Das Leben danach

„It is possible to commit no mistakes and still lose. That is not a weakness, that is life.“
Jean-Luc Picard

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Zwei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus Q2/2020 und alle Blogeinträge aus Q3/2020 zusammen. Zuletzt habe ich gebloggt über Lieder, die mich durch die Nacht bringen, das neue Lebensjahr, vom Sinn des Staunens, was dieses Blog hier wird (und was nicht) sowie zuletzt darüber, die eigene Aufgabe zu erkennen.

Das Leben hält doch noch positive Überraschungen bereit. Popsänger Sasha aus Soest, seit den späten 90ern mit radiokompatibler Popmusik unterwegs, hat 2018 ein Album ganz auf Deutsch herausgebraucht. Ich hatte das gar nicht mitbekommen und bin nur zufällig darauf gestoßen, als ich zuletzt seine „Schrott-Songs“ gesehen und gehört habe (Teil 1, Teil 2, Interview danach). So kann’s kommen: Ein alberner Streich mit der versteckten Kamera führt einen zu Liedern mit Tiefgang:

Sasha: „Leben danach“

Das spricht mir aus der Seele. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand so stilvoll über diese Situation singen kann. Drei besonders gelungene Lieblingstextzeilen:

  • „Du hast gedacht, Du wärst längst angekommen“
  • „So viele Jahre und Erinnerungen löscht man nicht mal so eben“
  • „Nachts liegst Du wach, hängst Euren Träumen nach / Dein Herz macht Überstunden“

Aber besonders berührt mich der Übergang: „wenn mit nem lauten Knall alle Türen zufallen / werden neue aufgehen, Du musst nur noch rausgehen“. Vor zehn Jahren, während meiner letzten großen Krise, hatte mir eine Freundin geschrieben: „Für jede Tür, die sich schließt, öffnet sich eine andere.“ Ich konnte das damals nicht gut annehmen – ich sah keine neuen Möglichkeiten. Ich habe damals tatsächlich sehr lange gebraucht, um wieder hochzukommen – mehrere Jahre. Heute sehe ich das anders: Da ist tatsächlich etwas dran, und ich habe mir im letzten halben Jahr einige neue Chancen erkämpft.

Dass ein eigentlich leicht beschwingter Sänger einen richtig tiefsinnigen Text darbieten kann, war mir schon vorher bekannt. Peter Maria (der Mann hinter „Tony Mono“) hat vor einigen Jahren ein ernstes Album aufgenommen. Da heißt es etwa:

„Ich will, dass sich der Himmel verdunkelt, wenn dieses Schiff hier auf Grund geht
(…) wenn dieses Bild wirklich entzwei ist, dass wirklich alles vorbei ist“

Peter Maria: „Wenn Du gehst, nimm mich mit“

Ich hatte immer den Eindruck, dass man als Mann mit Problemen eine lächerliche Figur abgibt, die auch noch zum Ziel von Hohn und Spott wird. Sasha und Peter Maria haben das hingegen umgedreht und aus Liebesleid ein paar tolle Lieder gemacht. Das ist eine Möglichkeit, den Groove wiederzufinden!