Operation Augias: Zwei Flaschen Alkohol

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Neun Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich über einen Lernerfolg „zwischen den Quartalen“ gebloggt, eine Hochzeit wie früher, eine Woche Urlaub in Nordwalde sowie die zweite Hochzeit in zwei Wochen.

Ich habe einen weiteren Schritt im Rahmen der Operation Augias getan. Nach Gesprächen mit Freunden habe ich mich dazu entschlossen, meine Sammlung an Flaschen mit alkoholischen Getränken, die ohnehin nicht groß war, zu verkleinern.

Ich trinke schon viele Jahre keinen Alkohol mehr. Ich hatte also nie das Bedürfnis, den Alkohol selbst zu verbrauchen.

Letzten Endes standen die Flaschen bei mir in der Wohnung, ohne dass ich sie verbraucht habe.

Eine Flasche Bols Blue Curaçao habe ich im Freundeskreis weiterverschenkt. Kurioserweise ist das ein niederländisches Produkt und war ein Geburtstagsgeschenk, wenn ich mich recht erinnere, das ich aber gebraucht habe. Jetzt hat die Flasche einen Besitzer, der für ihren Inhalt bessere Verwendung finden wird.

Die andere Flasche war ein Tequila namens José Cuervo Clasico. Das war mal ein Geschenk auf der Weihnachtsfeier meiner damaligen Firma, das mich sehr erfreut hat. Ich erinnere mich auch noch gerne zurück an die Gelegenheit, bei der ich die Flasche angebrochen habe – zu zweit natürlich, denn so trinkt man in der Esperantowelt Tequila. Aber nach so vielen Jahren wird der Tequila seinen Geschmack verloren haben, so dass ich ihn jetzt weggekippt habe.

Was hat mich so lange zurückgehalten, diese eigentlich einfache veränderung zu unternehmen? Ich hatte ein schlechtes Gewissen, ein Geschenk nicht gewürdigt zu haben. Dabei habe ich die Flasche über mindestens einen Umzug erhalten und hätte sie jederzeit angeboten – allein es fehlte die Gelegenheit. Beim Tequila war es die Erinnerung an eine gute Zeit und vielleicht das festhalten wollen daran, auch wenn alle guten Dinge zuende gehen müssen und es erwachsener ist, sich bewusst einzugestehen, dass bestimmte Abschnitte des Lebens vorbei sind und nicht wiederkommen können. Natürlich habe ich mich außerdem gefragt, ob ich nicht ein schrecklicher Verschwender bin, wenn ich eine Flasche Alkohol, deren Inhalt nicht mehr schmecken kann, einfach so wegschütte.

Dann habe ich endlich einmal nachgesehen, was denn der Wiederbeschaffungswert für diesen Tequila oder die Flasche Bols wäre. Etwa 20 bzw. 10 Euro. Damit lag die Entscheidung auf der Hand! Ich fühle mich jetzt deutlich besser, weil ich nicht der Vergangenheit anhänge, sondern mich selbst auf eine mögliche Zukunft vorbereite. Dort haben gewisse Teile der Vergangenheit keinen Platz.

Manche Wunden heilen doch

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„Are you such a loser, you can’t tell when you’ve won?“ – From Dusk Till Dawn Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen: Q2/2020 / Q3/2020 / Q4/2020 … Weiterlesen

Ein Gebet, ein Lied – und der Groove

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt, meinen Aufenthalt in Paris sowie wie ich mich von meiner alten Lederjacke verabschiedete.

Der gerade zuende gegangene Monat Mai war mein Reise- und Urlaubsmonat. Ich habe letzte Woche zwei Tage frei genommen und bin nach Deutschland gereist.

Zuerst war ich auf einer Taufe. Für den Anlass war es nicht der wichtigste Teil, nur als Thema für dieses Blog sticht es hervor – das Gebet, das ich gesprochen habe. Anstatt einen Text fertig aufzuschreiben, auszudrucken und dann abzulesen, habe ich frei formuliert mit den wichtigsten Stichworten im Kopf. Den Rückmeldungen zu urteilen, die ich bekommen habe, scheine ich den richtigen Ton getroffen zu haben.

Dann ging es auf zum Beltaine auf dem Pützerhof in Neunkirchen-Seelscheid. Zum ersten Mal seit drei Jahren fand die Veranstaltung wieder statt! Ein Treffen im Oktober mit einem Teil der Leute war ein wunderbares Wochenende geworden, das mir auf Monate Energie und Ansporn gegeben habe. Dieses Beltaine war in mancherlei Hinsicht – Ort, Ablauf – so wie früher, so angenehm vertraut und gewohnt, und gleichzeitig an so vielen Stellen etwas Besonderes – ich merkte die lange Pause, wie sehr ich mich nach den guten Gesprächen und der Abwechslung vom Alltag gesehnt hatte. Ich hatte den Con im Oktober immer als „Heldencon“ bezeichnet, weil er unter erschwerten Bedingungen stattfand und wir alle ein Stück weit Helden waren, da wir es trotzdem wagten, uns zu treffen. Beltaine nannte ich „Heldencon 2“ und sang am Samstagabend eine Follow-Version von David Bowies „Heroes“. Ich hatte auch die deutsche Version „Helden“ als Vorbild genommen und war insbesondere durch die Coverversion Depeche Mode inspiriert worden. Auch da scheine ich die Gefühle der Anwesenden gut zum Ausdruck gebracht zu haben, denn ich bekam von mehreren Leuten gesagt, dass das eine tolle Darbietung war.

Depeche Mode: Heroes

Ich muss rückblickend an die drei Motive denken, die ich zu Beginn meiner Aufzeit aufgeschrieben hatte: Gut genug für etwas sein, einen Unterschied machen, etwas in den Herzen der Menschen bewegen. Alles drei hatte ich bei diesen beiden Gelegenheiten. Deswegen fühlte ich mich so gut. Deswegen hatte ich den Groove.

Die wichtige Folgefrage lautet: Warum habe ich den Groove nicht öfters? Was hält mich zurück?

Ganz offensichtlich spielt die Umgebung, spielen die Leute um mich herum eine wichtige Rolle. Dass ich dann kreativ sein kann und sich das sogar reicht leicht anfühlt, ist ein sehr deutliches Zeichen.

Ganz nebenbei habe ich noch Operation Augias fortgeführt und bin 1 DVD und 3 CDs losgeworden. So kann’s weitergehen!

Operation Augias: Die Lederjacke

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam, Selbstliebe statt Angst, wie ich Ostern nicht alleine war, einen zweiten Lernerfolg in diesem Jahr, wie ich an einem Tag mit dem Fahrrad ans Meer und zum Flughafen fuhr, ein Wochenende in Frankfurt sowie meinen Aufenthalt in Paris.

Es geht weiter mit den ereignisreichen Wochen. Letzten Mittwoch abend gewann Eintracht Frankfurt die UEFA Euro League – und den ersten internationalen Titel seit 42 Jahren. Ich habe woanders mehr darüber geschrieben.

Ein Ergebnis des Abends: Von ihren Gefühlen völlig übermannte Fans und Journalisten. Wie der sichtlich erneut den Tränen nahe Philipp Hofmeister es bei Fußball 2000 beschrieb: „Die Sterne standen so. Es sollte so sein.“

Ähnlich wie damals beim Weltmeistertitel 2014 habe ich mich gefragt, ob das nicht eine gute Gelegenheit wäre, im eigenen Leben etwas zu verbessern.

Es ging munter weiter mit den ungewöhnlichen Ereignissen. Am Donnerstag traf ich im Rahmen einer Veranstaltung eine charmante Dame wieder, die ich am 1. April beim Amsterdam Language Café kennengelernt hatte. Wir haben uns drei Stunden lang unterhalten. Wann habe ich das zum letzten Mal gemacht? Uns gingen nie die Themen aus. Das Gespräch schien so leicht zu fließen. Ich konnte mich sogar dahingehend öffnen, dass ich – ähnlich wie in meinem Traum zum neuen Jahr – erzählen konnte, was ich vermisse in meinem Leben und was ich bereit bin zu tun, um das zu ändern.

Nach dieser Begegnung – ohne jegliche romantischen Ambitionen – war ich wie elektrisiert. Ich kann mit jemandem ein tiefsinniges Gespräch führen und viele Facetten meiner Persönlichkeit zeigen, ohne dass es schwermütig oder angespannt wird. Das ist doch großartig! Und wenn ich so sehr davon gesprochen habe, Veränderung in mein Leben zu bringen, dann soll es das alleine noch nicht gewesen sein.

Ich habe daher den nächsten Schritt der Operation Augias ausgeführt und einige Sachen zur Umweltstraße gebracht. Dann habe ich noch ein Paar Schuhe entsorgt (Sohle durchgelaufen) und mir gleich Ersatz besorgt, da ich ansonsten keine leichten Schuhe mehr habe. Diesmal ging das leichter als beim letzten Mal. Ich war im nachhinein überrascht davon, wie effizient und effektiv ich das angepackt habe.

Schmerzhaft war dagegen der Abschied von meiner geliebten Lederjacke der Marke Giorgio, Größe 50. Ich hatte die Mitte 2009 gekauft, in etwa zu der Zeit, als ich dieses Blog reservierte. Ein heißer Spätsommer verfärbte das Leder. Ich sammelte dennoch später Komplimente von Mann und Frau für die Jacke ein. Letztes Jahr ging dann der Reißverschluss entgültig kaputt. Klar, vielleicht hätte ein Schneider das noch einmal reparieren können. Aber an einigen Stellen war das Innenfutter schon seit Jahren aufgerissen. Die Jacke würde sich nicht einmal mehr in einer Kleidersammlung gut machen. Ich hing nur noch aus zwei Gründen an ihr: Sie saß gut und sie erinnerte mich an alte Zeiten, in denen ich glücklicher war und mir weniger gehorsam vorkam. Ganz ehrlich: Das kann zurückkommen. Es war nicht die erste Lederjacke in meinem Leben und muss nicht die letzte sein. Vielleicht wird die nächste schwarz, das würde mir noch besser gefallen. Anstatt die Asche anzubeten, sollte ich lieber das Feuer neu entfachen!

Als dieser Entschluss am Sonntag feststand, machte ich mich auf eine letzte Radtour mit der Jacke. Ein letztes Mal schnell fahren und die Luft, die Sonne und den Wind spüren! Eigentlich sollte es nur zu meiner Stammeisdiele gehen. Aber dann dachte ich mir: Das ist schon die Hälfte des Weges bis zum Meer. Den Rest schaffe ich auch noch. Diesmal kenne ich schließlich den Weg!

Und so kam ich tatsächlich in Zandvoort an. Was beim letzten Mal ein Novum war, wie ein kleines Abenteuer schien, das hatte ich drei Wochen später einfach so mal eben geschafft.

Das Meer hatte wieder seine magische Wirkung auf mich. Ich fühlte mich frei. Ich nehme das als wichtigen Hinweis mit, dass ich die richtige Umgebung brauche, um mich gut zu fühlen und wirklich etwas ausstrahlen zu können.

Zwar habe ich kein perfektes Foto vom Sonnenuntergang, aber das machte mir nichts: Ziel ist es nicht, auf Anhieb das perfekte Foto zu machen. Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass es mehr Gelegenheiten gibt, ein gutes Foto zu machen. Dann brauche ich keine Angst zu haben, eine Chance zu verpassen.

Gestern habe ich die Jacke dann entsorgt. Es war emotional schwieriger als beim Wintermantel oder beim Schreibtischstuhl. Was habe ich mit dieser Jacke alles erlebt, von tollen Momenten bis zu bittersten Niederlagen! Mir ist inzwischen jedoch klar geworden, dass ich vorangehen möchte in meinem Leben, und dass ich mir nicht selbst untreu werde, wenn ich alte Sachen loswerde.

Die Operation Augias ist noch lange nicht am Ende. Durch die kleinen Erfolge bin ich jetzt deutlich zuversichtlicher, dass ich wieder mehr Ordnung in meinen Alltag bringen kann und bereit sein werde für Veränderung, wenn sie kommt.

Ostern – nicht alleine

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Acht Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, wie der Groove nach zwei Jahren zurückkam sowie Selbstliebe statt Angst.

Was für ein Unterschied: Während ich letztes Jahr Ostern alleine war, konnte ich diesmal wie selbstverständlich nach Deuschland reisen. Dort habe ich:

  • gemeinsam das Ende der Fastenzeit gefeiert – und als erste Süßigkeit Schokolade aus der Ukraine genossen
  • die große Familie wiedergesehen
  • Kaffee und Kuchen genossen
  • ein ernstes Gespräch bei einem Spaziergang geführt

Was hat mir das alles gut getan! Wann habe ich zuletzt ein so unbeschwertes Osterfest erlebt? Vor fünf Jahren? Oder sogar noch früher?

Nebenbei bin ich noch vier Bücher losgeworden. Gleichzeitig habe ich fast einen Koffer voller Bücher von Nordwalde nach Hoofddorp mitgenommen. Die Operation Augias geht weiter!

Operation Augias: Der neue Schreibtischstuhl

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Sechs Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass sich niemand wegwerfen muss, wie mein Geburtstag besser war als der ein Jahr zuvor, dass ich ganz im hier und jetzt sein will, ein wunderbares Wochenende, ASMR, wie sich meine Reisepläne verschoben, Stress rechtzeitig zu erkennen, wie der Groove ausgerechnet in schlechter Zeit zurückkam, einen Lernerfolg am Jahresende sowie Selbstvorsorge zu üben.

Da ich noch auf absehbare Zeit von zu Hause aus arbeiten werde, ist es umso wichtiger, eine gute Ausstattung zu haben. In den letzten Monaten ist mein einst heißgeliebter „Commanderstuhl“ mehr und mehr kaputtgegangen, bis er ganz absackte und sich die Größe gar nicht mehr verstellen ließ. Klare Sache, ich brauchte etwas Neues.

Gerne hätte ich mir einen neuen Schreibtischstuhl von einem lokalen Unternehmen angesehen, aber das war in diesen Tagen nicht möglich, da sich der Ausstellungsraum nicht in Hoofddorp befindet. Immerhin wurde ich so auf die EU-Norm 1337 aufmerksam für egonomische Stühle. Letzten Endes habe ich im Internet bei IKEA gestöbert, mir zwei Modelle notiert und bin dann zur Filiale nach Haarlem gefahren.

Ich hatte ohnehin am letzten Freitag im November einen Urlaubstag genommen. Am Nachmittag war es angenehm leer. Ich fand beide Modelle sofort und stellte fest, dass mir mein erster Kandidat tatsächlich besser gefiel. Es ist ein neues Modell namens Järvfjället, entworfen von Eva Lilja Löwenhielm.

Bevor ich mir mein Exemplar aus dem Lager suchte, ging ich jedoch im IKEA-Restaurant essen. Ich konnte in aller Ruhe essen; ich musste ja nicht hetzen. Alles schmeckte irgendwie intensiver als sonst: Die Fleischklößchen, die Pommes, die Preiselbeerensoße, sogar der Broccoli!

Plötzlich überkam mich wieder ein Kippbild. Es war schon vorher nicht ohne Traurigkeit gewesen, als ich durch die Filiale ging. Was IKEA in Haarlem mal für eine Bedeutung für mich hatte – ein neues Leben aufbauen. Auch das alleine essen erzeugte gewisse Phantomschmerzen. Gerade weil es mir so gut schmeckte, kippte das Bild plötzlich: Da sitze ich als einzelner Mensch und kann mich unheimlich darüber freuen, eine Mahlzeit einzunehmen. Ich weiß etwas zu schätzen. Ich bin doch eigentlich ganz ok!

Der neue Stuhl ist übrigens eine Wucht. Was ist das angenehm, in ihm zu sitzen!

Dann blieb noch, den alten Stuhl zu entsorgen. Leider gab es Termine zum Sperrmüllabholen nur noch ganz am Ende des Jahres. Letzten Samstag habe ich mich dann mit einer Sackkarre zur Umweltstraße aufgemacht. Dieses Mal konnte ich den Großteil der Strecke mit dem Bus zurücklegen. Ohne die neuen Schuhe hätte ich mich nicht gewagt. Aber es war recht warm und regnete nicht. Eine besser Chance würde nicht kommen!

Was habe ich alles mit diesem Stuhl erlebt, wie viele Schlachten geschlagen, aber auch bittere Niederlagen erlebt! Dennoch war ich froh, ihn noch vor Ablauf des Jahres loszuwerden. Es ist wichtig, alte Kapitel abzuschließen, damit neue beginnen können.

Einen Stuhl zum Sperrmüll bringen hört sich trivial an. Ich fühlte mich direkt danach jedoch unheimlich erfüllt. Da ist ein ganz deutliches Zeichen, dass ich das Richtige getan habe – und noch viel wichtiger, etwas allein für mich, denn niemand anders profitiert davon.

Wie nach dem Entsorgen der beiden Fahrräder machte ich mich zu der speziellen Bäckerei auf, bei der ich mir bereits die beiden vorherigen Male leckere Sachen gegönnt hatte. Ich machte unterwegs meine Jacke auf. Ich fühlte die leichte Kühle am Körper. Es war so angenehm, wieder so intensiv etwas zu spüren!

Die Schinken-Käse-Croissants und der Karottenkuchen schmeckten ebenfalls unheimlich lecker. Es scheint, als ob meine Sinne mehr und mehr zurückkommen. Die lange nicht enden wollende Dunkelheit könnte in einer späten Phase sein!

Auch Wut braucht ihren Platz

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen, was ich bin und was nicht, wie die Energie langsam zurückkommt, die Fragen, wo ich hingehe und ab wann es schiefging in meinem Leben, Jahre, die zu mir sprechen, Platz für Verletztheit sowie Lei{d|t}motive.

Am Wochenende war ich wieder in Nordwalde bei einer Familienfeier. Es tat sehr gut, all die Leute wiederzusehen. In den Tagen um dieses Wochenende ist mir eines an mir aufgefallen (diesmal auch vorher): In mir wohnt nach wie vor sehr viel Wut. Es war kein Zufall, dass ich vor einem Jahr ebenfalls nach einer Familienfeier über unbezähmbare Wut gebloggt habe. Denn all diese netten Menschen zu sehen, die Normalität von einem guten Zusammenleben, von einfach so akzeptiert zu werden, das hat mir vor Augen geführt, was für ein krankmachendes Leben ich in den letzten Jahren geführt habe und wie schlecht ich mich habe behandeln lassen. Erst, wenn man zurück in die Wärme geht, merkt man, wie kalt es vorher gewesen ist.

Ich hatte davor schon einmal über den Sinn des Zorns geschrieben und ich habe ein Jahr später auch eine neue Einstellung zur Wut. Sie ist nicht mehr eine gefährliche Kraft, die mich zu übermannen droht. Sie ist sogar ein wichtiger Bestandteil eines richtiges Lebens. Zu einem Regenbogen gehören auch die dunklen Farben, sonst ist er nicht vollständig. So ist es auch mit den Gefühlen. Nichts ist so unsicher und schädlich als nur einen Teil seiner Gefühle zulassen zu dürfen.

Das ich diese Wut endlich spüren kann, ohne dass sie plötzlich in mir hochkommt und explosionsartig ausbricht, ist ein wichtiges Signal für meine emotionale Entwicklung. Überhaupt diese Wut „einfach mal so“ spüren so können, ist ein Fortschritt.

Der erste Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, den Schmerz zuzulassen. Der zweite Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, Verletzungen anzuerkennen. Der dritte Schritt zur Überwindung der Bitterkeit besteht darin, der Wut ihren Platz zu geben.

Ich habe alles Recht der Welt, wütend zu sein. Jemand, dem ich vertraut habe, hat mich sehr verletzt und mir gleichzeitig mitgeteilt, dass meine Gefühle völlig unangemessen und meine Bedürfnisse eine schreckliche Last sind. Deswegen habe ich mir lange selbst nicht mehr getraut und an mir selbst gezweifelt. Was für ein Unsinn! Ich war es doch, der die ganze Zeit in Ordnung war.

Es wird sehr, sehr wichtig sein, die Wut nicht mehr wegzudrücken, sondern sie anzunehmen und aktiv mit ihr umzugehen. Dazu gehört auch, offen anderen gegenüber zu sein darüber, wie es um meine Gefühlslage bestellt ist.

Nur sieben Wochen, nachdem ich ein altes Fahrrad zur Deponie gebracht habe, habe ich auch das zweite Fahrrad weggebracht – diesmal eines, das ich selbst gekauft hatte und das damals neu gewesen war. Ein paar Idioten hatten es, als ich es am Bahnhof in Hoofddorp abgestellt hatte, soweit demoliert, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Was soll’s! Die Operation Augias geht weiter. Fürs neue Fahrrad habe ich gelernt, wo ich es sicher abstellen kann – und es kostet nicht einmal viel.

Du kannst es spüren

„Du kannst es spüren /
Du kannst es fühlen“
– Kyau & Albert: Spüren

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Fünf Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich hoffnungsvoll über die bessere Jahreshälfte gebloggt sowie darüber, endlich wieder unterwegs zu sein, meine besten Freunde wiederzusehen, Jahrestage und Phantomschmerzen sowie was ich bin und was nicht.

Die letzten Tage waren nicht immer einfach. Es gab Phasen, da war ich sehr traurig oder einfach nur erschöpft. Das allein klingt erst einmal altbekannt.

Es gab aber auch eine neuere Entwicklung: Ich schien jeden Tag ein wenig Energie übrig zu behalten. Ich halte das für ein deutliches Zeichen, dass die Talsohle längst durchschritten ist, denn das war ein Kennzeichen in der späten Phase der letzten Krise.

Außerdem gab es mehrere aufeinanderfolgende Tage, in denen sich einzelne Puzzlestücke endlich zusammenzufügen schienen. Mein Wunsch, dass mein Leben einen Zweck haben soll, ist kein leerer Traum. Auch mein Verlangen nach Lebensumständen, die mich nicht völlig auslaugen, ist keine unrealistische Phantasie. Es kann durchaus sein, dass ich mich sehr verändern muss dafür – und das ist völlig in Ordnung.

Beim Hören von Above & Beyond – Group Therapy 445 (ABGT) stieß ich auf ein Lied, das irgendwie zu meiner Situation zu passen schien. Es klingt hoffnungsvoll, träumend, staunend… es drückt sogar ein wenig die Idee vom Groove aus und dass sich manche Dinge nicht rational erfassen lassen.

Kyau & Albert: Spüren

Heute abend habe ich einen weiteren wichtigen Schritt in der Operation Augias unternommen:
Ich habe meinen ersten Laptop, einen zwölf Jahre alten Toshiba Satellite Pro P300 – 1F1 (17 Zoll), entsorgt.

Er hat mich auf manchen Hochs und Tiefs meines Lebens begleitet. Im Sommer 2009 in Liberec während eines Unwetters hätte es ihn fast erwischt – glücklicherweise stand er weit genug vom Fenster weg, um nicht eine volle Dusche während eines heftigen Unwetters abzubekommen. Im Sommer 2011 haben ihn zwei Jungs auf einem selbstgebauten Floß über den Dnjepr in Kiew gerudert.

Die Aufkleber von Jonny M und The Heroine Whores stammen noch aus seinen ersten Jahren. Oft haben mich die Leute ein wenig belächelt dafür, so einen „Fernseher“ unterwegs dabei zu haben. Allerdings fand ich den großen Bildschirm immer sehr angenehm und durch das Metallgehäuse war er auch robust.

Im Dezember 2015 macht er das erste Mal Mucken, gab dann mehr und mehr den Geist auf, so dass ich ihn vor dem Sommer 2016 ersetzt habe. Zwischendurch benutzte ich ihn noch zum Drucken, aber später ging auch das nicht mehr, da er sich beim Einschließen eines USB-Gerätes aufhing. Heute habe ich einige letzte Fotos via Bluetooth herunterkopiert (einige schmerzvolle Erinnerungen über eine bessere Zeit in meinem Leben kamen dabei hoch), dann wurde die Platte einmal komplett übergebügelt und das alte Windows XP noch einmal frisch installiert. Mach’s gut, alter Laptop!

Jahrestage und Phantomschmerzen

Galerie

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Druck für Veränderung

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Vier Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, dass es normal ist, mich einsam zu fühlen, Platz für Gefühle, einen Traum vom Groove, gesunde Angst, lieben zu können sowie darüber, dass Verletzbarkeit liebenswert macht.

Heute habe ich die nächste große Veränderung angestoßen. Es wird wahrscheinlich über ein Jahr dauern, bis sie abgeschlossen ist – wenn es denn klappt.

Das hat mich noch einmal richtig Kraft gekostet. Aber damit dieser Winter, der nun schon drei Jahre dauert, endlich enden kann, muss es sein.

Ich habe in den letzten Wochen noch eines besser verstanden: Nicht „ich habe keinen Wert“ ist mein Problem. „Ich erfahre keinen Wert in meinem Alltag“ ist es. Das fasst sehr gut zusammen, was den jetzigen Winter ausgelöst hat und wie er sich anfühlt.

(Genauer werde ich es nicht schreiben. Dieses Blog ist kein Seelenstriptease.)

Eine praktische Veränderung möchte ich noch erwähnen, die Voraussetzung dafür war, eine Menge Papierkram in den letzten Wochen zu erledigen. Was ich Anfang des Jahres vorgenommen hatte, habe ich nun sehr konkret umgesetzt. Im neuesten Teil der Operation Augias habe ich mir einen neuen Drucker gekauft und den alten entsorgt.

Das alte Gerät, ein Laserdrucker Modell Brother HL-1030, war mindestens 18,5 Jahre alt und stammte noch aus meinen späten WG-Zeiten als Student. Auf ihm habe ich seinerzeit meine Diplomarbeit gedruckt!

Viele Jahre lief er gut, zuletzt wurde es jedoch immer schwieriger: Der Druck war nicht mehr sauber und nur gut für Dokumente, bei denen es auf gute Qualität nicht ankam (etwa Akkorde zum Ukulele-Spielen). Außerdem ließ er sich nicht einmal unter Windows 7 installieren – ich musste also jeweils einen Uraltrechner anschmeißen und tat das entsprechend nur, wenn es absolut notwendig war.

Ja, ich halte lange an alten Dingen fest und empfinde es als Verschwendung, ja fast schon als Verrat, sie zu ersetzen. Aber jetzt war es an der Zeit.

Der neue Drucker läuft nicht nur mit dem Laptop, sondern kann außerdem scannen, was es deutlich einfacher macht. Mach’s gut, alter Drucker! Du hast mir gut gedient.