Ein Held braucht würdige Gegner

Meine Mission lautet, den verlorenen Groove wiederzufinden. Ich weiß, dass der Zugang zu meinen Gefühlen der Schlüssel dazu ist. Wenn ich in Übereinstimmung mit ihnen handele, fühlt es sich wie Superkräfte an. Dabei habe ich – wie auf dem Weg eines Superhelden – festgestellt, dass sich diese Kräfte bewusst herbeiführen lassen.

Was hat bisher verhindert, dass ich das öfters habe? Zur Entwicklung eines Helden gehört auch, sich den Dämonen zu stellen; auf die Reise zu gehen zu den Orten, „wo die Schatten drohen“.

Zuletzt hatte ich über einige traurige Einsichten auf dem Weg geschrieben:

  • Ich habe Angst vor schlechten Dingen, die mir „einfach so“ ohne weiteren Grund passieren.
  • Ich vernachlässige mich selbst.
  • Ich nehme es als gegeben hin, dass ich so wie ich bin nicht akzeptabel bin.

Doch das war nur der Anfang. Ich stieß in meinem Innern auf einige begrenzende Ansichten („limiting beliefs“), etwa:

  • Dass ich etwas für andere leisten muss, damit es auch mir gutgehen „darf“
  • Dass meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse so erst einmal „nicht ok“ sind, sondern begrenzt werden und nur unter Bedingungen stattfinden dürfen
  • Dass es „gefährlich“ wäre, wenn ich an mich selbst denke

Es ging noch lange weiter… bis ich auf meine eigene innere Stimme kam, die zum Beispiel sagte:

  • „Ich sollte mich nicht grämen, wenn es mir schlecht geht. Ich habe das ja verdient!“
  • „Ich tue mir lieber selber weh – dann müssen es andere nicht mehr machen.“
  • „Ihr müsst mich nicht wegwerfen. Ich mache das schon selbst!“

Alle diese Überzeugungen laufen auf eines hinaus: ein geringes Selbstwertgefühl. Natürlich weiß ich, unter welchen Umständen mir die Idee „Du bist nichts“ so eingehämmert wurde, dass ich sie schließlich verinnerlicht habe. Es ist Jahrzehnte her – und mir war nicht bewusst gewesen, wie sehr mich das noch im Griff gehabt hatte.

All das war schon erschreckend festzustellen. Gleichzeitig war es notwendig, mir das einmal deutlich vor Augen zu führen, um endlich davon loszukommen.

Diese hinderlichen Überzeugungen habe ich mir irgendwann angeeignet, als sie einen Sinn hatten. Es ist schlimm genug, dass es eimal so war. Heute stehen sie mir dabei im Weg, ein selbstbestimmtes, angstfreies Leben zu führen – das Verprechen der individuellen Freiheit einzufordern, das eine moderne westliche Gesellschaft bietet.

Das ist es also, was meine Kräfte zum Schwinden brachte und mich stets verzweifeln ließ. Das ist die alte Schwachstelle des Helden.

Denn wenn ich mich selbst nicht in Ordnung finde, wie soll ich dann anderen gegenüber authentisch sein? Der verspürte Zwang, etwas leisten zu müssen, ist das perfekte Rezept, um mich selbst zu vernachlässigen.

„Guten Tag, ich will mein Leben zurück (…) Euer Leben zwickt und drückt nur dann nicht, wenn man sich bückt“ – Wir Sind Helden: „Guten Tag“

Jeder braucht Anerkennung – aber wenn es die nur gibt, wenn man sich verstellt oder Teile seiner Persönlichkeit nicht einbringen kann, kann das nicht gesund sein.

„Du musst etwas leisten, damit die anderen Dich akzeptieren“ ist eine völlig falsche Idee. Denn das beinhaltet nie ein Akzeptieren, von Anfang an nicht. Im Gegenteil, da sind Minderwertigkeit und fehlender Selbstwert eingebaut.

Ohnehin ist „die anderen oder Du“ eine falsche Dichotomie. Richtig ist, dass es oft gerade kein Nullsummenspiel ist; die anderen profitieren davon, wenn es mir selbst gut geht. Das war ein Teil meiner Überraschung beim Feststellen des Offensichtlichen, als ich so positive Rückmeldungen über meine Ausstrahlung bekam: Natürlich ist das auch für andere gut!

Ich kann meine Gegner im Geiste klar benennen. Das ist die beste Voraussetzung, um auch aus dieser Krise stärker als zuvor hervorzugehen.

Fehlt nur noch ein wenig Helden-Begleitmusik. Da kommt Power Metal von Freedom Call ganz recht!

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