Barcelona

Es ist schon August, aber ich habe immer noch etwas über den Juni zu schreiben. So kann’s gehen!

Barcelona hat viel zu bieten! Nach dem ersten Abend mit viel Musik und einem langen Spaziergang durch Gracia am nächsten beschloss ich, auch einige der üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Statt nur einem der vorgeschlagenen Gänge aus meinem Reiseführer machte ich jedoch gleich drei an einem Stück! So gelangte von Gracia aus zu Fuß bis zu den Ramblas (berühmte Einkaufspassage), von dort bis zum Hafen und dann an den Strand.

Es war ein schöner Sommertag, die Leute sonnten sich und badeten oder flanierten wie ich am Meer entlang. Gerade dann überkam mich ein weiteres Mal eine Art Außenblick auf mich selbst. Ein Mann über 30, der aus seinem normalen Alltag ausgebrochen ist. Es waren drei Wertungen, die mir gleichzeitig in den Kopf kamen:

  1. Was für ein Verlierer! Irrt alleine in einem fremden Land am Strand entlang und will das als Erfolg verkaufen. Andere in seinem Alter haben Frau, Nachwuchs und Eigenheim! In Wirklichkeit kann er weder vor der Welt noch vor sich selbst verleugnen, dass er in seinem normalen Leben nichts mehr auf die Kette kriegt. Man kann nicht vor seinen Problemen flüchten – irgendwann holen sie einen ein.
  2. Eine vernünftige Reaktion auf die persönliche Situation. Nachdem er in seinem Leben in eine Sackgasse geraten war, hat er sich Zeit zur Orientierung genommen. Es vielleicht nicht das größte Abenteuer, das man in einem Jahr machen kann, aber dafür an den eigenen Träumen orientiert und bisher doch erstaunlich gut umgesetzt.
  3. Was für ein cooler Typ! Anstatt sich weiterhin – zumindest scheinbar – völlig sinnlos abzurackern, hat er all den Anforderungen eine Absage erteilt und macht jetzt das, worauf er Bock hat. Ein verlässlicher, geduldsamer Kerl, der eigentlich nur ein nützliches Mitglied der Gesellschaft sein wollte und der alles hinwirft, als das nicht geht – das ist das Klischee, aus dem die Heldengeschichten sind! Wer möchte nicht einmal gegen den ganzen Alltag rebellieren? Viele trauen sich jedoch nie, eine Weile auszusteigen.

Diese drei Deutungen begleiten mich schon eine ganze Weile. Kurioserweise sind sie nicht miteinander vereinbar und es gelingt mir nicht, zu entscheiden, welche von den dreien richtig ist.

Das klingt negativ? Ist es überhaupt nicht, denn als ich das Jahr Auszeit begann, da war eine Deutung für mich klar – die pessimistische. Unsicherheit in diese Sicht zu bringen, war ein Schritt vorwärts. (Wie ich im Rückblick auf den Juli geschrieben habe, ist glücklicherweise selbst diese uneindeutige Sicht schon wieder veraltet. Ein Grund mehr, darüber in Ruhe zu berichten, um festzustellen, was ich hinter mir gelassen habe!)

Zurück fuhr ich mit der Metro. Zum Abendessen ging ich in das Lokal La Terreta, das mir die Esperanto-Freundin aus Barcelona, die aus Neapel stammt, empfohlen hatte und das einem Esperanto-Freund von mir aus Valencia gehört. Ich hatte ihn eine ganze Weile nicht gesehen und stapfte unangekündigt einfach herein. Im Fernsehen lief Fußball, alle starrten gebannt darauf – da dreht plötzlich einer seinen Kopf, sieht mich, schaut mich ungläubig an. Das war ein Hallo!

Wir setzten uns an die Theke, aßen und tranken, redeten miteinander. Was für ein unglaubliches Gefühl: Man reist zum ersten Mal in ein Land, kehrt in ein richtig typisch einheimisches Lokal ein und der Wirt kennt einen seit über 20 Jahren und man plaudert über alte Zeiten und Neues aus dem Leben.

Ich habe nebenbei noch eine CD mit Musik auf Katalanisch gekauft (und zwei geschenkt bekommen). In „La Terreta“ läuft die ganze Zeit nur katalanische Musik, was ich sehr begrüße, und gute noch dazu! Ich habe mir noch eine Liste von interessanten Musikgruppen gemacht.

„La Terreta“ liegt ganz nahe an der Metrostation „La Fontana“ und in Gracia, das ich ja sowieso schon schätze. Hier treffen sich auch Leute, um ihr Deutsch zu praktizieren, und an zwei Tafeln an der Wand ist ein wenig Esperanto-Grammatik angebracht.

Ich bin übrigens einen Tag später wieder dorthin zum Abendessen gegangen, weil es mir so gut geschmeckt hat. Die Spezialität sind Pellkartoffeln mit verschiedenen Soßen – sehr empfehlenswert!

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5 Gedanken zu „Barcelona

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