen aus Nordwalde jetzt in Münster. Verblieben sind nur ein paar Kleidungsstücke, aber die machen das Kraut nicht fett und können alle zusammen in einem Koffer transportiert werden.

Damit ist die Operation Augias gut fortgeschritten. Jetzt kann es weitergehen mit dem Durchsehen und Aussortieren.

Operation Augias: Das Zimmer zu Hause

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen – da schließt sich gewissermaßen ein Zeitfenster, um noch etwas zu machen. Ich wollte unbedingt noch einmal verreisen (was mir gelungen ist). Nach dem Winterfest musste ich jedoch erst einmal wieder ein paar Tage in Münster sein, um endlich einige Sachen zu erledigen, zum Beispiel einen Teil der Post, die sich während der ganzen Reisen angestaut hatte.

Ein wichtiger Meilenstein der Operation Augias wartete noch darauf, getan zu werden, denn er konnte nicht gut aufgeschoben werden. Bisher hatte ich es als Schritt zum Erfolg gewertet, wenn ich etwas losgeworden war: 500 Bücher, Kleidung, eine Brille, alte Papiere von der Arbeit, die erste Ladung Computerspiele sowie Audiokassetten. Inzwischen hatte ich zwar noch ein paar Kleinigkeiten zur Wiederverwendung weggegeben (ein paar Kleidungsstücke, einen Satz Brillengläser), aber noch keinen weiteren Durchbruch erzielt. Diesmal ging es stattdessen darum, was sozusagen fertig war vom dem, was blieb. Nachdem ich die neuen Regale bekommen hatte, war ein Großteil der Sachen, die ich noch in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern hatte, nach Münster gekommen. Jetzt sortierte ich die Regale in Nordwalde ein mit Comics und Büchern, die dort bleiben sollten, so dass einige Kisten leer wurden. Es gäbe sicherlich noch die eine oder andere Kleinigkeit von den anderen Sachen, die ich in meine Wohnung schaffen könnte, aber es ist nichts Weltbewegendes und man kann mein ehemaliges Zimmer jetzt endlich als Gästezimmer einsetzen. Das war das Ziel!

Kirmes

Anfang Oktober war Kirmes in Nordwalde. Für die Nordwalder Kirmes gilt: Egal, wo man sich ansonsten in der Weltgeschichte herumtreibt, zu dieser Zeit muss man in die alte Heimat zurückkehren! Dieses Jahr war ich nur am Samstagabend da, aber das reichte, um die Freunde in Nordwalde wiederzusehen. Ich hatte natürlich einiges zu erzählen von meinen Reisen und was ich in dem Jahr Auszeit alles schon erlebt habe. Ich bekam dafür zu hören, dass man mir ansehe, dass ich viel entspannter und glücklicher sei. Insofern war das auch ein wichtiger Kontrollpunkt: Wir würde ich zu Hause wahrgenommen?

Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, aber das Lied „Ich und Rocky Waschbär“ gehört zum festen Kirmes-Repertoire. Früher wurde das immer in der „Raupe“ gespielt. Leider gibt es seit einigen Jahren die echte Raupenbahn nicht mehr, da das neue Karussell, das an derselben Stelle steht, kein Verdeck hat. Trotzdem kam mit dem Lied die typische Kirmesstimmung auf.

Münster, Enschede, Bremen, Köln

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Ich war erst einige Tage aus Ungarn wieder da, da bekam ich auch schon Besuch. Nun war ich ja bereits durch die beiden vorherigen Besucher geübt darin, meine Heimatstadt Münster zu zeigen (inklusive Kreuzviertel natürlich!), aber diesmal ging es auch noch woanders hin. Nach einem Tag Münster fuhren wir mit dem Zug nach Enschede. Schließlich gibt es eine direkte Bahnverbindung und wenn man schon einmal die Gelegenheit hat, so einfach in die Niederlande zu kommen, soll man sie auch nutzen. Für mich war es ein weiteres Land, das ich in diesem Jahr besucht habe.
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Ganz unverhofft kam ich dort noch dazu, mit zwei jungen Leuten ein wenig Musik auf der Straße zu machen. Zwei Studenten spielten Gitarre und sangen (es gehörte wohl zu einer Orientierungswoche der dortigen Uni). Ich hatte eine Ukulele dabei, eine junge Dame sprach mich an und schlug vor, dass ich mich dazugesellen sollte. Gesagt, getan! Wir spielten „Budapest“ von George Ezra, was sehr gut ankam.
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Abends trat ich mit meinem Besuch im Flic Flac auf. Der Ukulelekurs trug Früchte! Im Flic Flac war ich nebenbei bemerkt schon seit drei Monaten nicht mehr gewesen – dem letzten Abend vor der Sommerpause, als ich zwischen Stockholm und Barcelona einen Tag Pause hatte.

Einen Tag ging es dann nach Bremen, wo uns eine Bekannte erwartete. Wir bummelten ein wenig in der Stadt, besuchten Läden für Schokolade und Tees, aßen zu Mittag und spielten nachher zusammen Ukulele!

An einem anderen Tag machten wir einen Ausflug nach Köln. Hier schauten wir uns aufgrund des schlechten Wetters vor allem den Dom an, saßen beisammen im Café und genossen danach die Aussicht vom Köln Triangle aus.

Schließlich ging es noch an einem weiteren Tag nach Nordwalde. Dort schauten wir bei meinen Eltern vorbei und sahen uns den Bispinghof an.

Insgesamt haben wir die eine Woche gut genutzt. Man kann also auch aus einem „Urlaub zu Hause“ eine Menge herausholen!