Der innere Dialog

Ich bin auf der Suche nach dem verlorenen Groove. Drei Blogeinträge fassen jeweils alle Blogeinträge aus einem Quartal zusammen:

Zuletzt habe ich darüber gebloggt, meine Sehnsucht zu bewahren, Wegweiser fürs neue Jahr, den Kurs zu halten, Erkenntnisse, die den Blick verändern, einen Lernerfolg, dass ich die ganze Zeit ok war, Probleme, die tatsächlich Lösungen sind, emotionale Intelligenz sowie Hochsensibilität.

Sandra Quedenbaum hat mich mit ihren Beiträgen noch auf eine weitere Sache aufmerksam gemacht. Wie üblich hat sie sowohl ein Video als auch einen Texte dazu:

Hochsensibilität – Wenn wir uns selbst mobben – Der innere Dialog auf den Prüfstand

Ich hatte am Anfang meiner Suche bereits drei erschreckende Beispiele für meine innere Stimme notiert. Mir sind mit etwas Konzentrieren noch drei weitere eingefallen:

  1. Du kannst nicht geliebt werden.“
  2. „Du bist schwierig.“
  3. „Deine Gefühle sind eine große Last.“

Es gibt noch weitere, die noch heftiger sind und die ich nicht öffentlich aufschreiben möchte. Was sie alle gemeinsam haben: In den guten Zeiten verstummten sie, nur um danach umso stärker wieder zu ertönen. Das hing eng damit zusammen, zu glauben, wenn eine gute Phase in meinem Leben zuende ging, hätte ich etwas falsch gemacht und würde nun dafür bestraft.

Jedes Beziehungsende war eine Katastrophe. Bösartig triumphierend rief mir mein innerer Kritiker zu: „Ich habe Dir doch die ganze Zeit gesagt, dass man Dich nicht lieben kann! Aber Du wolltest ja nicht hören! Ha! Das hast Du nun davon!“ Darum war anders sein immer besonders schrecklich für mich: „Wann akzeptierst Du endlich, dass Du anders bist als alle anderen und einfach nicht bekommen kannst, was sie haben? Du immer mit Deinen Gefühlen – jetzt fange nicht auch noch damit an! Gib endlich Ruhe!“

Das brachte mich auch dazu, dass ich die Fürsorge, die ich für andere selbstverständlich hatte, nicht für mich selbst aufbringen konnte. Ich brauchte eine sehr lange Reise ins Ich, um das zu merken, so stark war alles auf Ablenkung und Ignorieren gepolt. „Wenn Du an Dich selbst denkst, wird Dir etwas Schlimmes passieren!“ – eine weitere schreckliche innere Stimme.

Diese inneren Dialoge waren eine selbsterfüllende Prophezeihung: Wer so durchs Leben geht, der kann nur unter extrem glücklichen Umständen aus diesem Zustand ausbrechen. Der innere Kritiker war also keine sinnvolle Warnung, um mich zu schützen, sondern hat mich viele Jahren zu Boden gedrückt.

Ich weiß aus Erfahrung, dass es schwer ist, sich einen anderen Dialog anzugewöhnen. Es fühlt sich sehr künstlich und gezwungen an. Gerade das „zu etwas gezwungen werden, das man nicht fühlt“ war außerdem in der aktuellen persönlichen Krise Teil meines Problems. Es ist also verständlich, wenn sich meine Psyche nun umso heftiger dagegen wehrt.

In den letzten Monaten hat sich mein innerer Dialog zum Glück stark verändert: Die sehr negativen Be- und Verurteilungen kommen nur noch sehr selten durch. Es ist mir allerdings nicht klar, was was verursacht hat: Musste es mir erst besser gehen, damit sich der innere Dialog veränderte oder war es umgekehrt? Es kommt mir so vor, als ging beides wechselseitig in kleinen Schritten voran.

In den guten Zeiten sind andere Dialoge mit mir selbst möglich. Ich brauche dafür eine gewisse Ruhe, um mich auf mich selbst einzuschwingen. Wenn ich es schaffe, mich so wie in den letzten Wochen auf mich selbst und meine Bedürfnisse und Fähigkeiten zu konzentrieren, bin ich dem Groove deutlich näher. Ich habe diese Konzentrationsübung „the inner game“ genannt. Anstatt irgendetwas aktiv zu machen (und sich dabei selbst zu verlieren und auszubrennen), ist der Fokus nach innen gerichtet. Kurioserweise richtet das mehr aus als viele äußere Aktivitäten, obwohl sich in der restlichen Welt nichts verändert.

Es kostet sehr viel Kraft, nicht auf die Stimmen zu hören, die mir zurufen, dass ich unnütz bin, wenn ich nichts für andere leiste, dass ich fürchterlich egoistisch bin, wenn ich an mich selbst denke, und dass zur Ruhe zu kommen eine Katastrophe ist, weil ich die Zeit „besser verbringen müsste“. Aber derzeit sage ich mir selbst: Das ist das beste, was ich machen kann. Die anderen Optionen habe ich alle durch. Sogar mehrfach. Zeit, etwas daraus zu lernen.

3 Gedanken zu „Der innere Dialog

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